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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung</journal-title>
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<subject>Interview</subject>
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<article-title>&#187;Die Wirklichkeit allein reicht nicht aus&#171;. Interview mit Sandra Wollner</article-title>
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<surname>Spiegel</surname>
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<email>simon@simifilm.ch</email>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Seminar f&#252;r Filmwissenschaft, Universit&#228;t Z&#252;rich, CH</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2023-11-28">
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<license-p>Die Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung ist eine Open-Access-Zeitschrift mit Peer-Review-Verfahren, die von der Open Library of Humanities ver&#246;ffentlicht wird. &#x00A9; 2023 Der/die Autor*innen. Dieser Open-Access-Beitrag ist lizenziert durch die Creative-Commons Lizenz BY-SA. Diese Lizenz erlaubt es Wiederverwender*innen, das Material in jedem Medium oder Format zu verteilen, zu remixen, anzupassen und darauf aufzubauen, solange der/die Urheber*in genannt wird. Die Lizenz erlaubt die kommerzielle Nutzung. Wenn Sie das Material neu mischen, anpassen oder darauf aufbauen, m&#252;ssen Sie das modifizierte Material unter identischen Bedingungen lizenzieren. Vgl. <uri>https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de</uri>.</license-p>
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<p>Austrian filmmaker Sandra Wollner talks about her movie T<sc>he</sc> T<sc>rouble with</sc> B<sc>eing</sc> B<sc>orn</sc>.</p>
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<p>Innerhalb des SF-Kinos geh&#246;ren Roboter, Androiden und andere Formen von k&#252;nstlichen Menschen<xref ref-type="fn" rid="n1">1</xref> zweifellos zu den h&#228;ufigsten Motiven; sie sind &#187;one of the most important tropes in sf and arguably the most powerful image of the sf cinema&#171; (<xref ref-type="bibr" rid="B23">Telotte, <italic>Robot Ecology</italic> 3</xref>). Bereits in Fritz Langs M<sc>etropolis</sc> (DE 1927) kommt dem &#187;Maschinenmenschen&#171; eine wichtige Rolle zu, und seit den 1950er-Jahren hat das US-Kino zahlreiche ikonische Roboter hervorgebracht; von Gort in T<sc>he</sc> D<sc>ay the</sc> E<sc>arth</sc> S<sc>tood</sc> S<sc>till</sc> (<xref ref-type="bibr" rid="B16">D<sc>er</sc> T<sc>ag, an dem die</sc> E<sc>rde stillstand</sc>, US 1951, Regie: Robert Wise</xref>, <xref ref-type="fig" rid="F1">Abb. 1</xref>), Robby aus F<sc>orbidden</sc> P<sc>lanet</sc> (<xref ref-type="bibr" rid="B9">A<sc>larm im</sc> W<sc>eltall</sc>, US 1956, Regie: Fred M. Wilcox</xref>) und dem Gunslinger aus W<sc>estworld</sc> (US 1973, Regie: Michael Crichton) &#252;ber die Replikanten in B<sc>lade</sc> R<sc>unner</sc> (<xref ref-type="bibr" rid="B6">D<sc>er</sc> B<sc>lade</sc> R<sc>unner</sc>, US 1982, Regie: Ridley Scott</xref>), dem Terminator aus James Camerons gleichnamigen Film (<xref ref-type="bibr" rid="B18">US 1984</xref>) und Nummer 5 aus S<sc>hort</sc> C<sc>ircuit</sc> (<xref ref-type="bibr" rid="B15">N<sc>ummer</sc> 5 <sc>lebt</sc>, US 1986, Regie: John Badham</xref>) bis zur Titelfigur von WALL&#183;E (<xref ref-type="bibr" rid="B20">WALL&#183;E &#8211; D<sc>er</sc> L<sc>etzte r&#228;umt die</sc> E<sc>rde auf</sc>, US 2008; Regie: Andrew Stanton</xref>) wimmelt es in der SF von markanten k&#252;nstlichen Menschen.</p>
<fig id="F1">
<label>Abb. 1</label>
<caption>
<p>Gort in T<sc>he</sc> D<sc>ay the</sc> E<sc>arth</sc> S<sc>tood</sc> S<sc>till</sc></p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zff-11-1-11529-g1.jpg"/>
</fig>
<p>Je nach Film kommen dem Roboter ganz unterschiedliche erz&#228;hlerische Funktionen zu, wobei sich &#252;ber die Jahrzehnte hinweg eine allm&#228;hliche Ausdifferenzierung beobachten l&#228;sst. Wie Wolfgang Ruge in seiner Studie zum Thema argumentiert, erweitert sich das Arsenal m&#246;glicher &#8250;Roboter-Rollen&#8249; sukzessive.<xref ref-type="fn" rid="n2">2</xref> Typische 1950er-Roboter wie Robby und Gort sind schon auf den ersten Blick als Maschinen erkennbar und haben eine rein dienende Funktion. Obwohl beide &#252;ber au&#223;erordentliche F&#228;higkeiten verf&#252;gen und insbesondere Gort ganze Armeen zerst&#246;ren kann, f&#252;hren diese &#187;dienenden Einzelst&#252;cke&#171; (<xref ref-type="bibr" rid="B21">Ruge 91</xref>) lediglich aus, was ihnen aufgetragen wird. Generell verf&#252;gen filmische Roboter zu diesem Zeitpunkt nicht &#252;ber ein echtes Bewusstsein, sind keine Pers&#246;nlichkeiten mit einem Gef&#252;hlsleben und stellen nur dann eine Gefahr dar, wenn ihnen jemand einen entsprechenden Befehl erteilt hat.</p>
<p>Ab Mitte der 1960er-Jahre beginnt sich dies dann zu &#228;ndern &#8211; Roboter entwickeln nun allm&#228;hlich ein Bewusstsein; parallel setzt eine Entwicklung zu immer menschen&#228;hnlicheren k&#252;nstlichen Menschen ein. Einen wichtigen Schritt stellt hier 2001: A S<sc>pace</sc> O<sc>dyssey</sc> (<xref ref-type="bibr" rid="B1">2001: O<sc>dyssee im</sc> W<sc>eltraum</sc>, GB/US 1968, Regie: Stanley Kubrick</xref>) dar. HAL 9000 ist zwar mehr station&#228;rer Supercomputer als (mobiler) Roboter, wirkt dank perfekter Sprachsynthese aber bereits sehr menschlich. F&#252;nf Jahre sp&#228;ter tritt mit dem Gunslinger aus W<sc>estworld</sc> dann gewisserma&#223;en das Gegenst&#252;ck zu HAL auf. &#196;u&#223;erlich ist dieser Western-Themenpark-Roboter nicht von einem Menschen zu unterscheiden, sein Innenleben ist dagegen ziemlich primitiv. Er ist darauf programmiert, Streit mit den Besuchern vom Zaun zu brechen, um sich dann von ihnen niederschie&#223;en zu lassen.</p>
<p>So unterschiedlich diese beiden Maschinen in Aussehen und Funktionsweise sind, ist es wohl kein Zufall, dass k&#252;nstliche Gesch&#246;pfe im Film just dann zum Problem werden, wenn sie sich nicht mehr eindeutig von Menschen unterscheiden lassen. Die Hybris des Menschen, sein Ebenbild erschaffen zu wollen, r&#228;cht sich in beiden F&#228;llen, und sowohl HAL als auch der Gunslinger werden aus unklaren Gr&#252;nden zu M&#246;rdern.</p>
<p>Die bisher skizzierte Entwicklungsgeschichte ist nicht so zu verstehen, dass die neuen Robotervarianten die bisherigen ersetzten, vielmehr vergr&#246;&#223;ert sich das Arsenal zusehends, stehen Filmschaffenden mehr und mehr Varianten zur Verf&#252;gung. Zu Beginn der 1980er-Jahre erweitert sich die Palette noch mehr. Auf der einen Seite erscheint mit T<sc>he</sc> T<sc>erminator</sc> ein stilbildender Film, bei dem der k&#252;nstliche Mensch im permanenten Kriegszustand mit echten Menschen steht. Bereits zwei Jahre fr&#252;her kommt mit B<sc>lade</sc> R<sc>unner</sc> ein mindestens ebenso einflussreicher Film ins Kino, der f&#252;r eine andere, tendenziell friedlichere Entwicklungslinie steht.</p>
<p>Ridley Scotts Film und der im gleichen Jahr erschienene, heute aber weitgehend unbekannte A<sc>ndroid</sc> (<xref ref-type="bibr" rid="B3">D<sc>er</sc> A<sc>ndroid</sc>, US 1982, Regie: Aaron Lipstadt</xref>) verschieben den Fokus grundlegend. Bis zu diesem Zeitpunkt sind Roboter meist Antagonisten oder lustige Sidekicks; in B<sc>lade</sc> R<sc>unner</sc> hingegen treten Replikanten auf, die sich nicht nur &#228;u&#223;erlich in nichts von Menschen unterscheiden, sondern die auch &#252;ber ein voll entwickeltes Gef&#252;hls- und Seelenleben verf&#252;gen und entsprechend ihre Rechte einfordern. Wenn sich k&#252;nstliche Wesen nicht mehr von Menschen unterscheiden lassen, wird der Mensch als Ganzes in Frage gestellt. &#187;Increasingly, works like B<sc>lade</sc> R<sc>unner</sc> and A<sc>ndroid</sc> articulate a simple yet ever more pressing question: what does it mean to be human in the modern world?&#171; (<xref ref-type="bibr" rid="B22">Telotte, <italic>Replications</italic> 20</xref>).</p>
<p>Etwas &#252;berspitzt gesagt hat sich der SF-Film seither kaum weiterentwickelt. Im Grunde ist auch ein Film wie der mehr als drei&#223;ig Jahre nach B<sc>lade</sc> R<sc>unner</sc> erschienene E<sc>x Machina</sc> (GB 2015, Regie: Alex Garland) blo&#223; eine weitere, wenn auch sehr reflektierte Variation des bereits durch B<sc>lade</sc> R<sc>unner</sc> etablierten Themas.</p>
<p>Eine grundlegend neue Variante pr&#228;sentiert hingegen Sandra Wollners T<sc>he</sc> T<sc>rouble with</sc> B<sc>eing</sc> B<sc>orn</sc> (AU/DE 2020). Hauptfigur ist Elli, ein Androide in Gestalt eines zehnj&#228;hrigen M&#228;dchens. Zu Beginn &#8250;lebt&#8249; Elli bei Georg, den sie &#8250;Papa&#8249; nennt. Dass Elli kein Mensch ist, wird relativ schnell klar. Ebenso, dass in der Beziehung zwischen den beiden etwas ganz grundlegend nicht stimmt. Georg, der kaum mit anderen Menschen interagiert, h&#228;ngt offensichtlich sehr an Elli, die ihm allem Anschein nach als Ersatz f&#252;r seine leibliche Tochter dient. Was mit ihr sowie ihrer Mutter geschehen ist, l&#228;sst der Film offen. Was hingegen immer deutlicher wird, ist, dass Elli f&#252;r Georg nicht nur Tochterersatz, sondern auch Sexroboter ist.</p>
<p>Was in dieser Beschreibung schockierend und auch tendenziell problematisch wirken mag, ist in der Wirkung zwar nicht angenehm, aber dennoch ganz anders, als man vielleicht erwarten w&#252;rde. T<sc>rouble</sc> erz&#228;hlt nicht die Geschichte einer geschundenen Kreatur, der Roboter steht nicht stellvertretend f&#252;r die Opfer kapitalistischer Ausbeutung (um eine g&#228;ngige Leseweise der Replikanten aus B<sc>lade</sc> R<sc>unner</sc> aufzugreifen). Vielmehr macht der Film stets von Neuem deutlich, dass Elli eine Maschine und einzig und allein darauf ausgerichtet ist, ihren Besitzer zufrieden zu stellen; ein Androide ohne Bewusstsein oder Gef&#252;hle, der sich stets der jeweiligen Situation anpasst. So erz&#228;hlt Georg in einer fr&#252;hen Szene von einer Ferienerinnerung mit seiner realen Tochter und somit von einem Erlebnis, das Elli nicht erlebt hat. Kurz danach sieht man Elli am Fenster stehen und vertr&#228;umt in eben dieser Erinnerung schwelgen (<xref ref-type="fig" rid="F2">Abb. 2</xref>). Sie hat registriert, dass Georg diese Reminiszenz viel bedeutet und sie sich folglich sofort zu eigen gemacht.</p>
<fig id="F2">
<label>Abb. 2</label>
<caption>
<p>Elli (Lena Watson) schwelgt in Erinnerungen an Ereignisse, die sie nicht erlebt hat</p>
</caption>
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</fig>
<p>Schaut man den Film zum ersten Mal, erwartet man fast automatisch, dass dieser grob dem von B<sc>lade</sc> R<sc>unner</sc> etablierten Modell folgen wird, dass Elli also ein Bewusstsein entwickeln wird und wir als Zuschauer:innen empathisch mit ihr mitf&#252;hlen werden. Doch entgegen allen Genrekonventionen findet diese Entwicklung sowie eine daraus folgende Emanzipation des Androiden nicht statt. Vielmehr wird Elli im Verlauf des Filmes zusehends fremder und unheimlicher. Dies gilt insbesondere f&#252;r den zweiten Teil: Elli ist nun nicht mehr bei Georg, sondern bei der 70-j&#228;hrigen Anna, wo sie als Ersatz f&#252;r Emil, Annas j&#252;ngeren Bruder, der im Kindesalter verstorben ist, fungiert. Auch in dieser neuen Umgebung passt sich Elli respektive Emil ganz an die Situation an und gewinnt allm&#228;hlich das Zutrauen der zu Beginn skeptischen Anna. Doch da Emils unter Georg antrainierte Muster noch nachwirken und der Androide Menschen eben nicht versteht, sondern lediglich seiner Programmierung folgt, kann er die Situation nicht richtig einsch&#228;tzen und macht gegen&#252;ber Anna sexuelle Avancen. Die Folgen sind fatal.</p>
<p>Man kann T<sc>he</sc> T<sc>rouble with</sc> B<sc>eing</sc> B<sc>orn</sc> somit als n&#228;chsten Schritt in der skizzierten Entwicklungsgeschichte filmischer Roboter sehen. Steht bei vielen Androiden-Filmen in der Nachfolge von B<sc>lade</sc> R<sc>unner</sc> die Ununterscheidbarkeit von Mensch und Maschine im Zentrum, wird diese Differenz in Wollners Film immer wieder von Neuem hervorgehoben. Der Effekt ist dabei ein ganz anderer als bei fr&#252;heren Film-Robotern. Unsere Empathie mit Robotern wie Robby oder Gort ist sehr begrenzt. Das liegt nicht zuletzt am Aussehen, dass jederzeit deutlich macht, dass wir es mit einer Maschine zu tun haben.<xref ref-type="fn" rid="n3">3</xref> Elli wird hingegen von einem M&#228;dchen gespielt und sieht aus wie ein Mensch. So l&#228;dt uns T<sc>he</sc> T<sc>rouble with</sc> B<sc>eing</sc> B<sc>orn</sc> immer wieder dazu ein, Elli als Kind wahrzunehmen &#8211; so wie es Georg und Anna auch tun &#8211;, nur um dann doch wieder zu unterstreichen, dass wir es mit einer gef&#252;hllosen Maschine zu tun haben.</p>
<p>Ein vergleichbarer Film, den Wollner im Interview auch explizit als Referenz angibt, ist Jonathan Glazers U<sc>nder the Skin</sc> (<xref ref-type="bibr" rid="B19">U<sc>nder the</sc> S<sc>kin</sc> &#8211; U<sc>nter die</sc> H<sc>aut</sc>, GB/US/CH 2013</xref>), dessen Hauptfigur ein au&#223;erirdisches Wesen in Frauengestalt ist, das Jagd auf alleinstehende M&#228;nner macht (<xref ref-type="fig" rid="F3">Abb. 3</xref>). Neben zahlreichen formalen Gemeinsamkeiten zeichnen sich beide Filme durch ihre dezidiert nicht-menschlichen Protagonisten aus, deren Fremdheit bis zum Schluss erhalten bleibt und sich auch und gerade in der &#228;sthetischen Gestaltung niederschl&#228;gt. In beiden Filmen sehen und h&#246;ren wir mit fremden Augen respektive Ohren.</p>
<fig id="F3">
<label>Abb. 3</label>
<caption>
<p>U<sc>nder the</sc> S<sc>kin</sc></p>
</caption>
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</fig>
<p>T<sc>he</sc> T<sc>rouble with</sc> B<sc>eing</sc> B<sc>orn</sc> ist Wollners Abschlussarbeit an der Filmakademie Baden-W&#252;rttemberg. Aber obwohl es sich &#8250;nur&#8249; um einen Abschlussfilm handelt, wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem dem &#214;sterreichischen Filmpreis in vier Kategorien (darunter. Bester Spielfilm und Beste Regie). Trotz dieser Ehrungen hatte der Film aber nur eine minimale Kinoauswertung und ist auch in SF-Kreisen praktisch unbekannt.</p>
<p><bold>ZFF: Sandra Wollner, dieses Interview erscheint in der <italic>Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung</italic>, und damit geht bereits gewisse Einteilung einher; wir verstehen T<sc>he</sc> T<sc>rouble with</sc> B<sc>eing</sc> B<sc>orn</sc> als SF oder zumindest als diesem Genre nahestehend. K&#246;nnen Sie mit diesem Label &#252;berhaupt etwas anfangen?</bold></p>
<p>Sandra Wollner: Mit SF kann ich an sich schon etwas anfangen, ich sehe mich aber nicht als Liebhaberin eines bestimmten Genres. In gewissem Sinne ist T<sc>rouble</sc> auch zu &#187;klein&#171; f&#252;r SF. Was ich damit meine, ist, dass ich nie ernsthaft versucht habe, mir zu &#252;berlegen, wie eine glaubhafte Zukunft aussehen k&#246;nnte. Ich habe eher auf der Basis der Gegenwart etwas vermeintlich Zuk&#252;nftiges fabuliert. Allerdings war mein Ansatzpunkt nicht, dass ich einen SF-Film machen wollte. Es war vielmehr so, dass ich diese Geschichte nur als SF erz&#228;hlen kann. Das Genre ist f&#252;r mich letztlich eine H&#252;lle f&#252;r universelle Themen, quasi ein Weiterdenken, was der Mensch sein kann.</p>
<p><bold>ZFF: Seit einiger Zeit ist der Begriff des Worldbuilding sehr popul&#228;r, also die Vorstellung, dass es in Genres wie SF aber auch Fantasy darum geht, eine m&#246;glichst detaillierte und in sich stimmige Welt zu entwerfen. Das war nicht, was Sie an dem Stoff interessiert hat?</bold></p>
<p>Sandra Wollner: Eine in sich stimmige Welt muss es ja immer sein, egal in welchem Genre. F&#252;r mich stand aber nicht im Vordergrund, ein pr&#228;zises Zukunftsszenario abzubilden. Das machen andere bedeutend besser. Was mich an dem Stoff interessiert hat, war nicht, wie sich neue Technologien in Zukunft auf uns auswirken werden, sondern welche Aspekte des Menschseins von uns entwickelte Technologien widerspiegeln: wie wir selbst immer &#187;ghosts in the shell&#171; sind und waren. Man k&#246;nnte sagen, dass ich das Genre lediglich als &#187;H&#252;lle&#171; verwendet und nicht in seiner G&#228;nze ausgereizt habe. Da hatte ich andere Vorbilder.</p>
<p><bold>ZFF: Da Sie von Vorbildern sprechen. Welche w&#252;rden Sie da denn nennen?</bold></p>
<p>Sandra Wollner: Als ich mit dem Schreiben begann, gab es noch keinen Roboter. Es war die Geschichte eines M&#228;dchens, das kein Mensch sein m&#246;chte. Sie sp&#252;rt diesen Wunsch, ihre menschliche Perspektive zu verlassen, den Blick auf eine vermeintlich ontische Realit&#228;t zu werfen. W&#228;hrend des Schreibens arbeite ich oft recht eklektisch bzw. versuche, mich in dem Prozess bewusst gegen die Linearit&#228;t des Papiers zu stellen und den Bildern, von denen ich noch nicht wei&#223;, wohin sie wollen, Raum zu geben.</p>
<p>Als Kind der Postmoderne, k&#246;nnte man salopp sagen, bediene ich mich im Grunde &#252;berall und baue eine Collage, die ich dann am Ende entziffern kann. Ich schreibe erstmal los, dann interpretiere ich, dann schreibe ich weiter. Irgendwann stie&#223; ich dann auf Verwandtschaften zu A<sc>u hasard</sc> B<sc>althazar</sc> (<xref ref-type="bibr" rid="B5">Z<sc>um</sc> B<sc>eispiel</sc> B<sc>althasar</sc>, FR 1966, Regie: Robert Bresson</xref>). Bresson erz&#228;hlt darin die Geschichte eines Esels, der als eine Art passiv Leidender durch die Welt zieht, dabei aber alles &#252;ber sich ergehen l&#228;sst (<xref ref-type="fig" rid="F4">Abb. 4</xref>). U<sc>nder the</sc> S<sc>kin</sc> war eine andere Referenz. Auf den ersten Blick m&#246;gen es ganz unterschiedliche Filme sein, aber ich sehe sehr viele Gemeinsamkeiten zwischen A<sc>u hasard</sc> B<sc>althazar</sc> und U<sc>nder the</sc> S<sc>kin</sc>; in beiden F&#228;llen geht es darum, wie sich etwas Nicht-Menschliches durch die Welt bewegt &#8211; unter dem Blick des Menschen. Die vermeintlich naheliegenden SF-Klassiker wie B<sc>lade</sc> R<sc>unner</sc> oder G<sc>host in the</sc> S<sc>hell</sc> (<xref ref-type="bibr" rid="B10">JP 1995, Regie: Mamoru Oshii</xref>) waren dagegen sehr viel weniger wichtig, da ich das Gef&#252;hl hatte, dass ich hier nichts beitragen kann. Ich kann nichts Kl&#252;geres erz&#228;hlen, als das, was diese Filme ohnehin schon leisten.</p>
<fig id="F4">
<label>Abb. 4</label>
<caption>
<p>A<sc>u hasard</sc> B<sc>althazar</sc></p>
</caption>
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</fig>
<p><bold>ZFF: Und wie sind Sie von dieser Idee zum Sexroboter gekommen?</bold></p>
<p>Sandra Wollner: Das war die Idee von Roderick Warich, einem befreundeten Filmemacher, mit dem ich bei diesem Projekt erstmals zusammengearbeitet habe. Er meinte halb im Scherz, ich solle doch einen Film &#252;ber einen &#8211; plakativ gesagt &#8211; minderj&#228;hrigen Sexroboter machen. Das war, wie gesagt, nicht wirklich ernst gemeint, aber ich habe gemerkt, dass das genau das Setting ist, das ich gesucht habe. Mir wurde klar, dass mir das einen Rahmen f&#252;r das gibt, was ich da zusammenfabuliert habe, und dass das Resultat eben nicht eine typische B<sc>lack</sc>-M<sc>irror</sc>-Folge w&#228;re. Das ist nicht abwertend gemeint. Aber mein Ausgangspunkt war eben nicht SF.</p>
<p><bold>ZFF: Man kann filmgeschichtlich eine Entwicklung nachzeichnen: Von den Robotern und KIs in den 1950er-Jahren, die noch keine Pers&#246;nlichkeit haben und prim&#228;r Werkzeuge sind, &#252;ber Filme wie 2001, wo sich die Frage stellt, ob HAL aus b&#246;ser Absicht agiert, bis zu B<sc>lade</sc> R<sc>unner</sc>, bei dem die Frage zentral wird, was Mensch und Maschine unterscheidet respektive was den Mensch zum Menschen macht. Das ist aber nicht Ihr Thema, Sie interessieren sich f&#252;r eine dezidiert nicht-anthropozentrische Perspektive</bold>.</p>
<p>Sandra Wollner: Ja, es ist eine Art Anti-Pinocchio; es ist nicht der k&#252;nstliche Junge, der Mensch werden m&#246;chte, es ist die Geschichte einer Puppe, die alles m&#246;chte, was wir von ihr wollen. Egal, wie abgr&#252;ndig es auch erscheinen mag. Und eben durch diesen Abgrund, dadurch, dass diese Androidin Dinge &#8250;mag&#8249;, die f&#252;r uns unaussprechlich sind, wirft sie einen nicht-menschlichen Blick auf uns zur&#252;ck. Sie kopiert menschliche Emotionen, aber setzt sie in einen unaushaltbaren, teilweise absurden Kontext. Die Frage, wie es uns gelingen kann, aus unserer eigenen Perspektive auszubrechen, ist etwas, das mich auch pers&#246;nlich besch&#228;ftigt. Und durch Geschichten, durch Kunst k&#246;nnen wir in andere Perspektiven schl&#252;pfen, aber unser Filter &#187;Mensch&#171; ist ja dennoch immer dazwischen. Vielleicht, so viel Vorstellungskraft habe ich dann doch, gelingt das ja in einer Zukunft: Wenn wir an eine KI denken, die ihren &#187;Sch&#246;pfer&#171; &#252;bertrifft, die ein ganz eigenes System entwickelt, dann entsteht vielleicht etwas, das &#252;ber unseren menschlichen Blick hinausgeht, aber f&#252;r uns &#252;bersetzbar ist. Dann k&#246;nnen wir uns vielleicht wirklich von au&#223;en betrachten. Dann haben wir endlich unseren Gott geschaffen.</p>
<p><bold>ZFF: In der soeben skizzierten Entwicklungslinie kann man T<sc>rouble</sc> als n&#228;chsten logischen Schritt verstehen. Anders als bei B<sc>lade</sc> R<sc>unner</sc> und den zahlreichen folgenden Filmen von A.I. A<sc>rticifal</sc> I<sc>ntelligence</sc> (<xref ref-type="bibr" rid="B2">A.I. &#8211; K<sc>&#220;nstliche</sc> I<sc>ntelligenz</sc>, US 2001, Regie: Steven Spielberg</xref>) bis E<sc>x</sc> M<sc>achina</sc> geht es nicht mehr darum, wie menschlich Maschinen sind, ob sie vielleicht sogar die besseren Menschen sind. Stattdessen wird die Perspektive radikal verschoben. Ihr Film ist damit gewisserma&#223;en die n&#228;chste Stufe in dieser Entwicklungslinie</bold>.</p>
<p>Sandra Wollner: Es freut mich, dass Sie das so sehen. Filme wie A.I. und E<sc>x</sc> M<sc>achina</sc> waren insofern eine Referenz, als ich mir &#252;berlegt habe, was ich anders machen kann. Vor allem in Bezug auf das Pinocchio-Thema. Wenn ich mir T<sc>rouble</sc> heute anschaue, dann wirkt er auf mich wie das genaue Gegenst&#252;ck von Spielbergs A.I., bei dem die Pinocchio-Geschichte ja ganz zentral ist. Interessanterweise sind sich die beiden Filme dramaturgisch, im Aufbau des Plots, dann aber wieder erstaunlich &#228;hnlich. Aber das sind eben nicht Dinge, die bewusst geschehen sind.</p>
<fig id="F5">
<label>Abb. 5</label>
<caption>
<p>Sandra Wollner</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zff-11-1-11529-g5.jpg"/>
</fig>
<p><bold>ZFF: Man kann im neueren europ&#228;ischen Kino eine Tendenz beobachten, dass Filmemacher:innen, die eigentlich klar im Arthouse-Kontext zu verorten sind, SF-Filme drehen. Beispielsweise Filme wie L<sc>ittle</sc> J<sc>oe</sc> (<xref ref-type="bibr" rid="B13">L<sc>ittle</sc> J<sc>oe</sc> &#8211; G<sc>l&#220;ck ist</sc> E<sc>in</sc> G<sc>esch&#196;ft</sc>, AT/DE/GB 2019, Regie: Jessic Hausner</xref>), A<sc>niara</sc> (<xref ref-type="bibr" rid="B4">SW/DK 2018, Regie: Pella K&#229;german, Hugo Lilja</xref>), H<sc>igh</sc> L<sc>ife</sc> (<xref ref-type="bibr" rid="B11">FR/DE/PL/GB/US 2018, Regie: Claire Denis</xref>) oder der bereits erw&#228;hnte U<sc>nder the</sc> S<sc>kin</sc>. Das sind alles Filme von ausgesprochenen Autor:innen &#8211; interessanterweise oft Frauen. Auch T<sc>rouble</sc> kann hier dazugez&#228;hlt werden. Sehen Sie diese Entwicklung auch?</bold></p>
<p>Sandra Wollner: Ich denke schon. Allerdings betrifft sie in meinen Augen nicht nur SF, sondern generell den Umgang mit Genres. Ich denke, Genres bieten uns Schablonen, mit denen wir manche Dinge, die wir im Arthouse-Drama ausdr&#252;cken, viel direkter erz&#228;hlen k&#246;nnen. So sind in den vergangenen Jahren unz&#228;hlige Filme &#252;ber Parallelwelten erschienen; damit wird ein Thema, eine Frage, die es schon lange gibt &#8211; k&#246;nnte ich unter anderen Umst&#228;nden nicht ein ganz anderes Leben f&#252;hren? &#8211;, ganz direkt umgesetzt. Ein weiterer Grund ist wohl, dass wir &#252;berspitzt gesagt bereits alle Geschichten kennen. Etwas Neues scheint deshalb nur mit Collagen aus bekannten Genre-Elementen m&#246;glich. Deshalb erz&#228;hlen wir die bekannten Geschichten in neuen Welten, wobei das wirklich Interessante dann genau am &#220;bergang oder der L&#252;cke zwischen den Welten entstehen kann.</p>
<p><bold>ZFF: Hat sich auch das kulturelle Referenzsystem verschoben? Kann man heute leichter popkulturelle Motive aufgreifen?</bold></p>
<p>Sandra Wollner: Auf jeden Fall. F&#252;r meine Generation war beispielsweise T<sc>he</sc> M<sc>atrix</sc> (<xref ref-type="bibr" rid="B17">M<sc>atrix</sc>, US/AU 1999, Regie: Larry Wachowski, Andy Wachowski</xref>) ein Wendepunkt. Da wurde die Idee oder das Gef&#252;hl, dass die Welt nur eine Konstruktion sein k&#246;nnte, zu einem Thema der Popkultur. Aber der erste M<sc>atrix</sc>-Film musste noch eine Stunde damit verbringen zu erkl&#228;ren, was die Matrix &#252;berhaupt ist. Heute ist das eine etablierte Idee, mit der man spielen kann, und eine typische B<sc>lack</sc>-M<sc>irror</sc>-Folge handelt das in f&#252;nf Minuten ab. Oder nehmen wir E<sc>verything</sc> E<sc>verywhere</sc> A<sc>ll</sc> A<sc>t</sc> O<sc>nce</sc> (<xref ref-type="bibr" rid="B8">US 2022, Regie: Daniel Kwan, Daniel Scheinert</xref>): Die Filmemacher haben ihren Film selbst als &#187;M<sc>atrix</sc> auf dem Steueramt&#171; beschrieben. Und das trifft es ziemlich genau: Eine Mutter erlebt M<sc>atrix</sc> auf dem Steueramt. Was der Film tats&#228;chlich macht, ist, dass er Themen wie Identit&#228;t, Einwanderung und interkulturelle Konflikte, die typischerweise in Arthouse-Filmen verhandelt werden, in ein abgedrehtes SF-Setting verpflanzt.</p>
<p><bold>ZFF: T<sc>rouble</sc> war Ihr Abschlussfilm an der Filmakademie Baden-W&#252;rttemberg in Ludwigsburg, wo Sie Dokumentarfilm studiert haben. Hat hier bei Ihnen eine Entwicklung stattgefunden, dass Sie sich vom Dokumentarischen zur Fiktion bewegt haben, oder sind diese Bereiche f&#252;r Sie gar nicht so klar getrennt?</bold></p>
<p>Sandra Wollner: Ein Thema, das mich umtreibt, ist der Begriff unserer Realit&#228;ten. Vor meinem Studium habe ich sowohl in der Werbung als auch f&#252;r den aktuellen Dienst gearbeitet und auf dieser Weise die beiden vermeintlich gegens&#228;tzlichen Enden unserer Medienrealit&#228;ten kennengelernt. Dann bin ich beim Dokumentarfilm gelandet und habe in Ludwigsburg angefangen zu studieren. Dort konnte ich der Frage nach &#187;dem Realen&#171; weiter nachsp&#252;ren. Im zweiten Jahr habe ich dann einen Dokumentarfilm gedreht, bei dem ich allerdings Dinge inszeniert habe. Meine Pr&#228;misse war: Fiktion entlarvt die Realit&#228;t. F&#252;r L<sc>ouis und</sc> L<sc>uk</sc> (<xref ref-type="bibr" rid="B14">DE 2014</xref>) habe ich einen kleinen Jungen zu seinem imagin&#228;ren Freund befragt und auf der Basis dieses Audiodokuments Szenen mit ihm inszeniert. Szenen, die sich dokumentarisch anf&#252;hlen und die Realit&#228;t seiner Geschichte nachbilden, aber nicht die Realit&#228;t seines Alltags zeigen. Dar&#252;ber haben wir dann auch diskutiert an der Schule, es sind ja die alten Fragen des Dokumentarfilms: Wie stark greifen wir ein? Und ich habe bemerkt &#8211; so gerne ich auch beobachte, ich &#187;dichte&#171; doch viel lieber; konstruiere viel lieber Settings, innerhalb derer ich dann beobachten kann. Aus dieser Erkenntnis habe ich dann im dritten Jahr meinen ersten Spielfilm D<sc>as unm&#246;gliche</sc> B<sc>ild</sc> (<xref ref-type="bibr" rid="B7">AT/DE 2018</xref>) gedreht. Der Film spielt im Wien der 1950er-Jahre in einem Haushalt voller Frauen. In einer Ansammlung aus Super8-Filmen, gedreht von der 13-j&#228;hrigen Johanna, entsteht allm&#228;hlich eine Narration vor unseren Augen (<xref ref-type="fig" rid="F6">Abb. 6</xref>). Es ist ein Film dar&#252;ber, wie sich aus einzelnen Momenten allm&#228;hlich ein Ich, eine Erinnerung, eine Identit&#228;t zusammensetzt. T<sc>rouble</sc> war dann wie eine logische Fortf&#252;hrung.</p>
<fig id="F6">
<label>Abb. 6</label>
<caption>
<p>D<sc>as unm&#246;gliche</sc> B<sc>ild</sc></p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zff-11-1-11529-g6.jpg"/>
</fig>
<p><bold>ZFF: Sind Sie jetzt definitiv bei der Fiktion angekommen, oder k&#246;nnen Sie sich vorstellen, auch wieder Dokumentarfilme zu drehen?</bold></p>
<p>Sandra Wollner: Ich kann mir schon vorstellen, mal wieder einen Dokumentarfilm zu drehen. Ich merke aber auch, dass mich die Verantwortung gegen&#252;ber den Protagonisten, die ich als sehr wichtig empfinde, belastet. Mit Menschen zu arbeiten, die nicht sich selbst spielen, empfinde ich als regelrecht befreiend. Zudem erfinde ich einfach zu gerne, baue gerne Puzzles. Ich interpretiere lieber, anstatt nur zu beobachten.</p>
<p><bold>ZFF: Inwiefern zeigt sich hier eine spezifische &#246;sterreichische Filmtradition? Ulrich Seidl, um einen der bekanntesten zeitgen&#246;ssischen &#246;sterreichischen Regisseure zu nennen, bewegt sich in seinem Werk immer an der Grenze zwischen Fiktion und Nichtfiktion. &#196;hnlich bei Michael Haneke, wenn auch unter anderen Vorzeichen</bold>.</p>
<p>Sandra Wollner: Ich w&#252;rde die beiden nun nicht als meine direkten filmischen Vorbilder bezeichnen, aber nat&#252;rlich bin ich mit ihren Filmen aufgewachsen und wurde durch sie gepr&#228;gt. Und der &#246;sterreichische Film hat nun einmal diesen Stempel. Auch wenn es darum geht, Abgr&#252;nde zu bedienen. Ich frage mich allerdings, inwiefern das auch einen ganz pragmatischen Aspekt hat, dass z. B. die &#246;sterreichischen F&#246;rderstellen entsprechende Film eher zulassen als die deutschen, wo andere Filme stilbildend wirken. Man wei&#223; bei den relevanten Gremien mittlerweile, dass diese Filme funktionieren, dass es daf&#252;r ein Publikum gibt, und entsprechend wird auch mehr gef&#246;rdert.</p>
<p><bold>ZFF: Ihr Film behandelt mit einem minderj&#228;hrigen Sexroboter ein skandaltr&#228;chtiges Thema. Tats&#228;chlich hat der Film dann auch f&#252;r einen kleinen Skandal gesorgt, als das Melbourne Film Festival, wo er urspr&#252;nglich h&#228;tte laufen sollen, ihn wieder aus dem Programm genommen hat, weil zwei Psychologinnen ihn als &#187;child exploitation material&#171; bezeichnet haben. Inwiefern waren Sie sich dessen beim Schreiben bewusst und haben mit derartigen Reaktionen gerechnet? Und wie sehr mussten Sie sich in gewissen Moment zur&#252;cknehmen und Selbstzensur &#252;ben?</bold></p>
<p>Sandra Wollner: Selbstzensur gab es schon, aber weniger, weil ich Angst vor Reaktionen von au&#223;en hatte. Es war viel mehr eine Auseinandersetzung mit mir selbst. Ich habe lange geglaubt, dass ich den Film mit einer erwachsenen Schauspielerin machen w&#252;rde. Ich habe mir dabei effektiv in die Tasche gelogen, weil ich Angst davor hatte, mich damit auseinanderzusetzen, was es bedeutet, hier mit einem Kind zu arbeiten. Tats&#228;chlich ist am Set nichts geschehen, das auch nur entfernt sexuell war, das wurde alles in der Postproduktion hinzugef&#252;gt. Aber das Kind sieht den Film sp&#228;ter irgendwann, und das ist eine Verantwortung, mit der man umgehen muss.</p>
<p>Einen Skandal, wie er sich dann um das Melbourne Film Festival abgespielt hat, habe ich dagegen nicht erwartet. Ich wusste nat&#252;rlich, dass der Film provoziert, ich habe aber nicht damit gerechnet, dass wir die kleine Film-Bubble je verlassen w&#252;rden. Ich dachte, T<sc>rouble</sc> w&#252;rde an kleinen Festivals vor einem Publikum laufen, dass solche Filme gewohnt ist und nicht gleich mit Fackeln aufmarschiert. Es war f&#252;r uns sehr &#252;berraschend, dass wir aus dieser Blase rauskamen und pl&#246;tzlich in diversen Internet-Foren und schlie&#223;lich sogar auf <italic>Infowars</italic>, der Verschw&#246;rungstheorie-News-Site von Alex Jones, ein Thema waren. Man muss zur Verteidigung des Melbourne Film Festivals allerdings anmerken, dass dies im ersten Corona-Jahr geschah, als das Festival online stattfand. F&#252;r ein Festival, bei dem normalerweise eine &#252;berschaubare Anzahl von Zuschauer:innen eigens anreist, um sich ein kuratiertes Programm anzuschauen, ist das eine ganz neue Situation. Da wei&#223; man nicht mehr, wer sich diesen Film anschaut.</p>
<p>Um auf die Selbstzensur zur&#252;ckkommen: Die Frage, wen das schockieren k&#246;nnte, hat mich weniger besch&#228;ftigt. Mir ging es vielmehr darum, was ich selbst aushalte. Man geht beim Schreiben in etwas hinein, was dann sehr unangenehm wird. Es ist nicht angenehm, eine Szene wie den Dialog zwischen Elli und Georg am Pool zu schreiben; selbst wenn da oberfl&#228;chlich gar nicht viel passiert. Ich denke, hier fand insofern eine Selbstzensur statt, als ich selbst gewisse Dinge auch nicht sehen m&#246;chte.</p>
<p><bold>ZFF: Und wie war das an der Schule? Hatten Sie dort keine Probleme mit diesem doch eher ungew&#246;hnlichen Stoff?</bold></p>
<p>Sandra Wollner: Das war erstaunlicherweise nie ein Thema; auch nicht mit den Redakteur:innen. Aber das h&#228;ngt wohl damit zusammen, dass T<sc>rouble</sc> jenseits der Genre-H&#252;lle an meinen ersten Film D<sc>as unm&#246;gliche</sc> B<sc>ild</sc> ankn&#252;pft. Ich konnte wohl gut vermitteln, dass ich im Grunde eine Weiterf&#252;hrung des ersten Films mache &#8211; einfach in einem ganz anderen Format. Das fanden die alle interessant, und entsprechend gab es auch keinen Widerstand.</p>
<p><bold>ZFF: Wie geht es nun weiter? Arbeiten Sie an einem neuen Film?</bold></p>
<p>Sandra Wollner: Wir drehen n&#228;chstes Jahr meinen neuen Film E<sc>verytime</sc>. Es ist der Versuch, ein sozialrealistisches Drama zu erz&#228;hlen, das allm&#228;hlich durch einen Todestrip unterwandert wird. Sandra H&#252;ller wird eine Mutter spielen, deren Tochter ein Jahr zuvor w&#228;hrend eines Trips von einem Berliner Hochhaus gefallen ist. Das Bild, das wir sehen, soll an &#187;The Falling Man&#171; erinnern, dieses ber&#252;hmte Bild eines Mannes, der bei den Anschl&#228;gen von 9/11 vom World Trade Center st&#252;rzt. Wir sehen, wie die junge Frau f&#228;llt, sich &#252;berschl&#228;gt und gar nicht gewahr wird, dass sie in den Tod st&#252;rzt. Sie ist vielmehr euphorisch und lacht. Ein Jahr sp&#228;ter freundet sich die Mutter dann mit dem Jungen an, dem die ganze Welt die Schuld am Tod ihrer Tochter gibt. Eine merkw&#252;rdige Beziehung aus Abh&#228;ngigkeiten entsteht, aus denen sie bis zum Schluss nicht herauskommen. Dies w&#228;re das sozial-realistische Drama, das dann aber einen unerwarteten Dreh erh&#228;lt, weil die Tochter tats&#228;chlich irgendwie zur&#252;ckkehrt. Das zeigt sich zuerst nur an kleinen Dingen wie der Art, wie sich die Mutter durch die Haare f&#228;hrt oder auf einmal Dinge wei&#223;, die nur ihre Tochter wusste. Letztlich ist E<sc>verytime</sc> auch ein Film &#252;ber eine Seele, die durch die Welt wandert, die sich aber nicht festhalten lassen m&#246;chte, die nicht die gleichen Sentimente teilt wie die Menschen, die sie zur&#252;ckgelassen hat.</p>
<p><bold>ZFF: Sie haben zwar mehrfach das Attribut &#187;sozialrealistisch&#171; verwendet, aber auch dieser Stoff hat einen deutlich phantastischen Einschlag. Geh&#246;rt das bei Ihnen einfach dazu?</bold></p>
<p>Sandra Wollner: Es sind einfach immer diese Fragen, die mich umtreiben. In diesem Fall geht es um das Konzept der Seele, also diese Idee, dass es so eine Art Paket gibt, das in einen Menschen hineinf&#228;hrt. Mir scheint diese Vorstellung vollkommen absurd, aber ich reibe mich daran und versuche, dies formal umzusetzen. Daneben arbeite ich noch einem Urzeit-Horror-Film, der im Pal&#228;olithikum spielt und davon handelt, wie die Geister in die Welt kamen.</p>
<p><bold>ZFF: Urzeit-Horror ist noch kein wirklich etabliertes Genre</bold>.</p>
<p>Sandra Wollner: Mich fasziniert diese Idee sehr. Wie ist das in einer Zeit, in der es noch gar keine Zivilisation gibt, mit der Angst vor dem Unbekannten? L<sc>a</sc> G<sc>uerre du feu</sc> (<xref ref-type="bibr" rid="B12">A<sc>m</sc> A<sc>nfang war das</sc> F<sc>euer</sc>, CA/FR/US 1981, Regie: Jean-Jacques Annaud</xref>), der in der Steinzeit spielt, finde ich gro&#223;artig. Allerdings scheitern viele Filme, die in pr&#228;historischen Zeiten spielen, am Umgang mit der Sprache. Ich glaube, man m&#252;sste da mit einer Zeichensprache und mit viel Beobachtung arbeiten.</p>
<p><bold>ZFF: Auch bei diesem Projekt gibt es wieder diesen Gegensatz zwischen Realismus und Phantastik. Es scheint, als finde sich dieser &#220;bergang zwischen Dokumentarischem und Fiktion, den Sie zu Beginn Ihres Studiums vollzogen haben, auf unterschiedlichen Ebenen in jedem Ihrer Filme. Es geht immer um Zwischenwelten oder Zwischenbereiche</bold>.</p>
<p>Sandra Wollner: Ich habe mir das bisher nie so klar &#252;berlegt, denn ich verfolge ja keinen Plan. Aber ich glaube, das stimmt tats&#228;chlich. Es ist schon so, dass mir die Wirklichkeit allein nicht ausreicht, dass dahinter immer noch etwas sein muss. Wobei ich Filme liebe, die die Wirklichkeit portr&#228;tieren. Ich bin eine gro&#223;e Anh&#228;ngerin der Dokumentarfilm-Tradition des <italic>Direct Cinema</italic>. Ich denke, bei mir kommt vieles aus dem Schreiben. Da wandern der Kugelschreiber oder die Tastatur irgendwohin und es bilden sich S&#228;tze, die nichts mehr mit der Realit&#228;t zu tun haben. Deshalb liebe ich das Schreiben. Da passiert etwas.</p>
<p><bold>ZFF: Wie l&#228;uft dieser Schreibprozess ab? Wie filmisch ist Ihr Denken zu diesem Zeitpunkt, denken Sie bereits in Filmszenen?</bold></p>
<p>Sandra Wollner: Mein Schreiben ist immer sehr bildhaft. Ich gehe jeweils von Szenen aus oder einem Gef&#252;hl, das ich in der Szene erschlie&#223;e. Das ist in meinem Kopf immer schon komplett da, oft auch mit T&#246;nen sowie einem Gef&#252;hl daf&#252;r, wo die Kamera stehen wird. Ich gehe meist von ein paar Kernbildern aus. Bei T<sc>rouble</sc> war mir schon sehr fr&#252;h klar, wie sich das Intro anf&#252;hlen muss, wie sich die Kamera bewegt und dass Elli in das Bild hineinl&#228;uft. Beim <sc>unm&#246;glichen</sc> B<sc>ild</sc> war es die Kamera, die herumwandert. Von diesen Kernbildern gehe ich aus. Wenn ich dann im Drehbuchformat schreibe, entsteht fast automatisch eine Kausalit&#228;t: Diese Aktion hat diese Konsequenz und daraus folgt dann das N&#228;chste. Aber dieser Prozess setzt seltsamerweise erst ein, wenn ich in der Drehbuchform bin. Bei T<sc>rouble</sc> war beispielsweise schon fr&#252;h klar, dass es diesen zweiten Teil mit der Gro&#223;mutter und dem Hund geben und wie dieser ausgehen wird. Dass es zwischen den beiden Teilen einen deutlichen Bruch gibt, wurde mir aber erst w&#228;hrend des Schreibens klar.</p>
<p><bold>ZFF: Die Bilder von T<sc>rouble</sc> sind sehr pr&#228;zise gestaltet. Wie gehen Sie hier vor? Ist das alles gestoryboarded, oder entwickeln Sie das w&#228;hrend des Drehs?</bold></p>
<p>Sandra Wollner: Ich habe noch nie mit Storyboards gearbeitet. Es gibt, wie gesagt, Bilder, die von vornherein feststanden, wie zum Beispiel der Anfang, die Szenen am Pool, oder wenn der Roboter durch den Wald geht. Da wusste ich bereits beim Schreiben, wie das aussehen soll. Die Produktion war bei diesem Film sehr schnell; von der ersten Idee bis zum Drehbeginn verging lediglich ein Jahr. In dieser Zeit habe ich mit meinem Kameramann Timm Kr&#246;ger fortlaufend &#252;ber die visuelle Gestaltung gesprochen.</p>
<p>Zu Beginn war mein Konzept sehr dogmatisch. Die Grundidee war, dass die Geschichte quasi aus der Perspektive einer Maschine erz&#228;hlt wird, und ich habe mir Gedanken dazu gemacht, wie man das umsetzen k&#246;nnte. Wie w&#252;rde eine nicht-menschlich gef&#252;hrte Kamera aussehen? W&#228;ren das alles Tableaus, w&#228;re das ein &#220;berwachungskamera-Look oder alles mit subjektiver Kamera? Schlie&#223;lich wurde mir klar, dass das aber so nicht funktioniert, dass die Bilder aus der Erz&#228;hlung entstehen m&#252;ssen. In der Folge habe ich mein eigenes Dogma &#252;ber den Haufen geworfen. Timm Kr&#246;ger und ich arbeiten schon lange zusammen und kennen uns so gut, dass wir meist das Gleiche sehen. Beim Dreh ist es immer eine Mischung: Gewisse Dinge sind genau durchchoreografiert, weil ich wei&#223;, dass ich sie auf jeden Fall ben&#246;tige. Bei anderen Szenen finden wir das richtige Bild erst beim Dreh. Zum Beispiel diese Szene, als Georg am Pool steht und der Nebel aufzieht. Wir waren eigentlich mit einer ganz anderen Szene besch&#228;ftigt, aber pl&#246;tzlich kam dieser Nebel um den Pool. Das Team muss flexibel genug sein, um dann in dem Moment in die Richtung zu laufen. Dann ist das wunderbar.</p>
<fig id="F7">
<label>Abb. 7</label>
<caption>
<p>T<sc>he</sc> T<sc>rouble with</sc> B<sc>eing</sc> B<sc>orn</sc></p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zff-11-1-11529-g7.jpg"/>
</fig>
<p><bold>ZFF: Sie haben zu Beginn U<sc>nder the</sc> S<sc>kin</sc> als eine Ihrer Referenzen erw&#228;hnt. Inwiefern war dieser Film auch akustisch ein Vorbild? Beide Filme haben ein sehr komplexes, charakteristisches Sound Design und versuchen gewisserma&#223;en, uns die Welt mit &#187;unmenschlichen Ohren&#171; erfahrbar zu machen</bold>.</p>
<p>Sandra Wollner: Mica Levi, von der die Musik zu U<sc>nder the</sc> S<sc>kin</sc> stammt, bewundere ich sehr; auch unabh&#228;ngig von Jonathan Glazers Film. Generell h&#246;re ich beim Schreiben viel Ambient und Noise, aber keine Musik mit Texten, da mich das ablenkt. Ich habe ganz allgemein ein Faible f&#252;r Ger&#228;usche, was m&#246;glicherweise einem seit zwanzig Jahren anhaltenden Tinnitus geschuldet ist. Ich h&#246;re oft nur Ger&#228;usche und Atmos, der Klang der Welt fasziniert mich. Das ist sicher ein Grund, weshalb wir an der Tonspur sehr gefeilt haben. Das war aber nie ein Selbstzweck, oder dass wir zum Beispiel U<sc>nder the</sc> S<sc>kin</sc> kopieren wollten, sondern hat sich vielmehr logisch aus der Frage ergeben, wie die Figur von Elli die Welt h&#246;rt. Ich habe mir schon beim Schreiben vorgestellt, dass dieser Roboter das Chaos hinter der bereits geordneten Realit&#228;t h&#246;rt, die wir wahrnehmen, sozusagen ein Ur-Rauschen. Dieses Wesen kann alles h&#246;ren und hat deshalb auch viel mehr L&#228;rm um sich.</p>
<p>Die Kl&#228;nge sind bei mir immer von Anfang an schon da. Im Drehbuch ist der Auftakt bereits beschrieben; wie sich die Musik anf&#252;hlen soll, wie sich aus diesen technisch klingenden Soundschnipseln langsam der Klang der Grillen heraussch&#228;lt. Gemeinsam mit dem phantastischen Musiker Peter Kutin habe ich das dann &#252;ber den Film hinweg langsam aufgebaut.</p>
<p><bold>ZFF: Eine abschlie&#223;ende Frage: Es ist wahrscheinlich ein Klischee, aber man h&#246;rt von Autorinnen, Regisseuren etc. immer wieder, dass sie alle ihre Figuren lieben, ja lieben m&#252;ssen, selbst die B&#246;sewichte. Wie ist das bei einer Figur wie Elli, die sich gerade durch Empathielosigkeit auszeichnet?</bold></p>
<p>Sandra Wollner: Elli ist ja eine reine Projektion, sie ist immer das, was ihre Umgebung in ihr sehen will. Als das habe ich sie beim Schreiben auch betrachtet und hatte dementsprechend kein Mitleid mit ihr. Sie war f&#252;r mich nie eine Figur mit einer eigenen Pers&#246;nlichkeit, mit der man mitfiebert, sondern prim&#228;r ein Spiegel der anderen Figuren. &#220;ber sie konnte ich aber Empathie f&#252;r die anderen Figuren empfinden; auch f&#252;r jemanden wie Georg. Als ich dann die Aufnahmen sah, war ich allerdings &#252;berrascht, dass ich dennoch mit ihr mitf&#252;hlte. Sobald diese Figur von einem realen Kind dargestellt wird, kann man sich dem einfach nicht vollst&#228;ndig entziehen.</p>
</body>
<back>
<fn-group>
<fn id="n1"><p>Die Begriffe &#8250;Roboter&#8249; und &#8250;Androide&#8249; werden hier synonym verwendet.</p></fn>
<fn id="n2"><p>Ich folge Ruges grundlegender Argumentation, nehme im Vergleich zu seinem Modell aber Vereinfachungen vor.</p></fn>
<fn id="n3"><p>Ein wesentlicher Grund f&#252;r diese fehlende Anteilnahme d&#252;rfte sein, dass weder Gort noch Robby &#252;ber eine expressive Mimik verf&#252;gen, an der sich Emotionen ablesen lassen. Dies zeigt sich deutlich in einem direkten Vergleich mit WALL&#183;E, der zwar ebenfalls eine Maschine ist, dessen &#8250;Kamera-Augen&#8249; aber sehr ausdruckstark sind.</p></fn>
</fn-group>
<sec>
<title>Autor</title>
<p>PD Dr. Simon Spiegel ist Senior Researcher und Privatdozent am Seminar f&#252;r Filmwissenschaft der Universit&#228;t Z&#252;rich. Er ist Chefredakteur der <italic>Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung</italic> und schreibt regelm&#228;&#223;ig f&#252;r diverse Publikationen &#252;ber Film und verwandte Themen. Ausgew&#228;hlte Publikationen: <italic>Utopias in Nonfiction Film</italic> (London: Palgrave 2021), <italic>Bilder einer besseren Welt. Die Utopie im nichtfiktionalen Film</italic> (Marburg: Sch&#252;ren 2019), <italic>Utopia and Reality</italic>. <italic>Documentary, Activism and Imagined Worlds</italic> (Mitherausgeber, Cardiff: University of Wales Press 2020). <italic>Theoretisch phantastisch</italic> (Murnau: p.machinery 2010), <italic>Die Konstitution des Wunderbaren</italic> (Marburg: Sch&#252;ren 2007).</p>
</sec>
<sec>
<title>Konkurrierende Interessen</title>
<p>Simon Spiegel ist Mitherausgeber der <italic>Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung</italic>.</p>
</sec>
<ref-list>
<title>Filmografie</title>
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<ref id="B2"><label>2</label><mixed-citation publication-type="journal">A.I. A<sc>rtificial</sc> I<sc>ntelligence</sc> (A.I. &#8211; K<sc>&#252;nstliche</sc> I<sc>ntelligenz</sc>). Steven Spielberg. US 2001.</mixed-citation></ref>
<ref id="B3"><label>3</label><mixed-citation publication-type="journal">A<sc>ndrodid</sc> (D<sc>er</sc> A<sc>ndroid</sc>). Regie: Aaron Lipstadt. US 1982.</mixed-citation></ref>
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<ref id="B9"><label>9</label><mixed-citation publication-type="journal">F<sc>orbidden</sc> P<sc>lanet</sc> (A<sc>larm im</sc> W<sc>eltall</sc>). Regie: Fred M. Wilcox. US 1956.</mixed-citation></ref>
<ref id="B10"><label>10</label><mixed-citation publication-type="journal">G<sc>host in the</sc> S<sc>hell</sc>. Regie: Mamoru Oshii. JP 1995.</mixed-citation></ref>
<ref id="B11"><label>11</label><mixed-citation publication-type="journal">H<sc>igh</sc> L<sc>ife</sc>. Regie: Claire Denis. FR/DE/PL/GB/US 2018.</mixed-citation></ref>
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<ref id="B13"><label>13</label><mixed-citation publication-type="journal">L<sc>ittle</sc> J<sc>oe</sc> (L<sc>ittle</sc> J<sc>oe</sc> &#8211; G<sc>l&#252;ck ist ein</sc> G<sc>esch&#228;ft</sc>). Regie: Jessic Hausner. AT/DE/GB 2019.</mixed-citation></ref>
<ref id="B14"><label>14</label><mixed-citation publication-type="journal">L<sc>ouis und</sc> L<sc>uk</sc>. Regie: Sandra Wollner. DE 2014.</mixed-citation></ref>
<ref id="B15"><label>15</label><mixed-citation publication-type="journal">S<sc>hort</sc> C<sc>ircuit</sc> (N<sc>ummer</sc> 5 <sc>lebt</sc>). Regie: John Badham. US 1986.</mixed-citation></ref>
<ref id="B16"><label>16</label><mixed-citation publication-type="journal">T<sc>he</sc> D<sc>ay the</sc> E<sc>arth</sc> S<sc>tood</sc> S<sc>till</sc> (D<sc>er</sc> T<sc>ag, an dem die</sc> E<sc>rde stillstand</sc>). Regie: Robert Wise. US <sc>1951</sc>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B17"><label>17</label><mixed-citation publication-type="journal">T<sc>he</sc> M<sc>atrix</sc> (M<sc>atrix</sc>). Regie: Larry Wachowski, Andy Wachowski. US/AU 1999.</mixed-citation></ref>
<ref id="B18"><label>18</label><mixed-citation publication-type="journal">T<sc>he</sc> T<sc>erminator</sc> (T<sc>erminator</sc>). Regie: James Cameron. US 1984.</mixed-citation></ref>
<ref id="B19"><label>19</label><mixed-citation publication-type="journal">U<sc>nder the</sc> S<sc>kin</sc> (U<sc>nder the</sc> S<sc>kin</sc> &#8211; U<sc>nter die</sc> H<sc>aut</sc>). Regie: Jonathan Glazer. GB/US/CH 2013.</mixed-citation></ref>
<ref id="B7"><label>7</label><mixed-citation publication-type="journal">D<sc>as unm&#246;gliche</sc> B<sc>ild</sc>. Regie: Sandra Wollner. AT/DE 2018.</mixed-citation></ref>
<ref id="B20"><label>20</label><mixed-citation publication-type="journal">WALL&#183;E (WALL&#183;E &#8211; D<sc>er</sc> L<sc>etzte r&#228;umt die</sc> E<sc>rde auf</sc>). Andrew Stanton. US 2008.</mixed-citation></ref>
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<title>Zitierte Werke</title>
<ref id="B21"><label>21</label><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Ruge</surname>, <given-names>Wolfgang</given-names></string-name>: <source>Roboter im Film. Audiovisuelle Artikulationen des Verh&#228;ltnisses zwischen Mensch und Technik</source>. <publisher-name>Ibidem</publisher-name>, <year>2012</year>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B22"><label>22</label><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Telotte</surname>, <given-names>J. P.</given-names></string-name>: <source>Replications. A Robotic History of the Science Fiction Film</source>. <publisher-name>University of Illinois Press</publisher-name>, <year>1995</year>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B23"><label>23</label><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Telotte</surname>, <given-names>J. P.</given-names></string-name>: <source>Robot Ecology and the Science Fiction Film</source>. <publisher-name>Routledge</publisher-name>, <year>2016</year>. DOI: <pub-id pub-id-type="doi">10.4324/9781315625775</pub-id></mixed-citation></ref>
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