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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung</journal-title>
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<subject>Rezension</subject>
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<article-title>Pak, Chris. <italic>Terraforming. Ecopolitical Transformations and Environmentalism in Science Fiction</italic>. Liverpool University Press, 2016</article-title>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Gesellschaftswissenschaftliches Institut M&#252;nchen f&#252;r Zukunftsfragen, DE</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2019-07-01">
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<license-p>This is an open-access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC-BY 4.0), which permits unrestricted use, distribution, and reproduction in any medium, provided the original author and source are credited. See <uri xlink:href="http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/</uri>.</license-p>
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<p>Buchrezension.</p>
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<p>Es gibt einen Dialog zwischen Wissenschaft und Science Fiction. Die beiden Diskurse befruchten einander. Das kann mitunter so aussehen, als zeichne Science Fiction zuk&#252;nftige technische Entwicklungen nach, die auf noch nicht gemachten wissenschaftlichen Entdeckungen beruhen. Diese kann die Wissenschaft entweder verwerfen (wie Jules Vernes Mondkanone) oder als Inspiration benutzen (wie den Communicator aus Star Trek als Vorbild f&#252;r Klapphandys). Der Dialog zwischen den Diskursen kann aber auch so aussehen, als reagiere Science Fiction auf schon gemachte Erfindungen und spekuliere &#252;ber deren gute oder schlechte soziale Folgen (so erscheint der 3D-Drucker in Warren Ellis&#8217; und Darick Robertsons <italic>Transmetropolitan</italic> (ab 1997) als ein Symbol f&#252;r &#252;bertriebenen Kapitalismus, wenn die &#187;Maker&#171; mafi&#246;s und drogens&#252;chtig werden; in Cory Doctorows <italic>Walkaway</italic> (2017) hingegen sind die &#187;Printer&#171; ein essentielles Werkzeug f&#252;r die &#220;berwindung des Kapitalismus).</p>
<p>Die gegenseitige Beeinflussung von realer und fiktionaler Wissenschaft ist ein Aspekt der Geistes-, Technik- und sogar Naturgeschichte, daher kann eine Literaturgeschichte der Science Fiction zugleich ein Beitrag zur Menschheitsgeschichte sein. Chris Pak legt mit <italic>Terraforming</italic> eine solche das Literarische &#252;berschreitende Literaturgeschichte vor. Er behandelt darin prim&#228;r das in Science Fiction beschriebene umformende Verh&#228;ltnis der Menschen (oder Aliens) zu den Planeten, die sie bewohnen (m&#246;chten). Aber er thematisiert auch das in der Realit&#228;t stattfindende und in &#246;kologischer Sach- und Fachliteratur beschriebene formende Verh&#228;ltnis der Menschen zur Erde. Und er zeichnet nach, wie sich fiktionale und wissenschaftliche Literatur dabei aufeinander beziehen. Der Fokus auf Science Fiction hat zur Folge, dass der wissenschaftliche Diskurs nicht als Ganzer konsistent nachgezeichnet werden kann, sondern nur die f&#252;r die Studie interessanten Thesen und Ver&#246;ffentlichungen vignettenartig beleuchtet werden. Auch mit den literaturwissenschaftlichen Texten, aus denen Pak seine Analysewerkzeuge entnimmt, geht er so vor: Sie werden meist &#228;u&#223;erst knapp in einem oder zwei Abs&#228;tzen vorgestellt, um sie dann als Interpretationsschl&#252;ssel f&#252;r die Science-Fiction-Texte zu verwenden. Wie sich also die Literaturtheorie oder das wissenschaftliche Verst&#228;ndnis der Planeten&#246;kologie im Laufe der Zeit entwickelt haben, wird von Pak nicht konzise thematisiert &#8211; nichtliterarische Einfl&#252;sse bleiben weitgehend au&#223;en vor. Der Einfluss der Science Fiction auf das &#246;kologische Denken im 20. Jahrhundert erscheint damit wom&#246;glich st&#228;rker als er tats&#228;chlich war. Das prim&#228;re Erkenntnisinteresse Paks ist aber nicht die relative Wichtigkeit der Science Fiction f&#252;r die &#214;kologie (im Vergleich z.B. zur Wichtigkeit von &#214;konomie, Politik, Technologie, Spiritualit&#228;t usw.), sondern die fiktionale Literatur selbst, die sowohl auf narrative Eigengesetzlichkeiten als auch auf ihren Dialog mit verschiedener nichtfiktionaler Literatur reagiert. Pak stellt dabei das narrative Motiv des &#187;Terraforming&#171; in den Mittelpunkt, das in beiden Literaturarten auftaucht. Komplement&#228;re Motive (etwa die &#187;Pantropie&#171;, also die Ver&#228;nderung nicht des Planeten, um ihn f&#252;r Menschen bewohnbar zu machen, sondern des Menschen, um ihn an den Planeten anzupassen) erg&#228;nzen seine Betrachtungen (3), ohne dass er dabei sein Thema je aus den Augen verliert.</p>
<p>Paks Untersuchung ist im Gro&#223;en und Ganzen chronologisch aufgebaut. Der Untersuchungszeitraum spannt sich zwischen M. P. Shiels <italic>The Purple Cloud</italic> (1901) und James Camerons A<sc>VATAR</sc> (US 2009) auf. Dazwischen macht Pak mehrere Phasen der Terraforming-Stories aus, in denen Science Fiction verschiedene Aspekte gewollter Weltver&#228;nderung und menschlichen Welt-Verst&#228;ndnisses behandelt &#8211; jeweils als Reaktion auf neue Konzepte der menschlichen Beziehung zum physischen und wertbehafteten Raum, die teilweise selbst Resultat von Science-Fiction-Ideen sind. Auf der Wissenschaftsseite ist eine stetige Steigerung des Interesses an einer intakten Umwelt festzustellen: zuerst langsam, ab den 1960er-Jahren aber recht schnell. Science Fiction ist, wie Pak in seinem Buch an vielen Beispielen zeigt, eine Literaturart, die gerade diese Ver&#228;nderungen bearbeiten kann:</p>
<disp-quote>
<p>Sf, as the example of terraforming illustrates, is a mode that allows us to explore the status and the consequences of various forms of relationship to space. [&#8230;] The extremes of spatial and temporal scale explored in terraforming stories allow us to imaginatively re-situate our values with respect to our place in the universe, thus calling for a re-evaluation of the assumptions behind varying positions to nature and to each other. (7)</p>
</disp-quote>
<p>Dabei sind zwei Grundhaltungen zu unterscheiden: Einerseits kann die nicht-menschliche Natur als das Andere aufgefasst werden, das von den Menschen instrumentell genutzt und entsprechend ver&#228;ndert &#8211; ja sogar besiegt &#8211; werden darf. Dann geht Terraforming mit Kolonisierungs- und Eroberungsgeschichten einher. Andererseits kann der Mensch sich auch als Teil der Natur sehen, sodass Unterschiede zwischen Mensch und nicht-menschlicher Natur als nicht fundamental aufgefasst werden. Dann entstehen Geschichten, in denen Einheit, Kontinuit&#228;t und Verbundenheit eine gro&#223;e Rolle spielen, und Terraforming wird ganz anders bewertet.</p>
<p>Obwohl der Begriff &#8250;Terraforming&#8249; erst 1942 von Jack Williamson gepr&#228;gt wurde (in seiner Kurzgeschichte &#187;Collision Orbit&#171;), gibt es schon lange vorher Kurzgeschichten und Romane, die das Thema behandeln. In der ersten Phase der Terraforming-Stories findet man einerseits an den Energy Economics (d.h. an der quantitativen wissenschaftlichen Analyse von Energiefl&#252;ssen innerhalb von Systemen) orientierte Geschichten wie H.G. Wells&#8217; <italic>The Shape of Things to Come</italic> (1933), in denen innerhalb eines mechanistischen Weltbilds angesichts drohender Entropie und der Endlichkeit irdischer Ressourcen harte Entscheidungen getroffen werden m&#252;ssen. Die Gesellschaft hat Angst vor der Natur und &#252;bt sich daher in Geo-Engineering. Olaf Stapledons <italic>Star Maker</italic> (1937) spekuliert &#252;ber &#228;hnliche instrumentelle Planetenver&#228;nderungen. Andererseits finden sich in der ersten Phase auch Geschichten, die die nicht-menschliche Natur als eigenst&#228;ndiges Lebewesen vorstellen und damit Vorl&#228;ufer der sp&#228;teren holistischen Modelle sind: Edmond Hamiltons &#187;The Earth Brain&#171; (1932), Jack Williamsons &#187;Born of the Sun&#171; (1934) und Laurence Mannings &#187;The Living Galaxy&#171; (1934). Sogar schon vor diesen Kurzgeschichten der goldenen Pulp-&#196;ra der Science Fiction waren Geschichten entstanden, die Pak &#187;Proto-Gaian&#171; nennt, da sie h&#246;chstwahrscheinlich James Lovelock zu seiner Gaia-Hypothese inspirierten, der zufolge die Erde ein komplexes, selbstregulierendes System ist, das Leben erm&#246;glicht (und m&#246;glicherweise selbst als Lebewesen betrachtet werden kann): Shiels <italic>The Purple Cloud</italic> (1901) und Arthur Conan Doyles &#187;When the World Screamed&#171; (1928). In diesen Geschichten geht es eher um die staunende Entdeckung der Welt(en) als um die kolonialisierende Eroberung. Entsprechend wird der Kontrast von Wissen und Nichtwissen benutzt, um die Unwahrscheinlichkeit, die Natur vollst&#228;ndig verstehen, beherrschen oder ver&#228;ndern zu k&#246;nnen, zu betonen. Schon fr&#252;h wird also im Modus der Science Fiction das ethische Problem der Ausnutzung der Erde (oder anderer Planeten) diskutiert, nicht selten unter Verwendung der phallischen Metapher des den Mutterplaneten penetrierenden Bohrers, die auch sp&#228;ter immer wieder auftaucht (54).</p>
<p>In der zweiten Phase der Terraforming-Stories nehmen die Proto-Gaia-Geschichten ab. Stattdessen stehen sich pastorale Geschichten wie Ray Bradburys <italic>The Martian Chronicles</italic> (1958) und Dystopien wie Frederik Pohls und C.M. Kornbluths <italic>The Space Merchants</italic> (1952) gegen&#252;ber. Es wird also einerseits die m&#246;gliche Entfremdung der Menschen von ihrer eigenen Technologie diskutiert; als Idyll erscheint dabei die Landwirtschaft, die aber zugleich selbst terraformende Technologie wird. Andererseits wird die Kolonisierung Amerikas im Weltall fortgesetzt und die mit ihr verbundene Ausbeutung von Mensch und Natur thematisiert. Es wird dabei eine Konsenszukunft erschaffen: In der Science Fiction der 1950er-Jahre herrscht eine bestimmte Vorstellung von der weiteren Entwicklung von Menschheit und Technik vor, ein d&#252;sterer Fortschritt. Zugleich werden in dieser Phase h&#228;ufiger au&#223;erirdische Lebewesen ber&#252;cksichtigt, wodurch die ethischen Reflexionen komplizierter werden. Und es kommt ein Dialog hinzu, der bis heute anh&#228;lt: Terraforming-Stories nehmen Motive, Techniken, Probleme und Situationen anderer Terraforming-Stories auf und kombinieren sie neu. Diese Intertextualit&#228;t hebt Pak in allen Kapiteln seines Buches hervor.</p>
<p>Ab den 1960er-Jahren nimmt das &#246;kologische Bewusstsein zu, nicht zuletzt wegen nichtfiktionaler B&#252;cher wie Rachel Carsons <italic>Silent Spring</italic> (1962), Stuart Brands <italic>Whole Earth Catalog</italic> (1968) und Donella H. Meadows&#8217; (et al.) <italic>The Limits to Growth</italic> (1972). Zugleich bl&#252;hte die Gegenkultur auf. Und Lovelock, der damals bei der NASA arbeitete, begann, seine Gaia-Hypothese zu formulieren. Au&#223;erdem &#228;nderten sich mit der New Wave der Science Fiction Stil, Stimmung und Zukunftsvorstellungen. Pak fasst die Terraforming-Stories dieser Phase in drei Gruppen zusammen: 1. Neue Proto-Gaian Stories (102&#8211;116), 2. Geschichten, die eine Br&#252;cke zwischen den 1950er- und den 1980/90er-Jahren schlagen (116&#8211;136), 3. Pantropie-Geschichten, die Transhumanismus und Cyberpunk beinhalten; die dritte Gruppe l&#228;sst Pak allerdings au&#223;en vor. Als Beispiele f&#252;r die erste Gruppe analysiert er u. a. Ursula K. Le Guins Waldgeschichten <italic>Vaster than Empires and More Slow</italic> (1971) und <italic>The Word for World Is Forest</italic> (1972), in denen die Andersartigkeit der fremden Welt ausgearbeitet wird, indem mal dem Wald ein eigenes, weltumspannendes Bewusstsein gegeben wird, mal eine enge symbiotische und spirituelle Beziehung zwischen dem Wald und den nicht (ganz) menschlichen Aliens hergestellt wird. Daraus folgt eine terraforming-kritische und generell radikal &#246;kologische Haltung, die die r&#252;cksichtslose Ausbeutung ganzer Planeten als Verr&#252;cktheit darstellt und sich auch sp&#228;ter ganz &#228;hnlich im Film A<sc>VATAR</sc> wiederfindet. F&#252;r die zweite Gruppe analysiert Pak Frank Herberts <italic>Dune</italic> (1965&#8211;1976), Robert A. Heinleins <italic>The Moon Is a Harsh Mistress</italic> (1966) und Le Guins <italic>The Dispossessed</italic> (1974). Sie alle beschreiben unwohnliche Himmelsk&#246;rper, die sich kaum f&#252;r die Besiedelung durch Menschen eignen. Der Umgang mit der Umwelt wird in diesen drei Romanen vor allem politisch thematisiert: &#214;kologie und Gesellschaft h&#228;ngen zusammen und bedingen einander. Diese Idee wurde in der nichtfiktionalen &#214;koliteratur in derselben Phase diskutiert und passt auch zur etwas sp&#228;ter popularisierten Gaia-Hypothese. Pak stellt den Zusammenhang her, indem er darauf verweist, wie etwa <italic>The Moon Is a Harsh Mistress</italic> Brands <italic>Whole Earth Catalog</italic> beeinflusste, f&#252;r den auch Le Guin, Callenbach und Lovelock Beitr&#228;ge schrieben. Der W&#252;stenplanetzyklus <italic>Dune</italic> entstand aus Herberts Besch&#228;ftigung mit den Bem&#252;hungen des US Department of Agriculture, Sandd&#252;nen durch Begr&#252;nung zu stabilisieren. Das Terraforming des Planeten Arrakis orientiert sich an holistischen, &#246;kologischen Philosophien und hat zugleich immensen Einfluss auf die politische und kulturelle Lebensweise der Bewohner. Es wird auch vom Protagonisten Paul Atreides in den verschiedenen B&#228;nden der Reihe ganz unterschiedlich bewertet. Pak identifiziert die Politik in Herberts und Heinleins Romanen als &#187;masculinist fascism&#171; (127); dem stellt er Le Guins &#246;kologischen Anarchafeminismus entgegen. In der kritischen Utopie <italic>The Dispossessed</italic> stehen sich ein pastoraler, hierarchischer und kapitalistischer Planet und sein anti-pastoraler, anarchistischer und kommunistischer Zwillingsplanet gegen&#252;ber. Dadurch schl&#228;gt der Roman eine Br&#252;cke von der nun &#252;berwundenen Konsenszukunft der 1950er-Jahre zu den &#246;kopolitischen Terraforming-Stories der 1990er-Jahre wie Kim Stanley Robinsons <italic>Mars</italic>-Trilogie (1992&#8211;1996). Zur dritten Phase z&#228;hlt Pak schlie&#223;lich noch Ernest Callenbachs <italic>Ecotopia</italic> (1975), das aufgrund seiner Aufz&#228;hlung bereits m&#246;glicher &#246;kologischer Technologien mit Brands <italic>Whole Earth Catalog</italic> vergleichbar ist, zumal Callenbach die &#246;kotopianischen Ideen schon 1972 der von Brand gegr&#252;ndeten Point Foundation vorgestellt hatte. In <italic>Ecotopia</italic> verbinden sich wissenschaftliche Erkenntnisse mit Befindlichkeiten der Gegenkultur, einschlie&#223;lich hippiesker Anbetung von B&#228;umen &#8211; &#187;which draws from the influence of Lovelock&#8217;s Gaia hypothesis&#171; (135).</p>
<p>Die vierte Phase beginnt nach der Popularisierung der Gaia-Hypothese, die nun ganz offen in der Terraforming-Science-Fiction verwendet wird. Im Stil von Callenbachs <italic>Ecotopia</italic> schrieben Lovelock und Michael Allaby 1984 den Roman <italic>The Greening of Mars</italic>, in dem mit explizitem Gaia-Bezug das Terraforming nicht als industrielle, sondern als lebensschaffende Aktivit&#228;t vorgestellt wird. Dieser Roman inspirierte eine wissenschaftliche Konferenz, auf der Robert H. Haynes den Begriff &#187;ecopoiesis&#171; gepr&#228;gt hat, der f&#252;r den Prozess der Herstellung eines Heims, also die Adaption eines Planeten an das Leben (und den Menschen), steht &#8211; und der prompt in einer Reihe von Terraforming-Stories verwendet wurde, darunter Frederick Turners Gedicht &#187;Genesis, an Epic Poem&#171; (1988) und Robinsons <italic>Mars</italic>-Trilogie. In dieser vierten Phase wird au&#223;erdem h&#228;ufig die Deterritorialisierung behandelt, eine Art Entfremdung von der Landschaft, die sowohl mit Fremdheit (andere Planeten) als auch mit Ver&#228;nderungen (einschlie&#223;lich auf der Erde) einhergeht. Pak analysiert diese und andere Aspekte anhand Pamela Sargents <italic>Venus</italic>-Trilogie (1986&#8211;2001) und Turners &#187;Genesis&#171;.</p>
<p>Kim Stanley Robinsons <italic>Mars</italic>-Trilogie (1992&#8211;1996) erf&#228;hrt in Paks Buch (zu Recht) die gr&#246;&#223;te Aufmerksamkeit. Die Trilogie verbindet zahlreiche wissenschaftliche Perspektiven auf &#214;kologie, Klimawandel und Geoengineering mit einer umfassenden Vielfalt von intertextuellen Verweisen auf fr&#252;here Terraforming-Stories. Dies geschieht auf eine multiperspektivische Weise, die unterschiedliche &#246;koethische und politische Positionen durch Konflikte zwischen Figuren und Gruppen auf dem Mars narrativ durchspielt und dabei den Wandel von Ansichten und Einsichten nachvollziehbar macht. Dabei agiert der Mars als Spiegel f&#252;r die Erde. Irdische Probleme wie &#220;berbev&#246;lkerung, ansteigender Meeresspiegel, extremes Wetter, unterdr&#252;ckerische und ausbeuterische Staaten und Konzerne werden dargestellt. Terraforming erscheint als umstrittene L&#246;sung daf&#252;r: Entweder wird der Mars zu einer auszubeutenden Ressourcenquelle umgeformt, um die Probleme der Erde auf althergebrachte, kapitalistische Weise zu l&#246;sen, oder der Mars wird revolution&#228;r zu einem unabh&#228;ngigen Planeten, der den Menschen eine neue Heimat bieten kann, indem eine neue Gesellschaftsform in einer neuen Umwelt entsteht. Auf dem Mars wird eine &#214;ko-&#214;konomie entwickelt, die Wirtschaft und lebenserm&#246;glichende Ver&#228;nderung der Umwelt verbindet. Die auf dem Mars gewonnenen Erkenntnisse k&#246;nnen auf die Erde &#252;bertragen werden, was dort ebenfalls zu revolution&#228;ren Ver&#228;nderungen f&#252;hrt. Obwohl viele Protagonisten Robinsons dieses quasi anarchistische Programm vorantreiben, wird auch grunds&#228;tzliche Kritik am Terraforming thematisiert, denn gerade durch die Einf&#252;hrung von Leben wird die urspr&#252;ngliche Natur des Mars zerst&#246;rt. Pak analysiert auch die narrativen Mittel und Motive, die sich stark an fr&#252;heren Terraforming-Stories orientieren, etwa Mythen (200&#8211;203), G&#228;rten (172&#8211;174), Kuppeln (185&#8211;188), industrielle und gr&#252;ne Klimamanipulationen etc. Auf die Mars-Trilogie kann er auch alle Analysewerkzeuge anwenden, die er in seinem Buch kurz erl&#228;utert: etwa &#187;landscaping&#171;, &#187;chronotope&#171;, &#187;deterritorialization&#171;, &#187;compost library&#171;, &#187;megatext&#171; etc. &#8211; mit diesen Schl&#252;sselbegriffen sortiert, kategorisiert und analysiert Pak die Texte aller Phasen und sorgt so f&#252;r methodologische Koh&#228;renz. Terraforming erscheint insgesamt als ein Diskursthema, das innerhalb der Science Fiction auf mehreren Ebenen einen dynamischen Prozess darstellt und in engem Dialog mit dem &#214;kologiediskurs der Wissenschaft steht. Robinsons Mars-Trilogie steht als kritische, prozesshafte Utopie exemplarisch f&#252;r diese gegenseitige Befruchtung.</p>
<p>In einem letzten Kapitel geht Pak noch auf einige neuere Texte ein, die von der <italic>Mars</italic>-Trilogie beeinflusst wurden. Dabei sticht der Film A<sc>VATAR</sc> hervor, der zwar kein Terraforming thematisiert, aber viele der in Terraforming-Stories verwendeten Bilder popularisierte (215&#8211;219). Abschlie&#223;end nennt Pak die Forschungsl&#252;cken, die noch offen bleiben, etwa Darstellungen von K&#246;rperver&#228;nderungen (um sich Planeten anzugleichen und nicht umgekehrt), das Thema der &#246;kologischen Katastrophen, oder Terraforming in Textformen, die Pak kaum oder gar nicht behandelte (etwa Filme, Serien, Spiele). Jedenfalls bietet es sich an, weiter zu forschen, wo Pak aufh&#246;rt. <italic>Terraforming</italic> ist eine exzellente und anschlussf&#228;hige Einf&#252;hrung in das Thema, stellt die Entwicklungen und Einfl&#252;sse &#252;ber etwa 100 Jahre vor und bietet reichlich Material f&#252;r eigene Forschung.</p>
<p>Zuletzt noch eine technische Anmerkung: Liverpool University Press bietet Paks Buch sowohl als Hardcover als auch als E-Book an, zum selben Preis von 80 Pfund. Das E-Book, das mir f&#252;r die Rezension zur Verf&#252;gung gestellt wurde, ist aufgrund des Digital Rights Managements ausschlie&#223;lich mit der Software Adobe Digital Editions lesbar. Diese Software macht das Lesen schwer &#8211; die Funktionen zum Bl&#228;ttern, Markieren und Suchen sind unausgegoren. Das Lesen des E-Books f&#252;hrt dazu, dass es sich in der virtuellen Bibliothek vervielf&#228;ltigt, sodass man aufpassen muss, welche Datei man &#246;ffnet. Zugleich ist keine &#220;bernahme des Lesefortschritts oder der Markierungen zwischen verschiedenen Ger&#228;ten m&#246;glich. Nutzen und Freude werden so merklich reduziert &#8211; oft musste ich mich auf technische Fehler konzentrieren, wenn ich eigentlich gerne Paks Inhalt gefolgt w&#228;re. Obwohl ich also das Buch empfehlen kann, rate ich dringend vom Erwerb des E-Books ab.</p>
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<title>Autor*in</title>
<p>Peter Seyferth, Dr., freiberuflicher politischer Philosoph aus M&#252;nchen. 2006 Promotion in politischer Theorie &#252;ber Ursula K. Le Guins Utopien. 2010&#8211;2016 Onlinebeauftragter der Gesellschaft f&#252;r Fantastikforschung. Zahlreiche Publikationen zu Science Fiction, kritischen Utopien und Anarchismus. <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://orcid.org/0000-0002-6731-267X">http://orcid.org/0000-0002-6731-267X</ext-link>.</p>
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<title>Konkurrierende Interessen</title>
<p>Die Autorin hat keine konkurrierenden Interessen zu erkl&#228;ren.</p>
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