<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<!DOCTYPE article PUBLIC "-//NLM//DTD JATS (Z39.96) Journal Publishing DTD v1.1 20120330//EN" "http://jats.nlm.nih.gov/publishing/1.1/JATS-journalpublishing1.dtd">
<!--<?xml-stylesheet type="text/xsl" href="article.xsl"?>-->
<article article-type="review-article" dtd-version="1.1" xml:lang="de" xmlns:mml="http://www.w3.org/1998/Math/MathML" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance">
<front>
<journal-meta>
<journal-id journal-id-type="issn">2192-0885</journal-id>
<journal-title-group>
<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung</journal-title>
</journal-title-group>
<issn pub-type="epub">2192-0885</issn>
<publisher>
<publisher-name>Open Library of Humanities</publisher-name>
</publisher>
</journal-meta>
<article-meta>
<article-id pub-id-type="doi">10.16995/zff.1251</article-id>
<article-categories>
<subj-group>
<subject>Rezension</subject>
</subj-group>
</article-categories>
<title-group>
<article-title>Kn&#246;ppler, Christian. <italic>The Monster Always Returns. American Horror Films and Their Remakes</italic>. transcript, 2017.</article-title>
</title-group>
<contrib-group>
<contrib contrib-type="author">
<name>
<surname>Moldenhauer</surname>
<given-names>Benjamin</given-names>
<prefix>Dr.</prefix>
</name>
<email>be_mo@uni-bremen.de</email>
<xref ref-type="aff" rid="aff-1">1</xref>
</contrib>
</contrib-group>
<aff id="aff-1"><label>1</label>Freier Filmwissenschaftler, DE</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2019-07-10">
<day>10</day>
<month>07</month>
<year>2019</year>
</pub-date>
<pub-date pub-type="collection">
<year>2019</year>
</pub-date>
<volume>7</volume>
<issue>1</issue>
<fpage>1</fpage>
<lpage>6</lpage>
<permissions>
<copyright-statement>Copyright: &#x00A9; 2019 The Author(s)</copyright-statement>
<copyright-year>2019</copyright-year>
<license license-type="open-access" xlink:href="http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">
<license-p>This is an open-access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC-BY 4.0), which permits unrestricted use, distribution, and reproduction in any medium, provided the original author and source are credited. See <uri xlink:href="http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/</uri>.</license-p>
</license>
</permissions>
<self-uri xlink:href="https://zff.openlibhums.org/articles/10.16995/zff.1251/"/>
<abstract>
<p>Review of Kn&#246;ppler, Christian. <italic>The Monster Always Returns. American Horror Films and Their Remakes</italic>.</p>
</abstract>
</article-meta>
</front>
<body>
<p>Ende der 1970er-Jahre entstanden in der englischsprachigen Filmtheorie politisierte Texte &#252;ber den US-Horrorfilm, die bis heute, auch nach dem Ende der Hochzeit der psychoanalytischen Filmtheorie, noch wirkm&#228;chtig sind. Wirkm&#228;chtig zum einen f&#252;r das akademische Verst&#228;ndnis des Genres, zum anderen aber auch f&#252;r das popul&#228;re Verst&#228;ndnis des Sinns von Genreproduktionen. Robin Woods Formel der &#187;Wiederkehr des Verdr&#228;ngten&#171; (&#187;return of the repressed&#171;), die sich auf den Leinw&#228;nden symbolisch vollziehen soll, war die griffigste und hat sich dementsprechend durchgesetzt: Das Monster entstammt demnach nicht mehr einem kategorial vom Eigenen verschiedenen Anderen, sondern ist mit dem Eigenen eng verbunden. Und je enger bzw. dialektischer diese Verbindung sich vom politisch ambitionierten Filmtheoretiker deuten l&#228;sst, desto eher kann man von einem &#187;progressiven&#171; &#8211; im Gegensatz zu einem &#187;reaktion&#228;ren&#171; &#8211; Horrorfilm sprechen.</p>
<p>Die Idee eines &#187;return of the repressed&#171; im Genre ist eng verbunden mit einigen stilbildenden Horrorfilmen der 1970er- und 1980er-Jahre, die an den R&#228;ndern der Filmindustrie entstanden: die Zombiefilme George A. Romeros (ab 1968), Tobe Hoopers T<sc>HE</sc> T<sc>EXAS</sc> C<sc>HAIN</sc> S<sc>AW</sc> M<sc>ASSACRE</sc> (US 1974), John Carpenters H<sc>ALLOWEEN</sc> (US 1978) und noch einige mehr. Man muss kein Nostalgiker sein, um in dieser Phase eine der film&#228;sthetisch interessantesten in der Geschichte des Genres zu sehen. Die Remakes einiger zentraler Filme der damaligen Zeit hingegen werden von der Kritik meist nicht wohlwollend bedacht. Remake gilt vielen als Synonym f&#252;r Ideenlosigkeit.</p>
<p>Der Mainzer Kulturwissenschaftler Christian Kn&#246;ppler verbindet in seiner auf Englisch verfassten Dissertation einen nicht wertenden, analytischen Remake-Begriff mit dem Ansatz Robin Woods, um so eine vergleichende filmhistorische Perspektive zu entwickeln. Zentrale Thesen Woods k&#246;nnen auch &#252;ber drei&#223;ig Jahre nach dem Ersterscheinen seines stilbildenden Aufsatz &#187;The American Nightmare&#171; noch f&#252;r die Genreanalyse fruchtbar gemacht werden. Das hat damit zu tun, dass sie, wenn man rigorose ideologische Filmkategorisierungen wie progressiv/reaktion&#228;r als vor allem zeitgen&#246;ssische Ph&#228;nomene sieht, offen genug sind, um als Blickausrichtung, als strukturbildendes Deutungsraster fungieren k&#246;nnen &#8211; ohne dass man zwangsl&#228;ufig die gleichen politisch-normativen Schl&#252;sse ziehen m&#252;sste.</p>
<p>Der von Kn&#246;ppler vorgeschlagene theoretische Zugriff auf das Remake geht nicht von einem kreativen Defizit aus, sondern von einer potenziell produktiven Konstellation. Das Remake erlaubt einen neuen Blick auf das Original wie auch auf das Genre insgesamt, ungeachtet seiner filmischen Qualit&#228;t, die f&#252;r Kn&#246;pplers Fragestellung keine Rolle spielt: &#187;Remakes [&#8230;] have the potential to both challenge and confirm the genre canon&#171; (249).</p>
<p>Kn&#246;ppler geht nicht von der freudianischen Formel einer Wiederkehr des Verdr&#228;ngten aus, sondern von einem weiteren zentralen interpretatorischen Schl&#252;ssel Woods: &#187;Normality is threatened by the monster&#171; (<xref ref-type="bibr" rid="B1">78</xref>). In der Analyse des Bildes der Normalit&#228;t, das der jeweilige Film konstruiert, und in der Gegen&#252;berstellung dieses Bildes mit der Monsterfigur des jeweiligen Films, l&#228;sst sich zeigen, was der Film &#252;ber das Genre und die Welt und vor allem &#252;ber die in dieser Welt zu findenden kulturell tradierten &#196;ngste zu erz&#228;hlen wei&#223;.</p>
<p>Kn&#246;pplers Buch gliedert sich in zwei Teile: eine vergleichsweise knappe Einleitung, die die theoretischen Pr&#228;missen entfaltet und einen Teil, der sechs Filmanalysen versammelt. In jeder der Analysen werden ein Originalfilm und ein oder mehrere Remakes zueinander in Beziehung gesetzt. Unter &#187;remake&#171; versteht Kn&#246;ppler dabei eine Neuverfilmung im engeren Sinne: &#187;the conscious, declared, legally sanctioned film remake&#171; (60). Thematisiert werden vor allem Remakes, die auf die 2003 erschienene Neuverfilmung von T<sc>HE</sc> T<sc>EXAS</sc> C<sc>HAIN</sc> S<sc>AW</sc> M<sc>ASSACRE</sc> (US 2003, Regie: Marcus Nispel) folgten: Zack Snyders D<sc>AWN OF THE</sc> D<sc>EAD</sc> (US 2004), Rob Zombies H<sc>ALLOWEEN</sc> (US 2007), T<sc>HE</sc> T<sc>HING</sc> (US/CA 2011, Regie: Matthijs van Heijningen) (dessen Vorlage, John Carpenters T<sc>HE</sc> T<sc>HING</sc> (US 1982) wiederum ein Remake von T<sc>HE</sc> T<sc>HING FROM ANOTHER</sc> W<sc>ORLD</sc> (US 1951, Regie: Christian Nyby) darstellt), der vergleichsweise unbekannte T<sc>HE</sc> C<sc>RAZIES</sc> (US 2010, Regie: Breck Eisner) (im Original von George A. Romero, US 1973), die vier I<sc>NVASION-OF-THE</sc>-B<sc>ODYSNATCHERS</sc>-Filme (von Don Siegels 1956 erschienenen Original bis zu Oliver Hirschbiegels THE INVASION von 2007).</p>
<p>Die Analysen argumentieren dabei erfreulich nahe am Filmverlauf. Der Vergleich des 1974 entstandenen T<sc>HE</sc> T<sc>EXAS</sc> C<sc>HAIN</sc> S<sc>AW</sc> M<sc>ASSACRE</sc> mit dem Remake von 2003 l&#228;sst erkennen, wie der Film das destruktive titelgebende Massaker in narrativ konventionellere Bahnen &#252;berf&#252;hrt: Die Heldin l&#228;sst nun, als genretypisches &#8250;final girl&#8249;, gr&#246;&#223;ere Handlungsmacht erkennen, die Unerkl&#228;rlichkeit der Gewalt wird in einer sinngebenden Vergehen-/Bestrafungsdynamik aufgel&#246;st. Sogar ein Verweis auf christliche Ikonografie ist zu finden, wo im Original noch die verst&#246;rende Abwesenheit jedes sinnstiftenden Zusammenhangs festzustellen ist.</p>
<p>Eine &#228;hnliche Konventionalisierung l&#228;sst sich im Vergleich der beiden D<sc>AWN-OF-THE</sc>-D<sc>EAD</sc>-Filme konstatieren. Hier h&#228;ngt sie mit einer weitgehenden Streichung des kapitalismuskritischen Subtextes von Romeros Original zusammen. Der Zerfall der Gruppe, die bei Romero nicht nur an der &#220;bermacht der Untoten scheitert, sondern auch an sich selbst, wird nun in pragmatischere Wege gelenkt. Der gesunde Menschenverstand ist eine Gr&#246;&#223;e, auf die man in der Welt des Remakes nach wie vor bauen kann. Bei Romero gab es dieses Vertrauen noch nicht. Der offensichtlichste Unterschied aber: Der Film von 2004 w&#252;rde Kategorien wie menschlich/monstr&#246;s nicht aufl&#246;sen, sondern verst&#228;rken (vgl. 182). Bei Zack Snyder regiert das filmisch hochtourige Spektakel. Bei Romero die Inszenierung eines beklemmend ausweglosen Zerfalls.</p>
<p>Das Ergebnis der Analyse ist im Falle von Snyders D<sc>AWN OF THE</sc> D<sc>EAD</sc> nicht neu, war aber bisher noch nicht so umfassend geb&#252;ndelt zu lesen. Kn&#246;ppler bezieht sich fortlaufend auf die existierende Literatur zu den von ihm verhandelten Filmen. Damit l&#228;sst sich sein Buch auch als eine &#228;u&#223;erst brauchbare Einf&#252;hrung in den aktuellen Stand der Debatte um das zeitdiagnostische Potenzial von Horrorfilmen lesen.</p>
<p><italic>The Monster Always Returns</italic> schn&#252;rt seine Einzelanalysen am Ende erfreulicherweise nicht zu einer platten zentralen zeitdiagnostischen These zusammen. Kn&#246;ppler argumentiert &#252;berzeugend, dass viele der von ihm analysierten Konventionalisierungen mit ver&#228;nderten Produktionsbedingungen zu tun haben (vgl. 247). Die Filme der 1970er-Jahre wurden von Firmen, die jenseits des etablierten Studiosystems situiert waren, produziert oder waren gar, wie etwa Romeros N<sc>IGHT OF THE</sc> L<sc>IVING</sc> D<sc>EAD</sc>, zu weiten Teilen von den Filmemachern selbst finanziert. Das Remake von D<sc>AWN OF THE</sc> D<sc>EAD</sc> hingegen musste sein Budget von 26 Millionen Dollar wieder einspielen.</p>
<p>Die detailgenauen Analysen m&#252;ssen im Vergleich zu den Arbeiten Robin Woods nicht mehr zur St&#252;tzung einer prim&#228;r politischen Perspektive taugen. Wenn Kn&#246;ppler die &#187;further dehumanization of monsters&#171; (247) in den Remakes konstatiert, findet er immer noch gen&#252;gend Aspekte und gegenl&#228;ufige Trends, die ein eindeutiges und damit gerade zwangsl&#228;ufig vereinfachendes Ergebnis unterlaufen: &#187;It would seem that the current remakes largely continue on the ideological path described by Wood, but as the detailed analysis has shown, the stances of the individual films are usually more complex than Wood&#8217;s political dichotomy suggests&#171; (247). So k&#246;nnen auch gegenl&#228;ufige Filme &#8211; wie etwa Rob Zombies H<sc>ALLOWEEN</sc>-Remake &#8211; miteinbezogen werden. Die Produktivit&#228;t der eigenen Perspektive beweist sich wie immer an den einzelnen Filmen, nicht in der Behauptung von schematischen Tendenzen. Die Verbindung von Filmbild und den &#8250;cultural fears&#8249; ist trotzdem gegeben und wird hier plausibel bestimmt und entfaltet.</p>
</body>
<back>
<sec>
<title>Autor</title>
<p>Dr. Benjamin Moldenhauer, Studium der Soziologie, Philosophie und der Kulturwissenschaften in Bremen und Wien. Schreibt regelm&#228;&#223;ig f&#252;r Spiegel online, taz, Neues Deutschland und das Filmmagazin <italic>ray</italic>. Seine Monografie <italic>&#196;sthetik des Drastischen. Welterfahrung und Gewalt im Horrorfilm</italic> (Bertz+Fischer 2016) erschien 2017 in der zweiten Auflage.</p>
</sec>
<sec>
<title>Konkurrierende Interessen</title>
<p>Der Autor hat keine konkurrierenden Interessen zu erkl&#228;ren.</p>
</sec>
<ref-list>
<title>Zitierte Werke</title>
<ref id="B1"><label>1</label><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Wood</surname>, <given-names>Robin</given-names></string-name>. <chapter-title>&#187;The American Nightmare: Horror in the 1970s&#171;</chapter-title>. <source>Hollywood from Vietnam to Reagan, and beyond</source>. <publisher-name>Columbia UP</publisher-name>, <year>2003</year>. <fpage>70</fpage>&#8211;<lpage>94</lpage>.</mixed-citation></ref>
</ref-list>
</back>
</article>