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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung</journal-title>
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<subject>Rezension</subject>
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<article-title>May, Markus, Michael Baumann, Robert Baumgartner und Tobias Eder, Hg. <italic>Die Welt von G<sc>AME OF</sc> T<sc>HRONES</sc>. Kulturwissenschaftliche Perspektiven auf George R. R. Martins &#187;A Song of Ice and Fire&#171;</italic>. transcript, 2016.</article-title>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Friedrich-Schiller-Universit&#228;t Jena, DE</aff>
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<license-p>This is an open-access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC-BY 4.0), which permits unrestricted use, distribution, and reproduction in any medium, provided the original author and source are credited. See <uri xlink:href="http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/</uri>.</license-p>
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<p>Book review.</p>
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<p>Deutsch als Wissenschaftssprache au&#223;erhalb ihres Kerngebiets der Germanistik k&#228;mpft oftmals ums &#220;berleben. Es ist deshalb umso erstaunlicher, dass sich die Herausgeber des Aufsatzbands <italic>Die Welt von G<sc>AME OF</sc> T<sc>HRONES</sc></italic> f&#252;r Deutsch und somit f&#252;r eine Au&#223;enseiterposition im dynamischen Diskurs um Martins Werk entschieden haben &#8211; sehr zum Schaden all derjenigen interessierten Leser*innen und Wissenschaftler*innen, die kein Deutsch k&#246;nnen, denn die allermeisten der 23 Beitr&#228;ge aus den unterschiedlichsten kulturwissenschaftlichen Disziplinen sind sehr zu empfehlen. Eine detaillierte Auseinandersetzung mit allen Aufs&#228;tzen ist hier zwar nicht m&#246;glich, die acht Themenbereiche, in die die Herausgeber die Texte geb&#252;ndelt haben, sollen aber in chronologischer Reihenfolge behandelt und kurz kommentiert werden.</p>
<p>Den Anfang machen zwei Untersuchungen zu den Machtstrukturen in Westeros. Stefan Donecker liefert eine &#252;berzeugende Analyse der Grunds&#228;tze der genealogi-schen Legitimation und deren Instrumentalisierung durch Martin, der die mittelalterlich anmutenden sozialen Konventionen seiner Welt (Primogenitur etc.) einerseits f&#252;r die Erschaffung eines epochenspezifischen Flairs verwendet, sie aber anderseits als Ausgangspunkt f&#252;r die inneren Konflikte nimmt, unter denen die meisten seiner Protagonisten leiden. Die Suspendierung dieses Prinzips durch ungeahndeten Verwandtenmord und der Durchsetzung des Recht des St&#228;rkeren in der 6. Staffel hat dann auch zur Folge, dass die Gesellschaft in ihren Grundfesten ersch&#252;ttert wird. Eine andere Herangehensweise hat Anja M&#252;ller gew&#228;hlt, die in einem handwerklich soliden Beitrag anhand der Bezugnahme auf und die Verwendung des L&#246;wen durch die verschiedenen Mitglieder der Familie Lannister aufzeigt, wie Martin die seit der Sp&#228;tantike festzustellende reichhaltige und nicht immer eindeutige Symbolik der L&#246;wenfigur zur Charakterisierung der Familie Lannister und ihrer Mitglieder nutzt.</p>
<p>Der zweite Abschnitt umfasst auch wieder zwei Aufs&#228;tze &#8211; beide mit einem Fokus auf dem Norden als Ort der Konstruktion des Anderen bzw. Fremden. W&#228;hrend Mario Grizelj einen umfassenden theoretischen Rahmen und ein klar definiertes analytisches Instrumentarium herausarbeitet, das wohl auch von anderen Forschern gewinnbringend verwendet werden kann, hinterl&#228;sst der Beitrag von Igor Eberhard den Eindruck, dass vor allem l&#228;ngere Zitate kommentiert und die Themen additiv und ohne weitergehende theoretisch-kritische Metareflexion aneinandergereiht werden &#8211; was schade ist, denn das Motiv des Nordens hat gro&#223;es Potenzial und Martin reiht sich in eine altehrw&#252;rdige Tradition ein, die in j&#252;ngerer Zeit durch Philip Pullmans <italic>His Dark Materials</italic>-Trilogie wieder ins Bewusstsein einer breiten &#214;ffentlichkeit gelangte.</p>
<p>Das Thema &#187;Religion und Mythos&#171; verbindet die vier Aufs&#228;tze der dritten Sektion. Vater und Sohn Frenschkowski bieten in ihren Beitr&#228;gen jeweils einen Rundgang durch die Weltreligionen und Mythologien zu den Themen Feuer und Norden. F&#252;r Leser*innen, die eine erste Orientierung w&#252;nschen, sind solche &#8250;enzyklop&#228;dischen&#8249; Aufs&#228;tze vielleicht von Interesse, aber alle, die eine weitergehende und vertiefte Analyse der Motive und Themen im Werk Martins erwarten, werden entt&#228;uscht sein. Wesentlich ertragreicher ist Rainer Emigs &#220;berblicksaufsatz, der klar auf die Charakterisierung und die Darstellung der Funktion der unterschiedlichen Religionen in Martins Werk fokussiert ist und als eine sehr gute erste Einf&#252;hrung zur Thematik dienen kann. Einen ersten H&#246;hepunkt des Bandes bietet Johannes R&#252;sters sowohl witzig geschriebener wie auch fundiert argumentierender Artikel, der die Funktionen der Religionen in der Alltagswelt mit ihren entsprechenden Gegenparts in Martins Welt vergleicht und dadurch den Leser*innen ein tieferes Verst&#228;ndnis f&#252;r deren Wirken verschafft. Es sind solche Aufs&#228;tze, die die Wissenschaft weiterbringen und gleichzeitig intellektuelles Vergn&#252;gen bereiten.</p>
<p>Auf Religion folgt Gender &#8211; eine Kategorie, die in keinem wissenschaftlichen Sammelband fehlen darf. Und auch wenn Martin betont, dass Frauen f&#252;r ihn in erster Linie Menschen sind, so wei&#223; er doch genau, dass die Genderrollen ein wichtiges Instrument im Werkzeugkasten eines Autors darstellen. Die Herausgeber des Bandes verwenden Gender in einer weitreichenden Bedeutung, so dass auch Kategorien wie &#8250;Bastarde und Barbaren&#8249; darunter zu verstehen sind. Der Essay von Hans Richard Brittnacher ist ein wichtiger Beitrag zur Erforschung der ethischen Dimension von Martins Werk, denn er zeigt auf, wie die Vertreter eines <italic>third space</italic> (Bastarde) bzw. die durch ihre Zivilisationsferne charakterisierten Barbaren eine wichtige Funktion in der Dekonstruktion des moralisch dekadenten Westeros spielen und zu Hoffnungstr&#228;gern f&#252;r eine bessere Welt werden. Corinna D&#246;rrich bietet in ihrem sehr lesbaren Artikel nicht nur eine kenntnisreiche und differenzierte Analyse des Rittertums in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen sowie deren Einbettung in die unterschiedlichen Kulturen der bekannten Welt, sondern verkn&#252;pft diese auch mit dem jeweiligen Geschlechterdiskurs. Einen &#8250;klassisch genderdiskursiven&#8249; Ansatz findet sich eigentlich nur im dritten Aufsatz der Sektion, in dem Felix Schr&#246;ter die Darstellung der Frauen in vier jeweils unterschiedlichen Kategorien zuzurechnenden G<sc>AME-OF</sc>-T<sc>HRONES</sc>-Computerspielen untersucht.</p>
<p>Fragen der Ethik, Moral und der Politik kamen zwar bereits bei anderer Gelegenheit zur Sprache, stehen nun aber in den drei Beitr&#228;gen zur f&#252;nften Sektion im Mittelpunkt. Michael Baumann verwendet in seinem sehr lesenswerten Aufsatz Max Webers Konzept der verschiedenen Formen der Macht und Herrschaft um zuerst einen &#220;berblick &#252;ber die in <italic>A Song of Ice and Fire</italic> anzutreffenden Formen rationaler (Maesters), traditionaler (Lords) und charismatischer (z.B. Daenerys) Herrschaft zu geben. In einem zweiten Schritt zeigt er auf, wie sich die Modelle von rationaler und traditionaler Herrschaft in Form der Maesters und Lords erg&#228;nzen und gegenseitig stabilisieren, wie nun aber dieses Gef&#252;ge durch die charismatische Daenerys bedroht wird. Ebenfalls mit Herrschaftsstrukturen besch&#228;ftigt sich die gelungene politik-wissenschaftliche Analyse von Peter Seyferth, der die verschiedenen Formen der Herrschaftsaus&#252;bung in Westeros mit Hilfe realweltlicher Theorien des politischen Realismus (Machiavelli) analysiert. Machiavelli scheint bei den sich mit Martins Werk besch&#228;ftigenden Politikwissenschaftlern und Philosophen sehr beliebt zu sein, da auch mehrere Beitr&#228;ge im Band <italic>G<sc>AME OF</sc> T<sc>HRONES</sc> and Philosophy</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B5">2012</xref>), der von Seyferth rezipiert wurde, Machiavelli als Ausgangspunkt nehmen. Christoph Petersen liefert mit seiner Interpretation der drei Drachen als Inkarnationen des durch Hobbes&#8217; <italic>Leviathan</italic> abstrahierten Herrschaftspotenzials eine anspruchsvolle Deutung dieser faszinierenden Wesen und arbeitet auch die soteriologischen Bez&#252;ge der Figur Daenerys mit ihren drei Drachen gut heraus.</p>
<p>Etwas beliebig scheint mir die sechste Sektion, die Beitr&#228;ge zur Funktion von Darstellungen der Sexualit&#228;t, dem Fechten als Strukturelement, und der Filmmusik vereint. Am besten ignoriert man in diesem Fall die &#8250;Sektionszuordnung&#8249; und liest jeden der Texte f&#252;r sich. Robert Baumgartner liefert eine sachlich fundierte und erfrischend unideologische Analyse der Rolle und Funktion von Sexualit&#228;t und ihrer Darstellung in <italic>A Song of Ice and Fire</italic>. Er zeigt schl&#252;ssig auf, wie in Martins B&#252;chern Sexualit&#228;t nie nur als &#8250;Ornament&#8249; verwendet wird, sondern immer Teil einer Kultur bzw. Machtstruktur ist und dem Leser wichtige Informationen &#252;ber die Protagonisten vermittelt. Als Reenactment-Veteran hatte ich gewisse Erwartungen an Matthias Langenbahns Aufsatz &#252;ber das Fechten. Nun skizziert er als Fachmann zwar kompetent die historische Entwicklung der realweltlichen (europ&#228;ischen) Fechtkunst seit dem 14. Jahrhundert und zieht Parallelen zu den unterschiedlichen &#8250;Stilen&#8249; in <italic>A Song of Ice and Fire</italic>, doch fand ich den Stil der Sprache des Aufsatzes allzu jargonlastig und unn&#246;tig kompliziert. Vers&#246;hnlicher stimmte mich dann wieder Christian Wengs auch f&#252;r Musik-Laien klar verst&#228;ndlich formulierte und gut strukturierte Einf&#252;hrung zu den unterschiedlichen Funktionen der Filmmusik, die anhand von zwei konkreten Beispielen (&#187;Main Title&#171;, d. h. die Er&#246;ffnungsmelodie der Serie, und &#187;Stand and Fight&#171;) illustriert werden.</p>
<p>R&#228;tsel im weitesten Sinne des Wortes sowie meist nicht sehr genaue und somit &#8250;r&#228;tselhafte&#8249; Prophezeiungen spielen eine wichtige Rolle in <italic>A Song of Ice and Fire</italic> &#8211; und, wie man auf den zahlreichen Blogs und Internetforen sehen kann, sie regen die Fantasie und detektivische Kombinationsgabe der Leser*innen an. Es ist deshalb begr&#252;&#223;enswert, dass Tobias Eder und Markus May sich in ihren Beitr&#228;gen genauer mit dem Obskuren und &#220;bernat&#252;rlichen besch&#228;ftigen. Tobias Eder zeigt in seinem sehr gut strukturierten und stringent argumentierenden Aufsatz wie der systematische Perspektivenwechsel in Martins Texten &#187;unzuverl&#228;ssige Erz&#228;hler&#171; erschafft und die Unschl&#252;ssigkeit zum Kernst&#252;ck der Faszination macht. Dabei steht der &#187;rationale Kern&#171; von Westeros in Opposition zu den &#252;bernat&#252;rlichen Elementen, die im Verlauf der Geschichte immer mehr vom &#187;Rand&#171; eindringen, so dass wir eine Kombination von &#187;immersiver&#171; und &#187;intrusiver&#171; Fantasy haben (um Farah Mendlesohns Begrifflichkeit zu verwenden). Diese Ambiguit&#228;t ist auch das Thema von Mays Beitrag, der exemplarisch die Prophezeiung untersucht, die Cersei ihre Zukunft vorhersagt (&#187;A Feast for Crows&#171;). May zeigt sehr sch&#246;n die Funktion solcher Elemente innerhalb der Erz&#228;hlstruktur und ihre Verwendung zur Leserlenkung auf.</p>
<p>Die finale Sektion vereinigt vier Aufs&#228;tze, die zwar sehr unterschiedliche Themen behandeln, jedoch alle den Medienwechsel und dessen Auswirkungen untersuchen. Franziska Ascher bietet eine interessante, theoretisch unterf&#252;tterte Reflexion &#252;ber Computerspiel-Adaptionen und deren Genre-Anforderungen sowie den daraus resultierenden Problemen und Chancen. Maria Kutscherow vergleicht die Darstellung von Kindern und Jugendlichen in Buch und Film und zeigt auf, wie die von Martin in den B&#252;chern verwendete, sich stark an mittelalterlichen Vorbildern orientie-rende Charakterisierung aus kulturspezifischen Gr&#252;nden und zur Vermeidung von Tabuverletzungen (hier Sex mit Minderj&#228;hrigen) ver&#228;ndert und m&#246;gliche Probleme durch Besetzung der Rollen mit teilweise wesentlich &#228;lteren Schauspielerinnen vermieden werden. Das oftmals kontrovers diskutierte Thema der Darstellung von Nacktheit und Sexualit&#228;t in der HBO-Serie ist dann auch das Thema von Simon Spiegels Aufsatz. Leider konnte er nicht die auch <xref ref-type="bibr" rid="B4">2016</xref> erschienenen Aufs&#228;tze im Band von Gjelsvik und Schubart rezipieren (insbesondere die Texte von Mariah Larsson und St&#233;phanie Genz w&#228;ren sehr relevant), aber auch so gelingt es ihm differenziert argumentierend aufzuzeigen, wie HBO diese Elemente reflektierter, weitreichender und raffinierter einsetzt, als es in Kinofilmen oder in &#246;ffentlichen Fernsehkan&#228;len m&#246;glich ist. Den Abschluss bildet Tobias Unterhubers interessanter Aufsatz, der sich mit den Auswirkungen des Medienwechsels im Rahmen der Interaktion zwischen Subkultur und Mainstream widmet.</p>
<p>Wie hoffentlich aus der Besprechung der einzelnen Beitr&#228;ge ersichtlich wurde, ist der Band eine sehr lesenswerte Publikation zu <italic>A Song of Ice and Fire</italic>. Auch wenn vereinzelte Aufs&#228;tze nicht immer ganz &#252;berzeugen konnten, so ist die durchschnit-tliche Qualit&#228;t hoch und die Herausgeber haben eine so abwechslungsreiche wie thematisch breit gestreute Kollektion vorgelegt, die in der deutschsprachigen Publikationslandschaft konkurrenzlos dasteht. Vor allem lobend zu erw&#228;hnen sind die zahlreichen Beitr&#228;ge, die theoretische Ans&#228;tze gekonnt mit einer kenntnis-reichen Interpretation von Martins Epos verkn&#252;pfen und so dem Leser neue Horizonte er&#246;ffnen.</p>
<p>Der Wechsel zum Englischen im zweiten zu besprechenden Band bedeutet keinen Paradigmenwechsel &#8211; obwohl eine allerdings mehr theoretische als praktische Verengung des Blickwinkels auf Frauen eintritt. In ihrer Einleitung definieren die beiden Herausgeberinnen zuerst zentrale Begriffe (wie &#187;transmedia GoT universe&#171;) bevor sie sich dann der Aufgabe stellen, die Fokussierung auf Frauengestalten durch die quantitative Pr&#228;senz weiblicher POV-Erz&#228;hlerinnen zu legitimieren und gleichzeitig auch die qualitative wichtige Rolle der Frauen zu betonen. Dar&#252;ber hinaus skizzieren sie den wissenschaftlichen Diskurs, der f&#252;r die nachfolgenden Beitr&#228;ge den theoretischen Rahmen bildet und verankern ihren Ansatz im Feld der <italic>transmedia studies</italic>. So ist es denn keine &#220;berraschung, dass der erste Aufsatz von Mariah Larsson gleich eines der in der Publikumswahrnehmung zentralen Themen behandelt: Liebe und Sex. Larsson zeigt auf, wie und aus welchen Gr&#252;nden die TV-Adaptionen von der Buchvorlage abweichen. Larssons luzid geschriebener Beitrag verh&#228;lt sich in vielen Punkten komplement&#228;r zu Simon Spiegels Aufsatz zum gleichen Thema im Band von May et al. und so verwundert es nicht, dass beide im Falle von Daenerys&#8217; Verh&#228;ltnis zu Khal Drogo zu sehr &#228;hnlichen Schlussfolgerungen gelangen. Das sich an Larsson anschlie&#223;ende Kapitel von Shannon Wells-Lassagne f&#252;hrt die Diskussion um die Figur von Talisa Maegyr weiter. Die an und f&#252;r sich korrekte jedoch ansonsten wei-testgehend eindimensionale Argumentation zeigt auf, wie Talisa und die Prostituierte Ros f&#252;r die TV Serie neu erschaffen wurden. Dies geschieht, um die &#187;kleinen Leute&#171; (&#187;smallfolk&#171;) besser zu repr&#228;sentieren, da sie ansonsten unter den POV-Charakteren kaum vertreten sind. Anne Gjelsvik untersucht die Darstellung von F&#228;llen sexueller Gewalt, die von Vergewaltigung (z. B. Jaimes Vergewaltigung seiner Schwester Cersei in der TV Serie) bis zur Kastration (Theon Greyjoy) reichen und zeigt auf, dass in der filmischen Umsetzung oftmals eine Schw&#228;chung der weiblichen Protagonisten sowie eine Sexualisierung der Folter stattfindet. Gjelsviks Argumentation ist zwar in sich schl&#252;ssig, ich m&#246;chte aber anmerken, dass im Falle von Theon Greyjoys &#8250;Verf&#252;hrung&#8249; durch die beiden Frauen im Verlies wohl auch Szenen wie die Verf&#252;hrung Jonathan Harkers durch die Vampirinnen auf Schloss Dracula Pate standen. Dies ist ein Beispiel, das aufzeigt, dass sich die Beweggr&#252;nde f&#252;r Ver&#228;nderungen der Textvorlage aus unterschiedlichsten Quellen speisen k&#246;nnen. &#187;Ver&#228;nderungen&#171;, aber diesmal von weiblichen Figuren, ist das Thema von Felix Schr&#246;ters Aufsatz zur Darstellung und Funktion der weiblichen Figuren in G<sc>AME OF</sc> T<sc>HRONES</sc>-basierten Computerspielen. Die Studie ist weitgehend deckungsgleich mit seinem Beitrag zum Band von May et al., und es ist erfreulich zu sehen, dass zumindest einer der deutschen Beitr&#228;ge den &#8250;Sprachgraben&#8249; &#252;berwunden hat. Rikke Schubart gelingt es mit Hilfe verschiedener interpretatorischer Deutungsmuster, wie sie z. B. auf das klassische M&#228;rchen angewendet werden, die schillernde Figur Daenerys genauer zu fassen und ihre Individualit&#228;t auf dem Hintergrund des &#187;m&#228;rchenhaften&#171; Diskurses und dessen Brechungen genauer zu beleuchten. So ist Daenerys nicht ein stereotyper Drachent&#246;ter, sondern im Gegenteil eine &#187;Drachensch&#246;pferin&#171;; insgesamt ein spannend zu lesender Aufsatz. Der Beitrag von Helle Kannik Haastrup beginnt mit einer allgemeinen Diskussion der Gattungszugeh&#246;rigkeit von Martins Werk, bevor dann das Schicksal der weiblichen Protagonisten (Cersei, Daenerys, Arya) in der Episode T<sc>HE</sc> C<sc>HILDREN</sc> (Staffel 4) detailliert untersucht wird. Zu Recht weist Haastrup darauf hin, dass wir es mit einer hybriden Textgattung zu tun haben, die zwar haupts&#228;chlich den Konventionen der High Fantasy folgt, jedoch auch Elemente der Gattungen &#187;adventure&#171;, &#187;soap opera&#171;, &#187;romance&#171;, &#187;horror&#171; und &#187;mystery&#171; beinhaltet.</p>
<p>Die Untersuchung des Motivs der Mutterschaft durch Marta Eidsv&#229;g ist so klar wie &#252;berzeugend pr&#228;sentiert. Der allgemeine theoretische Teil, in dem Eidsv&#229;g die unterschiedlichen Muttertypen vorstellt, wird von einem textbasieren Analyseteil gefolgt, der die konkreten Beweise f&#252;r die Argumentation liefert. So gelingt es Eidsv&#229;g gut verst&#228;ndlich zu zeigen, wie HBO die beiden zentralen Mutterfiguren (Catelyn und Cersei) den Mainstream-Erwartungen anpasst und diese n&#228;her an die archetypischen Vorbilder r&#252;ckt, indem nicht ins Bild passende Eigenschaften und Handlungen ausgeblendet bzw. nicht in das Medium Film &#252;bertragen werden. Yvonne Tasker und Lindsay Steenberg untersuchen in ihrem theoretisch abgest&#252;tzten, klar strukturierten und anregenden Text, wie die weiblichen Kriegerinnenfiguren unterschiedliche, oftmals komplexe Funktionen haben. So ist Brienne der anachronistische Ritter, Arya der klassische Wildfang, und Daenerys eine messianische Mutterfigur. Gleichzeitig kommt es jedoch zur Variation bzw. Subversion von klassischen Tropen. So wird z.B. das typische h&#246;fische Liebesverh&#228;ltnis in der Beziehung zwischen Ser Jorah und Daenerys variiert bzw. erlebt im Verh&#228;ltnis zwischen Brienne und dem homosexuellen Renly Baratheon eine bisher unbekannte neue Ausformung. Elizabeth Beaton beschr&#228;nkt sich auf drei weibliche &#187;Machiavelli-Figuren&#171; (Asha Greyjoy, Cersei, Daenerys) und unterscheidet sich damit in ihrem Ansatz von Peter Seyferth, der in seinem Beitrag in May et al. mit den realweltlichen Theorien des politischen Realismus (Machiavelli) die verschiedenen Formen der Herrschaftsaus&#252;bung in Westeros analysierte. Beaton charakterisiert die weiblichen Machiavelli-Figuren haupts&#228;chlichen nach deren Bet&#228;tigungsfeldern und diskutiert im Detail den &#187;mi-lit&#228;rischen Machiavellisten&#171; (Asha), den &#187;h&#246;fischen Machiavellisten&#171; (Cersei) und die &#187;machiavellistische F&#252;hrerfigur&#171; (&#187;The Machiavellian Prince&#171;, Daenerys). In thematisches Neuland f&#252;hrt uns Susana Tosca und Lisbeth Klastrups Diskussion der weiblichen Expertinnen des &#187;Youtube Fan Recap Genre&#171; &#8211; <italic>nota bene</italic> ein Genre, das die Autorinnen als erste benennen und als &#187;contemporary form of cultural journalism&#171; (222) beschreiben. Anhand von drei ausgew&#228;hlten Beispielen zeigen sie auf, welche Vermittlungsstrategien angewandt werden und inwiefern die Tatsache, dass die Pr&#228;sentatorinnen Frauen sind, eine Rolle spielt. Mit dem Schlusskapitel von St&#233;phanie Genz, das eine Analyse der im G<sc>AME OF</sc> T<sc>HRONES</sc> gezeigten schonungslosen Verkn&#252;pfung von sexueller Gewalt und den in der bekannten Welt existierenden Herrschaftsstrukturen vornimmt, kehren wir wieder zu den Themen am Anfang des Buches zur&#252;ck. Genz&#8217; Beitrag ist zwar &#187;Ideologie zentriert&#171; und vernachl&#228;ssigt deshalb wohl auch gewisse Dinge (z. B. dass die Unbefleckten Prostituierte aufsuchen, um von ihnen einfach nur W&#228;rme und Zuwendung zu erhalten), gibt jedoch innerhalb der Parameter einer feministischen Kritik eine &#252;berzeugende Analyse des Ph&#228;nomens G<sc>AME OF</sc> T<sc>HRONES</sc>. Zu Recht weist Genz darauf hin, dass sich das kritische Potenzial der Serie nicht nach au&#223;en richtet und deshalb Gefahr l&#228;uft, sich in selbstverliebter Selbstreferenz zu ersch&#246;pfen.</p>
<p>Insgesamt ist die (selektive) Lekt&#252;re beider B&#228;nde interessierten Leser*innen sehr zu empfehlen. Im Gegensatz zu den eher popul&#228;rwissenschaftlich ausgerichteten Ver&#246;ffentlichungen zum Thema sind alle Beitr&#228;ge gut recherchiert und gen&#252;gen den Mindestanforderungen an eine wissenschaftliche Publikation. Sie reihen sich somit in die wachsende Zahl von akademisch ausgerichteten kultur- und literaturwissenschaftlichen Studien und Sammelb&#228;nden zu Martins Werk ein, wie beispielsweise Jes Battis and Susan Johnstons <italic>Mastering the Game of Thrones</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B1">2015</xref>) oder Valerie Estelle Frankels <italic>Women in G<sc>AME OF</sc> T<sc>HRONES</sc></italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B3">2014</xref>). Damit erg&#228;nzen und vertiefen sie die &#8250;medi&#228;vistische&#8249; Interpretation, wie sie z. B. durch Carolyne Larringtons <italic>Winter Is Coming: The Medieval World of G<sc>AME OF</sc> T<sc>HRONES</sc></italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B6">2016</xref>) oder Bartlomiej Blaszkiewicz&#8217; <italic>George R. R. Martin&#8217;s</italic> &#187;<italic>A Song of Ice and Fire</italic>&#171; <italic>and the Medieval Literary Tradition</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B2">2014</xref>) etabliert wurde, und tragen zu einer lebendigen und akademisch hochstehen-den Diskurskultur &#252;ber <italic>A Song of Ice and Fire</italic> bzw. der TV-Serie G<sc>AME OF</sc> T<sc>HRONES</sc> bei.</p>
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<title>Autor</title>
<p>Thomas Honegger promovierte und habilitierte im Fach Englische Philologie an der Universit&#228;t Z&#252;rich. Seit 2002 ist er Professor f&#252;r anglistische Medi&#228;vistik an der Friedrich-Schiller Universit&#228;t Jena. Homepage: <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://www.iaa.unijena.de/Institut/Mitarbeiter%2bAinnen/Honegger_+Thomas-p-228.html">http://www.iaa.unijena.de/Institut/Mitarbeiter%2bAinnen/Honegger_+Thomas-p-228.html</ext-link>.</p>
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<title>Konkurrierende Interessen</title>
<p>Der Autor hat keine konkurrierenden Interessen zu erkl&#228;ren.</p>
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<title>Zitierte Literatur</title>
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<ref id="B2"><label>2</label><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Blaszkiewicz</surname>, <given-names>Bartlomiej</given-names></string-name>, Hg. <source>George R. R. Martin&#8217;s &#187;A Song of Ice and Fire&#171; and the Medieval Literary Tradition</source>. <publisher-name>WUW</publisher-name>, <year>2014</year>. DOI: <pub-id pub-id-type="doi">10.31338/uw.9788323514350</pub-id>.</mixed-citation></ref>
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