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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung</journal-title>
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<subject>Rezension</subject>
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<article-title>Sammelrezension zu 2001: A S<sc>PACE</sc> O<sc>DYSSEY</sc></article-title>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Universit&#228;t Z&#252;rich, CH</aff>
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<license-p>Die Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung ist eine Open-Access-Zeitschrift mit Peer-Review-Verfahren, die von der Open Library of Humanities ver&#246;ffentlicht wird. &#x00A9; 2021 Der/die Autor*innen. Dieser Open-Access-Beitrag ist lizensiert durch die Creative-Commons Lizenz BY-ND. Diese Lizenz erlaubt es Weiterverwendern*innen, das Material in jedem Medium oder Format nur in nicht angepasster Form zu kopieren und zu verbreiten, solange der/die Urheber*in genannt wird. Die Lizenz erlaubt die kommerzielle Nutzung. Vgl. <uri xlink:href="https://creativecommons.org/licenses/by-nd/4.0/">https://creativecommons.org/licenses/by-nd/4.0/</uri>.</license-p>
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<p>Book review.</p>
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<p>Stanley Kubricks 2001: A S<sc>PACE</sc> O<sc>DYSSEY</sc> (US/GB 1968) ist ein unbestrittener Meilenstein des SF-Kinos, dessen Einfluss auf das Genre bis heute anh&#228;lt und der entsprechend ausgiebig kommentiert wurde; angeblich wurde &#252;ber keinen anderen Film so viel publiziert wie &#252;ber 2001. Ob das nun stimmt oder nicht &#8211; es gibt in der Tat kaum einen Aspekt des Films, der nicht schon beleuchtet wurde. Anl&#228;sslich des 50. Geburtstags des SF-Epos ist 2018 eine Reihe neuer B&#252;cher erschienen, die hier nun vorgestellt werden sollen.</p>
<p>Angesichts der F&#252;lle an bereits existierender Literatur stellt sich bei jeder neuen Publikation zu 2001 unweigerlich die Frage, an wen sie sich richtet &#8211; an den interessierten Laien oder an Kenner*innen &#8211;, beziehungsweise, ob sie etwas Neues zum Thema beitragen kann. Letzteres ist nach wie vor m&#246;glich, denn die wissenschaftliche Besch&#228;ftigung mit Kubricks &#338;uvre hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt, wie auch James Fenwick in der Einleitung des von ihm herausgegebenen Bands <italic>Understanding Kubrick&#8217;s 2001: A S<sc>PACE</sc> O<sc>DYSSEY</sc>. Representation and Interpretation</italic> feststellt (7&#8211;11). Lange wurde die Diskussion von formalistisch und semiotisch gepr&#228;gten Ans&#228;tzen dominiert, welche Kubricks Filme in klassischer hermeneutischer Weise aus diesen heraus interpretierten. Urs&#228;chlich hierf&#252;r waren nicht nur die vorherrschenden Trends der Filmwissenschaft, sondern auch die Tatsache, dass sich Kubrick dem Publikum und der Presse weitgehend verweigerte und &#8211; wenn &#252;berhaupt &#8211; nur sehr zur&#252;ckhaltend zu seinem Werk &#228;u&#223;erte. Der Regisseur war somit lange fast ausschlie&#223;lich &#252;ber seine Filme greifbar. Dies &#228;nderte sich, als sich Kubricks Erben nach dessen Tod im Jahre 1999 dazu entschieden, seinen umfangreichen Nachlass &#246;ffentlich zug&#228;nglich zu machen. Das Stanley Kubrick Archive an der University of Arts in London, das seit 2007 allen Interessierten offensteht, hat zu einem eigentlichen <italic>archival turn</italic> in der Forschung gef&#252;hrt, infolgedessen die Produktionsumst&#228;nde und Kubricks Arbeitsweise in den Vordergrund r&#252;ckten.</p>
<p>Ein m&#246;gliches Einteilungsraster f&#252;r die vorliegenden B&#252;cher w&#228;re somit die Frage, an wen sie sich richten und ob sie eher der &#8250;alten&#8249; oder der &#8250;neuen&#8249; Kubrick-Forschung zuzurechnen sind. Im Falle von Nils Daniel Peilers <italic>201x2001</italic> l&#228;sst sich das schnell beantworten: Das hundertseitige B&#228;ndchen ist eine typische Best-of-Publikation, wie sie anl&#228;sslich von Jubil&#228;en eben ver&#246;ffentlicht werden. Anhand von 201 Stichworten gibt Peiler allerlei Fakten und Anekdoten rund um den Film zum Besten, die man so oder &#228;hnlich schon anderswo gelesen hat. F&#252;r Kubrick-Kenner*innen findet sich hier nichts Neues, und f&#252;r alle anderen sind <xref ref-type="bibr" rid="B2">Michel Ciments</xref> und <xref ref-type="bibr" rid="B4">Alexander Walkers</xref> mittlerweile klassische Monografien zu Kubricks Werk eher zu empfehlen.</p>
<p>Ein Beispiel f&#252;r den neuen quellenbasierten Ansatz ist hingegen Michael Bensons <italic>Space Odyssey: Stanley Kubrick, Arthur C. Clarke, and the Making of a Masterpiece</italic>, das die Entstehung des Films rekonstruiert. Bensons Buch ist nicht das erste Making-of, das aus den Archivbest&#228;nden sch&#246;pft. <xref ref-type="bibr" rid="B1">2015</xref> erschien im Taschen-Verlag bereits Piers Bizonys <italic>The Making of Stanley Kubrick&#8217;s 2001: A S<sc>PACE</sc> O<sc>DYSSEY</sc></italic>. Bizonys Buch, das in typischer Taschen-Manier zuerst als limitierte Neun-Kilogramm-Luxusausgabe und erst sp&#228;ter in einer abgespeckten, daf&#252;r aber erschwinglichen Version erschien, deckt die Geschichte der Produktion des Films bereits sehr gr&#252;ndlich ab. Es spricht f&#252;r Benson, dass sein Buch dennoch viel neues Material bereith&#228;lt. Sein Fokus gilt dabei Kubricks Zusammenarbeit mit seinen Mitarbeitenden, insbesondere mit seinem Co-Autor Arthur C. Clarke.</p>
<p>Kubrick erscheint in der Literatur oft als eine Art Super-<italic>Auteur</italic>, der beim Dreh blo&#223; den Film umsetzte, den er bereits vor seinem geistigen Auge sah. Wie Benson deutlich macht, war Kubricks Arbeitsweise in Wirklichkeit eine ganz andere. Der Regisseur hatte nur selten eine klare Vorstellung davon, was er wollte, wusste aber meist sehr genau, was er <italic>nicht</italic> wollte. Die Produktion von 2001 folgte deshalb auch nicht einem detaillierten Masterplan, sondern vollzog sich als gro&#223;er Trial-and-Error-Prozess, bei dem das Team stets mit neuen Vorschl&#228;gen aufwarten musste; Vorschl&#228;ge, die der Meister in der Mehrheit ablehnte. Eine von Kubricks weniger bekannten St&#228;rken, die Benson herausstreicht, war dessen F&#228;higkeit, Talente zu entdecken und zu f&#246;rdern. Neben altgedienten Fachleuten waren an 2001 ungew&#246;hnlich viele junge Mitarbeitende beteiligt, die kaum Erfahrung im Filmgesch&#228;ft besa&#223;en und bald wichtige Aufgaben &#252;bernahmen.</p>
<p>Benson macht anschaulich, dass vieles, was heute als Besonderheit des Films wahrgenommen wird &#8211; nicht zuletzt seine insbesondere f&#252;r eine Gro&#223;produktionen erstaunliche Offenheit &#8211; keineswegs von Anfang an geplant war, sondern erst im Laufe der Zeit, als Folge von Kubricks iterativer Vorgehensweise entstand. So war urspr&#252;nglich ein Prolog vorgesehen, in dem namhafte Wissenschaftler &#220;berlegungen dazu anstellten, ob au&#223;erirdisches Leben existiert. F&#252;r das Ende enthielt das urspr&#252;ngliche Drehbuch einen Off-Kommentar, der erkl&#228;rt, dass es sich beim r&#228;tselhaften schwarzen Monolithen um eine Art intergalaktische Alarmanlage handelt. Beides wurde wie so vieles andere verworfen.</p>
<p>Neben den &#252;blichen Anekdoten, wie Kubrick sein Team regelm&#228;&#223;ig sowohl zu H&#246;chstleistungen als auch zur Verzweiflung trieb, geht Bensons Buch zudem auf eine weniger erfreuliche Seite des Regisseurs ein: Wenn es um die Bezahlung seiner Mitarbeiter ging, hatte Kubrick sehr klare Vorstellungen. Seinen Co-Autor etwa zog der Regisseur finanziell regelrecht &#252;ber den Tisch: Clarke, der zu dieser Zeit mit finanziellen Problemen k&#228;mpfte, war nicht nur vertraglich verpflichtet, mit der Ver&#246;ffentlichung seines Buches bis zum Erscheinen des Films zu warten &#8211; ein Datum, das mehrfach nach hinten verschoben wurde &#8211;, er war zudem nicht an den Einspielergebnissen beteiligt. Kubrick hingegen erhielt vierzig Prozent der Einnahmen des Romans. &#196;hnlich bei der Vergabe der Credits: Kubrick bestand darauf, dass er als Hauptverantwortlicher f&#252;r die Special Effects aufgef&#252;hrt wurde. Douglas Trumbull, dem diese Nennung &#8211; und in Folge auch der einzige Oscar, den der Film erhielt &#8211; viel eher zugestanden h&#228;tte, musste sich dagegen mit einer untergeordneten Funktion begn&#252;gen.</p>
<p><italic>Space Odyssey</italic> bietet auch Kenner*innen viel Neues und d&#252;rfte sich aller Voraussicht nach rasch als neues Standardwerk zur Entstehung des Films etablieren. Aus wissenschaftlicher Sicht ist einzig zu bem&#228;ngeln, dass Benson bei der Angabe seiner Quellen sehr zur&#252;ckhaltend verf&#228;hrt. Zwar gibt es keinen Grund, seine Ausf&#252;hrungen anzuzweifeln, nachkommenden Forscher*innen wird damit aber das Leben unn&#246;tig schwer gemacht.</p>
<p>Vom Anspruch her anders gelagert als <italic>Space Odyssey</italic> ist Joe R. Frinzis <italic>Kubrick&#8217;s Monolith. The Art and Mystery of 2001: A S<sc>PACE</sc> O<sc>DYSSEY</sc></italic>. Frinzi ist, wie er gleich zu Beginn erkl&#228;rt, ein bedingungsloser 2001-Fan, und sein Buch ist gewisserma&#223;en die Kulmination seiner jahrelangen Passion. Der Autor geht den Film von verschiedenen Seiten her an; es gibt Kapitel zur Produktion und den Mitarbeitenden, den Spezialeffekten, den Einfluss von 2001 auf sp&#228;tere Filme sowie zur Star-Gate-Sequenz kurz vor Ende des Films.</p>
<p><italic>Kubrick&#8217;s Monolith</italic> l&#228;sst sich wohl am sinnvollsten als allgemeine Einf&#252;hrung f&#252;r ein nicht-spezialisiertes Publikum lesen &#8211; darin durchaus mit <italic>201x2001</italic> vergleichbar. Diese Leserschaft d&#252;rfte auch am meisten vom Kapitel zum Symbolismus des Films profitieren (31&#8211;44), in dem Frinzi auf die Bedeutung des Monolithen sowie auf dominante Elemente in der Bildsprache von 2001 eingeht. Bahnbrechendes ist hier nicht zu finden, aber als m&#246;gliche Lesehilfen taugen diese Abschnitte durchaus. Eher entt&#228;uschend fallen dagegen die beiden Kapitel &#187;The Star-Gate Explained&#171; and &#187;Watching Kubrick&#8217;s Odyssey: The Cinematic Experience&#171; aus. Beide bieten nicht, was ihre Titel versprechen. Frinzi kann weder mit einer &#252;berzeugenden Interpretation der r&#228;tselhaftesten Sequenz des Films aufwarten, noch erfahren wir etwas dar&#252;ber, wie der Film auf das Publikum wirkt. Stattdessen liefert der Autor eine mit weiterf&#252;hrenden Gedanken angereicherte detaillierte Nacherz&#228;hlung des Films.</p>
<p>Das originellste Kapitel ist &#252;berraschenderweise jenes, in dem Frinzi die verschiedenen Soundtrack-Fassungen vergleicht (&#171;Music of the Spheres&#187;) und in bester Fan-Manier alle Unterschiede und Besonderheiten festh&#228;lt. Hier behandelt der Autor einen Aspekt, den die Forschung noch nicht ad nauseam diskutiert hat.</p>
<p>Der bereits erw&#228;hnte Sammelband <italic>Understanding Kubrick&#8217;s 2001: A S<sc>PACE</sc> O<sc>DYSSEY</sc></italic>, der auf eine Konferenz von 2016 in Leicester zur&#252;ckgeht, ist unter den besprochenen Titeln am deutlichsten akademisch ausgerichtet. Der Anspruch des Herausgebers ist dabei nicht unbescheiden &#8211; sein Band soll die beiden Str&#246;mungen in der Kubrick-Forschung vereinen und einen &#8250;dritten Weg&#8249; er&#246;ffnen, &#187;to begin to arrive at a more rounded and complete scholarly perspective&#171; (11). So lobenswert dieser Ansatz ist, kaum einer der Beitr&#228;ge setzt ihn wirklich um. Vielmehr l&#228;sst sich die Mehrheit der Aufs&#228;tze relativ klar dem einen oder anderen Lager zuordnen.</p>
<p>Das Buch ist in sechs Teile gegliedert &#8211; &#187;Narrative and Adaptation&#171;, &#187;Performance&#171;, &#187;Technology&#171;, &#187;Masculinity and the Astronaut&#171;, &#187;Visual Spectacle&#171; und &#187;Production&#171;. Die Gruppierung der Texte erscheint dabei nicht immer zwingend. &#196;u&#223;erst n&#252;tzlich sind hingegen die kurzen Einleitungen zu Beginn jedes Teils, in denen die Beitr&#228;ge innerhalb der bestehenden Forschung kontextualisiert werden.</p>
<p>Simone Odino besch&#228;ftigt sich im ersten Kapitel auf der Basis von Archivmaterial mit der Vorgeschichte von 2001 und zeichnet nach, wie Kubrick nach D<sc>R</sc>. S<sc>TRANGELOVE OR</sc>: H<sc>OW</sc> I L<sc>EARNED TO</sc> S<sc>TOP</sc> W<sc>ORRYING AND</sc> L<sc>OVE THE</sc> B<sc>OMB</sc> (GB/US 1964) verschiedene Stoffe erwog und unter anderem auch in Betracht zog, einen Film f&#252;r die Vereinten Nationen zu drehen, bevor er sich schlie&#223;lich f&#252;r die Zusammenarbeit mit Clarke entschied. Obwohl nicht weltbewegend, zeigt sich hier, dass auch nach Benson noch neue Entdeckungen zur Entstehung des Films m&#246;glich sind. Im Gegensatz dazu unternimmt Suparno Banerjee einen theoretisch &#252;berfrachteten, letztlich aber ziemlich klassischen Vergleich zwischen Roman und Film und kommt dabei zum Ergebnis, dass weder von einer Verfilmung des Romans noch von einer Buchfassung des Films die Rede sein kann. Vielmehr seien Roman und Film als eigenst&#228;ndige Werke zu betrachten. Dem ist grunds&#228;tzlich zuzustimmen, um eine wirklich neue Einsicht handelt es sich hierbei freilich nicht.</p>
<p>Auf weniger ausgetretenen Pfaden bewegt sich Dru Jeffries, der Jack Kirbys Comic-Adaptation des Films untersucht. Bei diesem 1976 ver&#246;ffentlichten, heute weitgehend vergessenen Werk handelt es sich ebenfalls nicht um eine klassische &#220;bertragung in ein anderes Medium; der Film stellt f&#252;r Kirby eher den Ausgangspunkt f&#252;r eine weitgehend eigenst&#228;ndige Geschichte dar. Leider geht Jeffries kaum auf den Inhalt des Comics ein, so dass man als Leser*in nur einen sehr groben Eindruck von dessen Inhalt erh&#228;lt. Vollkommen unverst&#228;ndlich ist an dieser Stelle der Verzicht auf Illustrationen, die sich bei einem Comic, den kaum jemand kennt, eigentlich aufdr&#228;ngen.</p>
<p>In ihren St&#228;rken und Schw&#228;chen sind die drei Kapitel durchaus repr&#228;sentativ f&#252;r das Buch insgesamt. Wenn wie bei Banerjee traditionellere Ans&#228;tze im Zentrum stehen, ist das Ergebnis meist etwas, was man so oder &#228;hnlich bereits in fr&#252;heren Publikationen lesen konnte. Das ist bei einem Film wie 2001 nicht weiter erstaunlich, kann aber auf mehr oder weniger &#252;berzeugende Weise geschehen. So ist die Erkenntnis, dass das Erhabene f&#252;r die Filme Kubricks &#8211; und ganz besonders f&#252;r 2001 &#8211; eine wichtige Kategorie darstellt, in der Forschung gut etabliert. Rachel Waliskos Kapitel zum Thema ist dennoch eine lohnenswerte Lekt&#252;re, da sie die wesentlichen Aspekte in kompakter Weise auf den Punkt bringt. Antoine Balga-Pr&#233;vosts Beitrag hingegen, der die ambivalente Darstellung von Technik im Film zum Thema hat, ist ein typisches Beispiel daf&#252;r, wie man Altbekanntes unter Zuhilfenahme m&#246;glichst sperriger theoretischer Ans&#228;tze noch einmal aufw&#228;rmt. Dass der Autor den Umschnitt vom herunterfallenden Knochen auf das Raumschiff, wohl der ber&#252;hmteste Match Cut der Filmgeschichte, f&#228;lschlicherweise als Jump Cut bezeichnet, tr&#228;gt dabei nicht zur &#220;berzeugungskraft seines Textes bei.</p>
<p>Teil zwei f&#228;llt insofern aus dem Rahmen, als er sich mit einem Bereich besch&#228;ftigt, der bisher wenig bearbeitet wurde. Dass die Darsteller*innen eines Films f&#252;r diesen von eminenter Bedeutung sind, d&#252;rfte unbestritten sein; dennoch ist Schauspiel einer der gro&#223;en vernachl&#228;ssigten Bereiche der Filmwissenschaft, denn die Arbeit der Schauspieler*innen auf differenzierte und reflektierte Weise zu beschreiben, gestaltet sich als &#228;u&#223;erst schwierig. Gerade die Filme Kubricks, deren Darsteller*innen abwechselnd als h&#246;lzern und emotionslos &#8211; z. B. in 2001 oder in E<sc>YES</sc> W<sc>IDE</sc> S<sc>HUT</sc> (US/GB 1999) &#8211; oder als gnadenlos chargierend &#8211; etwa Jack Nicholson in T<sc>HE</sc> S<sc>HINING</sc> (US/GB 1980) &#8211; bezeichnet wurden, w&#228;ren hier ein interessanter Testfall. Die beiden Kapitel des zweiten Teils heben denn auch hervor, dass Kubricks Schauspielf&#252;hrung nicht dem Naturalismus hollywoodscher Pr&#228;gung entspricht.</p>
<p>Fenwick konzentriert sich auf den Pantomimen <xref ref-type="bibr" rid="B3">Dan Richter</xref>, der nicht nur den knochenwerfenden Menschenaffen spielt, sondern auch f&#252;r die Choreografie der ganzen Er&#246;ffnungssequenz zust&#228;ndig war. Richter selbst hat diesen Prozess bereits in <italic>Moonwatcher&#8216;s Memoir</italic>, seinen lesenswerten Erinnerungen an die Produktion des Films, beschrieben. Im Vergleich zu Richters Buch geht Fenwick mehr auf dessen Ausbildung am American Mime Theatre und dessen schauspieltheoretischen Ansatz ein, bei dem jede Bewegung psychologisch motiviert sein muss (68 f.). Fenwick erkennt diese Herangehensweise nicht nur in der Er&#246;ffnung von 2001, sondern auch in sp&#228;teren Filmen Kubricks, etwa dem ersten Treffen zwischen Barry und Lady Lyndon in B<sc>ARRY</sc> L<sc>YNDON</sc> (US/GB 1975). Vincent Jaunas argumentiert dagegen, dass die &#8250;menschlichen&#8249; Schauspieler in 2001 ihre eigene K&#246;rperlichkeit konstant unterdr&#252;cken und sich in fast mechanischer Weise bewegen. F&#252;r Jaunas kommt darin eines der Kernthemen des Films, &#187;humanity&#8217;s enslavement to machines&#171; (81), zum Ausdruck.</p>
<p>Die von Fenwick angestrebte Synthese der beiden etablierten Ans&#228;tze der Kubrick-Forschung gelingt den wenigsten Autoren des Bandes, und w&#228;hrend die beiden Kapitel zum Schauspiel tats&#228;chlich neue Perspektiven auf den Film er&#246;ffnen, ist dies bei der Mehrheit der Beitr&#228;ge nicht der Fall. Wenig &#252;berraschend h&#228;ngt es prim&#228;r vom eigenen Vorwissen ab, wie viel man von <italic>Understanding Kubrick&#8217;s 2001</italic> profitiert.</p>
<p>Wenn sich anhand der besprochenen B&#252;cher ein Fazit ziehen l&#228;sst, dann am ehesten, dass der traditionelle hermeneutische Ansatz im Falle von 2001 weitgehend ausgereizt ist. Das Auswerten der Archivbest&#228;nde d&#252;rfte dagegen wohl noch manches Interessante zu Tage f&#246;rdern, der ganz gro&#223;e Wurf ist nach Bensons Buch aber ebenfalls nicht mehr zu erwarten. Ein Versiegen der Publikationst&#228;tigkeit ist auf jedem Fall nicht in Sicht, dazu ist der Film wohl schlicht zu offen angelegt.</p>
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<title>Autor</title>
<p>PD Dr. Simon Spiegel ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar fu&#776;r Filmwissenschaft der Universita&#776;t Zu&#776;rich im Forschungsprojekt ERC Advanced Grant <italic>FilmColors</italic>. Forschungsschwerpunkte: Science-Fiction-Film, utopischer Film, Phantastiktheorie, Genretheorie. Ausgewa&#776;hlte Publikationen: <italic>Bilder einer besseren Welt. Die Utopie im nichtfiktionalen Film</italic> (2019), &#187;Das gro&#223;e Genre-Mysterium: Das Mystery-Genre&#171; (2014); <italic>Theoretisch phantastisch: Eine Einfu&#776;hrung in Tzvetan Todorovs Theorie der phantastischen Literatur</italic> (2010); <italic>Die Konstitution des Wunderbaren: Zu einer Poetik des Science-Fiction-Films</italic> (2007).</p>
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<title>Konkurrierende Interessen</title>
<p>Der Autor hat keine konkurrierenden Interessen zu erkl&#228;ren.</p>
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<title>Zitierte Werke</title>
<ref id="B1"><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Bizony</surname>, <given-names>Piers</given-names></string-name>. <source>The Making of Stanley Kubrick&#8217;s 2001: A S<sc>PACE</sc> O<sc>DYSSEY</sc></source>. <publisher-name>Taschen</publisher-name>, <year>2015</year>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B2"><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Ciment</surname>, <given-names>Michel</given-names></string-name>. <source>Kubrick. The Definitive Edition</source>. <publisher-name>Faber and Faber</publisher-name>, <year>2001</year>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B3"><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Richter</surname>, <given-names>Dan</given-names></string-name>. <source>Moonwatcher&#8217;s Memoir: A Diary of 2001: A S<sc>PACE</sc> O<sc>DYSSEY</sc></source>. <publisher-name>Carroll &amp; Graf Publishers</publisher-name>, <year>2002</year>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B4"><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Walker</surname>, <given-names>Alexander</given-names></string-name>. <source>Stanley Kubrick, Director: A Visual Analysis</source>. <publisher-name>Weidenfeld &amp; Nicholson</publisher-name>, <year>2000</year>.</mixed-citation></ref>
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