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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung</journal-title>
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<subject>Rezensionen</subject>
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<article-title><italic>The Anthropocene Unconscious: Climate, Catastrophe, Culture</italic>, Mark Bould, Verso, 2021.</article-title>
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<surname>Schmeink</surname>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>freier Kultur- und Medienwissenschaftler, DE</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2024-09-20">
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<license-p>Die Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung ist eine Open-Access-Zeitschrift mit Peer-Review-Verfahren der Open Library of Humanities. &#169; 2024 Der/die Autor*innen. Dieser Open-Access-Beitrag ist lizensiert durch die Creative-Commons-Grundlizenzen in der Version 4.0 (Creative Commons Namensnennung 4.0 International, welche die unbeschr&#228;nkte Nutzung, Verbreitung und Vervielf&#228;ltigung erlaubt, solange der/die Autor*in und die Quelle genannt werden). Vgl. <uri>https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de</uri>.</license-p>
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<p>Review of <italic>The Anthropocene Unconscious</italic> by Mark Bould.</p>
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<p><xref ref-type="bibr" rid="B3">KC Greens</xref> Comic-Strip &#187;On Fire&#171; (<xref ref-type="fig" rid="F1">Abb. 1</xref>) wird gern herangezogen, um unsere Reaktion auf die Klimakatastrophe zu beschreiben und das sture Festhalten an bew&#228;hrten Mustern und Traditionen. Aber sind wir wirklich so ignorant, in einem brennenden Raum sitzen zu bleiben und unseren morgendlichen Kaffee zu trinken, statt uns vor dem kommenden Inferno zu retten? Gibt es keine Anzeichen einer &#8250;Awareness&#8249; f&#252;r unsere Situation? Warten wir einfach ab, bis uns die Haut vom K&#246;rper schmilzt, wie es der Comic suggeriert?</p>
<fig id="F1">
<caption>
<p><bold>Abb. 1</bold>: Zum beliebten Meme geworden: KC Greens Cartoon</p>
</caption>
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<p>In der Einleitung zu seinem Buch <italic>The Anthropocene Unconscious</italic> (<xref ref-type="fig" rid="F2">Abb. 2</xref>) stellt Mark Bould sich diese Frage ebenfalls in Hinsicht auf unsere Kulturproduktion und kommt zum lakonischen Schluss: man m&#252;sse schon wesentliche Teile unserer Buchregale in den Bereichen &#187;Wissenschaft&#171;, &#187;Politik&#171; und &#187;Science Fiction&#171; einfach wegwerfen, um nicht &#252;ber massenhaft Warnungen vor der Katastrophe zu stolpern (13). Die Auseinandersetzung mit der Klimakatastrophe finde schon l&#228;nger und nahezu omnipr&#228;sent statt, sichtbar im Denken &#252;ber den Menschen und seinen geologischen Fu&#223;abdruck: dem Anthropoz&#228;n. Eine Wendung mehr braucht es aber noch, denn das Anthropoz&#228;n, so Bould, &#187;<italic>is</italic> the unconscious of &#8250;the art and literature of our time&#8249;&#171; (15) &#8211; er meint damit, dass wir den Effekt, den wir auf die Welt haben, lieber nicht sehen wollen und ihn unterdr&#252;cken. Dass sich das Feuer um uns herum in Leerstellen unserer Kultur spiegelt, in kleinen Ausrutschern, in Umschreibungen, in nicht aufzul&#246;senden Widerspr&#252;chen: &#187;an eloquent jive of demurral, equivocation, circumvention, slippage, contradiction&#171; (16). Boulds Buch ist eine Untersuchung genau dieser Widerspr&#252;che, die er in allen Registern der Kultur aufzusp&#252;ren vermag. Angelehnt an der Methode eines <italic>queer readings</italic> nimmt er sich eine Vielzahl an Texten vor &#8211; vom Avantgarde-Film zum B-Movie-Trash, von der Hochliteratur bis zum Comic &#8211; und beginnt ein <italic>anthropocene reading</italic>.</p>
<fig id="F2">
<caption>
<p><bold>Abb. 2</bold>: <italic>The Anthropocene Unconscious</italic>&#160;</p>
</caption>
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</fig>
<p>So liest Bould beispielsweise die S<sc>harknado</sc>-Filme als groteske Ablenkungsversuche voller nostalgischer Anspielungen an vergangene Kulturproduktionen und Auftritte bekannter, aber l&#228;ngst im Medienkarussell wieder versunkener Stars, deren &#8250;Over-the-Top&#8249;-Charakter dennoch nicht verhindern kann, unbewusst auf das Anthropoz&#228;n hinzuweisen. Die namensgebenden Hai-Tornados selbst &#187;are big dumb reminders that we share the world with other species&#171; und dass wir (die Menschen) nur in einem Bruchteil der Erdentwicklung zu finden sind, gerade weil diese Welt nur jetzt stabil genug ist, um von uns bewohnt zu werden. Was die Reihe auszeichnet, ist spezifisch der Bruch von Fiktion und Realit&#228;t, ausgel&#246;st durch die einerseits billigen bis schlechten CGI-Effekte und andererseits die Vielzahl von Stock-Footage-Einspielern aus Newssendungen. Durch den offensichtlichen Bruch mit der diegetischen Koh&#228;renz der Fiktion &#252;bersteigerten die Filme aber den Realit&#228;tseffekt der News-Clips, die ja auf reale Naturkatastrophen verweisen. Die Wucht der Ablenkung kann hier also nicht &#252;berdecken, dass die Filme sehr wohl auf eine reale Katastrophe und ein reales Monster referieren.</p>
<p>Und so arbeitet sich Bould durch eine Vielzahl (teils anekdotisch-kurzer) Analysen. Hier nur einige wenige Beispiele: 1. Zombies in Max Brooks <italic>World War Z</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B2">2006</xref>), die als Repr&#228;sentation von durch den Klimawandel vertriebener Migranten gelten k&#246;nnen. Ein Roman, der klar aufzeigt, wie gro&#223; Verdr&#228;ngung und mangelnde Bereitschaft zur Anerkennung der Fluchtursache sind. 2. Die klassische <italic>novel</italic> &#8211; von Austen bis Auster &#8211; als Form der selbstherrlichen Nabelschau, die sich eben nicht f&#252;r die realen politischen Probleme der Welt interessiert, sondern nur f&#252;r die bequeme, bourgeoise Selbstanalyse ihrer Helden: &#187;For all its brilliance, <italic>4 3 2 1</italic> is the tired sound of boomers justifying to themselves their ruination of the world&#171; (41). 3. Der chinesische Avantgarde-Film S<sc>till</sc> L<sc>ife</sc> (<xref ref-type="bibr" rid="B1">CN 2006</xref>, Regie: Jia Zhangke), der die Macht des menschlichen (oder doch besser kapitalistischen) Expansionswillen aufzeigt, in dem er den Abbau einer Stadt in China zeigt. Die Erschaffung eines Stausees so gro&#223;, dass er &#187;ever so slightly the Earth&#8217;s rotation&#171; (86) ver&#228;ndern wird &#8211; der Film wird zur Repr&#228;sentation der Ver&#228;nderung, des Instabilen, des Hereinbrechens. In der Zukunft der Filmstadt wird kein Mensch mehr existieren und die Flut, die alles wegsp&#252;len wird, ist nicht nur sinnbildlich schon jetzt sp&#252;rbar: &#187;they know what is coming. Dislocated, uncertain, they are already-drowned&#171; (88). 4. Und schlie&#223;lich Comic-Figuren, die auf eine andere lebendige Welt verweisen, die uns Menschen verschlossen bleibt, wenn wir uns nicht als Teil von ihr sehen: Swamp-Thing, Man-Thing, Groot. Die Manifestation pflanzlichen <italic>bios</italic>, die zwar sprachlos ist, aber dennoch nicht &#252;berh&#246;rt werden kann.</p>
<p>Bould ist in seinen Analysen nicht so sehr an pr&#228;ziser Theorieumgrenzung interessiert und richtet sich auch nicht an die hohe Wissenschaft. Weniger Fredric Jameson und mehr Marc Fisher oder China Mi&#233;ville, wie auch schon die Publikation bei Verso und eben nicht bei Oxford UP signalisiert. Bould liefert eine knisternde und teils rotzige Sprache, durchzogen von ironischen Kommentaren und unterf&#252;ttert mit einem enormen Wissen um die Vielseitigkeit der heutigen (Pop-)Kultur. Die Aussage, wir w&#252;rden in fast allen Aspekten unserer heutigen Kulturproduktion das Anthropoz&#228;n &#8211; und speziell den Klimawandel &#8211; thematisieren, selbst wenn wir dies nicht bewusst so wahrnehmen, ist aber eine unglaublich wichtige Botschaft. Nicht zuletzt, weil Boulds Sprache sich nicht hinter der akademischen Distanz versteckt und lieber sarkastisch und anklagend ist, d&#252;rfte das Buch eine gr&#246;&#223;ere Leserschaft finden als so manches rigoros durchdeklinierte Werk &#252;ber die literarische Leistung von <italic>Climate Fiction</italic>. Und so ist es wohl passend, dass Bould ausgerechnet die F<sc>ast-and</sc>-F<sc>urious</sc>-Reihe an das Ende seiner &#220;berlegungen stellt. Denn die realen Autos der Reihe, die nur noch dank CGI zu ihren physik-negierenden Stunts in der Lage sind, zeigen deutlich auf, dass die Zeit der Fantasie, des sich Vorstellens, die Welt w&#252;rde sich nicht radikal in einen hei&#223;en Feuerball verwandeln, vorbei sind. Unsere Kultur f&#252;hrt uns schon lange vor, dass wir tief in unserem Hinterkopf wissen, was passiert. Es wird also Zeit, dass wir das auch anerkennen und uns dem Unbewussten stellen. Sonst enden wir wohlm&#246;glich wie Greens kleiner Hund (<xref ref-type="fig" rid="F3">Abb. 3</xref>).</p>
<fig id="F3">
<caption>
<p><bold>Abb. 3</bold>: Das bittere Ende</p>
</caption>
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<title>Autor</title>
<p>Dr. Lars Schmeink war als Kultur- und Medienwissenschaftler an einer Reihe von Universit&#228;ten t&#228;tig, erforschte dort vor allem die Schnittmenge von Popkultur und Gesellschaft, speziell Zukunftstechnologien und deren kulturelle Repr&#228;sentation in der Science Fiction. Er hatte Gastprofessuren an der Hochschule f&#252;r Musik und Theater Hamburg, der University of Cincinatti, und der University of Leeds. Er war knapp zehn Jahre lang Erster Vorsitzender der Gesellschaft f&#252;r Fantastikforschung. Seit 2023 ist er in die Zukunftsforschung gewechselt und arbeitet am Deutschen Zentrum f&#252;r Luft- und Raumfahrt (DLR) an der Zukunft der Mobilit&#228;t.</p>
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<title>Konkurrierende Interessen</title>
<p>Der Autor hat keine konkurrierenden Interessen zu erkl&#228;ren.</p>
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<title>Filmographie</title>
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<title>Zitierte Werke</title>
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<ref id="B3"><label>3</label><mixed-citation publication-type="journal"><string-name><surname>Green</surname>, <given-names>K.C.</given-names></string-name> <article-title>&#187;On Fire&#171;</article-title>, <source>Gunshow</source>, <day>1</day>. <month>Sept.</month> <year>2013</year>, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://gunshowcomic.com/648">gunshowcomic.com/648</ext-link>.</mixed-citation></ref>
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