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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung</journal-title>
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<subject>Rezension</subject>
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<article-title>Busch, Nathanael und Hans Rudolf Velten, Hg. <italic>Die Literatur des Mittelalters im Fantasyroman</italic>. Heidelberg: Universit&#228;tsverlag Winter, 2018.</article-title>
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<email>tm.honegger@uni-jena.de</email>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Friedrich-Schiller-Universit&#228;t Jena, DE</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2020-07-13">
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<license-p>This is an open-access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC-BY 4.0), which permits unrestricted use, distribution, and reproduction in any medium, provided the original author and source are credited. See <uri xlink:href="http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/</uri>.</license-p>
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<p>Review of <italic>Die Literatur des Mittelalters im Fantasyroman</italic> edited by Nathanael Busch and Hans Rudolf Velten.</p>
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<p>Untersuchungen zum Fortleben des Mittelalters bzw. dessen Literatur und Kunst in den literarischen und k&#252;nstlerischen Produkten der Neuzeit sind kein Novum. Die Forschungsrichtung des <italic>Medievalism</italic> und seiner Varianten wie <italic>Neo-medievalism</italic> etc. haben ihre eigenen Publikationsorgane (z. B. <italic>Studies in Medievalism</italic>) und sind auf internationalen Konferenzen wie dem <italic>International Medieval Congress</italic> (Leeds) oder dem <italic>International Congress on Medieval Studies</italic> (Kalamazoo) sowohl mit zahlreichen Papers wie auch mit eigenen Sektionen vertreten. Auch in unserem Nachbarland Frankreich besteht ein reges Interesse an der Kontinuit&#228;t mittelalterlicher Themen, wie die Aktivit&#228;ten und Publikationen der Mitglieder von z. B. <italic>Modernit&#233;s M&#233;di&#233;vales</italic> zeigen. Nur die deutschsprachige Forschung scheint etwas hinterher zu hinken. Dies ist jedenfalls die Meinung der Herausgeber des vorliegenden Bandes und Hans Rudolf Velten beklagt, dass &#187;eine n&#228;here Besch&#228;ftigung der Medi&#228;vistik mit dem Thema bisher nur vereinzelt und in kursorischer Form auszumachen [ist], nimmt man die reiche Forschungsliteratur zu den Werken Tolkiens einmal aus&#171; (11). Damit hat er auf eine Besonderheit in der Forschungslandschaft hingewiesen, die tats&#228;chlich zugleich ein Problem und eine Herausforderung darstellt: die Dominanz der Tolkienstudien auf dem Gebiet der Mittelalterrezeption in der Fantasy. Die Ursachen daf&#252;r sind vielf&#228;ltig, aber der Hauptgrund d&#252;rfte in der zentralen Stellung des Romans <italic>The Lord of the Rings</italic> innerhalb des Fantasy-Genres liegen &#8211; mit dem Resultat, dass sich ein gro&#223;er Teil der Forschungsanstrengungen auf dem Gebiet auf Tolkiens Werk konzentriert. Ob sich z. B. durch die immer zahlreicheren akademischen Publikationen zu George R. R. Martins Werk und dessen Filmadaptationen in Zukunft ein zweites vergleichbares Schwergewicht in diesem Feld etablieren wird, ist abzuwarten.</p>
<p>Es ist vor diesem Hintergrund, dass die Aussage von Velten zu verstehen ist. Konsequenterweise sind die Aufs&#228;tze des Sammelbands auch nicht nur auf Deutsch, sondern fokussieren teilweise zudem deutsche Autoren (Ende, Heitze, Krappweis, Rehfeld), auch wenn die Beitr&#228;ge zu englischsprachigen Autoren in der &#220;berzahl sind. Dabei werden nicht nur die &#252;blichen Verd&#228;chtigen Tolkien, Martin und Pratchett behandelt, sondern auch Neil Gaiman, dessen <italic>American Gods</italic> vielleicht nicht unbedingt als typische Fantasy gilt, aber gerade deshalb f&#252;r die Weiterentwicklung des Genres von Interesse ist.</p>
<p>In seiner Einf&#252;hrung zum Band gibt Hans Rudolf Velten nicht nur den &#8250;klassischen&#8249; Forschungs&#252;berblick zum Thema, sondern versucht auch einen theoretischen Rahmen f&#252;r die vorliegenden Beitr&#228;ge einerseits wie auch f&#252;r zuk&#252;nftige Forschung anderseits zu skizzieren. Dies macht er anhand von sieben Thesen. Ich kann sie hier nicht im Detail vorstellen, wohl aber meinen Versuch, die zw&#246;lf Aufs&#228;tze jeweils einer der Thesen zuzuordnen. Dabei habe ich festgestellt, dass es eine Massierung bei den Thesen drei (&#187;Fantasyromane bieten Inszenierungen des Anderen und Fantastischen, die im offenen Raum des Mittelalters ihren Platz finden k&#246;nnen.&#171;) und vier (&#187;Wiedererkennbarkeit des Mittelalters in der Fantasyliteratur durch Mythen, Archetypen, Erz&#228;hlformen.&#171;) gibt &#8211; mit jeweils drei bzw. vier bis f&#252;nf Papers. Dies scheint mir kein Zufall und f&#252;r die Beurteilung der Relevanz der sieben Thesen nicht unwichtig. Schon beim ersten Lesen hatte ich n&#228;mlich den Eindruck gewonnen, dass nicht alle der Thesen gleich bedeutsam sind und sich manche &#252;berschneiden bzw. Elemente miteinander teilen. Die Popularit&#228;t der Thesen drei und vier unter den Beitr&#228;gerInnen des Bandes spiegelt meiner Meinung nach durchaus deren Verbreitung in den diskutierten Prim&#228;rwerken. Die weitere Auseinandersetzung mit dem Themenbereich wird dann zeigen m&#252;ssen, inwiefern die Thesen revidiert, erg&#228;nzt oder auch aufgegeben werden m&#252;ssen.</p>
<p>Kategorisiert man die zw&#246;lf Beitr&#228;ge nach ihren Schwerpunkten, so ist die gr&#246;&#223;te Kategorie, mit neun Aufs&#228;tzen, diejenige der Adaptation von mittelalterlichen Motiven und Konzepten. Sie beinhaltet auch die Papers, welche die intertextuellen Verflechtungen mittelalterlicher Erz&#228;hlstoffe mit zeitgen&#246;ssischen Handlungsstr&#228;ngen untersuchen. Die Gruppe der Vergleiche von mittelalterlichen und modernen Erz&#228;hlstrategien umfasst zwei Beitr&#228;ge. Die letzte Kategorie z&#228;hlt nur ein Paper, das den Einfluss zeitgen&#246;ssischer Ideologeme auf die &#8250;medi&#228;visierenden&#8249; Texte analysiert. Ich m&#246;chte deshalb in umgekehrter, quantitativ aufsteigender Reihenfolge auf die einzelnen Kategorien eingehen.</p>
<p>Der alleinige Vertreter der letztgenannten Kategorie ist Nils Werber, der in seinem Aufsatz Tolkiens <italic>The Lord of the Rings</italic> vor dem Hintergrund der in den 1930er- und 1940er-Jahren vorherrschenden geobiologischen Ideologie liest. Ein solcher Ansatz kann sehr aufschlussreich sein und hilft die eigenen zeitgen&#246;ssischen Scheuklappen zu &#252;berwinden. Voraussetzung ist jedoch eine sorgf&#228;ltige und genaue Lekt&#252;re des Prim&#228;rtextes und die Bereitschaft, die eigene Ausgangshypothese zu revidieren, sollte diese nicht durch die Analyse gest&#252;tzt werden. Leider ist bei Werber weder das eine noch das andere der Fall. Sein Text enth&#228;lt kleinere und gr&#246;&#223;ere Ungenauigkeiten und Fehler. So sei Frodo Bilbos Neffe (97; er ist sein Cousin), Orks spr&#228;chen &#187;immer wieder von sich selbst als &#8250;maggots&#8249; und &#8250;rats&#8249;&#171; (107; korrekt w&#228;re, dass diese Beschimpfungen Ausdruck der zwischen den verschiedenen Orkst&#228;mmen herrschenden Rivalit&#228;t sind [cf. <italic>The Two Towers</italic>, Buch 3, Kapitel 3] und kein anst&#228;ndiger Ork w&#252;rde sich selbst oder seine Kameraden so beleidigen), oder Orks w&#252;rden &#187;jedem Befehl&#171; gehorchen (108; der Autor hat wohl das sehr aufschlussreiche Gespr&#228;ch zwischen den beiden Ork-Offizieren Schagrat und Gorbag [vgl. <italic>The Two Towers</italic>, Buch 4, Kapitel 10], das einen ziemlich anderen Blick auf die Orks und ihre Lage gibt, &#252;berlesen. Auch kann man sich fragen, wieso es einen Ork-Unteroffizier mit Peitsche braucht, um die Orksoldaten zu &#8250;motivieren&#8249; [vgl. <italic>The Two Towers</italic>, Buch 6, Kapitel 2]). Werber malt in seinem Aufsatz ein Bild von den Orks und den anderen V&#246;lkern, das nicht so sehr auf Tolkiens Text selbst beruht als vielmehr auf einer nicht mehr so ganz genauen Erinnerung an die Lekt&#252;re, gepaart mit einer Dosis Peter Jackson. Das Ganze wird dann durch den Filter der eigenen zu beweisenden Hypothese gesehen, so dass <italic>The Lord of the Rings</italic> als Text pr&#228;sentiert wird, der die Rassen- und rassistischen Ideologien der ersten H&#228;lfte des 20. Jahrhunderts zumindest unbewusst verk&#246;rpere. Eine Auseinandersetzung mit dieser Problematik w&#228;re sicher sinnvoll, aber nicht auf diese Art und Weise.</p>
<p>Gl&#252;cklicherweise sind solche Entgleisungen in anderen Beitr&#228;gen nicht festzustellen. Hans-Heino Ewers Aufsatz &#252;ber Michael Endes <italic>Die unendliche Geschichte</italic> hat zwar wenig mit dem Mittelalter direkt zu tun, doch gelingt ihm &#252;ber den Umweg und mit Hilfe von Tolkiens &#187;On Fairy-Stories&#171; eine &#252;berzeugende Analyse von Endes Grundanliegen. Dies ist laut Ewers eine &#187;Wiederverzauberung&#171; der Welt durch eine neue Mythologie, die jedoch &#187;auf innere Vorstellungswelten, auf die Kunst und die K&#252;nste beschr&#228;nkt bleibe&#171; (180) und somit einen Missbrauch in der Prim&#228;rwelt ausschlie&#223;e. Parallelen zu Tolkiens &#187;Enchantment&#171; und &#187;Recovery&#171; sind nicht zu &#252;bersehen.</p>
<p>Den &#220;bergang zur gr&#246;&#223;ten Kategorie bildet Corinna Virchows Aufsatz, in dessen ersten Teil das Spiel zwischen Verh&#252;llen und (teilweiser) Entbl&#246;&#223;ung anhand von Enite (in Hartmanns <italic>Erec</italic>) und Jeschute (in Wolframs <italic>Parzival</italic>) gekonnt und kompetent analysiert wird. Leider f&#228;llt die Diskussion von Parallelen in C. S. Lewis&#8217; <italic>The Chronicles of Narnia</italic> (die Hexe Jadis), Michael Endes <italic>Die unendliche Geschichte</italic> (Atr&#233;ju) wie auch in Martins <italic>A Game of Thrones</italic> (Daenerys) verk&#252;rzt und flach aus. Hier w&#228;re eine Fokussierung auf Daenerys unter Ber&#252;cksichtigung mehrerer B&#228;nde von <italic>A Song of Ice and Fire</italic> oder auch der Filmadaptation w&#252;nschenswert gewesen und h&#228;tte zum Diskurs &#252;ber Martins Darstellung weiblicher Protagonistinnen etwas Substanzielles beitragen k&#246;nnen. So jedoch fehlt dem Aufsatz die Balance zwischen einem hochstehenden ersten medi&#228;vistischen und einem entt&#228;uschenden zweiten Teil.</p>
<p>Das Motiv des Ritters steht im Zentrum der Beitr&#228;ge von Nathanael Busch und Anja M&#252;ller. W&#228;hrend Busch mittels einer &#252;berzeugenden Funktionsanalyse den Ritterbegriff von seiner terminologischen Verhaftung l&#246;st und dadurch zu einer gerade f&#252;r die Fantasy n&#252;tzlichen funktionalen Definition des Ritters kommt, kontrastiert Anja M&#252;ller nicht nur das mittelalterliche Rittertum mit der ritterlichen Ideologie in Martins <italic>A Song of Ice and Fire</italic>, sondern zeigt auf, wie gelehrte Theorien (Norbert Elias&#8217; <italic>&#220;ber den Prozess der Zivilisation</italic>) auch in der Sekund&#228;rwelt wirkungsm&#228;chtig sind. Dabei spielt es keine Rolle, ob Elias&#8217; Theorie die realweltlichen Entwicklungen korrekt erfasst oder nicht (cf. die fundamentale Kritik durch Hans Peter Duerr). Vielmehr kommt es darauf an, dass die Entwicklung des Rittertums in Westeros den gleichen Parametern folgt, wie sie Elias vor fast 80 Jahren f&#252;r das europ&#228;ische Rittertum beschrieb. M&#252;llers Beitrag weist deshalb mit diesem Ansatz &#252;ber die vorherrschende komparatistische Praxis hinaus und ist einer der H&#246;hepunkte des Bandes.</p>
<p>Dass ein solch komparatistischer Ansatz durchaus zu einem &#228;u&#223;erst gelungenen Aufsatz f&#252;hren kann, beweist Hans Rudolf Velten. Er vollbringt das Kunstst&#252;ck innerhalb von knapp 18 Seiten nicht nur eine kritische Diskussion der verschiedenen theoretischen Konzepte und ihre Eignung f&#252;r die Analyse vorzustellen, sondern gibt auch einen pr&#228;gnanten und kompetenten &#220;berblick &#252;ber die Erscheinungsformen der Zwerge in den verschiedenen literarischen Gattungen und Traditionen. Auf dieser Grundlage analysiert er dann die Weiterentwicklung der &#187;zwergischen Archetypen&#171; in den Werken von Tolkien, Heitze und Rehfeld. Bei Tolkien w&#228;re vielleicht noch Ren&#233;e Vinks Aufsatz &#187;&#8250;Jewish&#8249; Dwarves: Tolkien and Anti-Semitic Stereotyping&#171; (<xref ref-type="bibr" rid="B1">2013</xref>) zu ber&#252;cksichtigen gewesen, was jedoch dem insgesamt sehr interessant und erfreulich zu lesenden Aufsatz keinen Abbruch tut.</p>
<p>Einen weiteren H&#246;hepunkt stellte f&#252;r mich Matthias D&#228;umers spannende Spurensuche zur Figur des Attila/Etzel und seiner Rezeption und Adaption in Literatur und Film bis hin zur Figur des Khal Drogo dar. Es war ein gl&#252;cklicher Zufall, dass ich unmittelbar davor Harald Reinls D<sc>IE</sc> N<sc>IBELUNGEN</sc> (DE 1966&#8211;67) gesehen hatte, aber auch ohne die Kenntnis von Reinls Klassiker zeigt der sehr nachvollziehbar Aufsatz auf, wie die Figur des historischen Attila bereits kurz nach seinem Ableben Stoff der Legendenbildung wurde, dann mit anderen Erz&#228;hlstoffen verschmolz und im Etzel der Nibelungen-Erz&#228;hlung m&#252;ndete. F&#252;r die Figur von Khal Drogo greift George R. R. Martin deshalb nicht so sehr auf historische Quellen zur&#252;ck, so D&#228;umers Fazit, sondern auf die mit der Attila/Etzel-Figur verbundenen literarischen Topoi und Elemente, wie sie in mittelalterlichen und post-mittelalterlichen Texten und Filmen anzutreffen sind.</p>
<p>Der Nibelungenmythos ist auch der intertextuelle Bezugsrahmen f&#252;r Tommy Krappweis&#8217; <italic>Mara-und-der-Feuerbringer</italic>-Trilogie. Andrea Sieber geht in ihrem Aufsatz auf die unterschiedlichen Strategien der intertextuellen Bezugnahme ein und liefert ein solides <italic>close reading</italic> des Werks. Niels Penkes Diskussion von Neil Gaimans <italic>American Gods</italic>, dem Kinderbuch <italic>Odd and the Frost Giants</italic> sowie seiner <italic>Norse Mythology</italic> untersucht zwar ebenfalls die Art und Weise der Rezeption dieser (alt-)nordischen Stoffe in Gaimans drei sehr unterschiedlichen Werken, doch geschieht dies im Rahmen einer theoretischen Metareflexion. Penkes kommt zum Schluss, dass Gaiman als postmoderner Autor sich nicht so sehr f&#252;r die &#187;Wiederbringung einer verlorenen, homogen geglaubten Kultur interessiert, sondern einzig und allein den &#8250;good stories&#8249; nachsp&#252;rt&#171; (217). Damit r&#252;ckt er Gaimans Umgang mit mythischen und literarischen Elementen in die N&#228;he von Tolkiens &#187;Cauldron of Stories&#171;, auch wenn sich die &#8250;Suppen&#8249; der beiden Autoren zumindest oberfl&#228;chlich unterscheiden.</p>
<p>Tiere bzw. nichtmenschliche Kreaturen bilden das verbindende Glied zwischen den verbleibenden Beitr&#228;gen. Theresa Specht geht in ihrer Diskussion der Schattenw&#246;lfe (<italic>direwolves</italic>) in Martins <italic>A Song of Ice and Fire</italic> einerseits dem Motiv des Seelentiers, anderseits der mit dem Fenriswolf verkn&#252;pften (Welt-) Untergangssymbolik nach. Wie Specht anhand von vor allem altnordischen Texten aufzeigt, kn&#252;pft Martin damit an mittelalterliche Traditionen an. Leider wird das in allen germanischen Dichtungen anzutreffende Motiv der &#187;Tiere der Walstatt&#171; (<italic>beasts of battle</italic>), zu denen nebst dem Raben und dem Adler auch der Wolf geh&#246;rt, nicht erw&#228;hnt. Dies ist schade, denn es h&#228;tte die Textgrundlage &#252;ber die altnordischen Quellen hinaus erweitert und dem Argument zus&#228;tzliches Gewicht verliehen.</p>
<p>Die Beitr&#228;ge von Christine Theillout sowie Sebastian Holtzhauer und Angila Vetter haben beide den Drachen bzw. den Drachenkampf als Thema. Holtzhauer und Vetters Aufsatz ist im Kern ein <italic>close reading</italic> von Terry Pratchetts Scheibenwelt-Roman <italic>Guards! Guards!</italic>, in dem er in gewohnt parodistisch-intertextueller Manier literarische Klischees auf die Schippe nimmt. Die Bem&#252;hungen des Autorenpaars die unterschiedlichen Versatzst&#252;cke zumindest teilweise auf Elemente aus der mittelalterlichen Literatur zur&#252;ckzuf&#252;hren sind nur bedingt sinnvoll. Meiner Meinung nach nimmt Pratchett vielmehr bereits &#252;ber mehrere Literaturgenerationen tradierte und zu Allgemeinpl&#228;tzen &#8250;verkommene&#8249; Motive und Elemente auf und parodiert sie. Wenn schon eine direkte Quelle daf&#252;r gesucht wird, dann ist ein Blick in die moderne Fantasy ratsam, aber nicht prim&#228;r in die mittelalterliche Literatur. Abgesehen von diesem Kritikpunkt bietet der Beitrag jedoch eine &#252;berzeugende Analyse von Pratchetts Spiel mit der narrativen Kausalit&#228;t.</p>
<p>Vollst&#228;ndig dem Drachen gewidmet ist Christine Theillouts Aufsatz, der mit 36 Seiten der l&#228;ngste im Band ist. Im ersten Teil wagt Theillouts einen &#220;berblick zur Figur des Drachen allgemein, was durch die Limitierung des Platzes nicht sehr befriedigend ausf&#228;llt. Daf&#252;r entsch&#228;digt der zweite Teil durch eine kompetente und die unterschiedlichsten Ans&#228;tze ber&#252;cksichtigende Interpretation ausgew&#228;hlter mittelalterlicher und moderner &#8250;Drachentexte&#8249;. Theillout konzentriert sich auf prominente Klassiker wie den <italic>Beowulf</italic>-Drachen oder Fafnir f&#252;r die mittelalterliche Literatur bzw. auf die D<sc>RAGONHEART</sc>-Filme und Tolkiens Glaurung und Smaug f&#252;r die Fantasy, ber&#252;cksichtigt jedoch auch die nicht-literarische enzyklop&#228;dische Tradition und die allegorischen Interpretationen der Drachenfigur. Dadurch gelingt es ihr, die vielschichtige Komplexit&#228;t der Drachenfigur sowohl in der mittelalterlichen Literatur wie auch in der von ihr profitierenden modernen Fantasy aufzuzeigen.</p>
<p>Insgesamt kann ich die Lekt&#252;re der meisten Aufs&#228;tze dieses Bandes empfehlen. Die Texte sind sorgf&#228;ltig lektoriert und recherchiert &#8211; und es ist w&#252;nschenswert, dass sie auch jenseits des deutschen Sprachgebiets rezipiert werden.</p>
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<title>Autor</title>
<p>Thomas Honegger promovierte 1996 mit einer Studie zu Tieren in der mittelalterlichen Literatur Englands an der Universit&#228;t Z&#252;rich. Seine Habilitationsschrift (2001) behandelt die Interaktion zwischen h&#246;fischen Liebenden in der mittelalterlichen erz&#228;hlenden Literatur. Er betreute mehrere Sammelb&#228;nde mit Aufs&#228;tzen zur alt- und mittelenglischen Literatur sowie zum Werk von Prof. Tolkien als Herausgeber und hat dar&#252;ber hinaus zu Chaucer, Shakespeare und den mittelalterlichen Romanzen publiziert. Seine neuste Buchpublikation ist <italic>Introducing the Medieval Dragon</italic> (University of Wales Press, 2019). Seit 2002 ist er Professor f&#252;r anglistische Medi&#228;vistik an der Friedrich-Schiller-Universit&#228;t Jena.</p>
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<title>Konkurrierende Interessen</title>
<p>Der Autor hat keine konkurrierenden Interessen zu erkl&#228;ren.</p>
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<title>Zitierte Literatur</title>
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