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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung</journal-title>
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<subject>Rezension</subject>
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<article-title>Canavan, Gerry und Eric Carl Link, Hg. <italic>The Cambridge History of Science Fiction.</italic> Cambridge UP, 2019.</article-title>
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<surname>Schmeink</surname>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>HafenCity Universit&#228;t, DE</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2021-06-23">
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<license-p>De Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung ist eine Open-Access-Zeitschrift mit Peer-Review-Verfahren, die von der Open Library of Humanities ver&#246;ffentlicht wird. &#x00A9; 2021 Der/die Autor*innen. Dieser Open-Access-Beitrag ist lizenziert durch die Creative-Commons Lizenz BY-SA. Diese Lizenz erlaubt es Wiederverwender*innen, das Material in jedem Medium oder Format zu verteilen, zu remixen, anzupassen und darauf aufzubauen, solange der/die Urheber*in genannt wird. Die Lizenz erlaubt die kommerzielle Nutzung. Wenn Sie das Material neu mischen, anpassen oder darauf aufbauen, m&#252;ssen Sie das modifizierte Material unter identischen Bedingungen lizenzieren. Vgl. <uri xlink:href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de">https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de</uri>.</license-p>
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<p>Review of <italic>The Cambridge History of Science Fiction</italic> edited by Gerry Canavan and Eric Carl Link.</p>
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<p>Wissenschaftliche B&#228;nde &#252;ber die Science Fiction und deren Geschichte gibt es bereits einige; da kann man sich nat&#252;rlich fragen, ob es eines so gewichtigen Werkes wie der <italic>Cambridge History of Science Fiction</italic> wirklich noch bedarf. Der oder die interessierte Forscher*in hat schlie&#223;lich die Wahl zwischen diversen Handb&#252;chern sowie unz&#228;hligen Sammelb&#228;nden und Monografien, die sich der SF als Genre, Modus oder Kulturform verschrieben haben. Die meisten von ihnen bieten zumindest aufschlussreiche chronologische &#220;berblicke als Teil ihrer Gesamtschau. Hinzu kommt, dass k&#252;rzere SF-Geschichtsschreibungen bereits vorhanden sind, so etwa <xref ref-type="bibr" rid="B5">Adam Roberts</xref>&#160;<italic>The History of Science Fiction</italic> oder <xref ref-type="bibr" rid="B2">Mark Boulds und Sherryl Vints</xref>&#160;<italic>The Routledge Concise History of Science Fiction</italic> &#8211; <xref ref-type="bibr" rid="B1">von Brian Aldiss</xref>&#8217; <xref ref-type="bibr" rid="B3">oder Edward James</xref>&#8217; &#228;lteren Studien ganz zu schweigen. Und doch bietet das neue Werk der beiden SF-Forscher Gerry Canavan und Eric Carl Link einige spannende Neuerungen und ungew&#246;hnliche Ans&#228;tze, die den Sammelband zu einer wichtigen Ressource f&#252;r Forscher*innen und Studierende machen wird.</p>
<p>Schwerwiegend ist alleine schon das Format des Bandes, dessen 800 Seiten 46 breit aufgestellte Kapitel zu bieten haben. Mit dem deutlich gewachsenen Umfang (<xref ref-type="bibr" rid="B2">Boulds und Vints</xref>&#160;<italic>Concise History</italic> umfasst im Vergleich 250 Seiten) stellt sich den Herausgebern die Frage, wie man eine m&#246;glichst umfassende Historie der SF herleitet. Damit einhergehend m&#252;ssen sie Aspekte der Definition, der Untergliederung, der Auswahl und Pr&#228;sentation entscheiden &#8211; alles Punkte, die in der SF-Forschung seit Jahrzehnten diskutiert und nach wie vor nicht abschlie&#223;end gekl&#228;rt worden sind. Zu sehr sind Definitionskriterien von wissenschaftspolitischen oder &#246;konomischen Faktoren beeinflusst und zu weit hat sich die SF in die verschiedensten Bereiche der Kulturproduktion ausgedehnt. Canavan und Link w&#228;hlen dann auch &#187;an inclusive approach to science fiction&#171; (3) und orientieren sich an <xref ref-type="bibr" rid="B4">John Rieders 2010</xref> erschienenem Essay &#187;On Defining SF, or Not: Genre Theory, SF, and History&#171; und dessen historisch-wandelbarer Nicht-Definition einer durch verschiedene Praxisgemeinschaften immer wieder neu verhandelten Gruppierung von Texten (6f).</p>
<p>So erkl&#228;rt sich auch, dass die Essays im Band zwar einer groben Chronologie folgen, dabei aber sehr unterschiedliche Versionen der Geschichte der SF in den Vordergrund stellen, die ein und denselben Zeitabschnitt aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. Beispielsweise wird das Golden Age der SF einerseits literarhistorisch unter Bezug auf die Moderne betrachtet. Dazu erg&#228;nzend wird die Epoche aber auch mit einer kulturpraktischen Fokussierung auf die sie rezipierenden Fans sowie aus der Sicht der Macher der Pulp-Fiction-Magazine dargestellt. Schlie&#223;lich kommt auch die thematische Perspektive zum Zug, wobei der Fokus auf den utopischen Visionen einer besseren Zukunft sowie der ganz realen Bedrohung durch das Atomzeitalter liegt, die sich in Formaten wie <italic>Young Adult Novels</italic> oder dem neuen Medium des Fernsehens niederschlugen. Das Bild einer historischen Periode wird so mosaikhaft aus vielen Facetten zusammengesetzt, was eine Analyse der Bez&#252;ge und Einfl&#252;sse in ihrer vollen Tiefe erlaubt, die bislang nur durch eine verbindende Lekt&#252;re verschiedener Monografien m&#246;glich war &#8211; eine Leistung, die die <italic>Cambridge History of Science Fiction</italic> zum idealen Startpunkt f&#252;r historische Auseinandersetzungen mit der SF macht.</p>
<p>Bei der Frage der Struktur, also wie man eine solche Geschichte ordnet und in Kapiteln greifbar macht, haben sich Canavan und Link zu einem ungew&#246;hnlichen Schritt entschieden. Statt der &#252;blichen Ordnung, die mehr oder weniger gleichberechtigter Zeitperioden &#8211; meist vorgegeben durch definitorische Abgrenzungen etwa in Proto-SF, Golden Age, New Wave und so weiter &#8211; folgt, betonen die Herausgeber vor allem den historischen Moment der New Wave, die sie als zentralen &#187;turning point&#171; (8) der SF-Geschichte verstehen. Dies nicht aufgrund sich &#228;ndernder &#228;sthetischer Kategorien, sondern vor allem weil diese Zeit mit einem &#187;shift in SF&#8217;s reception in culture, particularly in the academy&#171; (8) einhergeht. Die Entstehung der SF-Forschung, die kommerziellen Erfolge der SF im audio-visuellen Bereich, die Nutzung der SF als Vehikel f&#252;r politische Botschaften der Zeit und die bis heute andauernde Besch&#228;ftigung mit Autor*innen der New Wave mache diese Zeit zum Wendepunkt der SF und damit zum zentralen Ordnungsfaktor der <italic>History</italic>. Mit 19 Kapiteln, die alles abdecken, was &#187;Before the New Wave&#171; passierte, und 17 Kapitel f&#252;r alles &#187;After the New Wave&#171; verleihen die zehn Kapitel &#187;The New Wave&#171; den Jahren zwischen 1960 und 1979 einen deutlichen Vorrang in der Entwicklung der SF &#8211; wichtige Themen sind dabei ganz klar der Einfluss der B&#252;rgerrechtsbewegung, Vietnam, die Anf&#228;nge der Umweltbewegung, die sexuelle Revolution oder generell die Counterculture. Die SF ist hier &#8211; also insbesondere in den New-Wave-Kapiteln &#8211; deutlich mit den progressiven, politisch eher links zu verankernden Str&#246;mungen der US-amerikanischen Kultur verbunden und wird als intellektuelles Mittel einer Auseinandersetzung mit und Kritik an bestehenden hegemonialen Strukturen verstanden.</p>
<p>Und damit w&#228;ren wir auch schon beim letzten Merkmal der <italic>History</italic>, denn die Auswahl der einzelnen Themengebiete ist keineswegs zuf&#228;llig. Gerade auch im letzten Teil, der sich mit der Zeit nach der New Wave besch&#228;ftigt wird deutlich, dass die Herausgeber die SF ma&#223;geblich als ein kulturkritisches Genre begreifen, das sich in die politischen Belange einer jeweiligen Zeit einmischt. Eine eigene politische Agenda ist durchaus zu vermuten, denn es gibt beispielsweise keinen Abschnitt zu rechtskonservativer Military SF (im Gegensatz zur durchaus vertretenen Antikriegs-SF wie Joe Haldemans <italic>The Forever War</italic> (1974), der im Vietnam-Kapitel besprochen wird) oder zu neoliberalen Utopien. Dem Band geht es nicht (oder nur am Rande) um die Pulp-Freuden und Abenteuergeschichten der Space Opera oder die klischeebeladenen neoliberalen Ausw&#252;chse des Superhelden-Genres im aktuellen Kino. Diese Themen werden zwar behandelt, aber durch eine kulturkritische Linse gebrochen, etwa in der Betrachtung der SF als Franchise-Welten oder durch Ausf&#252;hrungen zur Fan Culture. Auffallend ist dabei, dass im letzten Abschnitt die enger gefassten und spezifischen Kapitel, wie etwa zum Krieg gegen den Terror, in geringerer Zahl vorhanden sind, dagegen &#252;berwiegen gro&#223;e &#220;berblicke zum Comic der 1980er- bis 2010er-Jahre oder zum Fernsehen der 1980er- und 1990er-Jahre. Nach den aufschlussreichen und sich gegenseitig gut erg&#228;nzenden Mosaiksteinen der ersten Kapitel ist die Zusammenstellung hier gr&#246;ber und nicht ganz so gut gelungen.</p>
<p>Zudem f&#228;llt auf, dass bestimmte Themen den Herausgebern offensichtlich besonders am Herzen liegen, andere jedoch nur sporadisch vertreten sind. So gibt es in jedem der drei Hauptabschnitte ein Kapitel zum Afrofuturismus und je eines zum Thema Gender. Internationale Perspektiven sind dagegen nur sehr ausgew&#228;hlt vertreten: Vor der New Wave muss ein Kapitel zum kontinentalen Europa ausreichen, in der New Wave ein Blick nach Osteuropa, und im Abschnitt nach der New Wave erhalten China, der globale S&#252;den und Lateinamerika jeweils eigene Kapitel.</p>
<p>Hier liegt vermutlich die gr&#246;&#223;te Herausforderung f&#252;r die Zusammenstellung eines solchen Buchprojekts, denn die immer weiter voranschreitende Internationalisierung der SF-Forschung fordert einfach auch, das Genre globaler zu betrachten. Gerade die Konzentration auf die New Wave, die vornehmlich anglo-amerikanisch dominiert war, verdeutlicht hier die Orientierung der Herausgeber auf den englischen Sprachraum. Das ist nicht zuletzt an der Zusammenstellung der einzelnen Autor*innen und deren Institutionen sp&#252;rbar. Von den 46 Kapiteln stammen lediglich f&#252;nf aus der Feder von Wissenschaftlern an nicht englisch-sprachigen Universit&#228;ten &#8211; ein Umstand, den es zu kritisieren gilt und der sich in Zukunft &#228;ndern muss. Gerade die Forschung zur SF in Europa, aber auch an asiatischen Universit&#228;ten, muss st&#228;rker in den internationalen Austausch gelangen. Dabei sei aber noch einmal betont, dass der Band mit hervorragenden Essays aufwarten kann, die von einer hinsichtlich Gender und Statusgruppe durchaus diversen Gruppe relevanter SF-Forscher*innen geschrieben wurden. Damit muss die <italic>Cambridge History of Science Fiction</italic> als ein zentrales Handbuch der SF-Forschung gelten und &#8211; der leicht anglozentrischen Perspektive zum Trotz &#8211; f&#252;r jede und jeden Interessierte*n ein wichtiger Anlaufpunkt sein.</p>
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<title>Autor</title>
<p>Dr. Lars Schmeink ist Projektleiter im Unterprojekt &#187;Science Fiction&#171; des BMBF-gef&#246;rderten &#187;FutureWork&#171;-Netzwerks und arbeitet im Bereich Digitalisierung an der HafenCity Universit&#228;t Hamburg. Er war Vorsitzender der Gesellschaft f&#252;r Fantastikforschung von 2010&#8211;2019. Seine wichtigsten Ver&#246;ffentlichungen sind Biopunk Dystopias (2016), Cyberpunk and Visual Culture (Hg., 2018), The Routledge Companion to Cyberpunk Culture (Hg., 2020).</p>
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<title>Konkurrierende Interessen</title>
<p>Der Autor hat keine konkurrierenden Interessen zu erkl&#228;ren.</p>
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<title>Zitierte Werke</title>
<ref id="B1"><label>1</label><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Aldiss</surname>, <given-names>Brian</given-names></string-name> und <string-name><given-names>David</given-names> <surname>Wingrove</surname></string-name>. <source>Trillion Year Spree. The History of Science Fiction</source>. <publisher-name>House of Stratus</publisher-name>, <year>2001</year>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B2"><label>2</label><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Bould</surname>, <given-names>Mark</given-names></string-name> und <string-name><given-names>Sherryl</given-names> <surname>Vint</surname></string-name>. <source>The Routledge Concise History of Science Fiction</source>. <publisher-name>Routledge</publisher-name>, <year>2011</year>. DOI: <pub-id pub-id-type="doi">10.4324/9780203830161</pub-id></mixed-citation></ref>
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