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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung</journal-title>
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<article-title>Das Erbe der Science Fiction in der DDR</article-title>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Michigan State University</aff>
<aff id="aff-2"><label>2</label>Verleger (Memoranda Verlag)</aff>
<aff id="aff-3"><label>3</label>Kunsthistorikerin und Science Communicator</aff>
<aff id="aff-4"><label>4</label>Science-Fiction-Autor, -Herausgeber und -&#220;bersetzer</aff>
<aff id="aff-5"><label>5</label>Science-Fiction-Autor und Futurologe</aff>
<aff id="aff-6"><label>6</label>University of Cincinnati</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2026-01-12">
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<license-p>Die Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung ist eine Open-Access-Zeitschrift mit Peer-Review-Verfahren der Open Library of Humanities. &#169; 2025 Der/die Autor*innen. Dieser Open-Access-Beitrag ist lizensiert durch die Creative-Commons-Grundlizenzen in der Version 4.0 (Creative Commons Namensnennung 4.0 International, welche die unbeschr&#228;nkte Nutzung, Verbreitung und Vervielf&#228;ltigung erlaubt, solange der/die Autor*in und die Quelle genannt werden). Vgl. <uri xlink:href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de">https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de</uri>.</license-p>
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<p>Sonja Fritzsche, Hardy Kettlitz, Elisabeth Schaber, Erik Simon, Karlheinz Steinm&#252;ller and Evan Torner talk about science fiction in the German Democratic Republic (GDR).</p>
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<title>Einleitung</title>
<p>Das folgende &#246;ffentliche Round-Table-Gespr&#228;ch fand am 17. August 2023 im Deutschen Hygiene-Museum im Rahmen der Konferenz &#187;Disruptive Imaginations&#171;, Jahrestagung der Gesellschaft f&#252;r Fantastikforschung (GfF) und der Science Fiction Research Association (SFRA), an der Technischen-Universit&#228;t Dresden statt; organisiert wurde die Tagung von Moritz Ingwersen und Julia Gatermann. Anschlie&#223;end an das Panel wurde der ostdeutsche SF-Film E<sc>olomea</sc> (<xref ref-type="bibr" rid="B6">DDR 1972, Regie: Herrmann Zschoche</xref>) mit einer Einleitung von Evan Torner aufgef&#252;hrt.</p>
<p>Die SF der Deutschen Demokratischen Republik (DDR, 1949&#8211;1990) umfasst zahlreiche literarische Werke und etwa zehn Spiel- und Kurzfilme. Diese SF ist &#246;fter philosophischer ausgerichtet als die westliche und spielt in einer sozialistischen Welt. Sie ist f&#252;r ihren satirischen Humor bekannt sowie f&#252;r utopische Spielwelten, in denen die Hoffnung auf ein besseres Morgen zum Ausdruck kommt. &#214;kologische und feministische Themen sind ebenso zu finden wie k&#252;nstliche Intelligenz (KI). Geschichten dieser selbst&#228;ndigen Tradition standen im Dialog mit der SF und anderen Genres im Westen wie auch im Osten; besonders sind hier Namen wie Stanis&#322;aw Lem, Boris und Arkadi Strugatzki, Andrei Tarkowski, Isaac Asimov, Philip K. Dick und Ursula K. Le Guin zu nennen. Was die DDR-SF dagegen nicht kennt, sind Bug-Eyed Monsters, Jumpgates, mit denen man durch Wurml&#246;cher reisen kann, oder individualistische Superhelden, da sich die Geschichten an der Realit&#228;t des sozialistischen Staates orientieren mussten, um ver&#246;ffentlicht zu werden. Stattdessen entdecken die Leser:innen viel Nachdenklichkeit, Kreativit&#228;t und Ehrlichkeit in zahlreichen Gedankenspielen von Heute und Morgen, wenn sie &#8211; wie bei jeder interessanten SF-Erz&#228;hlung &#8211; zwischen den Zeilen lesen.<xref ref-type="fn" rid="n1">1</xref></p>
<p><bold>Susanne Illmer</bold>: Wir haben uns gefreut, als Moritz Ingwersen und Julia Gatermann mit dem Vorschlag f&#252;r zwei Abendveranstaltungen im Rahmen der Konferenz &#187;Disruptive Imaginations&#171; auf unser Museum zugekommen sind, denn SF und unsere Ausstellungen haben einige Gemeinsamkeiten. Aktuell l&#228;uft bei uns die Ausstellung <italic>Von Genen und Menschen. Wer wir sind und werden k&#246;nnten</italic> (Februar &#8211;September 2023) und zuvor hatten wir <italic>K&#252;nstliche Intelligenz. Maschinen. Lernen. Menschheitstr&#228;ume</italic> (November 2021&#8211;November 2022). In beiden Ausstellungen interessieren wir uns f&#252;r den menschlichen K&#246;rper und seine Erweiterungen. Dies sind nat&#252;rlich auch Themen der SF, und sowohl in diesem Genre wie auch in unseren Ausstellungen geht es darum, wie wir Wissenschaft erz&#228;hlbar machen und sie gleichzeitig in soziale, gesellschaftliche und politische Kontexte einbetten. Auch wir fragen uns, was Wissenschaft, was technische und wissenschaftliche Erkenntnisse mit uns und mit unserer Gesellschaft aktuell und in Zukunft machen.</p>
<p>Auf das Thema des heutigen Abends, das Erbe der SF in der DDR, freue ich mich besonders, weil damit ein Ausstellungsthema angeteasert wird, dass bei uns im kommenden Jahr aktuell sein wird. Von M&#228;rz bis November 2024 werden wir eine gro&#223;e Sonderausstellung zeigen, die zurzeit noch unter dem Arbeitstitel steht: &#171;Moderne Ost, das Deutsche Hygiene-Museum, die DDR, und Wie wir uns erinnern&#187;. Das Thema ist zurzeit emotional sehr aufgeladen und wird &#246;ffentlich kontrovers diskutiert. Gut ist daran auf jeden Fall, dass die Erz&#228;hlungen &#252;ber die DDR vielstimmiger und differenzierter werden. Und dazu kann sicher auch der heutige Abend beitragen, denn man kann sich nat&#252;rlich fragen: Ist die SF der DDR nun ein subversives Medium, das Kritik am &#246;ffentlich erlaubten Sprechen &#252;bt, oder ist sie im Grunde nur eine technik- und wissenschaftsgl&#228;ubige Fortsetzung des System- und Klassenkampfes im Medium der Fantastik?</p>
<p>Das werden wir heute Abend sicherlich von unseren Expertinnen und Experten h&#246;ren. Ich bin sehr gespannt auf die Diskussion und &#252;bergebe gerne an die Kuratorin und Moderatorin des Panels, Professor Dr. Sonja Fritzsche.</p>
<p><bold>Sonja Fritzsche</bold>: Vielen Dank. Ich freue mich sehr, Sie bei unserem Runden Tisch &#187;Das Erbe der DDR-Science-Fiction&#171; zu begr&#252;&#223;en.</p>
<p>Ich werde als geb&#252;rtige US-Amerikanerin, deren Eltern kein Deutsch sprechen, sowie als Professorin an der Michigan State Universit&#228;t oft gefragt, weshalb ich mich eigentlich f&#252;r die SF der DDR interessiere. Meine Antwort ist folgende: Ich bin ein Kind des Kalten Krieges und der Zeit des Eisernen Vorhangs. Ich wollte aber sehen, was und wen es auf der anderen Seite gab &#8211; in diesem Land, das zwischen 1949 und nach dem Fall der Berliner Mauer bis zum 3. Oktober 1990 existierte. Als ich Mitte der 1990er-Jahren ein Thema f&#252;r meine Dissertation suchte, fand ich ein Exemplar von Erik Simons Phantastik-Almanach <italic>Lichtjahr</italic> in der Uni-Bibliothek. Die Universit&#228;t von Minnesota hatte seit den 1970er-Jahren ein Austauschprogramm mit der Humboldt Universit&#228;t und ich vermute, dass der Band wohl irgendwann in dieser Zeit als Geschenk mitgebracht wurde. Das Buch weckte mein Interesse, und als ich 1997 nach Dresden und Berlin kam, entdeckte ich eine neue SF-Welt. Tausende von Geschichten &#8211; ob Roman, Kurzgeschichte, Kinderbuch, Film oder andere Formen dessen, was in der DDR &#187;wissenschaftlichen Fantastik&#171; genannt wurde. Hans Peter Neumann erfasste <xref ref-type="bibr" rid="B18">2002</xref> alle Titel der DDR-SF sowie der in der DDR erschienenen SF aus anderen L&#228;ndern, der gr&#246;&#223;te Teil aus Russland (bzw. der Sowjetunion) und anderen L&#228;ndern des Ostblocks. Diese Bibliografie umfasst mehr als tausend Seiten.</p>
<p>Viele aus unterschiedlichen Bereichen haben geschrieben &#8211; Journalist:innen, Ingenieur:innen, Techniker:innen, Autor:innen, Fans. Viele Arten von Geschichten sind entstanden, vor allem solche, bei denen die Leser:innen zwischen den Zeilen lesen mussten, um die Metaphern zu verstehen. In diesen Geschichten habe ich die Tr&#228;ume von DDR-B&#252;rger:innen entdeckt und auch viele philosophische Diskurse, da &#187;b&#252;rgerliche&#171; Space Operas in der DDR ge&#228;chtet waren. Sehr oft bin ich wie auch in der US-SF auf Genremischungen gesto&#223;en, besonders in der Kinderliteratur. Hier verbindet sich SF mit M&#228;rchen. Oft geschah das, um das Interesse von Kindern daf&#252;r zu wecken, was man heute STEM oder MINT nennt. In vielen F&#228;llen handelt es sich aber auch um Tr&#228;ume von anderen Gesellschaftsm&#246;glichkeiten. Seltener sind Geschichten mit individuellen Helden, denn dies entsprach nicht der marxistischen Ideologie. Sehr oft waren es Geschichten von M&#228;nnern &#252;ber M&#228;nner. Aber es gibt auch einzelne intelligente Frauenfiguren, die eine Realit&#228;t des Sozialismus spiegelten. Zudem bildete die SF der DDR keine Insel-SF, sondern stand immer in Dialog mit der internationalen SF &#8211; des Westens wie auch des Ostens.</p>
<p>Uns interessiert in dieser Diskussionsrunde aber auch die Geschichte der DDR-SF nach der Wiedervereinigung: Was hat man aus der DDR-SF gelernt? Was haben die Schriftsteller:innen seither gemacht? &#8211; Kurz: Welches Erbe hat die SF der DDR hinterlassen?</p>
<p>Wir haben das Gl&#252;ck, einige sehr einflussreiche Figuren aus der Szene bei uns zu haben: Den Schriftsteller und Zukunftsforscher Karlheinz Steinm&#252;ller, die Kunsthistorikerin Elisabeth Schaber, Evan Torner, seines Zeichens Professor f&#252;r Filmwissenschaft und Game Studies, den SF-Schriftsteller und Lektor Erik Simon sowie &#187;last but certainly not least&#171; den Verleger und Redakteur Hardy Kettlitz.</p>
<p>Wir haben alle gebeten, sich selbst kurz vorzustellen und &#252;ber ihre Rolle innerhalb der DDR-SF zu sprechen, wobei uns besonders interessiert, wie sie zur SF gekommen sind und was die DDR-SF f&#252;r sie bedeutet.</p>
<p><bold>Karlheinz Steinm&#252;ller</bold>: Sonja Fritzsche hat mich gebeten, als erster das Wort zu ergreifen, und ich komme mir ein bisschen merkw&#252;rdig vor in dieser Rolle, gewisserma&#223;en wie mein eigener Erbe.</p>
<p>Wie bin ich zur SF gekommen? Ich antworte auf diese Frage oft damit, dass ich schon immer hier gewesen bin. Meine fr&#252;heste Erinnerung ist an einen Jahrmarkt auf dem Marktplatz von Klingenthal im Vogtland im Jahre 1955. Ich war vier Jahre alt, und es gab da ein Karussell mit sehr sch&#246;nen silbernen Gondeln, und dar&#252;ber stand &#187;Raketenfahrt zum Mond&#171;. Das war offensichtlich ein &#220;berbleibsel aus den 1920er-Jahren, als es in Deutschland eine erste Welle des Astrofuturismus gab. Sp&#228;ter habe ich dann vielleicht zehnmal den Film V<sc>yn&#225;lez zk&#225;zy</sc> (<xref ref-type="bibr" rid="B13">D<sc>ie</sc> E<sc>rfindung des</sc> V<sc>erderbens</sc>, CSSR 1958</xref>) von Karel Zeman mit den wundervollen, von alten Stahlstich-Illustrationen inspirierten Kulissen gesehen. Wenig sp&#228;ter hat mich D<sc>er schweigende</sc> S<sc>tern</sc> (<xref ref-type="bibr" rid="B9">DDR 1960, Regie: Kurt Maetzig</xref>) sehr beeindruckt und beeinflusst. Zur gleichen Zeit habe ich versucht, alles, was es an Zukunftsliteratur &#8211; wissenschaftliche Phantastik hie&#223; das damals noch nicht &#8211; und an utopischer Literatur gab, zu lesen. Also alles, was ich aus den Bibliotheken, den Kreis- und Stadtbibliotheken, ausleihen konnte. Es war verdammt wenig in den 1950er- und fr&#252;hen 1960er-Jahren, und irgendwann besa&#223; ich auch alles selbst. Ja, da f&#228;ngt man dann halt an, auch selbst zu schreiben. W&#228;hrend des Studiums &#8211; ich habe Physik und Philosophie studiert &#8211; habe ich mir gesagt: Das kannst du auch.</p>
<p>Was ist SF f&#252;r mich gewesen? Sie war f&#252;r mich als junger Mensch einerseits ein Fenster in die Zukunft. Ich habe SF als Zukunftsliteratur gelesen und mich darauf gefreut, im Jahr 2000 Wetterkontrolle und andere gro&#223;artige Dinge zu erleben. Zugleich ist SF f&#252;r mich aber auch zu einem Fenster zur Welt geworden, denn ich habe auch versucht, m&#246;glichst viel ausl&#228;ndische SF zu lesen. Zum Beispiel amerikanische Science-Fiction in russischer &#220;bersetzung, die in der Serie <italic>Zarubeschnaja Fantastika</italic> [&#1047;&#1072;&#1088;&#1091;&#1073;&#1077;&#1078;&#1085;&#1072;&#1103; &#1060;&#1072;&#1085;&#1090;&#1072;&#1089;&#1090;&#1080;&#1082;&#1072;] ver&#246;ffentlicht wurde. Einige der Anwesenden k&#246;nnen sich vielleicht noch erinnern. So lernt man sogar Russisch. Zugleich habe ich auf diese Weise Zugang zur amerikanischen Kultur erhalten.</p>
<p>Sp&#228;ter habe ich vieles auf Englisch gelesen, Romane und Erz&#228;hlungen von Philip K. Dick zum Beispiel und Kurzgeschichten von Robert Sheckley. Dann hat mich einiges von Boris und Arkady Strugatzki interessiert. So habe ich durch die SF einen Blick auf andere Kulturen erhalten. Und dann, als ich selbst geschrieben habe &#8211; bald auch gemeinsam mit meiner Frau Angela &#8211; war diese Literatur f&#252;r uns zudem eine Art Ausweg: Sie gab uns die M&#246;glichkeit, selbst fremde Welten zu entwickeln, in denen wir uns ganz privat und mit unseren Lesern bewegen und sozusagen die engen Fesseln der DDR abstreifen konnten. SF war f&#252;r uns ein Freiraum wie f&#252;r viele andere Autor:innen auch. Wir selbst erlebten das in den 1980er-Jahren. In den 1950er- und 1960er-Jahren sah das allerdings noch ganz anders aus. Zuerst musste sich in den 1970er-Jahren in den Verlagen ein neues Verst&#228;ndnis von SF entwickeln. Ein Lektor hat das seinerzeit als &#187;Entpflichtung in Nirgendwo&#171; zusammengefasst: SF als pflichtfreier Raum. Aber nat&#252;rlich war die SF ebenfalls von der offiziellen Ideologie durchdrungen. Das lie&#223; sich nicht vermeiden, aber man konnte dem doch ausweichen, und je weiter, desto besser.</p>
<p>F&#252;r mich ist SF selbst heute noch ein Freiraum, wo ich jenseits der aktuellen Debatten spekulieren kann. Angela und ich &#252;berlegen uns dann beispielsweise: &#187;Was ist das Schlimmste, das man mit ChatGPT anfangen kann?&#171; Die KI muss nicht gleich die Welt beherrschen wollen. Es m&#252;sste schon eine sehr bl&#246;de k&#252;nstliche Intelligenz sein, die diese Menschheit beherrschen will. Aber das nur als Bemerkung am Rande.</p>
<p>Ich m&#246;chte noch etwas zu meiner T&#228;tigkeit als Zukunftsforscher sagen. Seit 1991 berate ich in dieser Funktion gro&#223;e Unternehmen sowie &#246;ffentliche Einrichtungen. Die SF ist f&#252;r uns Zukunftsforscher nicht nur ein Motor f&#252;r Innovationen, sondern insgesamt ein ungeheuer anregendes Medium. Manche versuchen es in einem Begriff zu fassen: &#187;Science-Fiction-Thinking&#171; oder &#187;Science-Fictioning&#171;. Wenn man es so unscharf bezeichnet, steckt meist nicht sehr viel dahinter. Aber spannend ist es trotzdem, und SF ist eben auch ein Zugang zu Zukunftsbildern. Angela und ich haben untersucht, wie die Zukunftsbilder in der DDR-SF in den 1950er- und 1960er-Jahren beschaffen waren. Sie waren insgesamt relativ einheitlich. Man h&#228;tte als Held oder Heldin eines Romans einfach in einen anderen wechseln k&#246;nnen und h&#228;tte dennoch dieselben Verh&#228;ltnisse vorgefunden.</p>
<p>Noch kurz zum j&#252;ngst erschienen Band <italic>Computerd&#228;mmerung</italic> unserer gesammelten Werke (<xref ref-type="fig" rid="F1">Abb. 1</xref>). Die Erz&#228;hlungen darin stammen von Ende der 1970er-Jahre bis zum Jahr 2010, und man kann sie als eine Geschichte der Informationstechnik interpretieren: Von der Lochkarte bis zum USB-Stick. Ein Bekannter meinte, die Informationstechnik sei doch nur die eine Seite. Wenn man genauer hinschaut, kann man auch die Geschichte der DDR nachverfolgen. Das war uns so nicht bewusst. Insofern ist es auch ein St&#252;ck des Erbes der SF der DDR, dass wir durch sie einen anderen Blick auf die Geschichte der DDR erhalten. Dazu z&#228;hlt vor allem der kritische Blick: Sich mit der Gegenwart nicht zufrieden zu geben, die sogenannten gro&#223;en Erz&#228;hlungen nicht einfach zu akzeptieren.</p>
<fig id="F1">
<label>Abb. 1</label>
<caption>
<p>Das Cover von Angela und Karlheinz Steinm&#252;llers <italic>Computerd&#228;mmerung</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B22">Memoranda 2023</xref>)</p>
</caption>
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</fig>
<p>Wir sind zur DDR-Zeit f&#252;r die Zensur sensibilisiert worden. Immer wieder hat man versucht, die Literatur zu funktionalisieren: &#187;die SF muss oder die SF soll &#8230;&#171;. Da str&#228;uben sich mir die Nackenhaare, weil das Sprachregelungen sind, die ich von fr&#252;her her kenne. Insofern bin ich durch die DDR-SF vielleicht ein bisschen d&#252;nnh&#228;utiger geworden. Aber diese Erfahrung hilft auch, sich unabh&#228;ngiger vom jeweils aktuellen Zeitgeist zu bewegen.</p>
<p><bold>Elisabeth Schaber</bold>: Sch&#246;nen guten Abend. Ich bin Kunsthistorikerin und habe in Leipzig Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte studiert und in Kunstgeschichte promoviert. Ich fand es spannend, wie man die Dystopie k&#252;nstlerisch fassen kann. Ich bin zuf&#228;llig auf die Raumfahrt-Briefmarken der DDR gesto&#223;en. Die erste ist 1957 erschienen, die letzte erst 1990. Insgesamt gibt es &#252;ber siebzig Briefmarken, die sich um Raumfahrt drehen (<xref ref-type="fig" rid="F2">Abb. 2</xref>). Das war ein superspannendes Thema und Motiv &#252;ber fast die ganze DDR-Zeit hinweg. Ich kam dann f&#252;r meine Dissertation zur Raumfahrt in der Kunst der DDR und allgemein zu den Utopien, die damit verbunden waren.</p>
<fig id="F2">
<label>Abb. 2</label>
<caption>
<p>Hans-Georg Urbschat: <italic>Raumflieger in seiner Kabine</italic>, Offsetdruck, karminrot, Ausgabetag 20.4.1961, Michel-Nr. 823.</p>
</caption>
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</fig>
<p>Ich habe angefangen, eine Bestandsaufnahme von Motiven und Bildern zu machen, in denen das Thema Raumfahrt in den K&#252;nsten der DDR auftaucht &#8211; durch alle Kunstgattungen hindurch. Ich habe viele Gem&#228;lde gefunden, aber auch Wandbilder und Zeichnungen in Zeitschriften. Meine Dissertation behandelt auch die Narrative, die mit den Bildern verbunden sind. Es f&#228;ngt Ende der 1950er-Jahre an und geht bis in die 1980er-Jahre hinein. Durch die Betrachtung dieses langen Zeitraums konnte ich nachverfolgen, welche Themen und Narrative sich ver&#228;nderten und was gleichblieb. Au&#223;erdem untersuche ich auch, welche Quellen f&#252;r die Raumfahrt-Motive herangezogen wurden und welche &#187;westlichen Einfl&#252;sse&#171; es gab. In den Abbildungen in verschiedenen Illustrierten, Romanen oder popul&#228;rwissenschaftlichen Sachb&#252;chern sieht man, dass die Bilder eigentlich immer auch einen emotionalen Zugang zum Thema Raumfahrt schaffen sollen. Wenn man ein popul&#228;rwissenschaftliches Sachbuch anschaut, dann ist die Textebene oft sehr nahe an den staatlichen Vorgaben, die Abbildungen dazu aber nicht unbedingt. Diese waren sehr dramatisch und haben intensiv mit Lichtregie gearbeitet. Bei den Abbildungen gibt es sehr wenige sozialistische Insignien. Man sieht selten Hammer und Sichel oder rote Sterne. Ein Ergebnis meiner Recherchen war zudem, dass man versuchte, diese Bilder politisch m&#246;glichst neutral zu halten &#8211; soweit dies eben m&#246;glich war.</p>
<p>In meinem Buch behandle ich viele Beispiele von Aushandlungsprozessen: Wie staatskonform muss ein Bildmotiv sein, wieviel k&#252;nstlerischer Freiraum ist m&#246;glich? Das hat mich sehr interessiert. Ein weiterer Punkt ist das Verh&#228;ltnis von Science Fiction und Science Fact. Es war staatlich erw&#252;nscht, dass die Raumfahrtbilder die DDR-Realit&#228;t darstellen sollten. Realit&#228;t, die zwar in der Zukunft angesiedelt ist, aber auf der Basis des Wissens der damaligen Zeit. Deswegen changieren die Bilder zwischen Science Fiction und Science Fact.</p>
<p><bold>Evan Torner</bold>: Als US-Amerikaner j&#252;disch-schwedischer Herkunft habe ich entgegen des Wunsches meiner j&#252;dischen Gro&#223;eltern Deutsch in der Schule gelernt. Sp&#228;ter habe ich dann sogar Germanistik am Grinnell College studiert sowie die Geschichte der Afro-Amerikaner, des Kolonialismus sowie der Afro- und T&#252;rkisch-Deutschen. Seltsamerweise stammten meine Dozenten alle aus &#214;sterreich. W&#228;hrend eines Aufenthalts in Deutschland, in Freiburg im Breisgau, habe ich ein Filmseminar belegt, was dazu f&#252;hrte, dass ich erstmals DDR-Filme sah: D<sc>ie</sc> M<sc>&#246;rder sind unter</sc> U<sc>ns</sc> (<xref ref-type="bibr" rid="B5">DE 1946, Regie: Wolfgang Staudte</xref>), S<sc>pur der</sc> S<sc>teine</sc> (<xref ref-type="bibr" rid="B11">DDR 1966, Regie: Frank Beyer</xref>), sowie D<sc>ie</sc> L<sc>egende von</sc> P<sc>aul und</sc> P<sc>aula</sc> (<xref ref-type="bibr" rid="B4">DDR 1973, Regie: Heiner Carow</xref>). Meine Kenntnis dieser drei Filme half mir dann, ein Sommerpraktikum an der DEFA-Film Library an der University of Massachusetts Amherst zu bekommen. Das war im Jahr 2004.</p>
<p>Und da habe ich erstmals Artikel von Sonja Fritzsche &#252;ber die DDR-SF gelesen. Sonjas Forschung beschrieb eine v&#246;llig andere Welt als meine eigene. Es ging um Zukunftsromane und die Filme der Arbeitsgruppe <italic>defa-futurum</italic> sowie um SF-Koproduktionen zwischen der DDR und Polen, Russland und Rum&#228;nien. In dieser Parallel-SF-Welt war unsere amerikanische Art von Kapitalismus abgeschafft und Menschen aus aller Welt &#8211; auch nicht-wei&#223;e Menschen &#8211; lebten im Weltall friedlich zusammen. In D<sc>er schweigende</sc> S<sc>tern</sc> siegt der Sozialismus 1970 weltweit &#8211; weil man einfach keinen Bock mehr auf Atomwaffen hat. W&#228;re es blo&#223; so leicht! Aber der alte Rassismus war im Film dennoch sp&#252;rbar. Zum Beispiel anhand von Kommunikationsoffizier Talua (Julius Ongewe) des Raumschiffs Kosmokrator; er ist gleichberechtigt mit den sieben anderen Kosmonaut:innen. Er hat eine Tochter namens Mona, nach der sich die anderen Besatzungsmitglieder erkunden. Sp&#228;ter opfert er sich f&#252;r die gef&#228;hrdete Raumschiffbesatzung.</p>
<p>Solche Konstellationen findet man schon sp&#228;ter in S<sc>tar</sc> T<sc>rek</sc> (<xref ref-type="bibr" rid="B12">US 1966&#8211;1969, Idee: Gene Roddenberry</xref>), einer Serie, die trotz ihres chauvinistischen Kommandanten Captain Kirk bis heute als Vorbild f&#252;r diverse SF gilt. D<sc>er schweigende</sc> S<sc>tern</sc> war beim Erscheinen der teuerste Film, den die DEFA je produziert hatte, und die hohen Kosten f&#252;hrten dazu, dass erst knapp zehn Jahre sp&#228;ter wieder ein SF-Film hergestellt wurde. Das war S<sc>ignale</sc> &#8211; E<sc>in</sc> W<sc>eltraumabenteuer</sc> (<xref ref-type="bibr" rid="B10">DDR 1970, Regie: Gottfried Kolditz</xref>), in dem die beiden osteurop&#228;ischen Filmstars Iurie Darie und Gojko Miti&#263; als Kosmonauten ein Team leiten. Der Film E<sc>olomea</sc>, den wir anschlie&#223;end zusammen sehen werden, bringt uns n&#228;her an zwei konkurrierende Weltanschauungen heran. Sollen wir das Menschenleben als heilig betrachten, m&#252;ssen wir uns f&#252;r die Naturwissenschaften opfern, oder gibt es einen Mittelweg? In einer zeitgen&#246;ssischen Rezension von E<sc>olomea</sc> hei&#223;t es: &#187;Im Mittelpunkt steht nicht die Attraktivit&#228;t der zuk&#252;nftigen Technik, sondern der zuk&#252;nftige Mensch, der sie beherrscht&#171; (<xref ref-type="bibr" rid="B19">Regen</xref>). Der dritte SF-Film I<sc>m</sc> S<sc>taub der</sc> S<sc>terne</sc> (<xref ref-type="bibr" rid="B7">DDR 1976, Regie: Gottfried Kolditz</xref>) bietet uns eine psychedelische Rettungsmission. Die sozialistische st&#246;&#223;t auf ein Regime von Ausbeutung und versucht, diese zu beenden. Die vier SF-Filme der DEFA brennen vor Optimismus &#252;ber die Zukunft, denn die DDR soll in der Welt anerkannt werden.</p>
<p>Es handelt sich eindeutig um Genrefilme, aber auch um Vorbilder einer m&#246;glicherweise erreichbaren Zukunft, in der sich die Naturwissenschaften vom Kapitalismus entkoppelt haben. In meiner eigenen Forschung gehe ich der Frage nach, wie uns Filme eine menschengerechte, vielf&#228;ltige und neuartige Zukunft n&#228;herbringen k&#246;nnen. Aber auch wie Solidarit&#228;t und der Optimismus interagieren. Und wie verhalten sich die Werke zu ihren Produktionsverh&#228;ltnissen, wie k&#246;nnen wir ein vertieftes Verst&#228;ndnis von Kulturproduktion gewinnen? Gleichzeitig haben diese Filme fast &#252;ber Nacht meine Perspektive auf das mir bis dahin bekannte Hollywoodkino ver&#228;ndert. Wenn es eine Alternative gibt, entstehen aus dieser auch neue Ideen. SF-Kino hollywoodscher Pr&#228;gung hei&#223;t aggressive Au&#223;erirdische; wei&#223;e Jesus-Figuren agieren in neoliberalen Fantasien als Retter. <xref ref-type="bibr" rid="B15">Marc Fisher</xref> spricht von einem &#187;capitalist realism&#171; und Hollywood bietet diesen in bewegten Bildern. Ich hatte nicht erwartet, dass Genrefilme aus einem verschwundenen Land dazu f&#252;hren w&#252;rden, dass ich mich radikal gegen die Werte stellen w&#252;rde, mit denen ich aufgewachsen bin.</p>
<p>&#187;Another World is possible&#171;, wie die Linke in den 2000er Jahren gesagt hat. Das habe ich durch Genrefilme zu dem Zeitpunkt gelernt, als mein Land tausende Menschen in Afghanistan und Irak umgebracht hat.</p>
<p><bold>Erik Simon</bold>: Ich bin offensichtlich ein Sp&#228;tentwickler, denn im Unterschied zu Karlheinz Steinm&#252;ller bin ich nicht im vierten oder f&#252;nften Lebensjahr SF-Fan geworden, sondern erst mit ungef&#228;hr sieben Jahren. Eine der Illustrationen, die Elisabeth Schaber mitgebracht hat, ist eine Seite aus der Zeitschrift <italic>Mosaik</italic>. Ich vermute mal, das war der erste Weltraumflug der <italic>Digedags</italic>, das muss 1957 oder 1958 gewesen sein. Dahin reicht meine Erinnerung zur&#252;ck, denn damals fing ich damit an, mich f&#252;r SF zu interessieren. In der f&#252;nften, sechsten Klasse war ich dann schon ein derart hartgesottener SF-Fan, dass ich beschloss, Atomphysiker zu werden.</p>
<p>Ich bin dann Tieftemperaturphysiker geworden, aber nur auf dem Papier. Ich habe nie als Physiker gearbeitet, denn Mitte 1974 hatte ich die Gelegenheit, mein Hobby zum Beruf zu machen. Ich habe danach siebzehn Jahre lang im Verlag Das Neue Berlin SF lektoriert, haupts&#228;chlich SF-Literatur des sozialistischen Auslands. Auch vorher schon &#8211; in einem SF-Klub, den es um 1970 in Dresden haupts&#228;chlich an der TU gab &#8211; fing ich an, selbst SF zu schreiben und zu &#252;bersetzen und den Verlag, der mich von daher kannte, mit Vorschl&#228;gen f&#252;r internationale Anthologien zu bombardieren. Ich habe mich mit anderen, damals schon sehr bekannten professionellen SF-Autor:innen in Fanzines gestritten, was auch dazu beigetragen hat, dass ich dann Lektor werden konnte. Das ging w&#228;hrend der ganzen DDR-Zeit so weiter. Nach der Wende hat dann die Arbeit als Lektor leider aufh&#246;ren m&#252;ssen. Es war sehr sch&#246;n, dass ich f&#252;r das, was ich sowieso gern machte, auch noch fest angestellt und bezahlt wurde. Ich habe dann halt als Autor und vor allem als &#220;bersetzer sowie gelegentlich als Redakteur weitergearbeitet. Ich denke, dass ich au&#223;er Singen und Tanzen so ziemlich alles gemacht habe, was man in der SF machen kann (und das Singen und Tanzen habe ich nur deshalb unterlassen, weil ich ein guter Mensch bin).</p>
<p>Das eigentliche Thema ist f&#252;r mich gar nicht die SF der DDR, sondern was von dieser &#252;briggeblieben ist. Einige der in der DDR bekannten Autor:innen sind immer noch da. Das hei&#223;t, sie sind immer noch aktiv, und von diesen sind hier vierzig Prozent anwesend, Karlheinz und ich. Die anderen sind die schon erw&#228;hnte Angela Steinm&#252;ller, Rolf Krohn und &#8211; dann schon in der n&#228;chsten Generation &#8211; Karsten Kruschel. Von uns gibt es immer noch regelm&#228;&#223;ig B&#252;cher. Die &#252;brigen sind entweder tot, was nach &#252;ber drei&#223;ig Jahren nicht verwunderlich ist, oder sie haben das Schreiben aufgegeben. Ich denke, wenn wir das mit der gleichen Generation der westdeutschen SF vergleichen, schneidet die ostdeutsche besser ab. Mir fallen keine f&#252;nf, geschweige denn, wenn man die Bev&#246;lkerungszahl ins Verh&#228;ltnis setzt, zwanzig westdeutsche Autor:innen ein, die um 1950 geboren sind und immer noch schreiben. Vielleicht kann der Verleger, der mit mindestens sechzig Prozent der Aktiven regelm&#228;&#223;ig zu tun hat, dazu etwas sagen.</p>
<p><bold>Hardy Kettlitz</bold>: Das w&#228;re dann ich. Mein Name ist Hardy Kettlitz. Ich wurde 1966 in der DDR geboren. Ich habe schon, sobald ich lesen konnte, alle m&#246;glichen Arten von B&#252;chern verschlungen. Da war nat&#252;rlich auch SF dabei, Jules Verne und so weiter. Aber wirklich zum SF-Fan bin ich ungef&#228;hr mit dreizehn Jahren geworden und tats&#228;chlich eher durch den Film. Wir konnten damals in Ost-Berlin ja das Westfernsehen empfangen, und da liefen zu der Zeit nicht nur S<sc>tar</sc> T<sc>rek</sc>, sondern 1980 auch die Anime-Serie C<sc>aptain</sc> F<sc>uture</sc> (<xref ref-type="bibr" rid="B2">JP 1978&#8211;1979, Regie: Tomoharu Katsumata</xref>).</p>
<p>Ich war damals genau im richtigen Alter f&#252;r SF und hatte zudem eine sehr gute Freundin, die sich f&#252;r dieselben Sachen genauso begeistert hat wie ich. Das Problem war, dass man in der DDR keine S<sc>tar</sc>-T<sc>rek</sc>-B&#252;cher kaufen konnte, C<sc>aptain</sc>-F<sc>uture</sc>-Comics gab es ebenfalls nicht. C<sc>aptain</sc> F<sc>uture</sc> ist urspr&#252;nglich &#252;brigens kein Comic oder Film, sondern ein Romanzyklus, der zuerst in einem Pulp-Magazin erschienen ist. Aber das wusste damals nat&#252;rlich kein Mensch.</p>
<p>Wir fanden, dass die Sachen, die da gesendet wurden, irgendwie f&#252;r die Nachwelt aufbewahrt werden mussten. Da es in der DDR zu dieser Zeit keine Videorecorder gab, haben wir die S<sc>tar</sc>-T<sc>rek</sc>- und C<sc>aptain</sc>-F<sc>uture</sc>-Sendungen auf Audiokassetten mitgeschnitten. Dazu muss man sagen, dass eine 60-Minuten-Tonkassette in der DDR zwanzig Mark gekostet hat. Und als Sch&#252;ler mit dreizehn, vierzehn Jahren kann man sich nicht jede Woche eine neue Kassette f&#252;r zwanzig Mark kaufen. Also was tun? Wir haben uns dann hingesetzt und die Sendungen transkribiert, also abgeschrieben. Das hei&#223;t, wir sa&#223;en vor dem Fernseher, meistens zu zweit oder manchmal auch jeder f&#252;r sich allein zu Hause. Meine Freundin Sabine hat Fotos vom Fernseher gemacht und wir haben in einer Art selbst entwickelter Kurzschrift die Handlung mitgeschrieben. Alles, was nicht gesprochen wurde, sondern auf dem Bildschirm passierte, haben wir auf diese Weise mitgeschrieben. Wir haben dann daraus Stories gemacht, handschriftlich in so kleinen A5-Heften. Sabine war grafisch sehr begabt, und sie hat auf der Basis der Fotos, die sie vom Fernseher gemacht hat, Bilder gemalt. Diese haben wir als Titelseiten auf die Hefte geklebt, am R&#252;cken haben wir ein Pflasterband befestigt, das wir rot eingef&#228;rbt haben &#8211; das sah dann aus wie ein Leinenr&#252;cken. Diese Dinger waren in der Schulklasse Bestseller. Wir waren also quasi schon Verleger mit einer Auflage von jeweils einem Exemplar. Die Lehrerschaft durfte das nat&#252;rlich nicht mitbekommen. Das waren unsere ersten Anf&#228;nge, in denen wir uns prim&#228;r mit S<sc>tar</sc> T<sc>rek</sc> besch&#228;ftigt haben. Auf die Dauer reichte das aber nicht.</p>
<p>Wir haben alles, was es in der DDR an SF gab, gelesen. Ich habe mich zudem auch f&#252;r Astronomie interessiert und wurde Mitglied in der Archenhold Sternwarte im Jugendclub. Da gab es eine ganze Reihe von anderen Astronomie-Interessierten, die ebenfalls viel SF gelesen haben. Wir haben dann beschlossen, uns besser zu organisieren, allerdings war es in der DDR nicht so einfach, einen Club zu gr&#252;nden. Man konnte sich nicht ohne weiteres in einer Gruppe treffen, sondern brauchte eine sogenannte Tr&#228;gerorganisation. Die naheliegendste war die Freie Deutsche Jugend (FDJ) oder der Kulturbund. Die FDJ hatte aber eher an Tanzveranstaltungen und Diskotheken Interesse. Die wollten sowas nicht machen.</p>
<p>Im Kulturbund Treptow in Berlin haben wir schlie&#223;lich eine Heimstatt gefunden. Ich bin einer der beiden Gr&#252;nder des SF-Clubs Andymon, den wir nach dem 1982 erschienen Roman von <xref ref-type="bibr" rid="B21">Angela und Karlheinz Steinm&#252;ller</xref> benannt haben. Der Club wurde 1985 gegr&#252;ndet und existiert heute noch. Mittlerweile hat er sogar deutlich mehr Mitglieder als fr&#252;her. Dank dieser Begeisterung haben wir in der DDR auch Veranstaltungen durchf&#252;hren k&#246;nnen. Es gab viel mehr und bessere M&#246;glichkeiten, selbst gr&#246;&#223;ere Veranstaltungen zu organisieren als heute. Wir waren im Palast der Republik und haben dort SF-B&#252;cher und -Autor:innen pr&#228;sentiert. Wir waren auch im Kino International, wo eine SF-Filmreihe mit anschlie&#223;enden Diskussionen stattfand. Und wir haben Conventions veranstaltet, monatliche Lesungen, zweimal im Monat Clubtreffen und so weiter.</p>
<p>Daraus entstand eine ganz gro&#223;e kreative Energie, so dass wir ab ungef&#228;hr 1986 in unserem Klub das erste offiziell in der DDR gedruckte Fanzine rausbringen konnten. Vorher gab es zwar schon SF-Fanzines, aber diese wurden halt privat organisiert und produziert. Wir konnten den Kulturbund dazu bringen, unser Fanzine <italic>tranSFer</italic> hochoffiziell zu drucken. Zur Wendezeit hatten wir dann noch mehr Energie und wir haben uns gesagt, dass wir nun ein richtiges Magazin gr&#252;nden wollen. Es gab in der DDR kein einziges SF-Magazin, sondern blo&#223; Zeitschriften, die gelegentlich SF-Erz&#228;hlungen abdruckten. Aber ein reines SF-Magazin gab es nicht.</p>
<p>Im Februar 1990 hat der Runde Tisch beschlossen, dass man in der DDR noch zu DDR-Zeiten eine GmbH gr&#252;nden durfte. Also haben wir unser Geld zusammengeschmissen und eine Firma gegr&#252;ndet, die das SF-Magazin <italic>Alien Contact</italic> herausbrachte. Dieses enthielt &#252;berwiegend oder fast ausschlie&#223;lich Erz&#228;hlungen von DDR-Autor:innen. Im Laufe der Zeit hat sich das nat&#252;rlich gewandelt. <italic>Alien Contact</italic> existierte insgesamt f&#252;nfzehn Jahre lang, worauf ich sehr stolz bin. Wir waren nach der Wende das gesamtdeutsche SF-Magazin, denn die deutschsprachigen Autor:innen, die wir gedruckt haben, waren ungef&#228;hr halbe-halbe ostdeutsche und westdeutsche Autor:innen. Die Leserschaft, die wir hatten, kam zu 51 Prozent aus dem Osten und zu 49 Prozent aus dem Westen, das konnten wir an den Adressen der Abonnenten ablesen. Das ist zwar nicht genau 50/50, aber in der Bundesrepublik haben auch mehr Menschen gelebt.</p>
<p>Es war ein ziemlich gutes Ergebnis, und aus diesem Magazin entstand wiederum der Shayol Verlag, der mit dem Ziel gegr&#252;ndet wurde, Werkausgaben von DDR-Autor:innen &#8211; unter anderem von Erik Simon und den Steinm&#252;llers &#8211; herauszubringen. Daraus entstand dann so alle zehn Jahre wieder ein neuer Verlag. Mein jetziger Verlag ist der Memoranda Verlag, den ich seit 2020 nicht ganz allein betreibe. Ich ver&#246;ffentliche &#252;berwiegend Sachb&#252;cher, unter anderem ein Sachbuch zur DDR-SF sowie die Werkausgabe der Steinm&#252;llers mit bisher dreizehn B&#228;nden und Erik Simons mit sechs B&#228;nden. Es gibt &#252;berwiegend deutsche Autor:innen beim Memoranda Verlag. Wir erweitern mit dem Imprint Carcosa aber gerade auf die internationale Ebene. Seit Oktober 2023 w&#228;chst die neue Reihe mit B&#252;chern von Ursula K. Le Guin, Gene Wolf, Samuel Delany und anderen. Wir bem&#252;hen uns um gro&#223;e Autor:innen.</p>
<p><bold>Sonja Fritzsche</bold>: Vielen Dank, das ist ein toller Anfang gewesen. Ich m&#246;chte auf eine Frage eingehen, die Elisabeth Schaber erw&#228;hnt hat, n&#228;mlich die nach dem Zweck der SF, insbesondere bez&#252;glich des Verh&#228;ltnisses von Fakt und Fiktion. Die DDR-SF funktioniert in dieser Hinsicht anders als US-SF. Zu Beginn waren in der DDR im Zusammenhang mit SF die Begriffe &#187;technischer Roman&#171; und &#187;Zukunftsroman&#171;&#8249; im Gebrauch. Man durfte nicht zu weit in die Zukunft hineinschreiben, sondern musste einen Traum einer nahen Zukunft im Sinne des Marxismus-Leninismus beschreiben. Daraus ist sp&#228;ter dann die wissenschaftliche Phantastik entstanden, die explizit als Spiel zwischen Fiktion und Tatsache verstanden wurde. Hier m&#246;chte ich ansetzen. Welchen Einfluss hatte dieser vorgeschriebene Bezug auf wissenschaftlich-beweisbare Tatsachen auf die DDR-SF gehabt? Wie haben die Panel-Teilnehmer:innen diesen Balanceakt geschafft? Wie sah es zu DDR-Zeiten aus, und was hat sich nach der Wende ver&#228;ndert?</p>
<p><bold>Karlheinz Steinm&#252;ller</bold>: Es gibt durchaus ein Spannungsfeld zwischen Science Fiction und Science Fact. Wenn sich ein Autor zu eng an die technischen M&#246;glichkeiten h&#228;lt, dann verengt sich die Perspektive. Das geschah in der fr&#252;hen DDR in der sogenannten nahen Fantastik, wo tats&#228;chlich die Errungenschaften des n&#228;chsten F&#252;nf- oder Siebenjahresplans literarisch umgesetzt werden sollten. Man kann sich vorstellen, dass das nicht ganz einfach war. Aber die erste Generation der Autoren &#8211; vorwiegend Ingenieure, Naturwissenschaftler und entlaufene Journalisten &#8211; lie&#223;en sich darauf ein. In der zweiten und der dritten Generation kamen andere Autor:innen hinzu. Auch bessere entlaufene Journalist:innen wie zum Beispiel Johanna und G&#252;nter Braun, die im Journalismus begonnen haben und dann gro&#223;artige Romane geschrieben haben, die stilistisch und inhaltlich ganz auf der H&#246;he der Zeit waren. In den 1960er-Jahren kam es nicht mehr darauf an, dass das Raumschiff tats&#228;chlich mit 7,6 Kilometern pro Sekunde den Orbit erreicht, sondern dass man eine sch&#246;ne, stimmige Geschichte hatte. Die Technik wurde mehr und mehr zu einem Mittel, diese Geschichte zu erz&#228;hlen. In dieser Hinsicht gab es mit der Wende eigentlich keinen gro&#223;en Bruch. Angela und ich schreiben genauso wie vorher. Wir sind allerdings noch relativ nahe dran an wissenschaftlichen Fakten. Erik musste heftig mit uns k&#228;mpfen, weil wir die Wurmloch-Fahrt zugelassen haben, also das Reisen durch schwarze L&#246;cher: das geht n&#228;mlich eigentlich nicht. Da hat sich der Physiker in mir dagegen gestr&#228;ubt. Aber literarisch funktioniert es halt ganz hervorragend. Letztlich siegt das Erz&#228;hlen &#252;ber das Z&#228;hlen im Sinne von wissenschaftlicher Korrektheit. Diese Frage stellt sich mit jeder neuen Generation von Technik nat&#252;rlich erneut.</p>
<p>Einer der drei gro&#223;en alten deutschsprachigen SF-Autoren, Herbert W. Franke, hat einmal gesagt, dass SF eine Art Technikfolgenabsch&#228;tzung sei und ethische, soziale und andere Probleme, die mit Technik verbunden sind, diskutieren kann. Sie kann, muss aber nicht. Sie kann ebenso rein psychedelisch und vision&#228;r sein. Man sollte das nicht alles &#252;ber einen Kamm scheren, aber hier besteht immer ein Spannungsverh&#228;ltnis.</p>
<p>Es gibt Leute, die meinen, man m&#252;sse SF noch sehr viel mehr in Richtung Innovation nutzen, etwa um Prototypen, Designmuster k&#252;nftiger Ger&#228;te aus ihr abzuleiten. Das ist spannend, aber ich &#252;berlasse das den Leuten, die sich damit besser auskennen. Ich m&#246;chte nur noch ein Beispiel daf&#252;r bringen, wie schwierig die Darstellung der Zukunft speziell im SF-Film ist. Stellt euch vor, da sitzt der Regisseur mit dem Gestalter zusammen und sie diskutieren, wie die R&#228;ume im Jahr 2000 oder im Jahr 2050 ausgestattet sind: H&#228;ngt dann an der Wand ein Bildnis von Walter Ulbricht oder von Erich Honecker oder lieber Karl Marx? Was soll man da aufh&#228;ngen? Irgendetwas muss an die Wand!</p>
<p><bold>Elisabeth Schaber</bold>: Ich kann hierzu noch etwas zu den fr&#252;hen popul&#228;rwissenschaftlichen Sachb&#252;chern der DDR sagen. Das erste hie&#223; <italic>Auf dem Weg zu fernen Welten</italic> und stammt von Karl B&#246;hm und Rolf D&#246;rge. Die beiden haben sich sehr intensiv mit der Darstellung der (sozialistischen) Zukunft besch&#228;ftigt. Es sollte in ihrem Buch um die Zukunft gehen, aber diese sollte wissenschaftlich fundiert sein. Die Autoren l&#246;sten das, indem sie den F&#252;nfjahresplan der DDR nahmen und ihn f&#252;nfzig Jahre in die Zukunft projizierten. Auf der Basis der Technik ihrer Gegenwart haben sie die Themen im Buch dann weiterentwickelt und sich &#252;berlegt, wie die Welt in f&#252;nfzig Jahren aussehen k&#246;nnte. Die Textebene war also eher trocken und die Autoren versuchten, alles so realistisch wie m&#246;glich zu beschreiben. Die Abbildungen im Buch sind aber ganz anders. Viele wurden von westdeutschen Publikationen &#252;bernommen &#8211; zum Beispiel aus dem 1953 erschienenen <italic>Conquest of the Moon</italic> von Wernher von Braun, das ein Jahr sp&#228;ter als <italic><xref ref-type="bibr" rid="B24">Die Eroberung des Mondes</xref></italic> auf Deutsch ver&#246;ffentlicht wurde. Das Buch enthielt Illustrationen des US-amerikanischen Illustrators Chesley Bonestell, der als Begr&#252;nder der Space Art gilt. Bonestell war ber&#252;hmt f&#252;r seine akribischen, &#228;u&#223;erst realistischen Weltraum-Szenarien &#8211; eben auf dem Wissensstand der 1950er-Jahre. Daran haben sich die Maler und Illustratoren in der DDR orientiert, denn andere Vorlagen gab es nun einmal nicht.</p>
<p>Im Buch von B&#246;hm und D&#246;rge sieht man zum Beispiel eine Eins-zu-eins-&#220;bernahme aus dem Buch von Wernher von Braun. Die Bilder sollten immer realistisch sein, aber wenn man sie genauer betrachtet, wird klar, dass es sehr dramatisch komponierte Bilder mit effektvoller Lichtregie sind. Im Grunde sind sie nicht sehr realistisch. Nach den 1960er-Jahren trat der Anspruch einer realistischen Zukunftsprojektion dann sowieso in den Hintergrund. Es wurde klar, dass sich der ganze Fortschrittspathos, der Zukunftsglaube der ersten Raumfahrtdekade nicht verwirklicht hatte, jedenfalls nicht so, wie man sich das erhofft hatte. Gesellschaftlich ist dann eine gewisse Frustration eingetreten, und gerade in der bildenden Kunst konnte man diese Kritik auch &#8211; in Ma&#223;en und verschl&#252;sselt &#8211; &#228;u&#223;ern. Das sieht man zum Beispiel in den Ikarus-Bildern von Wolfgang Mattheuer. Besonders ber&#252;hmt wurde das Gem&#228;lde von 1978: Ikarus f&#228;llt unaufhaltsam dem Boden entgegen, gefangen in einer Raumkapsel, die ihn einklemmt. Das Jahr 1978, als Mattheuer dieses Gem&#228;lde malte, ist auch das Jahr, in dem Sigmund J&#228;hn in den Weltraum geflogen ist. Man konnte also in der Kunst diese Fortschrittskritik &#228;u&#223;ern und zur gleichen Zeit war J&#228;hn ein Held der DDR und des Sozialismus am Beginn einer strahlenden Zukunft. Das lief gleichzeitig, obwohl es nicht mehr zusammengepasst hat.</p>
<p>In den Jahrzehnten zuvor, in den 1950er- und 1960er-Jahren, war der Anspruch bei den Texten in den popul&#228;rwissenschaftlichen Sachb&#252;chern, dass das Beschriebene eintreten kann, dass das alles genauso passieren wird. In den <italic>Neuen Berliner Illustrierten</italic> von 1957 wurde es zum Beispiel schon als Fakt beschrieben, dass der Mond besiedelt wird, seine vermeintlichen Rohstoffe abgetragen werden und dass dies blo&#223; den ersten Schritt der Menschheit in den Weltraum darstellt. Es gab diese lineare Fortschrittserz&#228;hlung: Man hat mit Sputnik einen Satelliten ins Weltall geschossen, das war aber nur der Startpunk. Die Kolonisierung des Mondes und die Expansion des Menschen auf andere Planeten w&#252;rden bald folgen. Die Abbildungen in den Sachb&#252;chern sollten das plausibel und anschaulich machen, sie sollten einen realistischen Anschein vermitteln (<xref ref-type="fig" rid="F3">Abb. 3</xref>).</p>
<fig id="F3">
<label>Abb. 3</label>
<caption>
<p>Heinz Handschick: <italic>Die letzten Stunden vor dem Start</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B14">B&#246;hm und D&#246;rge:112</xref>).</p>
</caption>
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</fig>
<p><bold>Evan Torner</bold>: Wenn es um Technik geht, ist es immer interessant, bei der DEFA anzufangen. Einen SF-Film zu drehen ist sehr teuer, und effektiv hatte bei der DEFA niemand eine Ahnung, wie man das anstellt. Da musste man viel improvisieren, viel neu erfinden. F&#252;r E<sc>olomea</sc> wurde beispielsweise ein neues Verfahren zum Filmen von Weltraumszenen entwickelt. Diese Tricktechnik war sogar besser als die von 2001: A S<sc>pace</sc> O<sc>dyssey</sc> (<xref ref-type="bibr" rid="B1">GB/US 1968, Regie: Stanley Kubrick</xref>) und erst noch billiger. Der Film fand aber dennoch kein gro&#223;es Publikum. Er wurde eben nicht f&#252;r den amerikanischen Markt produziert, sondern f&#252;r die sozialistischen Bruderl&#228;nder, f&#252;r Bulgarien, die Sowjetunion, Rum&#228;nien. Die Filme sollten internationale Solidarit&#228;t zeigen, aber es war nicht leicht, dieses umzusetzen. Dazu fehlten die Mittel. Oft reichte es nur f&#252;r zwei oder drei Takes, w&#228;hrend in Hollywood drei&#223;ig oder sogar f&#252;nfzig Takes normal waren. Wenn wir von technischer Leistung sprechen, sprechen wir immer auch von den begrenzten M&#246;glichkeiten.</p>
<p><bold>Erik Simon</bold>: Mit Science Fact habe ich nie Probleme gehabt, das interessiert mich einfach nicht. Es gibt eine Erz&#228;hlung von Bradbury, die spielt auf der Venus, und auf seiner Venus gibt es einen Dschungel, in dem es st&#228;ndig regnet. Es ist eine tolle Geschichte, obwohl wir ganz genau wissen, dass es auf der Venus kein Leben gibt und dass es, wenn &#252;berhaupt, Schwefels&#228;ure regnet. Aber es ist trotzdem eine tolle Geschichte. Was interessiert mich die reale Venus!</p>
<p>Zum Thema Visualisierung im Film: Es gibt einen russischen Comic, blo&#223; zwei, drei Seiten, in dem der Regisseur Ridley Scott mit einem Grafiker dasitzt, und der Grafiker soll ihm die Bilderwelt von B<sc>lade</sc> R<sc>unner</sc> (GB/US 1982, Regie: Ridley Scott) entwerfen, und zwar &#187;ganz seltsam, exotisch und sonderbar&#171;. Der Grafiker entwirft ihm das und malt ein paar Bilder. Darauf sieht man Leute, die mit St&#228;bchen essen. Pl&#246;tzlich hat der Grafiker eine Idee: &#187;Damit es ein bisschen sonderbarer wird, k&#246;nnten doch alle so kleine Ger&#228;te bei sich haben, eine Art Fernseher, mit denen sie auch miteinander in Verbindung treten k&#246;nnen. Und mit diesen fotografieren sie dann ihr Essen.&#171; Scott sagt darauf: &#187;Wie bitte?&#171;, und der Grafiker: &#187;Sie wollten es doch merkw&#252;rdig und seltsam haben.&#171; Und Scott: &#187;Ja, merkw&#252;rdig und seltsam, aber doch keinen absoluten Schwachsinn!&#171;</p>
<p><bold>Hardy Kettlitz</bold>: Ich w&#252;rde gerne mal noch auf Chesley Bonestell zur&#252;ckkommen. Er hat einen unsch&#228;tzbaren Einfluss auf die SF-Bilderwelt gehabt. Elisabeth Schaber hat vorhin bereits das Besondere an ihm erw&#228;hnt, und der wichtigste Preis f&#252;r SF-Kunst hei&#223;t nicht umsonst Chesley Award. Um Bonestells Bedeutung ein bisschen hervorzuheben: Er hat damals mit Wernher von Braun zusammen die Marketingkampagne f&#252;r den Mondflug mitentwickelt. Diese hatte eine unfassbar gro&#223;e Wirkung &#8211; nicht nur in den USA. Im Grunde ging es darum, dass von Braun und die Leute von der NASA die amerikanische Bev&#246;lkerung &#252;berzeugen wollten, dass man ganz viel Geld ausgeben sollte, um zum Mond zu fliegen. Man wollte gute Stimmung f&#252;r die Raumfahrt machen. Da hat man diesen grandiosen Maler mit dazu geholt. Die meisten Bilder, die wir hier sehen, die fotorealistisch gehalten sind, wurden von ihm beeinflusst. Selbst in der DDR waren seine Sachen irgendwie bekannt. Ich wei&#223; zwar nicht genau wie das zustande kam, aber auf jeden Fall kannten Leute, die die Grafik gemacht haben, Bonestells Bilder. Vielleicht wei&#223;t du da mehr Karlheinz?</p>
<p><bold>Karlheinz Steinm&#252;ller</bold>: So genau kenne ich die Wege nicht, aber an den Illustrationen l&#228;sst sich belegen, dass viel &#252;ber die zuerst noch offene Grenze eingef&#252;hrt wurde. Das zeigen etwa Abbildungen in der Zeitschrift <italic>Das Magazin</italic>, aber auch in Sachb&#252;chern. Was in westdeutschen Sachb&#252;chern stand, wurde aufgegriffen, zum Beispiel von Heinz Mielke und anderen Sachbuchautoren, speziell wenn es um Raumfahrt und andere Zukunftsthemen ging. Schlie&#223;lich sind die Bilder im Comic gelandet, im <italic>Mosaik</italic>, wo die Marslandschaften Bonestells nachgestaltet wurden. Ebenso in der Zeitschrift <italic>Magazin</italic>, und manche Motive findet man auch in SF-B&#252;chern wieder. Wenn sie <italic>Erde ohne Nacht</italic> von <xref ref-type="bibr" rid="B17">Hans Werner Fricke</xref> &#8211; ver&#246;ffentlicht unter dem Pseudonym H. L. Fahlberg &#8211; kennen, darin ist eine Illustration mit einer sch&#246;nen Szenerie auf dem Mond enthalten. Nat&#252;rlich h&#228;tte Bonestell das ein bisschen grandioser gemacht, aber die Illustration ist schon sehr ordentlich, und man hat die Motive fr&#252;h aufgegriffen.</p>
<p>Aber ich wollte noch auf etwas anderes zur&#252;ckkommen. Es ist nat&#252;rlich wichtig, die Technik darzustellen und dann wie in 2001: A S<sc>pace</sc> O<sc>dyssey</sc> bereits schon das Tablet zu erfinden. Soziale Beziehungen vorwegzunehmen ist aber viel schwieriger. Daran ist die Gruppe defa-futurum grandios gescheitert. Das war die einzige Gruppe von Filmemachern, die das gesellschaftliche Leben im Jahr 2000 darstellen wollte. Sie haben mehrere Jahre lang daran gearbeitet und einen ganzen theoretischen Apparat entwickelt. Die Hauptverantwortlichen haben dar&#252;ber sogar promoviert. Schlie&#223;lich haben sie sogar einen eigenen Dokumentarfilm zu dem Thema gedreht, L<sc>iebe</sc> 2002 (<xref ref-type="bibr" rid="B8">DDR 1972, Regie: Joachim Hellwig</xref>). Den m&#252;sste man heute mal wieder zeigen. Der ist einfach wundervoll aussagekr&#228;ftig. Der Film beginnt mit einem R&#252;ckblick &#8211; nat&#252;rlich auf viktorianische und wilhelminische Verhaltensmuster. Dann versucht man, die Zukunft darzustellen und was nimmt man? Man nimmt die &#196;sthetik aus A C<sc>lockwork</sc> O<sc>range</sc> (<xref ref-type="bibr" rid="B3">GB/US 1971, Regie: Stanley Kubrick</xref>). Es ist so irre.</p>
<p>Offensichtlich hat man nicht gewusst, was man darstellen sollte. Ohnehin hatte der Sozialismus mit den zwischenmenschlichen Beziehungen immer ein Problem. In den 1950er-Jahren gab es noch die &#187;zehn Gebote der sozialistischen Moral&#171;. Doch diese kleinb&#252;rgerlichen &#187;sozialistischen&#171; Moralvorstellungen sind dann erodiert. Aber bis zur freien Liebe wie in den Anfangsjahren der Sowjetunion hat man sich nicht durchdringen k&#246;nnen. In der SF war das allgemein etwas lockerer. Allerdings war die fr&#252;he DDR-SF so verklemmt wie die Autoren, die sie geschrieben haben. Sexuelle Beziehungen &#8211; eine Fehlstelle. Allenfalls hat man bei Kapitalist:innen oder kapitalistischen Au&#223;erirdischen so etwas wie &#187;table dance&#171; gesehen. Das war aber schon das h&#246;chste an Erotik, was zul&#228;ssig war. Sp&#228;ter sind Autor:innen wie die Brauns das ganze Thema lockerer angegangen, sie haben sogar einen umgekehrten Striptease (sich St&#252;ck um St&#252;ck ankleiden und verh&#252;llen) erfunden, eine gro&#223;artige Leistung! In der DDR-SF finden sich sp&#228;ter auch Ankl&#228;nge an homosexuelle Lebensgemeinschaften, bei Michael Szameit beispielsweise. In der DDR-Literatur ging es auch langsam in diese Richtung, die SF ist da wenigstens nicht zur&#252;ckgeblieben, dank der dritten und vierten Generation der Autor:innen. Aber ich will darauf zur&#252;ckkommen, dass es verdammt schwierig ist, v&#246;llig ver&#228;nderte gesellschaftliche Verh&#228;ltnisse darzustellen, die sich von den existierenden Mustern l&#246;sen. Das kenne ich auch aus der Zukunftsforschung. Deswegen ist es auch wichtig, dass man sich interkulturell umschaut: Was ist in menschlichen Gesellschaften &#252;berhaupt alles m&#246;glich? Das versucht die SF aufzunehmen und aufzugreifen. Wie gut es gelingt, ist die andere Frage, aber SF ist auch in dieser Beziehung ein Fenster nicht nur zu unserer Welt, sondern auch zu anderen Welten.</p>
<p><bold>Sonja Fritzsche</bold>: Ich habe noch eine Frage und dann gehen wir zu den Fragen im Publikum &#252;ber. Nach der Wende 1990 musste man sich das Leben neu ausdenken. Wie haben Sie die Wende erlebt? Wie ist es dazu gekommen, dass Sie sich nach &#252;ber drei&#223;ig Jahren noch immer mit SF besch&#228;ftigen?</p>
<p><bold>Hardy Kettlitz</bold>: Ich bin ja eine ganz andere Generation als zum Beispiel Karlheinz Steinm&#252;ller. Das hei&#223;t, zur Wendezeit war ich gerade Anfang zwanzig. Ich habe diese Zeit insbesondere in Bezug auf die SF als eine gro&#223;e Chance gesehen. W&#228;hrend die Autor:innen nach der Wende Probleme hatten, ihre B&#252;cher zu verkaufen, weil pl&#246;tzlich der Markt ganz anders aussah, bestand f&#252;r uns die M&#246;glichkeit, den Markt zu nutzen, um Dinge zu machen. Wie das eben erw&#228;hnte Magazin <italic>Alien Contact</italic> herauszubringen oder eben auch B&#252;cher und Fanzines zu produzieren und so weiter. Das war f&#252;r uns eine gro&#223;artige Sache. Ich habe im Laufe der Jahre im SF-Club viele Autor:innen kennengelernt und gesehen, vor welchen Probleme diese auf einmal standen. Aber f&#252;r die j&#252;ngere Generation war das eine tolle Chance.</p>
<p>Als kleine Anmerkung am Rande: Bereits vor der Wende hatten wir sehr viele Kontakte zum westdeutschen Fandom. Und nat&#252;rlich haben wir alle auch unsere Lieblingsautoren wie Philip K. Dick, Robert Silverberg oder Jack Vance gelesen. Parallel haben wir verfolgt, was in der DDR erscheint und welche Autor:innen toll und welche langweilig oder doof sind. Aber im Grunde genommen war das eine echte &#220;bergangszeit f&#252;r uns als Leser:innen, Fanzine- und Magazinmacher:innen, in der wir vor allem M&#246;glichkeiten gesehen haben.</p>
<p><bold>Erik Simon</bold>: Einer der Gr&#252;nde f&#252;r die Beliebtheit der SF in der DDR war, dass dieses Genre immer auch die M&#246;glichkeit zeigte &#8211; zumindest hoffentlich zeigte &#8211;, dass es ganz anders sein k&#246;nnte. Was nicht hei&#223;t, dass es genauso sein m&#252;sste wie in der Bundesrepublik Deutschland. Das war eigentlich nicht geplant. Aber als es dann pl&#246;tzlich kam, war es f&#252;r die SF-Autor:innen halt erst mal eine Best&#228;tigung: Oh doch, es kann wirklich alles ganz anders sein. Aber sie haben es nicht gesagt. Und es war nat&#252;rlich ein Schock, dass viele materielle Grundlagen des Schreibens wegfielen. Die, die jetzt noch schreiben &#8211; die f&#252;nf Leute &#8211;, die schreiben halt nicht, um damit reich zu werden; sie versuchen es gar nicht erst. Isaac Asimov hat mal in einem Editorial seiner Zeitschrift &#252;ber einen bekannten amerikanischen Autor &#8211; ich habe vergessen, &#252;ber welchen &#8211; geschrieben: &#187;Das ist ein sehr erfolgreicher Autor, ja, der w&#252;rde aber auch weiterschreiben, wenn er seine Geschichten nur in irgendwelchen Fanzines gedruckt bek&#228;me.&#171; So &#228;hnlich ist das bei uns.</p>
<p><bold>Karlheinz Steinm&#252;ller</bold>: Und das ist auch keine schlechte Position, denn dadurch hat man wirklich die Freiheit, sich nicht nach dem Markt zu richten, sondern das zu schreiben, was einem unter den N&#228;geln brennt. Als wir im Herbst 89 mit auf die Stra&#223;e gegangen sind, da hat Angela schon gewusst, dass wir nicht mehr weiter von der Schreiberei leben k&#246;nnen w&#252;rden. Bei mir hat das ein bisschen l&#228;nger gedauert. Ich hatte das Gl&#252;ck, mich dann umorientieren zu k&#246;nnen. Ich habe immer viele Vortr&#228;ge gehalten und wurde schlie&#223;lich in das neugegr&#252;ndete &#187;Sekretariat f&#252;r Zukunftsforschung&#171; in Gelsenkirchen eingeladen. Ich habe die Chance ergriffen, denn ich habe mir gesagt &#187;F&#252;r mich ist die Zukunftsforschung die Fortsetzung der SF mit anderen Mitteln, und jetzt zeige ich euch Wessis, wo es langgeht.&#171; Das hat hervorragend funktioniert, weil man davon gut leben und nebenbei noch ein kleines bisschen SF schreiben konnte. Vorher, im Jahr 1990, erhielten wir eine Einladung, uns dem <italic>Perry-Rhodan</italic>-Team anzuschlie&#223;en. Aber das h&#228;tte bedeutet, in existierenden Strukturen, einer existierenden Welt und nach Vorgaben von bestimmten Handlungsschemata zu arbeiten. Das w&#228;re nicht die Freiheit gewesen, die wir immer in der SF gesehen haben. Insofern sind wir mit der jetzigen Situation, obwohl wir mit dem Schreiben praktisch kein Geld verdienen, sehr zufrieden, aber das muss man sich nat&#252;rlich erst leisten k&#246;nnen.</p>
<p><bold>Hardy Kettlitz</bold>: Ich w&#252;rde hier gerne gleich einhaken, weil ich glaube, dass es noch einen ganz wichtigen Punkt gibt, den wir noch nicht erw&#228;hnt haben. Ihr habt vorhin gesagt, dass es im Grunde genommen nur noch eine Handvoll Autor:innen gibt, die tats&#228;chlich schreiben. Kurz nach der Wende sind kaum noch B&#252;cher von DDR-Autor:innen erschienen. Und wenn, dann nur bei Kleinverlagen. Der &#246;konomische Grund daf&#252;r ist, dass DDR-Autor:innen vom Schreiben tats&#228;chlich deutlich besser leben konnten als westdeutsche Autor:innen. Einfach deswegen, weil die Auflagen unvergleichlich viel h&#246;her und die Lebenshaltungskosten niedriger waren. Wenn ich es richtig verstanden habe, konnte man in der DDR durchaus ein Jahr lang von einem Roman leben.</p>
<p><bold>Karlheinz Steinm&#252;ller</bold>: Angela und ich haben die Erfahrungen gemacht, dass wir durch unsere B&#252;cher ungef&#228;hr so viel oder sogar ein bisschen besser verdienten als ein wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Akademie der Wissenschaften. Das war wirklich eine exzeptionelle Situation. Die Verlage haben zum Teil Hausautor:innen gehabt, mit denen sie dann gern weitergearbeitet haben und die fast regelm&#228;&#223;ig Nachauflagen erhielten. Es war eine sehr spezielle Situation. Wir waren, ganz bl&#246;d ausgedr&#252;ckt, in dieser Beziehung Sozialismusgewinner:innen.</p>
<p><bold>Hardy Kettlitz</bold>: In der DDR gab es in der Tat sehr hohe Auflagen. Es sind zwar nicht so viele Titel erschienen, aber daf&#252;r sind die Taschenb&#252;cher mit 60 000 Exemplaren publiziert worden, oder ein Hardcover eben mal mit &#187;nur&#171; 20 000. Aber das war halt auch eine Menge. In der Bundesrepublik hatte die SF nie so hohe Auflagen, entsprechend haben die Honorare bei den Autor:innen auch nicht so lange gereicht. Durch die &#196;nderung der &#246;konomischen Verh&#228;ltnisse mit der Wende bestand f&#252;r die DDR-Autor:innen keine andere M&#246;glichkeit, als sich komplett an das kapitalistische System anzupassen.</p>
<p><bold>Erik Simon</bold>: Ich habe das gar nicht erst versucht. Aber Andreas Melzer &#8211; etwa so alt wie Karsten Kruschel, einer der f&#252;nf &#220;berlebenden &#8211; hat das nach der Wende versucht und hat beim Heyne Verlag einen richtig guten, westtauglichen SF-Roman herausgebracht, nach allen Regeln der Kunst gut und marktg&#228;ngig. Er hat es dann aber doch aufgegeben, weil klar war, dass er pro Jahr zwei B&#252;cher h&#228;tte schreiben m&#252;ssen, und so viele h&#228;tte ihm der Verlag wiederum nicht gedruckt. Er ist dann aus der SF verschwunden wie viele andere auch. Ich habe ja nie Romane geschrieben, was im Westen nat&#252;rlich ein Handicap war. In der DDR ging es den Autor:innen so gut, die brauchten nicht f&#252;r den Markt zu schreiben, sie mussten auch nicht viel oder schnell und effizient schreiben. Man konnte sich an so einem Buch zwei bis drei Jahre verspielen, was f&#252;r die Qualit&#228;t der B&#252;cher meistens gut war, aber f&#252;r den Markt nat&#252;rlich t&#246;dlich.</p>
<p><bold>Evan Torner</bold>: Um die Wendezeit war ich acht Jahre alt, deshalb ist das f&#252;r mich eine Geschichte des Fernsehens. 1989 habe ich &#252;ber das ABC-Fernsehen und Peter Jennings erfahren, dass die Berliner Mauer fiel. Sie sagten, dass das gut sei und, weil ich acht war, sagte ich mal &#187;ok&#171;. Wir sind mit den Bedrohungen von Atomwaffen aufgewachsen und man sagte, jetzt g&#228;be es keinen Krieg mehr. Auf dem gleichen Kanal habe ich 1991 das Rodney-King-Video und 1993 dann die Anschl&#228;ge in Rostock-Lichtenhagen und Hoyerswerda gesehen. Ich sagte mir, vielleicht gibt es doch noch ein Problem in Deutschland und einen Krieg im Nahen Osten. Heute habe ich Masterstudierende, die genau &#252;ber diese Zeit schreiben, also 1989 bis 1993. Ich dachte nie, dass diese Zeit, die f&#252;r mich pers&#246;nlich sehr wichtig war, nun allgemein sehr wichtig werden w&#252;rde. Dass viele Entscheidungen, die vielleicht unbewusst getroffen worden sind, Jahrzehnte sp&#228;ter immer noch eine Wirkung haben. Meiner Meinung nach wissen wir nie, wie wichtig unsere jeweilige Zeit ist.</p>
<p><bold>Elisabeth Schaber</bold>: Ich kann nur f&#252;r die Bilder ein bisschen nachzeichnen, was davon geblieben ist. Ich habe immer wieder erlebt, wie Archivar:innen gestrahlt haben, wenn ich in ein Archiv gekommen bin und gesagt habe, dass ich zur Raumfahrt in der DDR forsche. Viele haben sich gefreut: &#187;Das sind unsere Kindheitserinnerungen an Juri Gagarin und Valentina Tereshkova!&#171;. Das war bei den Menschen noch sehr pr&#228;sent und auf einer pers&#246;nlichen Ebene auch immer sehr positiv konnotiert. Viele Kunstwerke zum Thema sind leider verschwunden, auch aus dem &#246;ffentlichen Raum. In Cottbus gab es zum Beispiel die sogenannte &#187;Milchbar Kosmos&#171;. Die hatte einen sternf&#246;rmigen Grundriss und im Inneren war ein Wandbild zum Thema Kosmos. Das Geb&#228;ude ist 2007 abgerissen worden. Ein anderes Beispiel ist das Rechenzentrum in Potsdam. Die Mosaike an der Au&#223;enfassade stehen unter Denkmalschutz, aber das Geb&#228;ude nicht. Es gibt eine gro&#223;e und seit langem andauernde Debatte, ob es abgerissen werden soll. Hier wird deutlich, dass die Wertsch&#228;tzung daf&#252;r derzeit nicht existiert. Auch zeitlose Gem&#228;lde, von Wolfgang Mattheuer zum Beispiel, sind noch erhalten. Daher glaube ich, dass die Erinnerung an das &#187;Space Age der DDR&#171; schon noch vorhanden ist, aber eher auf eine stille, subtile Weise &#8211; und auf der pers&#246;nlichen Ebene, in der Erinnerung der Menschen. Momentan sehe ich aber keine gro&#223;e &#246;ffentliche Wertsch&#228;tzung.</p>
<p><bold>Sonja Fritzsche</bold>: Vielen Dank. Wir haben nun Zeit f&#252;r Fragen aus dem Publikum.</p>
<p><bold>Erste Frage aus dem Publikum</bold>: Sie haben gerade gesagt, dass es &#220;berlebende der DDR-SF gibt. Das sind bis auf Angela Steinm&#252;ller alles M&#228;nner. Wir haben jetzt viel &#252;ber M&#228;nner geh&#246;rt, und auf den Bildern sind auch meist M&#228;nner zu sehen. Was mich interessiert: Gab es im Vergleich zum Westen Unterschiede darin, wie Frauen in der SF-Literatur der DDR dargestellt wurden? Gesellschaftlich gab es ja zweifellos Unterschiede.</p>
<p><bold>Karlheinz Steinm&#252;ller</bold>: Man kann rein statistisch antworten, dass die Autorinnen in der DDR-SF bis zum Ende in der Minderheit waren. Die wenigen, die aktiv waren, haben meistens im Ehepaar geschrieben. Wobei Angela nur deshalb nicht hier auf dem Podium sitzt, weil sie aus Altersgr&#252;nden lieber mich vorschickt. In der DDR-SF selbst, in den Romanen, hat sich die Rolle der Frauen im Verlauf der Zeit betr&#228;chtlich gewandelt. Zuerst gab es tats&#228;chlich noch so eine Art Heimchen am Herd. Dann gab es Wissenschaftlerinnen, die zwar eine gute Stelle in der Forschung hatten, aber doch bisweilen vor dem Problem &#187;heiraten, nicht heiraten&#171; standen. Im utopischen Betriebsroman der 1950er- und fr&#252;hen 1960er-Jahre gab es zudem die imperialistische Spionin, also die typische <italic>Femme fatale</italic>. Oder nehmen wir Raumschiffbesatzungen. Die Frauen sind die &#196;rztin an Bord, die Biologin oder verantwortlich f&#252;r Kommunikation, ein bisschen wie auf der <italic>Enterprise</italic>. Das sind Parallelentwicklungen. Gene Roddenberry h&#228;tte sehr gut in der DDR mitmachen k&#246;nnen. Das ist ein gutes Beispiel.</p>
<p>Nach und nach hat sich das Bild nat&#252;rlich ver&#228;ndert. In den 1970er- und 1980er-Jahren treten zunehmend wirklich freie, starke, selbstst&#228;ndige Frauen auf. Wenn man das in den B&#252;chern untersucht, ergibt sich eine Art Emanzipationsgeschichte, die auch der ver&#228;nderten sozialen Realit&#228;t entspricht. Mitunter kann man das an Petitessen ablesen. Noch 1970 erschien ein Roman, in dem die M&#228;nner an Bord des Raumschiffs mit Nachnamen benannt sind, die Frauen dagegen mit Vornamen. Eine v&#246;llig verr&#252;ckte Sache, aus der aber eine herablassende Haltung spricht. Das findet man sp&#228;ter nicht mehr. Auch das Bild der Kosmonautin wandelt sich. Eine andere interessante Entwicklung ist in der DDR-Fantasy zu beobachten. Sie wurde vorwiegend von Frauen geschrieben, denn wenn M&#228;nner etwas eher Fantasyhaftes geschrieben haben, wurde das als SF klassifiziert. Die B&#252;cher von Irmtraud Morgner oder Waldtraut Lewin wurden beispielsweise als Fantasy betrachtet. Doch Fantasy klingt zu sehr nach Tolkien. Das war nicht Tolkien. Das waren Romane mit fantastischen Elementen und mit v&#246;llig anderen Perspektiven. Diese Richtung gab es eben auch. Es gab hier geschlechtertypische Unterschiede, aber diese hatten mitunter auch etwas Positives.</p>
<p><bold>Hardy Kettlitz</bold>: Jetzt muss ich gleich mal die Gelegenheit ergreifen, schamlos Werbung zu machen. Am 16. Oktober <xref ref-type="bibr" rid="B23">2023</xref> wird das neue Buch von Angela und Karlheinz Steinm&#252;ller ver&#246;ffentlicht. Das hei&#223;t <italic>Vorgriff auf das Lichte Morgen</italic>. Darin gibt es einen relativ langen Abschnitt, der sich mit dem Thema der Rolle der Frauen in den SF-Romanen der DDR besch&#228;ftigt. Es gibt momentan offenbar ein gr&#246;&#223;eres Interesse an DDR-Literatur, auch an der SF. Es gab eine gro&#223;e Ausstellung <italic>Leseband DDR</italic>. Man hat bei dieser Ausstellung nicht mit Einzelexponaten gearbeitet, sondern mit gro&#223;formatigen Plakaten, auf denen das Leseland DDR dokumentiert wurde. Dazu gibt es eine Zusatzausstellung, die sich mit der SF der DDR besch&#228;ftigte. Das wurde sehr gut rezipiert. Bibliotheken und &#246;ffentliche Einrichtungen aus &#252;ber f&#252;nfzig L&#228;ndern haben diese Plakate bisher bestellt. Wie gesagt, es gibt gerade ein sehr gro&#223;es Interesse an der DDR-SF. Und im Fr&#252;hjahr ist bei uns <italic>Vision und Verfall. Deutsche Science-Fiction in der DDR</italic> von <xref ref-type="bibr" rid="B16">Hans Frey</xref> herausgekommen. Dieses Buch besch&#228;ftigt sich auf andere Art und Weise mit der DDR-SF als die Steinm&#252;llers.</p>
<p><bold>Erik Simon</bold>: Die Rolle der Frauen in der SF wird immer wieder kritisiert. Der Vorwurf lautet, dass Frauen schlecht wegkommen und als unwichtig dargestellt werden. Aber SF ist im Grunde Gegenwartsliteratur. Sie zeigt nicht wie im sozialistischen Realismus das, was eigentlich sein sollte, sondern entwirft immer ein Bild der tats&#228;chlichen Gesellschaft. In den USA ist es genauso. Und wenn die Frau in der Gesellschaft eine unterdr&#252;ckte Rolle spielt, dann tut sie es immer auch in der SF. Das l&#228;sst sich nicht vermeiden, und wenn jemand mal besonders originell sein will, dann macht er es anders &#8211; nicht, weil er etwas f&#252;r die Frauen tun will, sondern weil er eben originell sein will. 1977 ist ein Buch von Reinhard Heinrich und mir erschienen, und gleich auf Seite eins oder zwei, in zwei S&#228;tzen, wird &#252;ber die Eltern des Haupthelden berichtet &#8211; welcher ein Zeitreisender ist, das spielt aber keine Rolle. Die Eltern sind immer mit dem Raumschiff zwischen dem Sirius und dem Pluto hin- und hergegondelt. Die wichtigste Person an Bord war nat&#252;rlich der Mann, denn die Frau war blo&#223; Raumschiffkommandantin, aber er war der Schiffskoch. Das funktioniert dann nat&#252;rlich nur als Umkehr von dem, was man eigentlich erwartete.</p>
<p><bold>Zweite Frage aus dem Publikum</bold>: Einige haben bereits dar&#252;ber gesprochen, was Ihr Interesse an SF geweckt hat. Ich frage nun die j&#252;ngere Generation auf der B&#252;hne, welche Werke euch beeinflusst haben? Was ist geblieben, wie ist der Einfluss der SF heute? Vielleicht k&#246;nnten Sie als j&#252;ngere Generation noch zwei oder drei Beispiele geben, was bei Ihnen an DDR-SF angekommen ist, die auf Sie bis heute weiterwirkt.</p>
<p><bold>Evan Torner</bold>: Ist die Frage f&#252;r mich? Ich bin vierzig, aber anscheinend immer noch jung. Ich kann die Frage nur schwer beantworten, aber ich denke, es ist die Hoffnung. Es gibt hartkn&#228;ckige, technische Probleme. Alles wird klar geschrieben. Wenn man diese Illusionen anschaut, was ist dann unsere Zukunft? Corporate Dystopia und Parasiten und man denkt an <italic>Effi Briest</italic> und den &#187;Angstapparat aus Kalk&#252;l.&#171; Man erfindet fiktive Angstapparate, um die Bev&#246;lkerung zu kontrollieren. In der DDR gab es noch Hoffnung auf eine Zukunft, in der Probleme gel&#246;st werden konnte. Das ist bis heute mein Gef&#252;hl, wenn ich mir die Filme anschaue.</p>
<p><bold>Elisabeth Schaber</bold>: Was f&#252;r mich in der Besch&#228;ftigung mit den Bildmotiven und -narrativen zur&#252;ckgeblieben ist, sind die Komplexit&#228;t und Vielfalt und die spannenden Untert&#246;ne, die es gab. Jede K&#252;nstlerin, jeder K&#252;nstler hatte ganz unterschiedliche Perspektiven auf dieses Thema. Das fand ich am spannendsten. Au&#223;erdem der Aushandlungsprozess zwischen Science Fiction und Science Fact.</p>
<p><bold>Sonja Fritzsche</bold>: Ich denke, das ist ein sch&#246;nes Abschluss-Statement. Ich bedanke mich sehr bei allen Teilnehmenden.</p>
<p><italic>Abschrift: Nolan Rachocki, Sonja Fritzsche und Jared Maul</italic>.</p>
</sec>
</body>
<back>
<fn-group>
<fn id="n1"><p>Die <italic>Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung</italic> verwendet geschlechtergerechte Sprache als Standard. In der DDR gab es unter den ver&#246;ffentlichten DDR-SF-Autor:innen sehr wenig Frauen (z.B. Johanna Braun, Angela Steinm&#252;ller, und Christa Wolf.</p></fn>
</fn-group>
<sec>
<title>Gespr&#228;chsteilnehmer:innen</title>
<p>Sonja Fritzsche ist Professorin f&#252;r German Studies und Senior Associate Dean an der Michigan State Universit&#228;t in den USA. Sie ist Autorin von <italic>Science Fiction Literature in East Germany</italic> (2006) und gemeinsam mit Anindita Banerjee Mitherausgeberin von <italic>Science Fiction Circuits of the South and East</italic> (2018) sowie weiteren Publikationen zu osteurop&#228;ischen SF-Filmen und -Literatur.</p>
<p>Hardy Kettlitz ist Journalist, Sachbuchautor und Verleger des einflussreichen Memoranda Verlag in Berlin. Er ist Mitbegr&#252;nder des Berlin SF-Fanclubs Andymon, Chefredakteur des SF-Magazin <italic>Alien Contact</italic>, f&#252;r den er 2002 den Kurd Lasswitz Preis erheilt. Seit 2019 ist er Mitherausgeber des <italic>Science Fiction Jahr</italic> (Hirnkost Verlag).</p>
<p>Elisabeth Schaber ist Kunsthistorikerin und Autorin von <italic>Das rote Weltall. Bildnarrative der Raumfahrt in der visuellen Kultur in der DDR</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B20">2021</xref>). Sie arbeitet in den Niederlanden.</p>
<p>Erik Simon ist SF-Autor, &#220;bersetzer und Herausgeber. Er hat zahlreiche SF-B&#252;cher ins Deutsche &#252;bersetzt, unter anderem Werke von Boris und Arkadi Strugatzki. Er arbeitete als Lektor beim Verlag Das Neue Berlin in der DDR, wo er unter anderem die Serie <italic>Lichtjahr. Ein Phantastik-Almanach</italic> herausgab. Simon hat insbesondere nach der Wende zahlreiche SF-Kurzgeschichten ver&#246;ffentlicht.</p>
<p>Karlheinz Steinm&#252;ller ist Zukunftsforscher und Autor. Gemeinsam mit seiner Frau Angela Steinm&#252;ller hat er zuerst in der DDR und sp&#228;ter der BRD zahlreiche Romane und Sachb&#252;cher ver&#246;ffentlicht, unter anderen: <italic>Andymon</italic> (1982), <italic>Der Traummeister</italic> (1990) und <italic>Vorgriff auf das Lichte Morgen</italic> (1995).</p>
<p>Evan Torner ist Associate Professor f&#252;r German and Media Studies und Direktor des Game Lab an der University of Cincinnati. Er arbeitet derzeit an einem Buch zum deutschen SF-Film. Torner ist Mitbegr&#252;nder und Verleger der Zeitschrift <italic>Analog Games Studies</italic> und hat mehrere Artikel zum Thema SF, transnationale Genrefilme und Game Studies ver&#246;ffentlicht.</p>
<p>Susanne Illmer ist Leiterin der Abteilung Wissenschaft/Veranstaltungen am Deutschen Hygiene-Museum.</p>
</sec>
<sec>
<title>Konkurrierende Interessen</title>
<p>Sonja Fritzsche ist Mitglied des Advisory Boards der <italic>Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung</italic>. Die &#252;brigenAutor:innen haben keine konkurrierenden Interessen zu erkl&#228;ren.</p>
</sec>
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<title>Filmografie</title>
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<ref id="B2"><mixed-citation publication-type="journal"><collab>C<sc>aptain</sc> F<sc>uture</sc></collab>. Regie: <string-name><given-names>Tomoharu</given-names> <surname>Katsumata</surname></string-name>. JP <year>1978&#8211;1979</year>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B3"><mixed-citation publication-type="journal"><collab>A C<sc>lockwork</sc> O<sc>range</sc></collab>. Regie: <string-name><given-names>Stanley</given-names> <surname>Kubrick</surname></string-name>. GB/US <year>1971</year>.</mixed-citation></ref>
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<ref id="B4"><mixed-citation publication-type="journal"><collab>D<sc>ie</sc> L<sc>egende von</sc> P<sc>aul und</sc> P<sc>aula</sc></collab>. Regie: <string-name><given-names>Heiner</given-names> <surname>Carow</surname></string-name>. DDR <year>1973</year>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B8"><mixed-citation publication-type="journal"><collab>L<sc>iebe</sc> 2002</collab>. Regie: <string-name><given-names>Joachim</given-names> <surname>Hellwig</surname></string-name>. DDR <year>1972</year>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B5"><mixed-citation publication-type="journal"><collab>D<sc>ie</sc> M<sc>&#246;rder sind unter</sc> U<sc>ns</sc></collab>. Regie: <string-name><given-names>Wolfgang</given-names> <surname>Staudte</surname></string-name>. DE <year>1946</year>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B9"><mixed-citation publication-type="journal"><collab>D<sc>er schweigende</sc> S<sc>tern</sc></collab>. Regie: <string-name><given-names>Kurt</given-names> <surname>Maetzig</surname></string-name>. DDR <year>1960</year>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B10"><mixed-citation publication-type="journal"><collab>S<sc>ignale</sc> &#8211; E<sc>in</sc> W<sc>eltraumabenteuer</sc></collab>. Regie: <string-name><given-names>Gottfried</given-names> <surname>Kolditz</surname></string-name>. DDR <year>1970</year>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B11"><mixed-citation publication-type="journal"><collab>S<sc>pur der</sc> S<sc>teine</sc></collab>. Regie: <string-name><given-names>Frank</given-names> <surname>Beyer</surname></string-name>. DDR <year>1966</year>.</mixed-citation></ref>
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<ref id="B13"><mixed-citation publication-type="journal"><collab>V<sc>yn&#225;lez zk&#225;zy</sc> (D<sc>ie</sc> E<sc>rfindung des</sc> V<sc>erderbens</sc>)</collab>. Regie: <string-name><given-names>Karel</given-names> <surname>Zeman</surname></string-name>. CSSR <year>1958</year>.</mixed-citation></ref>
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<title>Zitierte Werke</title>
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<ref id="B23"><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Steinm&#252;ller</surname>, <given-names>Angela</given-names></string-name> und <string-name><given-names>Karlheinz</given-names> <surname>Steinm&#252;ller</surname></string-name>. <source>Vorgriff auf das Lichte Morgen. Essays zur DDR-Science-Fiction</source>. <publisher-name>Memoranda</publisher-name>, <year>2023</year>.</mixed-citation></ref>
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