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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung</journal-title>
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<subject>Rezensionen</subject>
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<article-title>Sanchez-Taylor, Joy. <italic>Dispelling Fantasies. Authors of Color Reimagine a Genre</italic>. Ohio State University Press, 2025.</article-title>
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<surname>Walder</surname>
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<email>aylin-dilek.walder@tu-braunschweig.de</email>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Technische Universit&#228;t Braunschweig</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2026-04-24">
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<license-p>Dieser Open-Access-Beitrag ist lizensiert durch die Creative-Commons-Grundlizenzen in der Version 4.0 (Creative Commons Namensnennung 4.0 International, welche die unbeschr&#228;nkte Nutzung, Verbreitung und Vervielf&#228;ltigung erlaubt, solange der/die Autor*in und die Quelle genannt werden). Vgl. <uri xlink:href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de">https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de</uri>.</license-p>
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<p>Review of <italic>Dispelling Fantasies. Authors of Color Reimagine a Genre</italic> by Joy Sanchez-Taylor.</p>
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<caption>
<p>Das Cover von <italic>Dispelling Fantasies</italic></p>
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<p><xref ref-type="bibr" rid="B12">Nachdem Joy Sanchez-Taylor</xref> schon mit ihrer ersten Publikation <italic>Diverse Futures: Science Fiction and Authors of Color</italic> aufgezeigt hat, wie heteronormative SF des &#8250;Euro-Western&#8249;-Raums eine &#8250;Tradition&#8249; bildet, die sich von einem fortw&#228;hrenden Einfluss kolonialer Vergangenheiten und neokolonialer Gegenwarten n&#228;hrt, und mit ihrer Diskussion von BIPoC-AutorInnen mit dem &#8250;White-centred&#8249;-Kanon gebrochen hat, kann ihr zweites Buch <italic>Dispelling Fantasies: Authors of Color Reimagine a Genre</italic> als eine Fortsetzung gesehen werden, in der die Autorin sich nun mit &#187;fantasy&#8217;s habits of whiteness&#171; (4) auseinandersetzt. Ebenso wie mit <italic>Diverse Futures</italic> leistet die Autorin mit ihrer zweiten Monografie wieder einen wichtigen Beitrag f&#252;r die Forschung zur Genreliteratur, wobei sie sowohl auf die bereits bestehende Forschungsliteratur zu und von BIPoC-AutorInnen eingeht als auch eine kurze Einf&#252;hrung in die bestehende eurozentrische Tradition leistet. Dar&#252;ber hinaus beweist sie ein Feingef&#252;hl, das sich durch ihre kontextbedachten Analysen zieht und dabei essentialistischen Aussagen vorbeugt. Die Autorin legt gekonnt dar, wie sich BIPoC-AutorInnen einer auf sich die Inklings<xref ref-type="fn" rid="n1">1</xref> zur&#252;ckgehenden Tradition entgegenstellen: Anstatt traditioneller Fantasywelten, die zumeist auf christliche Werte aufbauen und &#187;colonial, white supremacist structures&#171; (4) st&#228;rken, w&#252;rden BIPoC-AutorInnen Welten kreieren, &#187;where characters of color are the focus and racial and gender hierarchies are disrupted&#171; (25). Mithilfe dieser &#8250;decolonial counterstories&#8249; dekonstruieren BIPoC-AutorInnen die dominante Form der eurozentrischen Fantasy und nutzen das Genre der Fantasy als &#187;tool of radical resistance&#171; (13). W&#228;hrend die Autorin hervorhebt, dass nicht alle BIPoC-AutorInnen von der eurozentrischen Fantasy-Tradition abweichen und sich auch nicht alle &#8250;Euro-Western&#8249;-Fantasy-AutorInnen der traditionellen Form beugen, sondern diese oft hinterfragen, betont sie dennoch, dass BIPoC-AutorInnen aufgrund ihrer eigenen Situierung den eurozentrischen Charakter traditioneller Fantasy leichter erkennen und somit eher zum Thema ihrer Literatur machen w&#252;rden (25).</p>
<p>Obwohl die gew&#228;hlten Titel ihrer beiden Monografien <italic>Diverse Futures</italic> und <italic>Dispelling Fantasies</italic> auf die jeweiligen diskutierten Genres verweisen und somit eine Trennung von SF und Fantasy vornehmen, betont Sanchez-Taylor zu Beginn von <italic>Dispelling Fantasies</italic>, dass diese klare Trennung au&#223;erhalb der eurozentrischen Inklings-Tradition nicht ohne Weiteres umsetzbar sei und die besprochenen Werke vielmehr &#187;hybrid fantasy works&#171; (19) seien, die ihre fantastischen Elemente aus verschiedenen Genres und kulturellen R&#228;umen beziehen. Der Abschnitt der Einleitung, der dieser Genrediskussion gewidmet ist, f&#228;llt zwar recht kurz aus, jedoch spiegelt die Wahl, dieser Diskussion nicht allzu viel Raum zu geben, auch gekonnt wider, dass BIPoC-AutorInnen selbst keinen Wert auf strikte Genrekategorisierungen legen, sondern diese vielmehr als &#187;limiting&#171; (17) und &#187;not productive&#171; (18) empfinden. So bezieht sich Sanchez-Taylor unter anderem auf Aussagen von N. K. Jemisin, die &#187;no interest in genre definitions beyond &#8250;fantastical&#8249; and &#8250;realist&#8249;&#171; hat, da f&#252;r sie die Unterscheidung zwischen Fantasy und SF Fiction zumeist arbitr&#228;r und willk&#252;rlich erscheint: W&#228;hrend so als SF vermarktete Werke oft auf spirituellen &#220;berzeugungen aufbauen und deren Welten magische Inhalte umfassen w&#252;rden, seien manche als Fantasy kategorisierte Werke eher dem Genre der &#187;alternate history [&#8230;] or something else skiffy&#171; zuzuordnen (<xref ref-type="bibr" rid="B13">Sorg</xref>). Ferner merkt Sanchez-Taylor an, dass das Beharren auf strikte Genretrennungen und die falsche Bezeichnung von Literatur als &#8250;Fantasy&#8249; ebenfalls Teil eines kolonialen Diskurses seien: Wenn Weltenbau auf der Basis von &#187;non-Western sciences&#171; als Fantasy deklariert wird, wird nicht-westliche, also als nicht &#8250;techno-scientific&#8249; angesehene Wissenschaft als &#8250;magisch&#8249; und &#8250;fantastisch&#8249; abgetan (19). Die Autorin betont denn auch, eine der gr&#246;&#223;ten H&#252;rden f&#252;r SFF-ForscherInnen sei, &#187;to avoid the pitfall of labeling any &#8250;nonrational&#8249; technology or cultural practice as &#8250;magic&#8249;&#171; (19).</p>
<p>Die Diskussion der Dynamik zwischen eurozentrischen, (neo)kolonialen Systemen und &#8250;decolonial counterstories&#8249; geht in <italic>Dispelling Fantasies</italic> jedoch &#252;ber Genrediskussionen im Kontext des Buchmarkts hinaus. So fokussiert Sanchez-Taylor in ihren literarischen Analysen auf die ideologische Verf&#228;rbung fantastischer Imaginationen und christlicher Doktrin &#8211; beides verwoben mit heteronormativen und (neo)kolonialen Strukturen &#8211;, denen dann transgressive &#8250;storyworlds&#8249; entgegengesetzt werden, die eben jene Doktrin und Imagination kritisieren und brechen. Diese Reflexion von Tradition und erweitertem Horizont zieht sich dabei durch die gesamte Publikation und findet sich auch in der Struktur der Monografie wieder, deren Kapitel sich jeweils mit einem von vier christlichen Werten auseinandersetzen, die die Autorin als in der tolkienistischen Tradition &#252;bergreifend vorkommend identifiziert: &#187;Virtue&#171;, &#187;Envy&#171;, &#187;Patriarchy&#171; und &#187;Salvation&#171;. Die Kapitel beginnen stets mit einer kurzen Erl&#228;uterung des jeweiligen christlichen Werts, der daraufhin zudem stets in den Kontext (neo)kolonialer Machtstrukturen gesetzt wird. Nachdem anhand traditioneller Fantasy-Literatur exemplarisch aufgezeigt wird, wie eben jene Werte in traditionellen eurozentrischen Fantasy-Welten eingebettet sind, folgt zumeist eine Einf&#252;hrung in die Werte der f&#252;r das jeweilige Kapitel wichtigen nicht-eurozentrischen Glaubensr&#228;ume und Kulturen, die den LeserInnen ein solides Grundverst&#228;ndnis vermitteln, um die nachfolgenden Analysen nicht-eurozentrischer Fantasy zu verstehen und als Gegennarrative zu erkennen.</p>
<p>Im ersten Kapitel zu &#187;Virtue: Revising the Moral Order of Epic Fantasy&#171; zeigt Sanchez-Taylor auf, wie traditionelle &#187;white, male, heterosexual, and able-bodied&#171; (27) Helden auf die Opferungsgeschichte Jesu zur&#252;ckgehen. Nachdem Konzepte wie &#8250;&#224;se/ache/ashe&#8249; oder &#8250;qi&#8249; erl&#228;utert werden, folgen mal k&#252;rzere, mal l&#228;ngere Close Readings. Innerhalb vier thematisch differenzierter Unterkapitel &#8211; &#187;Revising the Eurocentric Virtuous Hero&#171;, &#187;A Different Fantasy Map&#171;, &#187;The &#8250;Inactive&#8249; Protagonist&#171; und &#187;Sword and Soul&#171; &#8211; bespricht die Autorin, wie die HeldInnen beispielsweise der Autorin <xref ref-type="bibr" rid="B15">Nghi Vo</xref> als Gegenentwurf zu traditionellen Heldenfiguren wie Harry Potter, Paul Atreides oder Frodo imaginiert sind. Dabei wird unter anderem anhand von Marlon James <italic>Black Leopard Red Wolf</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B3">2019</xref>) und Eugen Bacons &#187;The Water&#8217;s Memory&#171; (<xref ref-type="bibr" rid="B1">2020</xref>) aufgezeigt, wie BIPoC-AutorInnen sich einer dekolonialen Weltenbildung verschreiben und HeldInnen imaginieren, die nicht deshalb heldenhaft sind, weil sie sich f&#252;r eine bessere Welt aufopfern &#8211; &#187;a &#8250;better world&#8249; which has never been &#8250;better&#8249; for everyone anyway&#171; &#8211;, sondern weil sie emotionale Bindungen eingehen, die es den ProtagonistInnen erm&#246;glichen, in von Rassismus, Sexismus, Homophobie und Xenophobie durchdrungenen Welten zu &#252;berleben (51).</p>
<p>Im zweiten Kapitel zu &#187;Envy: Blood Magic Is Not Always Black Magic&#171; widmet sich Sanchez-Taylor der sich mit der Zeit ver&#228;nderten Darstellung von Satan, kolonialen Imaginationen vom dunklen B&#246;sen &#8211; assoziiert mit pervertierter kannibalistischer &#8250;Schwarzer Blutmagie&#8249; &#8211; sowie der Bedeutung von &#187;Black blood as a tragic contaminant&#171; und Marker sozialen Ansehens sowie Klassenzugeh&#246;rigkeiten im US-Kontext der &#187;one-drop rule&#171; (57).<xref ref-type="fn" rid="n2">2</xref> W&#228;hrend auf diese Weise koloniale christliche Imaginationen in eurozentrischen Werken wie <xref ref-type="bibr" rid="B11">J. K. Rowlings</xref>&#160;<italic>Harry-Potter</italic>-Reihe (1997&#8211;2007) enth&#252;llt werden, zeigen kurze Analysen der fantastischen Welten von beispielsweise Fonda Lees <italic>Jade City</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B6">2017</xref>) oder Nnedi Okorafors <italic>Akata Witch</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B9">2011</xref>), wie traditionelle Fantasy-Motive von BIPoC-AutorInnen kombiniert werden, sodass die Hierarchisierung in und bin&#228;re Struktur der eurozentrischen Fantasy &#187;that makes darkness akin to evil&#171; hinterfragt wird. In drei Unterkapiteln zu &#187;The Significance of Blood&#171;, &#187;Black Magic&#171; und &#187;Conjurers, Witches, and Brujas&#171; wird ferner dargelegt, wie sich die besprochenen AutorInnen vom &#187;light-dark binary&#171; (78) entfernen und dabei komplexe ideologische und fest in der Gesellschaft verankerte &#220;berzeugungen offenlegen, wobei die nachwirkenden Auswirkungen der Kolonialisierung auf postkoloniale und Diaspora-Gruppen hervorgehoben werden.</p>
<p>Im dritten Kapitel zu &#187;Patriarchy: Reimagining Gender Roles in Fantasy&#171; befasst sich Sanchez-Taylor mit dem Leitbild des heteronormativen Mannes im Christentum &#187;as the pinnacle of its gendered hierarchy&#171; (81), wobei die Bedeutung christlicher Werte im Kontext kolonialer Vergangenheiten auch abseits des christlichen Ideals m&#228;nnlich gelesener Personen herausgestellt wird: Zum einen werden so rassistische Narrative der Kolonialisten, denen zufolge weiblich gelesene nicht-Wei&#223;e Personen von ihrem Wesen her unz&#252;chtig und unangemessen sexuell seien, im Kontrast zum christlichen Ideal der Jungfrau Maria positioniert; zum anderen wird aufgezeigt, wie nicht-heteropatriarchale Werte wie Polygamie und &#187;fluid gender acceptance&#171; (82) in indigenen Gemeinschaften als Argumentationsgrundlage kolonialer Bestrebungen dienten. <xref ref-type="bibr" rid="B14">Anhand der Analyse von Tolkiens</xref>&#160;<italic>Lord of the Rings</italic> als traditionelles Modell und <xref ref-type="bibr" rid="B7">George R. R. Martins</xref>&#160;<italic>A Song of Ice and Fire</italic> als prominentes Beispiel gegenw&#228;rtiger &#8250;medieval&#8249; Fantasy zeigt die Autorin in vier Unterkapiteln zu &#187;Revising Legends&#171;, &#187;Magic as a Return of Power&#171;, &#187;Shapeshifters and Gender Fluidity&#171; und &#187;Genre/Gender-Bending Fantasy&#171;, wie gegenw&#228;rtige BIPoC-AutorInnen wie Silvia Moreno-Garcia in <italic>Mexican Gothic</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B8">2020</xref>) oder Vaishnavi Patel in <italic>Kaikeyi: A Novel</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B10">2022</xref>) mit christlichen Genderhierarchien brechen, weibliche und nicht-bin&#228;re ProtagonistInnen kreieren sowie sexuelle und koloniale Gewalt kritisieren.</p>
<p>Im vierten Kapitel zu &#187;Salvation: Rescuing the Dark Other from the White Savior&#171; stellt Sanchez-Taylor den christlichen Diskurs der Erl&#246;sung in den Kontext der Zivilisierungsmission von christlichen Wei&#223;en, ihren Glauben an &#8250;savages&#8249; und &#8250;pagans&#8249; weiterzugeben und diese somit zur Erl&#246;sung zu f&#252;hren &#8211; die koloniale Legitimation von &#187;the need for &#8250;civilized&#8249; peoples to save the &#8250;savage&#8249; Indigenous populations of Africa and the Americas&#171; (115). Mit einem Fokus auf sowohl &#187;stories of oppression&#171; &#8211; erz&#228;hlt von &#187;the enslaved and colonized&#171; (117) &#8211; als auch die Einbettung von polytheistische Religionssysteme in Fantasywelten sowie dem Zusammenhang von &#8250;colonial erasure&#8249; und Sprachgebrauch analysiert die Autorin die Darstellung kolonialer Machtstrukturen in beispielsweise N. K. Jemsisins <italic>The Hundred Thousand Kingdoms</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B4">2010</xref>), C. L. Clark <italic>The Unbroken</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B2">2021</xref>) und R. F. Kuangs <italic>Babel</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B5">2022</xref>). W&#228;hrend Bez&#252;ge zu tolkienistischer Fantasy fehlen, stellt die Autorin zwischen den Unterkapiteln zu &#187;The &#8250;Civilized&#8249; Slave&#171;, &#187;Multiple Imperfect Gods&#171; und &#187;Fantasy, Language, Erasure&#171; Verbindungen her und verweist auf die zuvor behandelten christlichen Werte und &#8250;tropes&#8249; zur&#252;ck, wodurch das letzte Analysekapitel einen runden Abschluss bildet. So zeigt die Autorin auf, wie desillusionierte Fantasywelten nicht auf &#187;the salvation of black and brown peoples&#171; oder &#187;the lies that colonizers tell&#171; aufbauen, sondern sich der Frage widmen, &#187;what life after colonization looks like&#171; (135).</p>
<p>Dass das vierte Kapitel die voranstehenden Analysen zusammenf&#252;hrt, tr&#246;stet dann auch dar&#252;ber hinweg, dass die Konklusion leider keine abschlie&#223;ende Auseinandersetzung mit den vorangehenden Analysen bietet, die die vier Kapitel nochmal gerahmt h&#228;tten; stattdessen setzt sich Sanchez-Taylor mit den schon in der Einleitung angemerkten Gegebenheiten der Publikationsbranche auseinander und zeigt, warum viele BIPoC-AutorInnen erst jetzt f&#252;r LeserInnen pr&#228;sent werden. Diese kritische Auseinandersetzung mit den H&#252;rden der Publikation f&#252;r BIPoC-AutorInnen ist zwar sehr informativ und f&#252;hrt die LeserInnen auch in Sanchez-Taylors eigene Recherchemethoden ein, jedoch h&#228;tte dies in der Einleitung ausgereicht, sodass im Schlusskapitel die Close Readings in Bezug auf das in der Einleitung zentrale Konzept von &#8250;estrangement&#8249; gesetzt h&#228;tten werden k&#246;nnen. Sich auf ihr erstes Werk <italic>Diverse Futures</italic> und die darin eingef&#252;hrte &#8250;double estrangement&#8249; als Beschreibung von SF-Texten beziehend argumentiert die Autorin in der Einleitung von <italic>Dispelling Fantasies</italic> am Beispiel von R. F. Kuangs <italic>Babel</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B5">2022</xref>), dass im Falle von nicht-eurozentrischer Fantasy verschiedenste Ebenen des &#8250;estrangement&#8249; entstehen, wenn AutorInnen &#187;a self-conscious awareness of racial or gendered enstrangement&#171; in ihre Welten hineinschreiben und so mit &#187;prerace or &#8250;diverse&#8249; depictions of popular Western fantasy&#171; brechen (21). Anstatt die Monografie anhand des Konzepts der &#8250;estrangement&#8249; zu organisieren, wird dieser potenzielle rote Faden leider nicht aufgegriffen und von der umfassenden Darstellung christlicher und nicht-eurozentrischer Glaubenswelten sowie der Menge an Close Readings in den Hintergrund gedr&#228;ngt.</p>
<p>W&#228;hrend die einzelnen Kapitel in sich geschlossen sind, liefert Sanchez-Taylor mit <italic>Dispelling Fantasies</italic> dar&#252;ber hinaus zwar keine umfassende Historie von BIPoC-Fantasy jedoch aber eine sehr gelungene Gesamtbetrachtung, die aufzeigt, wie AutorInnen in ihrer Konstruktion von nicht-eurozentrische Fantasywelten Raum f&#252;r neue, vielschichtige Perspektiven auf &#187;morality, race, gender, and sexuality&#171; jenseits heteropatriarchaler und bin&#228;rer Systeme der &#187;mainstream Western fantasy&#171; schaffen (7) und dabei die Botschaft in ihren Werken vermitteln, &#187;that peoples of color everywhere need to hear: that we were never inferior peoples, and we never needed saving&#171; (148). Sanchez-Taylor hat sich zum Ziel gesetzt, die Bem&#252;hungen gegenw&#228;rtiger AutorInnen, diese Botschaft in ihren Werken zu verankern, zu w&#252;rdigen. Dies ist ihr auch vollends gelungen. Zum einen, indem sie aufzeigt, wie BIPoC-Fantasy zum postkolonialen Diskurs beitr&#228;gt, zum anderen, weil sie mit ihrer weitreichenden Recherche viele AutorInnen, die man nicht ohne Weiteres im Buchhandel finden w&#252;rde, als allererste bespricht und damit in die literaturwissenschaftliche Diskussion einf&#252;hrt. Diese ausf&#252;hrliche Auseinandersetzung mit und die Suche nach gegenw&#228;rtiger BIPoC-Fantasy kommt ferner auch durch die &#8250;Further-Reading&#8249;-Listen zum Ausdruck, die jedes der vier Hauptkapitel abschlie&#223;en. Man kann nur hoffen, dass die Idee, den ganzen recherchierten Korpus mit Hilfe derartiger Listen in die Arbeit einzubinden, auch von anderen ForscherInnen aufgegriffen wird.</p>
<p>Obwohl <italic>Dispelling Fantasies</italic> viele neue Werke erstmals erschlie&#223;t und allein dadurch zu einem wichtigen Einstiegswerk zu nicht-eurozentrischer Fantasy wird, hat die Unmenge an besprochenen AutorInnen auch eine Kehrseite. Da pro Kapitel jeweils rund zehn Fantasy-Werke besprochen werden &#8211; also ungef&#228;hr 40 Close Readings insgesamt &#8211;, f&#252;hrt diese F&#252;lle in Anbetracht der K&#252;rze der Monografie von 180 Seiten, inklusive Bibliografie und Index, letztlich dazu, dass die literaturwissenschaftlichen Analysen teilweise recht kurz und unausgeglichen ausfallen. Daher sollten die Close Readings vor allem als Case Studies bewertet werden, die den LeserInnen exemplarisch aufzeigen, wie BIPoC-AutorInnen mit der eurozentrischen Fantasy-Tradition brechen. Auch wenn sich manche LeserInnen mehr Tiefe w&#252;nschen werden, ist <italic>Dispelling Fantasies</italic> ein inhaltlich herausragendes und gut lektoriertes Einstiegswerk in die Welt nicht-eurozentrischer Fantasy, das den LeserInnen anhand der zuvor erw&#228;hnten &#8250;Further-Reading&#8249;-Listen erm&#246;glicht, das zuvor Gelesene in eigenst&#228;ndiger Recherche zu vertiefen. Da jedes Kapitel mit einer solchen Liste von rund 20 weiteren Werken abschlie&#223;t, h&#228;tte die Autorin die konkreten Analysen auf zwei oder drei Werke pro Kapitel beschr&#228;nken und die Leselisten einfach um die nicht besprochenen Werke erg&#228;nzen k&#246;nnen. So h&#228;tte sich die Autorin mehr Raum f&#252;r die Close Readings nehmen und diesen mehr Tiefe geben k&#246;nnen &#8211; dies w&#228;re nicht zuletzt deshalb w&#252;nschenswert gewesen, als schon Sanchez-Taylors kurze Analysen ein echtes Lesevergn&#252;gen sind.</p>
<p>Allen Kurse zu &#8250;Speculative Fiction&#8249; anbietenden DozentInnen kann ich abschlie&#223;end nur ans Herz legen, Dispelling Fantasies mit ihren Studierenden zu lesen und als Einstiegslekt&#252;re in ihre Kurse einzubeziehen, da Sanchez-Taylors Monografie nicht nur in einer leicht zug&#228;nglichen, gleichzeitig nicht vom akademischen Anspruch abweichenden Sprache geschrieben ist, sondern auch das komplexe Unterfangen von Genredefinitionen in Verbindung mit &#8250;critical readings&#8249; und kultureller Diskussion von Genreliteratur gekonnt vollzieht und studierendenfreundlich darbietet. Hinsichtlich der tiefen Auseinandersetzung mit nicht-eurozentrischer Fantasy und angesichts der weitreichenden Recherche der Autorin ist <italic>Dispelling Fantasies</italic> eine unumg&#228;ngliche Lekt&#252;re, die das Genre der Fantasy au&#223;erhalb der &#8250;White-centred&#8249; Tradition neu vermisst und aufzeigt, wie unterschiedliche kulturelle Verst&#228;ndnisse von Realit&#228;t und Magie in Genrediskussionen miteinbezogen werden m&#252;ssen. Somit kann <italic>Dispelling Fantasies</italic> auch allen ForscherInnen, die sich mit Fantasy &#252;ber der bis heute noch etablierten, traditionellen Form hinaus auseinandersetzen wollen, nur w&#228;rmstens empfohlen werden &#8211; gerade um davon inspiriert strikte Genredefinitionen zugunsten inklusiver Imaginationen hinter sich zu lassen.</p>
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<back>
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<fn id="n1"><p>Der Begriff &#8250;Inklings&#8249; bezeichnet einen Literaturkreis, der sich in den 1930er-Jahren um die Autoren C. S. Lewis, J. R. R. Tolkien, Charles Williams und Owen Barfield an der Universit&#228;t Oxford bildete. Die Publikationen der Mitglieder haben bis heute Einfluss auf die Inhalte und &#196;sthetik von Fantasyliteratur.</p></fn>
<fn id="n2"><p>Die sogenannte &#8250;one-drop rule&#8249; ist eine rassistische Klassifizierung von Personen, die besagt, dass auch weitzur&#252;ckliegende und &#8250;unsichtbare&#8249; Spuren von nicht-Wei&#223;en Vorfahren eine Person &#8250;Black&#8249; machen w&#252;rden, wobei verschiedene nicht-Wei&#223;e Ethnien und Abstammungen sowie die pers&#246;nliche Identifizierung keine Ber&#252;cksichtigung fanden. Zu Zeiten der Jim-Crow-Gesetze wurde die &#8250;one-drop rule&#8249; ferner zur juristischen Grundlage f&#252;r Segregation und Rassismus, wobei ein Tropfen nicht-Wei&#223;en Bluts zum pr&#228;genden Marker sozialen Ansehens wurde.</p></fn>
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<title>Autorin</title>
<p>Aylin Dilek Walder ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Technischen Universit&#228;t Braunschweig. F&#252;r ihre beiden Abschl&#252;sse in English Studies und Geschichte studierte sie an Universit&#228;ten in K&#246;ln, London und Istanbul. In ihrem Promotionsprojekt &#187;Beyond Alterity: The Fantastic Dawn of Affinity in Contemporary Speculative Fiction&#171; verhandelt sie Alterit&#228;t neu, indem sie den &#8250;affinitive turn&#8249; in den Geisteswissenschaften und ihr Konzept der &#8250;affinitive identity formation&#8249; einf&#252;hrt. Ihr Projekt sowie weitere Forschung sind intersektional in &#8250;Queer Studies&#8249;, &#8250;ecocriticism&#8249; und &#8250;postcolonial studies&#8249; zu verordnen. Sie hat Vortr&#228;ge &#252;ber &#8250;fantastic kinship&#8249;, &#8250;climate hope&#8249;, und &#8250;eco-anxiety&#8249; gehalten, Publikationen zu &#8250;mental illness&#8249;, &#8250;cultural appropriation&#8249;, und &#8250;slavery studies&#8249; ver&#246;ffentlicht und den Workshop &#187;Speculative Cultures&#171; organisiert. Ihre Arbeiten erscheinen in Sammelb&#228;nden wie <italic>The Palgrave Handbook of Global Fantasy</italic> und <italic>Ecological Interdependencies</italic>. Au&#223;erdem ist sie Mitherausgeberin der j&#228;hrlichen Proceedings der <italic>Inklings e.V</italic>. und war als Redaktionsassistentin f&#252;r <italic>Anglistik: International Journal of English Studies</italic> t&#228;tig.</p>
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<title>Konkurrierende Interessen</title>
<p>Aylin D. Walder und Joy Sanchez-Taylor waren w&#228;hrend drei Monaten gleichzeitig im Vorstand der <italic>International Association of the Fantastic in the Arts</italic> t&#228;tig.</p>
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<title>Zitierte Werke</title>
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