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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung</journal-title>
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<subject>Rezension</subject>
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<article-title>Spiegel, Simon. <italic>Bilder einer besseren Welt. Die Utopie im nichtfiktionalen Film</italic>. Sch&#252;ren Verlag, 2019.</article-title>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Gesellschaftswissenschaftliches Institut M&#252;nchen f&#252;r Zukunftsfragen, DE</aff>
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<license-p>Die Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung ist eine Open-Access-Zeitschrift mit Peer-Review-Verfahren, die von der Open Library of Humanities ver&#246;ffentlicht wird. &#x00A9; 2021 Der/die Autor*innen. Dieser Open-Access-Beitrag ist lizensiert durch die Creative-Commons Lizenz BY-NC-ND. Diese Lizenz erlaubt es Weiterverwendern*innen, das Material in jedem Medium oder Format nur in nicht angepasster Form zu nichtkommerziellen Zwecken zu kopieren und zu verbreiten, solange der/die Urheber*in genannt wird. Vgl. <uri xlink:href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/deed.de">https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/deed.de</uri>.</license-p>
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<p>Review of <italic>Bilder einer besseren Welt. Die Utopie im nichtfiktionalen Film</italic> by Simon Spiegel.</p>
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<p>Es war in Z&#252;rich 2012, als mir Simon Spiegel und seine Forschung erstmals auffielen. Wir waren von der Konferenzleitung der dritten Jahrestagung der <italic>Gesellschaft f&#252;r Fantastikforschung</italic> in dasselbe Panel gesteckt worden und mussten dort feststellen, dass wir f&#252;r unsere ganz unterschiedlichen Fragestellungen dasselbe empirische Untersuchungsobjekt ausgew&#228;hlt hatten: das <italic>Venus Project</italic> Jacque Frescos, bzw. dessen Darstellung in Texten und Filmen. Fresco, der sich schon seit Jahrzehnten mit technokratischen Ideen und sozialtechnischen Entw&#252;rfen auseinandergesetzt hatte, betrieb seit den 1990er-Jahren in Venus, Florida, eine Art Showroom f&#252;r die architektonischen Modelle, die er f&#252;r sein gesellschaftspolitisches Ideal einer ressourcenbasierten Wirtschaft entworfen hatte. In den Jahren vor der Z&#252;rcher Jahrestagung erlangte dieses <italic>Venus Project</italic> in einigen Medien etwas Bekanntheit. W&#228;hrend es mir, dem Politikwissenschaftler, um den Zusammenhang von utopischen Texten und realpolitischen Projekten ging, suchte Spiegel, der Filmwissenschaftler, nach dem utopischen Film. Realit&#228;t und Film werden einander gerne gegen&#252;bergestellt, wobei dann das Besondere des Films ist, dass er eben nicht real ist. Aber Realit&#228;t und Film haben auch gemeinsam, dass sich Utopien in ihnen nicht gerade wohl f&#252;hlen. Um so elektrisierter waren wir unterschiedlichen Forscher, als wir doch Realit&#228;ten bzw. Filme gefunden hatten, in denen Utopisches verwirklicht bzw. eben in eine filmische Form gebracht worden ist. Ich stellte den Zusammenhang zwischen der dem <italic>Venus Project</italic> zugrundeliegenden literarischen Utopie <italic>Looking Forward</italic> (1969), der darin ausgedr&#252;ckten Ideologie sowie den Realisierungsbestrebungen in einem Freizeitpark und mehreren (inzwischen gescheiterten) stadtplanerischen Projekten her. Die damals sehr verbreiteten YouTube-Filme der Z<sc>EITGEIST</sc>-Reihe Peter Josephs (2007&#8211;2011) sah ich vor allem als Propagandainstrument f&#252;r die Verbreitung der Utopie. Spiegels Herangehensweise war anders. Er konzentrierte sich insbesondere auf den Abschnitt im zweiten Film der Reihe, Z<sc>EITGEIST</sc> A<sc>DDENDUM</sc> (US 2008), in dem Frescos utopisch-architektonische Entw&#252;rfe visualisiert und angepriesen werden. Diese Darstellungen im Rahmen eines L&#246;sungsversprechens f&#252;r viele in den Z<sc>EITGEIST</sc>-Filmen genannte Probleme interpretierte Spiegel als filmische Utopie. Das fand ich sehr spannend &#8211; ich hatte ja gleichzeitig mit <xref ref-type="bibr" rid="B4">Chlo&#233; Zirnstein</xref> an der LMU M&#252;nchen &#252;ber Utopie promoviert, und Zirnstein best&#228;tigte in ihrer Dissertation, was auch viele andere herausfanden: dass Utopien sich prinzipiell nicht dazu eignen, verfilmt zu werden. Spiegel wollte also das finden, was es nicht gab und nicht geben konnte: den utopischen Film. Er fand ihn nicht im Spielfilm (auf den sich Zirnstein und andere konzentriert hatten), sondern im Propagandafilm. Seine Idee, nichtfiktionale und pseudo-nichtfiktionale Filme nach Utopien zu durchforsten, arbeitete er in den folgenden Jahren aus. Wer immer zu den Jahrestagungen der GfF kam und sich in die richtigen Panels setzte, konnte seine Suche nach dem utopischen Film 2013 in Gie&#223;en und 2014 in Klagenfurt weiterverfolgen. In sp&#228;teren Jahren stellte er weitere Einzelstudien vor, die aus dieser Suche resultierten: 2016 in M&#252;nster den nostalgischen Abgesang auf die Utopie im Spielfilm T<sc>OMORROWLAND</sc> (US 2015) und 2017 in Wien das Versagen der Arbeitsgruppe defa-futurum, DDR-kompatible utopische Filme zu produzieren. 2019 ist endlich das Buch erschienen, das diese und viele weitere Beispiele unter einem theoretischen Rahmen zusammenfasst und den Grundstein f&#252;r jede zuk&#252;nftige filmwissenschaftliche Utopieforschung legt, die &#252;ber ein resignatives &#8250;gibt&#8217;s ja gar nicht&#8249; hinauswill. <italic>Bilder einer besseren Welt</italic> ist Spiegels Habilitationsschrift, aber das schm&#228;lert weder das Vergn&#252;gen noch den Erkenntnisgewinn, den auch Fachfremde aus dem Buch ziehen k&#246;nnen.</p>
<p>Freilich muss jede wissenschaftliche Arbeit sich an gewisse Gepflogenheiten halten, und dazu geh&#246;ren ein gut begr&#252;ndeter theoretischer Rahmen und die Darstellung des Forschungsstandes. Im Falle der Utopieforschung ist das allein schon eine Mammutaufgabe, denn einerseits gibt es sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, was &#8250;Utopie&#8249; &#252;berhaupt ist (ein Text? ein politisches Ziel? ein sozialreformerisches Experiment?), und andererseits gibt es sprachlich voneinander getrennte Theorietraditionen, die Spiegel aneinander anschlussf&#228;hig machen musste. Die in den letzten Jahren theoriegeschichtlich st&#228;rkste deutschsprachige Forschungsarbeit zur Utopie ist sicherlich Thomas Sch&#246;lderles Studie <italic>Utopia und Utopie</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B2">2011</xref>), in der die vorherige deutschsprachige Utopieforschung nahezu komplett rezipiert, relativiert, in Zusammenhang gesetzt und letztlich so systematisiert wird, dass man daran nicht mehr vorbeikommt, wenn man seither den Komplex der Utopie erforschen will. Sch&#246;lderles Arbeit betont die literarische Utopie und orientiert sich an dem, was Richard Saage das &#187;klassische Modell&#171; nannte, das auf Thomas Morus&#8217; <italic>Utopia</italic> (1516) zur&#252;ckgeht: &#187;Eine Utopie ist der meist literarisch verfasste, fiktionale und universale Entwurf von idealtypisch und rational-experimentell konstruierten Institutionen oder Prinzipien eines Gemeinwesens, der den realhistorischen Verh&#228;ltnissen in kritischer Intention gegen&#252;bergestellt und auf ein besseres Leben der Menschen gerichtet ist&#171; (Sch&#246;lderle 481). Dieser Definition f&#252;gt Sch&#246;lderle noch eine Tabelle mit Differenzierungskriterien hinzu, die zwischen konstitutiven, typischen und kontingenten Eigenschaften utopischer Texte unterscheiden und somit so manchen Irrweg der bundesdeutschen Utopiegelahrtheit (der zufolge Utopien unbedingt sozialistisch und/oder totalit&#228;r sein m&#252;ssen) desavouieren. Spiegel findet Definition und Tabelle Sch&#246;lderles so n&#252;tzlich, dass er sie &#252;bernimmt &#8211; aber nicht ohne Modifikationen. F&#252;r Sch&#246;lderles Modell spricht nicht zuletzt, dass er, anders als Saage, &#187;die Erkenntnisse der Literaturwissenschaft und der Politologie in einem handhabbaren Modell vereint, das sich auch f&#252;r literatur- respektive filmwissenschaftliche Belange eignet&#171; (14). Bevor Spiegel aber die filmwissenschaftlich notwendigen Modifikationen vornimmt, wendet er sich der anglophonen Utopieforschung zu. Auch dort wird &#8211; etwa bei Lyman Tower Sargent &#8211; zwischen mehreren wesensm&#228;&#223;ig unterschiedlichen Dingen unterschieden, die &#187;Utopie&#171; genannt werden, und der Begriff der literarischen Utopie wird ausdifferenziert. Spiegel kann sich auch an Sargents Definitionen der Dystopie, der kritischen Utopie oder der Satire orientieren (<xref ref-type="bibr" rid="B1">vgl. Sargent</xref>). Aber obwohl Sargent und andere bekannte englischsprachige Utopieforscher*innen auch einen Blick auf Filme geworfen haben, ist das f&#252;r Spiegel nicht genug. Er ben&#246;tigt ein eigenes, filmwissenschaftlich informiertes Modell f&#252;r seine Untersuchung.</p>
<p>F&#252;r mich als von der Filmwissenschaft ganz unber&#252;hrten Leser waren Spiegels Ausf&#252;hrungen zur Semiopragmatik nach Roger Odin, mit der die zentrale Unterscheidung zwischen fiktional und nichtfiktional getroffen und die Interpretationsgrundlage f&#252;r die zu untersuchenden Filme gelegt werden soll, zun&#228;chst m&#252;hsam zu lesen. Aber es hat sich gelohnt. Es geht dabei um den Modus, in dem man einen Film sieht, was wiederum von den Angeboten abh&#228;ngt, die der Film seinen Betrachtern*innen macht. Weder ist ein Film allein von sich aus fiktional (oder eben nicht), noch kann die Betrachter*in den Film ganz nach Belieben auslegen. Filme geben bestimmte Signale, die eine Art der Betrachtungsweise nahelegen. Ein Film mit Interviews, Bauchbinden und &#220;berblicksgrafiken will offensichtlich als Dokumentation gesehen werden. Selbstverst&#228;ndlich k&#246;nnen Filmemacher*innen mit diesen Sehgewohnheiten spielen und fiktionale Filme drehen, die dokumentarisch aussehen (oder umgekehrt). Spiegel behandelt daher nicht nur das allen Dokumentationen inh&#228;rente Problem der nicht zu erreichenden reinen, wom&#246;glich gar neutralen Abbildung der Wirklichkeit &#8211; alle Dokumentationen haben auch etwas Konstruiertes, Inszeniertes &#8211;, sondern er widmet auch den Mockumentarys (Fake-Dokumentationen) und anderen Hybridformaten ein ganzes Kapitel (107&#8211;129). Diese sind sehr fruchtbares Anschauungsmaterial f&#252;r Utopiefilmforscher*innen, denn sie spielen mit der unscharfen Grenze zwischen Realit&#228;t und Fiktion, die auch f&#252;r literarische Utopien so typisch ist.</p>
<p>Hier wird deutlich, welchen Vorteil Spiegel aus der Verwendung von Sch&#246;lderles Modell zieht: Schon Morus hatte seine <italic>Utopia</italic> mit Signalen sowohl f&#252;r Wahrheit als auch f&#252;r Falschheit gespickt. Das mag er &#8211; wie so manche Mockumentary-Macher*innen &#8211; aus humoristischen Gr&#252;nden getan haben. Aber auch f&#252;r die sp&#228;teren intentionalen Utopien, die geschrieben wurden, um f&#252;r ein gesellschaftliches Ideal zu werben, gilt, dass sie sowohl zugeben m&#252;ssen, etwas Irreales zu zeigen, als auch versichern wollen, dass das Gezeigte realistisch ist. Das gilt ebenso f&#252;r die ihnen hinreichend &#228;hnlichen Propagandafilme. Wie eine Mockumentary muss daher auch ein utopischer Film etwas zeigen, das mit der Kamera erfasst wurde, obwohl es nicht wirklich ist, und dabei gleichzeitig so tun, als gebe es die gezeigte bessere Gesellschaft wirklich &#8211; und doch wollen Mockumentary und utopischer Film die verst&#228;ndigen Betrachter*innen an dem Spa&#223; teilhaben lassen, ein transparentes Spektakel zu sehen. Aus Spiegels filmtheoretischen Ausf&#252;hrungen wird deutlich, dass sehr wohl filmische Utopien m&#246;glich sein sollten, und dass diese weder rein fiktional sein werden (da das zu langweilig w&#228;re) noch im eigentlichen Sinn dokumentarisch (da die Utopie ja etwas Nicht-Existentes behandelt, das insofern auch nicht dokumentierbar ist).</p>
<p>Selbstverst&#228;ndlich findet Spiegel auch eine Reihe solcher Filme. Sie entsprechen alle mehr oder minder den modifizierten Utopiekriterien, ohne dass je einer zur idealtypischen Utopie w&#252;rde. Spiegels Auswahl ist nicht als vollst&#228;ndige angelegt, strebt also auch nicht an, einen &#220;berblick &#252;ber das Feld des utopischen Films zu erstellen. Vielmehr soll das Feld als solches abgesteckt und damit erst zum Feld erkl&#228;rt werden &#8211; bisher ist es n&#228;mlich eher ein Dschungel, in den Spiegel mehrere Pfade schl&#228;gt. Schon im Theorieteil analysiert er den zweiten Z<sc>EITGEIST</sc>-Film intensiv (78&#8211;91 et passim), sodass er sozusagen ein Vorbild hat, das er immer wieder zum Vergleich heranziehen kann. Durch die Vergleiche wird aber auch deutlich, wie vielf&#228;ltig das Feld des utopischen Films ist. Die defa-futurum-Filme, die er, neben vielen weiteren untersuchten Filmen, auf seiner Homepage zur Betrachtung zur Verf&#252;gung stellt (<ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.utopia2016.ch/bilder-einer-besseren-welt/">www.utopia2016.ch/bilder-einer-besseren-welt/</ext-link>), waren durchaus mit utopistischen Ambitionen geplant worden. Anhand seiner Archivrecherchen kann Spiegel zeigen, dass es in der DDR zwar durchaus den Willen gab, eine bessere sozialistische Zukunft ins Kino zu bringen, doch die dabei entstandenen Filme trauen sich dann doch nicht, die damalige Realit&#228;t des Realsozialismus als etwas Verbesserungsw&#252;rdiges zu bewerten. Da sich die DDR bereits als besserer Staat verstand, tat man sich in ihr schwer, etwas noch Besseres zu entwerfen.</p>
<p>Das ist auch das Problem anderer Propagandafilme, wie sich in den n&#228;chsten Kapiteln zeigt. Spiegel analysiert Filme der Sowjetunion, des fr&#252;hen Zionismus und des sogenannten Islamischen Staats (ISIS). Sie alle wollen zeigen, dass es eine bereits existierende bessere Gesellschaft gibt. Obwohl sie diese dabei selbstverst&#228;ndlich besch&#246;nigen, verletzen sie doch ein zentrales Kriterium der Utopie: dass die darin beschriebene bessere Ordnung fiktiv ist. Dadurch unterscheiden sie sich von der n&#228;chsten Kategorie der utopischen Filme, die Spiegel untersucht: den Stadtutopien (275&#8211;325). Stadtplanung hatte schon immer etwas Utopisches, da gesellschaftsformende Infrastruktur behandelt wird, die noch nicht existiert und angeblich besser sein soll. In den Filmen T<sc>HE</sc> C<sc>ITY</sc> (US 1939), T<sc>O</sc> N<sc>EW</sc> H<sc>ORIZONS</sc> (US 1940) und T<sc>HE</sc> EPCOT F<sc>ILM</sc> (US 1967) wird tats&#228;chlich ein &#8250;Noch-Nicht&#8249; dargestellt, das besser als die zeitgen&#246;ssischen St&#228;dte der USA sein soll und somit &#8211; teilweise recht explizit &#8211; real Existierendes und als wahrscheinlich eingesch&#228;tzte Tendenzen kritisiert. Dar&#252;ber hinaus werden in ihnen Themen behandelt, die im au&#223;erfilmischen utopischen Diskurs etwa von Stadtplanern wie Ebenezer Howard, Lewis Mumford, Frank Lloyd Wright und Le Corbusier diskutiert wurden. Spiegel kann daher nachweisen, dass es utopische Filme sind. Und doch weichen auch sie von den Utopiekriterien ab, mal aus k&#252;nstlerischen, mal aus kommerziellen Gr&#252;nden.</p>
<p>&#220;berhaupt ist die Abweichung vom Idealtypus das deutlichste Verbindungselement der sehr unterschiedlichen Filme, die Spiegel untersucht. Das wird an seinen letzten beiden Beispielen deutlich, die er &#187;postklassisch&#171; nennt. Damit meint er nicht die Verfilmungen kritischer Utopien wie etwa der <italic>Mars</italic>-Trilogie Kim Stanley Robinsons (1993&#8211;1996); diese existieren nicht, obwohl es meines Erachtens m&#246;glich w&#228;re, nachklassische (oder nach Sargent &#187;kritische&#171;) Utopien auch als Spielfilm umzusetzen. Vielmehr erweitert Spiegel seine Utopiedefinition und wirft auf eben das einen Blick, was Sargent in seinem Aufsatz noch als &#187;intentionale Lebensgemeinschaften&#171; (Sargent 119) von den literarischen Utopien abgegrenzt hatte. Im Film D<sc>EMAIN</sc> (FR 2015) werden Gesellschaften vorgestellt, die besser sind (oder zu sein vorgeben). Im Film T<sc>HE</sc> M<sc>ARSDREAMERS</sc> (FR/CH 2009) geht es mehr um Zukunftsaspirationen als um reale Projekte; dass der Film kritisches Potenzial entwickelt, liegt letztlich daran, dass mit Robinson ein Mars-Utopist zu Wort kommt, der die Marstr&#228;ume der anderen Protagonisten f&#252;r unrealistisch erkl&#228;rt. Spiegel h&#228;lt viel von Robinson und l&#228;sst sich gerne auf seine Fiktionen ein (<xref ref-type="bibr" rid="B3">vgl. Spiegel 2016</xref>). Ich hoffe ja, dass es irgendwann einen zweiten Band der <italic>Bilder einer besseren Welt</italic> geben wird, dann mit dem Untertitel <italic>Die Utopie im fiktionalen Film</italic>. Es wird lauter Filme nach 2020 analysieren, darunter die Verfilmungen Robinsons <italic>Mars</italic>-Trilogie, Ursula K. Le Guins <italic>The Dispossessed</italic> (1974) und Marge Piercys <italic>He, She and It</italic> (1991); es d&#252;rfte auch einen Verriss der Verfilmung von Starhawks <italic>The Fifth Sacred Thing</italic> (1993) enthalten. Der im zuk&#252;nftigen Theoriekapitel intensiv zerpfl&#252;ckte V<sc>ENUS</sc>-P<sc>ROJECT</sc>-Spielfilm war ja schon in Planung, als Spiegel und ich 2012 in der Universit&#228;t Z&#252;rich unsere Vortr&#228;ge hielten. Immer noch wird Geld daf&#252;r gesammelt, was wom&#246;glich der eigentliche Zweck des ganzen Vorhabens ist.</p>
<p>Bevor aber dieser zweite Band auch nur gew&#252;nscht wird, sollte der erste gelesen werden. Ohne ihn kann man ohnehin nichts mehr &#252;ber Utopie im Film sagen. <italic>Bilder einer besseren Welt. Die Utopie im nichtfiktionalen Film</italic> ist mit &#252;ber 400 Seiten ein umfangreiches Werk, das aber mit 164 Abbildungen zum st&#228;ndigen Bl&#228;ttern einl&#228;dt. Optisch eingerahmt ist es sozusagen zwischen Z<sc>EITGEIST</sc> A<sc>DDENDUM</sc> und T<sc>HE</sc> M<sc>ARSDREAMERS</sc>, denn das Cover kombiniert Bilder der beiden Filme. Es w&#252;rde mich nicht wundern, wenn mancher das Buch angeberisch auf seinen Kaffeetisch legt, weil es so sch&#246;n ist. Die Tatsache aber, dass es auch online im Open Access erh&#228;ltlich ist (<ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.schueren-verlag.de/images/openaccess/9783741000829.pdf">www.schueren-verlag.de/images/openaccess/9783741000829.pdf</ext-link>), weist es schon formal als wissenschaftliche Studie aus. Dass Spiegel durch diese Schrift zum Privatdozenten wurde, ist geradezu eine Frechheit &#8211; wenn ich gewusst h&#228;tte, dass man mit solchem Vergn&#252;gen habilitieren kann, h&#228;tte ich es auch gemacht.</p>
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<title>Autor</title>
<p>Peter Seyferth, Dr., freiberuflicher politischer Philosoph aus M&#252;nchen. 2006 Promotion in politischer Theorie &#252;ber Ursula K. Le Guins Utopien. 2010&#8211;2016 Onlinebeauftragter der Gesellschaft f&#252;r Fantastikforschung. Zahlreiche Publikationen zu Science Fiction, kritischen Utopien und Anarchismus. <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://orcid.org/0000-0002-6731-267X">http://orcid.org/0000-0002-6731-267X</ext-link>.</p>
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<title>Konkurrierende Interessen</title>
<p>Die Autorin hat keine konkurrierenden Interessen zu erkl&#228;ren.</p>
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<title>Zitierte Werke</title>
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<ref id="B2"><label>2</label><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Sch&#246;lderle</surname>, <given-names>Thomas</given-names></string-name>. <source>Utopia und Utopie. Thomas Morus, die Geschichte der Utopie und die Kontroverse um ihren Begriff</source>. <publisher-name>Nomos</publisher-name>, <year>2011</year>. DOI: <pub-id pub-id-type="doi">10.5771/9783845229331</pub-id></mixed-citation></ref>
<ref id="B3"><label>3</label><mixed-citation publication-type="journal"><string-name><surname>Spiegel</surname>, <given-names>Simon</given-names></string-name>. <article-title>&#187;Vergesst das All: Begegnung mit Kim Stanley Robinsons <italic>Aurora</italic>&#171;</article-title>. <source>Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung</source> <volume>6</volume>.<issue>1</issue> (<year>2016</year>): <fpage>73</fpage>&#8211;<lpage>89</lpage>.</mixed-citation></ref>
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