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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung</journal-title>
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<subject>Rezensionen</subject>
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<article-title>Croft, Brennan und Alyson R. Buckman, Hg. <italic>Sisterhood, Science and Surveillance in Orphan Black: Critical Essays</italic>. McFarland, 2019</article-title>
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<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2021-01-04">
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<license-p>This is an open-access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC-BY 4.0), which permits unrestricted use, distribution, and reproduction in any medium, provided the original author and source are credited. See <uri xlink:href="http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/</uri>.</license-p>
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<p>Review of Croft, Brennan and Alyson R. Buckman, ed. <italic>Sisterhood, Science and Surveillance in O<sc>RPHAN</sc> B<sc>LACK</sc>: Critical Essays</italic>. McFarland, 2019.</p>
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<p>In seiner Studie <italic>Editing the Soul: Science and Fiction in the Genome Age</italic> zur Darstellung biotechnologischen Fortschritts in der Popul&#228;rkultur beschreibt <xref ref-type="bibr" rid="B1">Everett Hamner</xref> die von BBC America produzierte TV-Serie O<sc>RPHAN</sc> B<sc>LACK</sc> (CA 2013&#8211;17, Idee: Graeme Manson und John Fawcett) als &#187;unusually informed biotechnological speculation&#171; (27), die sich durch eine realistische N&#228;he zur Wissenschaft auszeichnet und damit als &#187;genetic realism&#171; (93) zu verstehen sei. Janet Brennan Croft und Alyson R. Buckman, die Herausgeberinnen des vorliegenden Bandes, wiederum bezeichnen die Serie als &#187;ground-breaking&#171; (1), vor allem deswegen, weil sie sich auf radikale Weise zentraler Themen annehme, die ansonsten in Medienproduktionen eher konservativ dargestellt w&#252;rden: Die Serie &#187;reflects contemporary concerns about corporatization of science and ethics, the role of the military, sexual and gender equality, and toxic masculinity&#171; (1). Gerade die abweichende Behandlung aktueller politischer Konflikte ist es, die der Biopunk-Serie eine besondere Rolle in der zeitgen&#246;ssischen Serien-Produktion zukommen l&#228;sst und sie damit zu einem interessanten Objekt wissenschaftlicher Untersuchungen macht, was auch Croft und Buckman mit dem Hinweis auf sieben seit 2016 bereits erschienenen Sammelb&#228;nden zu O<sc>RPHAN</sc> B<sc>LACK</sc> ansprechen (3).</p>
<p><italic>Sisterhood, Science and Surveillance</italic> konzentriert sich entsprechend auf diese kontroversen Themen und versucht in elf Beitr&#228;gen aus Sicht der Kulturwissenschaften neue und spannende Analysen zur Debatte beizutragen. Vor allem der gro&#223;e Komplex Gender/Sexualit&#228;t/Identit&#228;t spielt im Band eine gewichtige Rolle und steht in sechs Beitr&#228;gen im Vordergrund. Hinzu kommen einzelne Kapitel, die sich mit Mythologie, &#220;berwachung, Trauma, Visual Effects und Eugenik besch&#228;ftigen. Was schon an dieser kurzen Aufz&#228;hlung deutlich wird, ist das Fehlen einer &#252;bergeordneten Struktur, die den etwas disparaten Beitr&#228;gen eine st&#228;rkere Rahmung h&#228;tte verleihen k&#246;nnen. Zwar sind alle Beitr&#228;ge von hohem wissenschaftlichem Niveau, stehen aber oftmals recht einsam im Buch, das insgesamt einen roten analytischen Faden vermissen l&#228;sst. Dennoch muss man hier betonen, dass die einzelnen Beitr&#228;ge wichtige und erhellende Analysen liefern, die auch ohne Rahmung neue Erkenntnisse zum kulturellen Potenzial der Serie bergen.</p>
<p>Die beiden ersten Beitr&#228;ge im Band, von Graeme Wilson und Dani Howell, kann man als Pro-und-contra-Austausch verstehen, der die Frage einer m&#246;glichen feministischen Lesart der Serie stellt. Wilson argumentiert daf&#252;r, O<sc>RPHAN</sc> B<sc>LACK</sc> als Beispiel progressiven Feminismus zu sehen, weil die Serie komplexe Frauenfiguren in den Klonen zeichnet, Gender-Stereotype unterwandert, Darstellungen von Mutterschaft deutlich jenseits bestehender Hollywood-Klischees erm&#246;glicht und toxische Maskulinit&#228;t anprangert. Howell wiederum sieht den Feminismus der Serie problematischer (ohne sich dabei direkt auf Wilson zu beziehen). Sie erkennt zwar ebenso komplexe Frauenfiguren, sieht aber auch Defizite. Etwa in der geringen Repr&#228;sentation nicht-wei&#223;er Frauen, der Konzentration auf westliche Sch&#246;nheitsideale oder auch der Darstellung von Sexualit&#228;t, die heterosexuelle K&#246;rperlichkeit zul&#228;sst, aber gelebte homosexuelle K&#246;rperlichkeit nur andeutet. An den beiden Essays erkennt man deutlich, dass ein Kulturprodukt einerseits in bestimmten Punkten progressive Politik vertreten, in anderen aber dennoch den Anspr&#252;chen einer intersektionalen Gleichstellung nicht gerecht werden kann.</p>
<p>Mit Erin Bell, Jenny Bonnevier und Laine Zisman Newman greifen gleich drei weitere Beitr&#228;gerinnen noch einmal das wichtige Motiv der Mutterschaft auf und diskutieren die unterschiedlichen Klone und ihr Verh&#228;ltnis zum Feminismus und den Erwartungen an die Rolle der Mutter (Bell), die Beziehung von Biologie und sozialen Rollen in der Frage der Familie (Bonnevier) sowie den Komplex Trauma, Wiedergutmachung und biologisches Erbe (Zisman Newman). Und hier verdeutlicht sich das Problem der fehlenden Rahmung: Drei Beitr&#228;ge, die alle auf &#228;hnliche Weise einen Themenbereich abdecken, sind f&#252;r den schmalen Band zu viel und f&#252;hren zu einem Ungleichgewicht.</p>
<p>Zwei Beitr&#228;ge, von Janet Brennan Croft und Jennifer DeRoss, wagen Fallstudien &#252;ber einzelne Klone in der Serie, verzichten also auf gr&#246;&#223;ere Abhandlungen zugunsten detaillierter Einblicke in die Figuren selbst. Croft dekonstruiert die Figur der Helena im Rahmen einer mythopoetischen Analyse als Kore-Figur, die in der Serie in verschiedensten Situationen den Weg in die Unterwelt antreten muss, um daraus gest&#228;rkt und gewandelt hervorzugehen. DeRoss wiederum widmet sich der Figur M.K., die in O<sc>RPHAN</sc> B<sc>LACK</sc> als Nebenrolle angelegt ist, aber in den zur Serie erschienen Comics eine wichtige Vorgeschichte erh&#228;lt und dabei sich und ihre Klonschwestern durch Aneignung einer negativ besetzten Identit&#228;t (des Schafes) gegen&#252;ber dem skrupellosen Biotech-Konzern erm&#228;chtigt.</p>
<p>Die weiteren Beitr&#228;ge stehen f&#252;r sich allein, bieten aber dennoch interessante Analysen. Brandi Bradley nutzt Michel Foucaults Theorien, um die &#220;berwachung und Kontrolle der Klone durch das Dyad Institute zu analysieren. Alyson Buckman besch&#228;ftigt sich mit dem in der Serie allgegenw&#228;rtigen Trauma und dessen Verarbeitung durch die Charaktere. Und Jessica Lee Mathiason wagt einen tiefen Blick in die Idee der Eugenik, die vor allem in den sp&#228;teren Staffeln der Serie anhand der Castor-Linie m&#228;nnlicher Klone diskutiert wird.</p>
<p>Der wohl am deutlichsten aus den Analysen der &#252;brigen Kapitel herausstechende Beitrag stammt von Bronwen Calvert, die sich als einzige Beitr&#228;gerin mit einem Aspekt der Medienproduktion besch&#228;ftigt und analysiert, wie die Serie es schafft, verschiedene Klone gleichzeitig auftreten zu lassen und so durch filmtechnische Effekte K&#246;rper multipliziert. Die Analyse ist deswegen so zentral, weil durch Visual Effects die Kategorien von Schauspiel, Schnitt, und Postproduktion verschwimmen und neue Repr&#228;sentationsm&#246;glichkeiten entwickelt werden. In O<sc>RPHAN</sc> B<sc>LACK</sc> etwa wird die Schauspielerin Tatiana Maslany durch den Einsatz von Technologie vervielfacht und so zu einem &#187;digital-human hybrid&#171; (153), was durch die Erz&#228;hlung der Serie noch weiter verkompliziert wird, wenn ein Klon sich als ein anderer ausgibt. Die Konsequenzen dieser &#187;diegetic and non-diegetic multiplicity&#171; (156) f&#252;r Identit&#228;t, Verk&#246;rperung und Posthumanit&#228;t sind angesichts der sich dramatisch ver&#228;ndernden digitalen Technologien von gro&#223;er Bedeutung f&#252;r zuk&#252;nftige filmwissenschaftliche Betrachtungen.</p>
<p>Wie deutlich geworden sein sollte, f&#228;llt der Beitrag von Calwert aus dem vergleichsweise losen Rahmen des Bandes heraus, w&#228;hrend das Thema Mutterschaft mit drei (bis vier) Kapiteln stark &#252;berrepr&#228;sentiert ist. Vielleicht ist es unvorhergesehenen Absagen im Prozess der Herausgeberschaft zu verdanken, vielleicht waren andere Einreichungen einfach nicht stark genug &#8211; so oder so ist der Band etwas aus dem Gleichgewicht geraten. Die Dominanz des Themas Gender/Identit&#228;t ist der Serie O<sc>RPHAN</sc> B<sc>LACK</sc> angemessen, doch wirken die anderen Beitr&#228;ge zu &#220;berwachung oder Eugenik damit etwas deplatziert. Das ist schade, denn sie bieten interessante neue Perspektiven auf wichtige Aspekte aktueller biotechnologischer Forschung und deren gesellschaftlicher Einfl&#252;sse. Wer sich also f&#252;r aktuelle Themen wie Genetik interessiert oder auf der Suche nach Forschungsmaterial zu Biopunk ist, der wird hier f&#252;ndig. Insgesamt sind die Beitr&#228;ge gut erarbeitet und von hoher Qualit&#228;t &#8211; und weil die Serie als echtes Highlight im Science-Fiction-TV gelten kann, wird der Band hoffentlich Teil eines wachsenden Forschungsbestandes werden.</p>
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<title>Autor</title>
<p>Dr. Lars Schmeink arbeitet in einem Digitalisierungsprojekt an der HafenCity Universit&#228;t Hamburg und leitet das Teilprojekt &#187;Science Fiction&#171; im BMBF-gef&#246;rderten Forschungsverbund &#187;FutureWork&#171;. Er ist Autor von Biopunk Dystopias (2016) und Mitherausgeber von <italic>Cyberpunk and Visual Culture</italic> (2018), <italic>The Routledge Companion to Cyberpunk Culture</italic> (2020), <italic>New Perspectives on German Science Fiction</italic> (2021) und <italic>Fifty Key Figures in Cyberpunk Culture</italic> (2021).</p>
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<title>Konkurrierende Interessen</title>
<p>Der Autor hat keine konkurrierenden Interessen zu erkl&#228;ren.</p>
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<title>Zitierte Werke</title>
<ref id="B1"><label>1</label><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Hamner</surname>, <given-names>Everett</given-names></string-name>. <source>Editing the Soul: Science and Fiction in the Genome Age</source>. <publisher-name>Pennsylvania State UP</publisher-name>, <year>2017</year>.</mixed-citation></ref>
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