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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung</journal-title>
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<subject>Rezensionen</subject>
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<article-title>Lampadius, Stefan. <italic>The Human Future? Artificial Humans and Evolution in Anglophone Science Fiction of the 20<sup>th</sup> Century</italic>. Winter, 2020</article-title>
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<surname>Brandstetter</surname>
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<email>nicole.brandstetter@hm.edu</email>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Hochschule M&#252;nchen, DE</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2021-11-23">
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<license-p>Die Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung ist eine Open-Access-Zeitschrift mit Peer-Review-Verfahren, die von der Open Library of Humanities ver&#246;ffentlicht wird. &#169; 2021 Der/die Autor*innen. Dieser Open-Access-Beitrag ist lizenziert durch die Creative-Commons Lizenz BY-ND. Diese Lizenz erlaubt es Wiederverwender*innen, das Material in jedem Medium oder Format nur in nicht angepasster Form zu kopieren und zu verbreiten, solange der/die Urheber*in genannt wird. Die Lizenz erlaubt die kommerzielle Nutzung. Vgl. <uri xlink:href="https://creativecommons.org/licenses/by-nd/4.0/">https://creativecommons.org/licenses/by-nd/4.0/</uri>.</license-p>
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<p>Review of <italic>The Human Future? Artificial Humans and Evolution in Anglophone Science Fiction of the 20<sup>th</sup> Century</italic> by Stefan Lampadius.</p>
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<p>Stefan Lampadius greift in seiner Studie <italic>The Human Future? Artificial Humans and Evolution in Anglophone Science Fiction of the 20<sup>th</sup> Century</italic> den wohlbekannten und im Bereich der Science-Fiction-Literatur oft diskutierten Topos des K&#252;nstlichen Menschen auf und untersucht Werke des klassischen Kanons der englischsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts in diesem Bereich. Wohl wissend, dass es sich hier um ein viel bearbeitetes und auch weites Feld handelt, schafft Lampadius es dennoch, in seinen Analysen eine bislang wenig beachtete Perspektive zu erg&#228;nzen. Im Gegensatz zum oft zitierten Diskurs um eine m&#246;gliche drohende Macht&#252;bernahme durch menschengemachte KI beleuchtet er die Werke im Spannungsfeld des modernen Meta-Narrativs der Evolution: Inwieweit k&#246;nnen <italic>artificial humans</italic> als k&#252;nstliche Alternativen zur langsamen biologischen Entwicklung des Menschen gesehen werden? Und welche Erkenntnisse ergeben sich daraus? Zus&#228;tzlich zum religi&#246;sen Narrativ der g&#246;ttlichen Sch&#246;pfung, das angewendet auf die Kreation k&#252;nstlicher Wesen oftmals Aspekte der Verantwortung und Legitimation diskutiert, offeriert das wissenschaftliche Narrativ der geleiteten Evolution die Perspektive des andauernden Wandels und der Selbstkreation durch Technik und bietet somit eine &#220;berwindungsstrategie der bin&#228;r fokussierten Analyse Mensch vs. Maschine im Kontext von k&#252;nstlichen Menschen als erz&#228;hlerischem Topos. Zwar betont Lampadius, dass k&#252;nstliche Menschen noch immer als &#187;important Other&#171;, als Alterit&#228;t gelten, die zur Definition des eigenen Selbst Differenzen und Grenzen markiert. Jedoch k&#246;nnen &#8211; und m&#252;ssen &#8211; diese Limitierungen durch die Evolutionsperspektive bereichert werden. Man k&#246;nnte sagen, dass Lampadius hier eine Sichtweise der aktuellen Interkulturalit&#228;tsdebatte integriert, in der Alterit&#228;tsgrenzen zur Selbst- und Fremddefinition zumindest kritisch hinterfragt werden.</p>
<p>In seinen Betrachtungen geht der Autor chronologisch vor, um so zusammenh&#228;ngende Entwicklungen, die das 20. Jahrhundert formten, in den typischen Werken der SF zu spiegeln. Dabei identifiziert er vier Gro&#223;themen: Massenproduktion, Humanisierung von Maschinen, Mechanisierung von Menschen und Virtualisierung. Diesen vier Bereichen ordnet er vier Typen von k&#252;nstlichen Wesen zu, die exemplarisch als logische Konsequenz innerhalb des Meta-Narrativs der Evolution entwickelt werden und so eingebettet in kulturelle Entwicklungen zu einer wachsenden Diversit&#228;t des Motivs f&#252;hren. Wichtig ist ihm dabei, die zeitlichen, kulturellen, gesellschaftlichen sowie motivgeschichtlichen Interdependenzen und Intertexte aufzuzeigen, so dass die Diskussion und Analyse ma&#223;geblicher Texte &#252;ber und von k&#252;nstlichen Wesen wie Mary Shelleys <italic>Frankenstein</italic> (1818), H. G. Wells <italic>A Modern Utopia</italic> (1905), Karel &#268;apeks <italic>R.U.R</italic>. (1920), Bernard Shaws <italic>Back to Methuselah</italic> (1921) und Olaf Stapledons <italic>Last and First Men</italic> (1930) sinnstiftend integriert werden.</p>
<p>Repr&#228;sentativ f&#252;r die motivgeschichtliche Verarbeitung des k&#252;nstlichen Menschen im Bezug zum Gro&#223;thema Massenproduktion betrachtet Lampadius Aldous Huxleys <italic>Brave New World</italic> (1932). Neben der h&#228;ufig gef&#252;hrten Diskussion, inwieweit es sich um die Utopie der friedlichen, gl&#252;cklichen Gesellschaft oder um die Dystopie bez&#252;glich des ethisch-moralischen Preises, den eine Gesellschaft f&#252;r Frieden und Gl&#252;ck zu zahlen hat, handelt, steht bei Lampadius&#8217; Analyse die Reproduktion im Sinne eines k&#252;nstlichen, evolution&#228;ren Selektionsprozesses im Zentrum, der die idealtypische &#220;bereinstimmung von Individuen mit ihrer Umgebung zum Ziel hat. Selbst das Staatsgebilde wird im Sinne der Evolution als sich entwickelnder Organismus identifiziert. Am Flie&#223;band massenproduzierte Menschen etablieren die Verbindung zu Fords &#246;konomischem Denken und garantieren ein reibungsloses Funktionieren des utopischen Experiments. Lampadius zeigt &#252;berzeugend auf, wie das Motiv des k&#252;nstlichen Menschen bei Huxley den paradigmatischen Wechsel hin zu totalit&#228;ren Strukturen verk&#246;rpert, die aus zusammenh&#228;ngenden Entwicklungen in Wissenschaft, Politik und Wirtschaft entstehen k&#246;nnen. Die evolution&#228;re Sicht unterstreicht dabei, dass es f&#252;r die Entwicklung hin zu einer optimalen Gesellschaft vonn&#246;ten ist, die Entwicklung bei k&#252;nstlich erschaffenen Menschen auch zur&#252;ck zu einem fr&#252;heren Entwicklungsstadium zu forcieren.</p>
<p>Isaac Asimovs Kurzgeschichten in <italic>I Robot</italic> (1950) wiederum werden wenig &#252;berraschend von Lampadius als Illustration f&#252;r das Gro&#223;thema der Humanisierung von Maschinen angef&#252;hrt. Die wohl ber&#252;hmten drei Gesetze der Robotik und deren Auswirkungen auf die Debatte um Maschinenethik ebenso wie die optimistische Sicht auf technische M&#246;glichkeiten sind dabei weithin bekannt. Roboter werden, so Lampadius, als bessere Menschen inszeniert, moralisch integer und von Natur aus gut. Dabei zeigt er auf, dass Roboter als Unterst&#252;tzer dargestellt werden, die die Menschheit hin zu einer friedfertigen Kooperation im Sinne einer friedlichen Ko-Evolution f&#252;hren k&#246;nnen.</p>
<p>Das Kapitel zu Philip K. Dicks <italic>Do Androids Dream of Electric Sheep?</italic> (1968) konzipiert Lampadius als Lekt&#252;re, in der ganz im Sinne der Postmoderne Konzepte der Realit&#228;ts- und Identit&#228;tskonstruktionen im Roman diskutiert werden, die als chronologische Weitentwicklung des Motivs des k&#252;nstlichen Wesens nach Asimov gelesen werden k&#246;nnen, ohne den Roman explizit in die von ihm aufgezeigten Gro&#223;themen zu kategorisieren. K&#252;nstliche Wesen dienen bei Dick dazu, Alterit&#228;tsdiskurse zu f&#252;hren und Normativit&#228;t zu hinterfragen. Das Andere konstituiert sich in einer ontologischen Differenz dabei vor allem durch das Vorhandensein oder den Mangel an Empathie. Mensch und Menschlichkeit fungieren dabei nicht als Synonyme. Identit&#228;t entsteht durch relationale Bez&#252;ge und entspringt keiner isolierten Essenz. Lampadius geht hier auch auf den postmodernen Diskurs der Realit&#228;tskonstruktion ein und konstatiert, dass durch die Erz&#228;hlsituation Unsicherheit als Status etabliert wird, in dem die Frage danach, was real und authentisch ist, kontinuierlich mitgestellt wird. Die quasi Gleichsetzung von Realit&#228;t und Authentizit&#228;t in dieser Formel scheint hier jedoch etwas zu generalisierend, da er beide Konzepte nicht voneinander absetzt: Zum einen wird der Unsicherheitsdiskurs als ontologische, ethische und rechtliche Demarkationslinie definiert, die durch die Frage danach, was authentisch ist in der erz&#228;hlten Welt, verw&#228;ssert wird. Zum anderen konstatiert Lampadius, dass die Atmosph&#228;re der Unsicherheit die Annahme einer objektiven Realit&#228;t in der erz&#228;hlten Welt unterminiert.</p>
<p>William Gibsons <italic>Neuromancer</italic> (1984) hingegen exemplifiziert bei Lampadius das Gro&#223;thema der Mechanisierung des Menschen. Hybridit&#228;t charakterisiert eine <italic>cybernetic revolution</italic>, die Cyborgs als neue k&#252;nstliche Wesen etabliert. Doch nicht nur motivgeschichtlich vollzieht sich ein Wandel, auch &#228;sthetisch markiert <italic>Neuromancer</italic>, wie Lampadius zeigt, einen fundamentalen Wandel hin zum postmodernen Schreiben in der SF-Literatur. Der Cyborg wird als postmoderne Kreatur inszeniert, die kulturell gepr&#228;gte Binarit&#228;t aufbricht und Identit&#228;t im Sinne einer technologisierten Evolution als soziales Konstrukt aufzeigt.</p>
<p>Greg Egans <italic>Diaspora</italic> (1997) analysiert Lampadius schlie&#223;lich als Beispiel f&#252;r das vierte Gro&#223;thema der Virtualisierung. Darin wird die Menschheit als Konglomerat verschiedener kulturell sowie physisch diversifizierte Sub-Spezies begriffen, die einer progressiven Evolution unterliegen. Die Welt wird als be- und errechenbar darstellt, Identit&#228;ten k&#246;nnen mithilfe biologischer und elektronischer Codes als Muster kreiert werden und f&#252;hren zu einer Exploration der Geschlechter jenseits bin&#228;rer Vorstellungen. Der menschliche K&#246;rper, so Lampadius, gilt als kulturell beschriebener Text, der f&#252;r verschiedene Lekt&#252;ren offensteht, was wiederum die evolution&#228;re Perspektive des Wandels forciert. Lampadius analysiert, wie hier Diversit&#228;t und gerichtete Evolution als Weg f&#252;r menschliches &#220;berleben und Gl&#252;ck gepriesen werden.</p>
<p>Lampadius zeigt in seiner Studie, wie im Motiv des k&#252;nstlichen Menschen das Meta-Narrativ der Evolution im Sinne des biologischen und kulturellen Wandels realisiert wird. Dass er dabei auf typische kanonische Texte der englischsprachigen SF-Literatur rekurriert, unterstreicht einmal mehr die Komplexit&#228;t und Vielschichtigkeit dieser Texte, zu deren Rezeption Lampadius durchaus eine weitere interessante Perspektive liefert. Einer Integration der Autorenvita sowie der Einbeziehung biographischer Hintergr&#252;nde der Schriftsteller:innen h&#228;tte es nicht unbedingt bedurft, da die textinh&#228;renten Analysen sehr fundiert und eingebettet in den wissenschaftlichen Diskurs pr&#228;sentiert werden. Dass Lampadius hierbei konstant Verflechtungen und Vernetzungen der Motive und Diskurse aufzeigt, ist eine weitere gro&#223;e St&#228;rke der Studie. So entsteht ein ausf&#252;hrliches und umfangreiches Werk zum Thema des k&#252;nstlichen Menschen in der englischsprachigen SF-Literatur des 20. Jahrhunderts, das den Leser:innen einen umfassenden &#220;berblick &#252;ber die wichtigsten Texte mit einer neuen Perspektive bietet.</p>
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<title>Autorin</title>
<p>Prof. Dr. Nicole Brandstetter hat Anglistik und Romanistik an der Universit&#228;t Regensburg und der Universit&#233; de la Bretagne Occidentale/Brest studiert. W&#228;hrend ihrer Promotion zum Thema <italic>Strategien inszenierter Inauthentizit&#228;t im franz&#246;sischen Roman der Gegenwart</italic> hat sie sich in einem interdisziplin&#228;ren Graduiertenkolleg mit Formen der &#228;sthetischen L&#252;ge besch&#228;ftigt und war am Lehrstuhl f&#252;r romanische Literaturwissenschaften an der Universit&#228;t Regensburg t&#228;tig. Anschlie&#223;end war sie PR-Beraterin in einer PR-Agentur und arbeitete danach mehrere Jahre an einer privaten Bildungsinstitution in der Leitungsebene. Seit September 2015 ist Nicole Brandstetter Professorin an der Hochschule M&#252;nchen und vertritt den Bereich Englische Philologie (insbesondere Business English and Intercultural Communication) an der Fakult&#228;t f&#252;r Studium Generale und Interdisziplin&#228;re Studien. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Narrative der Digitalisierung, Authentizit&#228;ts- und Inauthentizit&#228;tskonzepte in der Literatur der Moderne und Postmoderne sowie Lehr-Lernforschung.</p>
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<title>Konkurrierende Interessen</title>
<p>Die Autorin hat keine konkurrierenden Interessen zu erkl&#228;ren.</p>
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