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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung</journal-title>
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<article-title>Tagungsbericht: Worlding SF &#8211; Building, Inhabiting, and Understanding SF Universes, Graz, 6.&#8211;8. Dezember 2018</article-title>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>HafenCity Universit&#228;t, DE</aff>
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<license-p>This is an open-access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC-BY 4.0), which permits unrestricted use, distribution, and reproduction in any medium, provided the original author and source are credited. See <uri xlink:href="http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/</uri>.</license-p>
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<p>The article discusses the Worlding SF conference that took place in Graz, Austria in December 2018. Over the course of the conference, three distinct strands of academic discussions emerged: (1) the criticism of science fiction as part of a multinational cultural production machinery and the discordant interests that this produces; (2) the growing intersectionality and diversity of representation in science fiction; and (3) the anthropocene as a central motif for science-fictional speculation that impacts more and more discourse in sf studies.</p>
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<p>Es hat sich etwas getan in Sachen Internationalisierung in den Science Fiction Studies &#8211; wo noch bis in die 2000er-Jahre hinein der einzig m&#246;gliche Austausch in den USA (und teilweise in Gro&#223;britannien) stattfand, da ist in den letzten zehn Jahren deutlich Bewegung in Forschungsgemeinde gekommen. Sinnbildlich, dank neuer und international aufgestellter Buchreihen bei Lang oder Wales UP, aber eben auch buchst&#228;blich dank der Initiative junger SF-Forscher*innen auf der ganzen Welt, die Tagungen organisieren und Netzwerke gr&#252;nden. So ist in Deutschland die GFF hinzugekommen und die alteingesessene SFRA war mit Konferenzen in Lublin und Liverpool gleich zweimal in Europa zu Gast. Dar&#252;ber hinaus aber ist ein nicht unwesentlicher Anteil am internationalen Erfolg der SF-Forschung auch Veranstaltungen wie der letztj&#228;hrigen Konferenz Worlding SF in Graz zu verdanken. Die Konferenz wurde unabh&#228;ngig von Organisationen wie SFRA oder GFF (und deren Jahrestagungen) lokal an der Universit&#228;t Graz durch die Amerikanisten Stefan Brandt, Michael Fuchs und Steve Rabitsch auf die Beine gestellt. Das ist insbesondere deswegen so erw&#228;hnenswert, weil es dem Tagungsteam gelang, neben drei prominent besetzten Keynotes weit mehr als 100 Vortragende aus der ganzen Welt in dem kleinen Ort im S&#252;dosten &#214;sterreichs zu versammeln und dazu noch w&#228;hrend einer Woche ein Rahmenprogramm f&#252;r die interessierte &#214;ffentlichkeit zu organisieren.</p>
<p>Obwohl mit &#187;Welt&#171; bzw. &#187;Weltenbau&#171; das Oberthema der Konferenz f&#252;r die Fantastik fast konservativ anmuten mochte, war dennoch zu beobachten, dass die SF-Forschung vor allem progressive und politisch relevante Themenbereiche anzuziehen vermag. So waren es die Keynotes, die inhaltlich drei zentrale und kontroverse Themenbereiche aufspannten und die Konferenzbeitr&#228;ge um sich zu sammeln vermochten.</p>
<p>Nach der Er&#246;ffnung durch die Veranstalter, kam es Mark Bould (University of the West of England) zu, einen ersten Schwerpunkt zu setzen. In seinem vor Pop-Zitaten strotzenden Beitrag &#187;The Great Clomping Foot of Nerdism Stamping on the Human Face &#8211; Forever: Worldbuilding and Contradiction&#171; widmet er sich der Frage gro&#223;er zusammenh&#228;ngender Welten wie <italic>Star Trek, Dr. Who</italic> oder (fantastisch weit-gefasst) dem <italic>Lord-of-the-Rings-</italic>Franchise und deren logischer Konsistenz. In Zeiten von Franchises und Vermarktungen, so Bould, w&#252;rde zunehmend ein Kampf zwischen Produzent*innen und Konsument*innen entbrennen, der sich um Deutungshoheiten und Kanonisierungen drehe, aber auch die &#252;berzogenen Erwartungen von Fans hinsichtlich der Bereinigung von narrativen Widerspr&#252;chen aufzeige. Dabei stellten die Autor*innen zum Teil selbst in Frage, ob nicht gerade logische L&#252;cken und das Neu- und Umschreiben bestehender Elemente der Welt zur Leistung hochkomplexen und fantastischen Weltenbaus geh&#246;re. Dinge gerade nicht logisch &#187;aufgehen&#171; zu lassen, so Bould, sei auch ein Zeichen einer komplexen, der kapitalistischen Vermarktung widerstrebenden Haltung in der Konstruktion von SF-Welten.</p>
<p>Die Verbindungen von SF-Welten und deren Status als Produkt einer globalisierten Medienindustrie war damit der erste zentrale Themenkomplex der Worlding-SF-Tagung, der auch in den Panels zu gro&#223;en Franchises wie dem Marvel Cinematic Universe (MCU), <italic>Westworld oder Star Trek</italic> Nachhall fand. So besch&#228;ftigte sich etwa ein Vortrag mit dem Spagat, Disney-Franchises wie das MCU zugleich kulturwissenschaftlich und medienkritisch zu bewerten. Einerseits seien die Filme wirkm&#228;chtig f&#252;r die kulturelle Selbstbestimmung und dank immer variableren Produktionen wie T<sc>HOR</sc>: R<sc>AGNAROK</sc> (US 2017, Regie: Taika Waititi) oder B<sc>LACK</sc> P<sc>ANTHER</sc> (US 2018, Regie: Ryan Coogler) ein wichtiger Schritt zu besserer Repr&#228;sentation beispielsweise nicht-wei&#223;er Ethnien oder flexibler Genderperformances. Andererseits aber sei Disney ein global agierender, hyperkapitalistischer Konzern, dessen Monopolstellung wirkliche Diversit&#228;t im Bestreben um Marktmacht eher unterdr&#252;cke. Die Rolle, die den SF-Welten in diesem kulturellen Spannungsfeld zukommt, wurde auf der Konferenz aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet.</p>
<p>Mit einem verschobenen Fokus, nicht auf die Markt- und Produktionsverh&#228;ltnisse sondern auf die Potenziale der SF-Welten f&#252;r Repr&#228;sentation des Anderen, lieferte Cheryl Morgan (Wizard&#8217;s Tower Press) ihre Keynote &#187;Systems of Sex and Gender&#171; und damit den zweiten Themenstrang der Konferenz. In dem &#228;u&#223;erst kurzweiligen Vortrag pr&#228;sentierte Morgan einen Abriss verschiedenster Formen von Sexualit&#228;t und Gender in der SF, immer unter R&#252;ckbezug auf die Inspirationsquellen in der Biologie. Dabei stellte sie provokante Forderungen nach mehr Diversit&#228;t und verwies kritisch auf Parallelen zu den logischen Widerspr&#252;chen aus Boulds Vortrag, etwa in der Diskussion um die weibliche Brust bei Spezies wie den Silurianer in <italic>Dr. Who</italic>, die als Echsenwesen kaum ihre Jungen s&#228;ugen, was Br&#252;ste somit biologisch &#252;berfl&#252;ssig macht &#8211; die Verweise auf inkonsistenten Weltenbau und den kulturellen Erwartungsdruck an die kommerzielle Produktion waren offensichtlich.</p>
<p>Insgesamt gab es eine Vielzahl von Panels zu Themenbereichen der <italic>Identity Politics</italic>, sowohl im Bereich der Gender und Queer Studies, als auch im Bereich der Critical Race oder Indigenous Studies. So besch&#228;ftigte sich etwa ein Vortrag mit dem Afrofuturismus von Nisi Shawls Roman <italic>Everfair</italic> (2016), der sich des belgischen Kolonialismus im Kongo annimmt und aufzeigt, welches Potenzial f&#252;r afrikanische Identit&#228;tsbildung im Weltenbau einer Parahistorie gegeben ist. Ein anderer Beitrag wiederum widmete sich den verschiedenen Alienrassen in Becky Chambers Wayfarer-Romanen und verdeutlichte an ihnen das Potential der SF zur Repr&#228;sentation verschiedenster Genderperformances und des Queering.</p>
<p>Zum Abschluss der Konferenz pr&#228;sentierte dann Gerry Canavan (Marquette University) den dritten und wohl dominantesten Themenstrang: das Anthropoz&#228;n und die Frage nach der Zukunft unserer Spezies. Canavan griff mit &#187;Worlding Crisis, Crisising Worlds&#171; einige Bemerkungen der Er&#246;ffnungsrede auf und verwies auf die Wichtigkeit der SF in der Vermittlung von Themen wie Klimawandel, globaler Migration oder der immer gr&#246;&#223;er werdenden sozialen Ungleichheit. Dabei sei aber, wie schon die Organisatoren bemerkten, das Zusammentreffen auf einer solchen Konferenz ein Beitrag innerhalb dieses zerst&#246;rerischen Systems &#8211; der &#187;carbon footprint&#171; solcher Veranstaltungen m&#252;sse entsprechend in Zukunft deutlicher mitbedacht werden. Canavan nutze seinen Vortrag dazu, die Warnungen der SF vor einer schwindenden Zukunft deutlich zu machen, und verwies vor allem auf den aktuellen Dystopie-Trend als Zeichen unserer kulturellen Verunsicherung.</p>
<p>Auch dieses Thema war in Panels und Vortr&#228;gen sehr pr&#228;sent, war doch unter anderem eine Gruppe britischer Forschender angereist, die in zwei Panels ihre Arbeiten zu PetroCultures vorstellten. Dabei pl&#228;dierten die Forscher*innen f&#252;r eine Abkehr von der Rhetorik der &#187;Sustainability&#171; und hin zu einem Denken der &#187;Scarcity&#171;, einer Zukunft jenseits des &#214;ls, die nicht ein Weiter-so darstelle, sondern einen Wandel in Hinsicht auf Produktion, Mobilit&#228;t und Konsum. Darstellungen von Nachhaltigkeit in der SF zeigten aber auf, dass wir uns aktuell kaum die Frage stellen, welche Werte wir erhalten und f&#252;r wen eigentlich.</p>
<p>Insgesamt zeigten die Beitr&#228;ge der Worlding-SF-Konferenz einmal mehr, welchen kulturellen Wert die SF hat und welche Potentiale sie gesellschaftlich nutzbar zu machen versucht. In der heutigen globalen und vernetzten Welt ist es sch&#246;n zu sehen, dass ein Event wie Worlding SF nicht nur ein verg&#228;nglicher Moment ist, sondern eine Vielzahl weiterer Debatten parat h&#228;lt, die es in Zukunft weiter zu f&#252;hren gilt. Dazu tr&#228;gt auch bei, dass die Keynotes aufgezeichnet wurden und auf Facebook (WorldingSF) frei zug&#228;nglich sind, dass eine Vielzahl aktiver Twitter-Nutzer*innen die Beitr&#228;ge live kommentiert und diskutiert haben (#worldingsf), und dass die Open Access ver&#246;ffentlichte <italic>SFRA Review</italic> (<ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://www.sfra.org/">www.sfra.org</ext-link>) in <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://www.sfra.org/resources/Documents/SFRA%20Review%20327.pdf">Ausgabe 327</ext-link> eine Sammlung von Beitr&#228;gen pr&#228;sentiert. So kann jede*r an den Diskursen teilhaben und diese weiter vorantreiben.</p>
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<title>Autor</title>
<p>Lars Schmeink ist wissenschaftlicher Mitarbeiter f&#252;r eLearning an der HafenCity Universit&#228;t und forscht seit Jahren zur Fantastik und speziell zur Science Fiction. Er ist der Autor von <italic>Biopunk Dystopias: Genetic Engineering, Society, and Science Fiction</italic> und der Mitherausgeber von <italic>Cyberpunk and Visual Culture</italic>. Aktuelle Projekte sind der <italic>Routledge Companion to Cyberpunk Culture</italic> und ein Sammelband zur zeitgen&#246;ssischen deutschsprachigen Science Fiction.</p>
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<title>Konkurrierende Interessen</title>
<p>Der Autor hat keine konkurrierenden Interessen zu erkl&#228;ren.</p>
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