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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung</journal-title>
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<publisher-name>Open Library of Humanities</publisher-name>
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<subject>Rezensionen</subject>
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<article-title>Caroline Alphin: <italic>Neoliberalism and Cyberpunk Science Fiction: Living on the Edge of Burnout</italic>, Routledge, 2021</article-title>
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<surname>Schmeink</surname>
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<email>lars.schmeink@uni-flensburg.de</email>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Europa-Universit&#228;t Flensburg, DE</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2022-01-19">
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<license-p>Die Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung ist eine Open-Access-Zeitschrift mit Peer-Review-Verfahren, die von der Open Library of Humanities ver&#246;ffentlicht wird. &#169; 2021 Der/die Autor*innen. Dieser Open-Access-Beitrag ist lizenziert durch die Creative-Commons Lizenz BY-NC-ND. Diese Lizenz erlaubt es Wiederverwender*innen, das Material in jedem Medium oder Format nur in nicht angepasster Form zu nichtkommerziellen Zwecken zu kopieren und zu verbreiten, solange der/die Urheber*in genannt wird. Vgl. <uri xlink:href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/deed.de">https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/deed.de</uri>.</license-p>
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<p>Rezension des Buches <italic>Neoliberalism and Cyberpunk Science Fiction: Living on the Edge of Burnout</italic>, Caroline Alphin, Routledge, 2021.</p>
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<p>Gibt es in der Wissenschaft eigentlich auch so etwas wie &#187;click-bait&#171;? Wenn ja, dann w&#228;re es wohl das Aufpeppen von Buchtiteln durch gewisse Buzzwords und f&#252;r Suchmaschinen optimierte Begriffe. Namedropping auf Titelniveau. Allerdings muss ich zugeben, dass ich nicht damit gerechnet habe, dass ausgerechnet Science Fiction oder noch spezieller Cyberpunk ein Plus im akademischen Marketing darstellen. Im Gegenteil, alle meine pers&#246;nlichen Erfahrungen sagen, dass man solche Begriffe tunlichst vermeiden sollte, wenn man im geisteswissenschaftlichen Betrieb nach H&#246;herem strebt. Doch f&#252;r die Literaturwissenschaftlerin Caroline Alphin scheint das nicht zu gelten, hat sie doch ihrer Studie &#252;ber das neoliberale Subjekt und Biopolitik eindeutig mit Hilfe des Buzzwords Cyberpunk das gewisse Etwas verleihen wollen. Denn eines kann ich mit Gewissheit sagen: Um Cyberpunk geht es in dem Buch jedenfalls nicht.</p>
<p><italic>Neoliberalism and Cyberpunk Science Fiction</italic> ist ein relativ schmaler Band, mit gerade einmal f&#252;nf Kapiteln, in denen Alphin versucht darzulegen, wie &#187;neoliberal governmentalities shape and produce space and time, along with certain subjectivities, in order to secure and maximize market competition&#171; (5) und sich dabei als Theoriegrundlage haupts&#228;chlich auf Michel Foucaults Biopolitik beruft. Der Neoliberalismus, so Alphin, generiere geografische Zonen und Zeitperspektiven &#8211; &#187;Necroscapes&#171; und &#187;Necro-temporality&#171; (8) &#8211; in denen mittels einer alles bestimmenden Logik der Konkurrenz &#252;ber Leben und Tod von Menschen entschieden w&#252;rde. So liest sie etwa die Nutzung von Fitness-Trackern als kontinuierliche Selbst&#252;berwachung im Dienste des neoliberalen Konkurrenzkampfs, der seine Protagonist*innen zu &#187;self-monitoring cyborgs&#171; (43) mache. Oder sie sieht in der Biohacking-Szene den ultimativen Schritt hin zum &#187;accelerationism&#171; (121), einer Intensivierung des neoliberalen Kapitalismus, einem &#187;es muss schlimmer werden, bevor wir da durch sind&#171;, wie es auch <xref ref-type="bibr" rid="B6">Steven Shaviro in seinem Buch</xref> <italic>No Speed Limit</italic> proklamiert hat. Diesen Argumentationen kann man durchaus folgen und sie sind auch &#252;berzeugend dargelegt, wenn auch nicht radikal oder besonders neu.</p>
<p>Doch in Hinsicht auf die SF und speziell den Cyberpunk fragt man sich bei der Lekt&#252;re des Werkes schon, wie Alphin &#252;berhaupt auf die Idee gekommen ist, hier so hochtrabende Behauptungen aufzustellen: &#187;I wish to problematize the biopolitical present by weaving in and out of an analysis of the narratives, discourses, and spatio-temporalities of cyberpunk and neoliberalism&#171; (23). Schon in Hinsicht auf die Auswahl ihrer Prim&#228;rwerke wird deutlich, dass diese Aussage nicht zu halten sein wird, denn mit gerade einmal drei Romanen und einem Film ist wohl kaum ein umfassendes Bild des Cyberpunk zu erreichen. William Gibsons <italic>Neuromancer</italic> (1984), Neal Stephensons <italic>Snow Crash</italic> (1992) und Richard Morgans <italic>Altered Carbon</italic> (2002) sowie Ridley Scotts B<sc>LADE</sc> R<sc>UNNER</sc> (US 1982) stehen f&#252;r ein sehr spezifisches Bild des Cyberpunk, das gepr&#228;gt ist von Privilegien (wei&#223;, m&#228;nnlich, anglophon) und gedanklichen Limitierungen (der unterschwellige Rassismus, die offene Misogynie, die Wahl eines amerikanischen &#187;heroic individualism&#171;). Schon in seiner Fr&#252;hzeit war Cyberpunk keinesfalls so beschr&#228;nkt (siehe etwa Rudy Ruckers <italic>Software</italic> [1982] oder Pat Cadigans <italic>Synners</italic> [1991]), doch sp&#228;testens mit der von <xref ref-type="bibr" rid="B2">Thomas Foster</xref> attestierten &#187;sea change into a more generalized cultural formation&#171; (xiv) kann man heutzutage nicht mehr ernsthaft ein so eingegrenztes Feld als Cyberpunk definieren. Zu den Narrativen und Diskursen, die Alphin hier also eben nicht in ihre Analysen einwebt, geh&#246;ren etwa die feministische Kritik und Literatur, die gegen den Boys-Club der oben genannten angeschrieben haben, oder die marginalisierten Stimmen (wie im Afro- oder Africanfuturism oder in Latinx-Cyberpunk), die Technologie als Weg sehen, eine neue und freiere Zukunft selbst zu bestimmen. So &#252;berrascht es auch nicht, dass Alphin etwa auf der klassischen Body-Mind-Aufteilung beharrt und den Cyberpunks eine Abkehr vom Fleisch zugunsten des techno-utopischen Cyberspace attestiert. Aber das ist in der SF-Theorie schon lange &#252;berholt. Nicht nur haben Theoretiker*innen wie N. Katherine Hayles oder <xref ref-type="bibr" rid="B7">Sherryl Vint</xref> sich an Embodiment abgearbeitet, vielmehr gibt es auch im Cyberpunk dezidiert queere Perspektiven auf dieses Thema, wie etwa Melissa Scotts <italic>Trouble and her Friends</italic> (1993) oder die M<sc>ATRIX</sc>-Filme von Lily und Lana Wachowski (1999&#8211;2021) eindrucksvoll zeigen. Alphin jedoch sieht ihre magere Auswahl als stereotype Form des Cyberpunk und verallgemeinert f&#252;r ein paar schwache Anekdoten.</p>
<p>Denn wirkliche Close Readings bietet das Werk nicht. Vielmehr sind Alphins vier Prim&#228;rwerke einzig dazu da, immer mal wieder einen kurzen Verweis zu liefern, eine Anmerkung zum Neoliberalismus zu st&#252;tzen. Eine Erkl&#228;rung zur Korpusauswahl oder zur eher oberfl&#228;chlichen Nutzung der Literatur fehlt &#8211; jenseits des bereits zitierten kryptischen Wunsches des Einwebens in die Texte und Diskurse. Wenn dann aber im ganzen Kapitel zum &#187;Self-Monitoring Cyborg&#171; nur ein einziges Mal <italic>Neuromancer</italic> erw&#228;hnt wird, sonst Cyberpunk nicht mal vorkommt, dann sehe ich hier keine Verwebungen. Auch die anderen Kapitel bleiben mager in der Analyse der Prim&#228;rtexte. Ein Manko, dass durch fehlende Sekund&#228;rmaterialien noch verst&#228;rkt wird, denn Alphin scheint au&#223;er <xref ref-type="bibr" rid="B1">Scott Bukatmans</xref> <italic>Terminal Identity</italic> von 1993 einfach keine Literatur zum Cyberpunk rezipiert und somit die in den SF Studies vorhandenen Diskurse v&#246;llig verpasst zu haben. Und dabei meine ich nicht nur den von mir 2020 mitherausgegebenen <italic><xref ref-type="bibr" rid="B4">Routledge Companion to Cyberpunk Culture</xref></italic>, der erst kurz auf dem Markt war, als Alphin ihr Buch schrieb, und ihr somit wohl nicht zur Verf&#252;gung stand. Es fehlen gleichfalls so zentrale Werke wie <xref ref-type="bibr" rid="B3">Larry McCafferys</xref> <italic>Storming the Reality Studio</italic>, <xref ref-type="bibr" rid="B7">Sherryl Vints</xref> <italic>Bodies of Tomorrow</italic> oder <xref ref-type="bibr" rid="B5">Graham J. Murphy und Vints</xref> <italic>Beyond Cyberpunk</italic>. Insgesamt also bleibt Alphins Argumentation aus Sicht der SF Studies weit hinter dem Anspruch zur&#252;ck, einen wichtigen Beitrag in Sachen &#187;Cyberpunk&#171; als heutigem Zeitgeist zu leisten. Wer sich das B&#252;chlein anschauen will, um etwas mehr &#252;ber Neoliberalismus und Foucaults Biopolitik zu erfahren, der sei eingeladen, das zu tun, doch als literaturwissenschaftliche Studie des Cyberpunk ist der Band ein Reinfall. Die im Titel erw&#228;hnte &#187;Cyberpunk Science Fiction&#171; sucht man in dieser Studie ebenso vergeblich wie die unglaublichen Bilder echter Aliens auf den einschl&#228;gigen Seiten klick-vermarkteter Webanbieter. Sie werden nie glauben, was auf Seite 20 passiert &#8230;</p>
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<title>Autor</title>
<p>Dr. Lars Schmeink ist zurzeit Leverhulme Visiting Professor an der University of Leeds. Er leitete das Teilprojekt &#187;Science Fiction&#171; im BMBF-gef&#246;rderten Forschungsverbund &#187;FutureWork&#171; und ist der Autor von <italic>Biopunk Dystopias</italic> (2016) und Mitherausgeber von <italic>Cyberpunk and Visual Culture</italic> (2018), <italic>The Routledge Companion to Cyberpunk Culture</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B4">2020</xref>), <italic>New Perspectives on German Science Fiction</italic> (2022) und <italic>Fifty Key Figures in Cyberpunk Culture</italic> (2022).</p>
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<title>Konkurrierende Interessen</title>
<p>Der Autor hat keine konkurrierenden Interessen zu erkl&#228;ren.</p>
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<title>Zitierte Werke</title>
<ref id="B1"><label>1</label><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Bukatman</surname>, <given-names>Scott</given-names></string-name>. <source>Terminal Identity: The Virtual Subject in Postmodern Science Fiction</source>. <publisher-name>Duke UP</publisher-name>, <year>1993</year>. DOI: <pub-id pub-id-type="doi">10.1515/9780822379287</pub-id></mixed-citation></ref>
<ref id="B2"><label>2</label><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Foster</surname>, <given-names>Thomas</given-names></string-name>. <source>The Souls of Cyberfolk: Posthumanism as Vernacular Theory</source>. <publisher-name>U of Minnesota P</publisher-name>, <year>2005</year>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B3"><label>3</label><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>McCaffery</surname>, <given-names>Larry</given-names></string-name>, Hg. <source>Storming the Reality Studio: A Casebook of Cyberpunk and Postmodern Fiction</source>. <publisher-name>Duke UP</publisher-name>, <year>1992</year>. DOI: <pub-id pub-id-type="doi">10.1515/9780822398226</pub-id></mixed-citation></ref>
<ref id="B4"><label>4</label><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>McFarlane</surname>, <given-names>Anna</given-names></string-name>, <string-name><given-names>Graham J.</given-names> <surname>Murphy</surname></string-name> und <string-name><given-names>Lars</given-names> <surname>Schmeink</surname></string-name>, Hg. <source>The Routledge Companion to Cyberpunk Culture</source>. <publisher-name>Routledge</publisher-name>, <year>2020</year>. DOI: <pub-id pub-id-type="doi">10.4324/9781351139885</pub-id></mixed-citation></ref>
<ref id="B5"><label>5</label><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Murphy</surname>, <given-names>Graham J.</given-names></string-name> und <string-name><given-names>Sherryl</given-names> <surname>Vint</surname></string-name>, Hg. <source>Beyond Cyberpunk: New Critical Perspectives</source>. <publisher-name>Routledge</publisher-name>, <year>2010</year>. DOI: <pub-id pub-id-type="doi">10.4324/9780203851968</pub-id></mixed-citation></ref>
<ref id="B6"><label>6</label><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Shaviro</surname>, <given-names>Steven</given-names></string-name>. <source>No Speed Limit: Three Essays on Accelerationism</source>. <publisher-name>U of Minnesota P</publisher-name>, <year>2014</year>. DOI: <pub-id pub-id-type="doi">10.5749/9781452958552</pub-id></mixed-citation></ref>
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