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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung</journal-title>
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<subject>Rezensionen</subject>
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<article-title>Williams, Hamish, Hg. <italic>Tolkien &amp; the Classical World</italic>. Walking Tree 2021</article-title>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Universit&#228;t T&#252;bingen, DE</aff>
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<license-p>Die Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung ist eine Open-Access-Zeitschrift mit Peer-Review-Verfahren der Open Library of Humanities. &#169; 2022 Der/die Autor*innen. Dieser Open-Access-Beitrag ist lizensiert durch die Creative-Commons-Grundlizenzen in der Version 4.0 (Creative Commons Namensnennung 4.0 International, welche die unbeschr&#228;nkte Nutzung, Verbreitung und Vervielf&#228;ltigung erlaubt, solange der/die Autor*in und die Quelle genannt werden). Vgl. <uri xlink:href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de">https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de</uri>.</license-p>
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<p>Review of <italic>Tolkien &amp; the Classical World</italic> edited by Hamish Williams.</p>
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<p>Hamish Williams&#8216; Sammelband <italic>Tolkien &amp; the Classical World</italic> setzt seinen Schwerpunkt auf die Altertumswissenschaften. Indem die Rezeption der Antike im literarischen Schaffen J. R. R. Tolkiens genauer betrachtet wird, nimmt der Band einen neuen Ansatz innerhalb der Tolkien-Rezeption ein, der eine vielseitige Betrachtung zul&#228;sst. Dies geschieht sowohl aus literaturwissenschaftlicher als auch aus Historikerperspektive. Das umfassende Werk Tolkiens gilt als Beginn der modernen Fantastik: Zwischen Elben, Zwergen und Hobbits erschuf der britische Schriftsteller und Sprachwissenschaftler mit <italic>The Hobbit, or There and Back Again</italic> (1937), <italic>The Lord of the Rings</italic> (1954&#8211;1955), <italic>The Silmarillion</italic> (1977) und weiteren Erz&#228;hlungen und Fragmenten eine vielschichtige Welt voller Magie, die als abgeschlossener Kosmos eine F&#252;lle an unterschiedlichsten literarischen und historischen Bez&#252;gen bietet. Nicht selten beschr&#228;nken sich wissenschaftliche Betrachtungen auf linguistische Verweise auf die Kunstsprachen, die Tolkien f&#252;r Mittelerde entwickelt hat, oder sie nehmen Bezug auf verschiedene Formen der (mittel)englischen Literatur oder des Geschichtenerz&#228;hlens als narrativem Konzept. Zwar existieren inzwischen Studien, die sich unter anderem mit Tolkien auf religionswissenschaftlicher Ebene auseinandersetzen oder sich mit dem Mythos um Mittelerde besch&#228;ftigen, aber eine Betrachtung &#252;ber die Altertumswissenschaften war bislang nicht darunter. In 16 Aufs&#228;tzen werden in dieser Anthologie nun differenzierte Analysen vorgenommen.</p>
<p>Aufgeteilt ist der gewichtige Band in f&#252;nf Abschnitte, die sich jeweils mit verschiedenen Themenkomplexen als Schwerpunkte besch&#228;ftigen. Der erste inhaltliche Abschnitt tr&#228;gt den Titel &#187;Classical Lives and Histories&#171;. Zur besseren Einordnung Tolkiens beschreibt Williams dessen Hintergrund als Altertumswissenschaftler, den er in drei Phasen aufteilt zwischen schulischer Bildung, Studium und jener Zeit, in der sich Tolkien auch im Kontext seines literarischen Schaffens wieder verst&#228;rkt mit der Antike besch&#228;ftigt hat und die somit das Fundament des Sammelbandes bildet. Ross Clare setzt sich im Anschluss mit den narrativen Traditionen der griechischen und r&#246;mischen Geschichtsschreibung auseinander und vergleicht diese mit der Darstellung N&#250;menors, indem er auf Werke von Herodot und Thukydides sowie auf &#196;hnlichkeiten zwischen r&#246;mischen Kaiserbiografien und den K&#246;nigen von N&#250;menor verweist.</p>
<p>In Abschnitt 2, &#187;Ancient Epic and Myth&#171;, wird verst&#228;rkt auf die mythologischen Konzepte eingegangen, die sich in Tolkiens Werk finden. Giuseppe Pezzini vergleicht hierf&#252;r, inwiefern sich das G&#246;tterpantheon Tolkiens mit der griechisch-r&#246;mischen Mythologie &#252;berschneidet. Ausgearbeitet wird dies anhand von Beispielen, inwieweit die G&#246;tter und G&#246;ttinnen miteinander interagieren und wie sich die jeweiligen Mythologien &#8211; auch durch ihre verschiedenen Narrative als Mythe und als fantastische Erz&#228;hlung Tolkiens &#8211; voneinander unterscheiden. Benjamin Eldon Stevens erweitert diesen Komplex mit der Beschreibung von Reisen in die Unterwelt und den Umgang mit Toten in Mittelerde: &#187;A deathly world whose elegy is not tragic [&#8230;] that is Tolkien&#8217;s core idea&#171; (120). W&#228;hrend also innerhalb der graeco-romanischen Mythologien oftmals Verlust, Tod und Vergessen zentral stehen und der Tod als Ereignis negativ konnotiert wird, bleibt bei Tolkien die Hoffnung.</p>
<p>Mit &#187;In Dialogue with Greek Philosophers&#171; besch&#228;ftigt sich Abschnitt 3 als Schwerpunkt wenig &#252;berraschend mit Platon und Aristoteles. Die Atlantis-Dialoge Platons zieht dabei Michael Kleu zu Rate, wenn er den Untergang N&#250;menors mit dem mythischen Inselreich vergleicht. Er verweist dabei auf <italic>Timaeus</italic> und <italic>Critias</italic>, die er als m&#246;gliche Inspiration Tolkiens in diesem Kontext identifiziert, &#187;although it is impossible to deduce in which language he might have read them&#171; (211). Lukasz Neubauer beschreibt &#196;hnlichkeiten zwischen Tolkiens Ring und Platons <italic>Ring des Gyges</italic>, denen er &#187;narrative simularities&#171; (240) zuschreibt. Julian Eilmann ergr&#252;ndet anhand Aristoteles&#8217; <italic>Poetik</italic> Tolkiens <italic>The Children of H&#250;rin</italic>, die er als T&#250;rins Erz&#228;hlung, &#187;which is designed as a dramatic catastrophe in which tragic entanglement are resolved and the protagonist finds a gruesome death&#171; (267) beschreibt, in der Tolkien auf die strukturellen Elemente der Trag&#246;dientheorie zur&#252;ckgreife.</p>
<p>Eine inhaltliche Erweiterung bietet Abschnitt 4 mit &#187;Around the Borders of the Classical World&#171;. Diese Aufs&#228;tze bewegen sich folglich weg von direkten Analysen hin zu einer verst&#228;rkt historischen Einordnung. Da Tolkien die Theorie, dass die Antike der Ursprung der westlichen Zivilisation sei, nicht vertreten hat, zeigt Philip Burton, dass die Rezeption Tolkiens unter anderem von Victor Hehn und Otto Schrader gepr&#228;gt sein d&#252;rfte: &#187;If Tolkien does not cite Hehn or Schrader directly, he was sure aware of their views, and he seems to have been in sympathiy with them&#171; (297). Richard Z. Gallant beschreibt im Anschluss die &#187;Noldorization of the Edain&#171; (305) und f&#252;hrt diese mit der Romanisierung der germanischen St&#228;mme im 4. und 5. Jahrhundert eng. Die Edain (Menschen) werden bei Tolkien als nomadisches Volk beschrieben, die Eldar (Elben) sind mit einer &#187;superior hegemonic presence&#171; (305) vergleichbar. Mit &#187;Escape and Consolation&#171; (329) versteht Juliette Harrisson Gondor als mediterrane Welt, wohingegen sie Rohan mit germanischen St&#228;mmen vergleicht, auch wenn &#187; [t]he fictional cultures in Tolkien&#8217;s world do not represent any single real-world culture&#171; (329). Diese Kulturbeschreibungen lassen sich folglich zwar von der Wirklichkeit inspirieren, schlagen dann aber einen eigenen Weg ein: In Mittelerde schlie&#223;en sich Rohan und Gondor zusammen, um geschlossen gegen ihren gemeinsamen Feind antreten zu k&#246;nnen.</p>
<p>Der Sammelband endet mit dem Abschnitt &#187;Shorter Remarks and Observations&#171;. Alley Marie Jordan vergleicht in ihrem Aufsatz die Hobbits mit den Sch&#228;fermotiven in Vergils <italic>Eclogae</italic>, beschreibt dabei Idyllenkonzepte und Pastoralismus und l&#228;sst so das Auenland zu einer Inkarnation Arkadiens werden: &#187;Both tales tell us that happiness is to be found in the garden&#171; (362). Mit der Rolle der Musik in Tolkiens Legendarium setzen sich Oleksanda Filonenek und Vitali Shchepanskyi auseinander und zeigen Einfl&#252;sse antiker musikalischer Traditionen, unter anderem von Pythagoras, auf.</p>
<p>Hamish Williams&#8217; Sammelband <italic>Tolkien &amp; the Classical World</italic> bietet einen umfassenden Einblick in das Werk Tolkiens aus der Perspektive der Altertumswissenschaften, den man in der bisherigen Tolkien-Rezeption kaum findet, aber es geht, wie Graham Shipley in seinem Nachwort betont, weniger darum, herauszustellen, dass die Antike elementar f&#252;r Tolkiens Vorstellung von Mittelerde war, sondern darum, dass sie eine detailliertere Betrachtung verdienen. Dieser Band zeigt als interdisziplin&#228;re Betrachtung auf, dass Tolkien aus der realweltlichen Historie inspirieren lassen hat und dabei offensichtlich auf ein umfassendes Geschichtswissen zur&#252;ckgreifen konnte, das seinem Werk eine weitere Interpretationsebene hinzuf&#252;gt, die &#252;ber die sprach- und religionswissenschaftliche Betrachtungsweise weit hinausgeht. Und das ist durchaus auch einen zweiten Blick wert.</p>
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<title>Autorin</title>
<p>Dr. Rebecca Haar promovierte in T&#252;bingen im Fachbereich Medienwissenschaften/ Literaturwissenschaften &#252;ber Simulationen, virtuelle Welten und Cyberpunk in der Postmoderne. Sie studierte Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, Medien- und Musikwissenschaften. Sie ist unter anderem als Lehrbeauftragte am Deutschen Seminar der Universit&#228;t T&#252;bingen t&#228;tig mit Schwerpunkt Phantastik und Science Fiction.</p>
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<title>Konkurrierende Interessen</title>
<p>Die Autorin hat keine konkurrierenden Interessen zu erkl&#228;ren.</p>
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