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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung</journal-title>
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<subject>Artikel</subject>
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<article-title>Die Sprache der Anderen. Sprachphilosophische Gedankenexperimente in China Mi&#233;villes <italic>Embassytown</italic></article-title>
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<surname>Birk</surname>
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<email>elisabeth.birk@um.edu.mt</email>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>L-Universit&#224; ta&#39; Malta, Malta</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2024-02-26">
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<copyright-statement>Copyright: &#x00A9; 2024 The Author(s)</copyright-statement>
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<license-p>Die Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung ist eine Open-Access-Zeitschrift mit Peer-Review-Verfahren der Open Library of Humanities. &#169; 2024 Der/die Autor*innen. Dieser Open-Access-Beitrag ist lizensiert durch die Creative-Commons-Grundlizenzen in der Version 4.0 (Creative Commons Namensnennung 4.0 International, welche die unbeschr&#228;nkte Nutzung, Verbreitung und Vervielf&#228;ltigung erlaubt, solange der/die Autor*in und die Quelle genannt werden). Vgl. <uri xlink:href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de">https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de</uri>.</license-p>
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<abstract>
<p>China Mi&#233;ville&#8217;s <italic>Embassytown</italic> is a political science fiction novel about a remote planetary colony that is home to both humans and aliens &#8211; and about their initial failure to communicate. But <italic>Embassytown</italic> is also a novel both about language and linguistics. A central element of the plot is the language of the aliens: They speak simultaneously with two mouths and, at the beginning of the novel, they are unable to lie or use metaphors. Communication with their human neighbours is almost impossible, only &#8250;Ambasssadors&#8249;, pairs of clones specifically raised for the task, succeed in speaking the alien language. Over the course of the novel a violent language-induced crisis disrupts the colony&#8217;s social order and changes the alien language, so that communication with ordinary humans becomes possible.</p>
<p>The paper shows how Mi&#233;ville uses the plot and worldbuilding of <italic>Embassytown</italic> to reference specific theories about language, from Hegel to Ogden/Richards&#8217; semiotic triangle. The text sets up a kind of thought experiment to disprove certain linguistic conceptions and uses different narrative strategies to illustrate, test and elucidate others. <italic>Embassytown</italic> merges narrative and theoretical modes of writing to address a number of linguistic and philosophical subjects such as metaphor and truth, language and religion, and voice and identity. In this way, the novel blends theory and narration to form a kind of &#8250;narrative experiment&#8249;.</p>
</abstract>
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<title>Sprachphilosophische Fragen in <italic>Embassytown</italic></title>
<p>Embassytown ist der Au&#223;enposten der Kolonialmacht Bremen auf dem Planeten Arieka. Man gelangt innerhalb einer menschlichen Lebenszeit nur dorthin, indem man durch den sogenannten &#8250;immer&#8249;<xref ref-type="fn" rid="n1">1</xref> reist, eine gef&#228;hrliche Raumregion, in der ganz eigene, f&#252;r Menschen schwer fassbare physikalische Gesetze herrschen. Die ferne Kolonialmacht schickt Gouverneur*innen und G&#252;ter in die Provinz, in der Menschen und einige mehr oder weniger humanoide Au&#223;erirdische Seite an Seite mit der urspr&#252;nglichen Bev&#246;lkerung des Planeten, den Ariekei, leben. Im t&#228;glichen Leben besteht jedoch wenig Kontakt zwischen den beiden Gruppen, denn Embassytown klebt wie eine riesige Luftblase in der Mitte einer Alien-Stadt. Die Menschen m&#246;gen die aus lebendem Material herangez&#252;chteten &#8250;Maschinen&#8249; der Ariekei verwenden, aber letztlich sind sie umgeben von Stadtteilen, deren Luft sie nicht atmen und mit deren Bev&#246;lkerung sie sich nicht verst&#228;ndigen k&#246;nnen. Die Ariekei sind &#187;cool, incomprehensible presences&#171; (E 14).<xref ref-type="fn" rid="n2">2</xref></p>
<p>Die Kommunikation mit den Ariekei, ist nur bestimmten Spezialist*innen aus Embassytown m&#246;glich, den Botschafter*innen, die der Stadt ihren Namen geben. Denn die Sprache der Ariekei unterscheidet sich grunds&#228;tzlich von menschlichen Sprachen: Die Ariekei haben zwei M&#252;nder, sodass ihre Sprache nur zweistimmig gesprochen werden kann. Und sie kann sich nur auf das beziehen, was der Fall ist; die Ariekei k&#246;nnen also weder l&#252;gen noch Metaphern gebrauchen: &#187;For Hosts [d. h. Ariekei], speech was thought. It was as nonsensical to them that a speaker could say, could claim, something it knew to be untrue as, to me, that I could believe something I knew to be untrue&#171; (E 83). Diese beiden Eigenschaften der Aliensprache spielen eine zentrale Rolle in der Romanhandlung. Die Botschafter*innen aus Embassytown sind Klonpaare, die von den Ariekei als eine einzige zweistimmige Person wahrgenommen werden. Als die Kolonialmacht Bremen ein eigenes Botschafterpaar nach Arieka schickt, verursacht das eine katastrophale Kommunikationsst&#246;rung: Die neuen Botschafter, Ez und Ra, sind einander nicht vollst&#228;ndig &#228;hnlich, und ihre Art, die Ariekei-Sprache zu sprechen, hat auf die Ariekei eine unvorhergesehene Wirkung. Ihr Sprechen wirkt wie eine Droge, die das Verhalten der Ariekei ver&#228;ndert und die Kolonie ins Chaos st&#252;rzt. Diese Krise f&#252;hrt letztlich zum Ende der friedlichen Koexistenz mit den Ariekei und zum Zusammenbruch der gesellschaftlichen Strukturen in Embassytown. Und es ist die Weiterentwicklung der Ariekei-Sprache (die Tatsache, dass die Ariekei lernen, die Unwahrheit zu sagen und Metaphern zu gebrauchen), die letztendlich eine L&#246;sung des Konflikts und eine Neuordnung der politischen Verh&#228;ltnisse auf Arieka erm&#246;glicht.</p>
<fig id="F1">
<caption>
<p><bold>Abb. 1:</bold> Das Cover der Erstausgabe von <italic>Embassytown</italic></p>
</caption>
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<p>China Mi&#233;villes <italic>Embassytown</italic> (2011) l&#228;sst sich so als politische SF lesen, oder genauer gesagt als Kolonialismuserz&#228;hlung, in der die Eigenheiten der Ariekei-Sprache dem Worldbuilding dienen und den Ablauf der Handlung vorantreiben. Ebenso kann man den Text als Reflexion auf die Darstellung und Darstellbarkeit des radikal Anderen auffassen. Der Autor wird allgemein dem Sub-Genre des New Weird zugeordnet, und die Ariekei und ihre Sprache verk&#246;rpern zu Beginn des Romans das kaum darstellbare Andere bzw. &#8250;Weirde&#8249;.</p>
<p>Dar&#252;ber hinaus ist aber offensichtlich, dass der Roman sich auch an der westlichen sprachphilosophischen und linguistischen Theorietradition abarbeitet. Darauf weist im Text schon die Art und Weise hin, wie die Sprache der Ariekei konstruiert ist und wie sie in Gespr&#228;chen zwischen den Figuren kommentiert wird (v. a. zwischen der Hauptfigur Avice und ihrem Mann, dem Sprachwissenschaftler Scile). Auch weist der Autor selbst ausdr&#252;cklich darauf hin, dass der Text sich mit I. A. Richards, Paul Ric&#339;ur und Tr&#7847;n &#272;&#7913;c Th&#7843;o sowie Walter Benjamin auseinandersetzt. Mi&#233;ville hat den Roman in einem Interview sogar als &#187;fictionalized version&#171; eines noch zu verfassenden Sachbuchs &#252;ber Metaphern bezeichnet (<xref ref-type="bibr" rid="B11">Miller 598</xref>).</p>
<p>Im Folgenden werden Worldbuilding und Romanhandlung in <italic>Embassytown</italic> auf ihre Verbindung zum sprachphilosophischen Kontext des Romans untersucht. Mit der Zweistimmigkeit und der Unf&#228;higkeit der Ariekei, zu l&#252;gen und Metaphern zu gebrauchen, sind zwei zentrale Themen der westlichen sprachphilosophischen Tradition angesprochen. Es geht um nichts Geringeres als das Verh&#228;ltnis von Sprache und Gegenstand und um das Verh&#228;ltnis von Stimme und sprechendem Subjekt, mit anderen Worten: um Fragen von Wahrheit und Identit&#228;t. Im Zentrum des Romans steht dabei vor allem die erste Frage. Sie nimmt im Roman den meisten Raum ein und ist am engsten mit dem Ablauf der Handlung verkn&#252;pft. Mi&#233;ville f&#252;hrt uns in <italic>Embassytown</italic> vor, dass Metapherngebrauch f&#252;r menschliches Sprechen unabdingbar ist und dass umgekehrt die direkte Einheit von Wort, Gedanke und Gegenstand unm&#246;glich ist.</p>
<p>Neben der Analyse der sprachphilosophischen Themen und Thesen im Roman wird es darum gehen, zu rekonstruieren, auf welche Weise hier ein Erz&#228;hltext theoretische Zusammenh&#228;nge darstellt und Thesen best&#228;tigt, widerlegt und illustriert. Es wird gezeigt, dass <italic>Embassytown</italic> Sprachphilosophie und Erz&#228;hlung zu einer komplexen Struktur verschr&#228;nkt, zu einer Art &#8250;narrativem Experiment&#8249;, in dem beide Bereiche sich gegenseitig bef&#246;rdern. Die Romanhandlung l&#228;sst sich in zwei Teile gliedern, in die Zeit vor der Krise, die durch die Ankunft des neuen Botschafterpaares ausgel&#246;st wird, und die Zeit danach, in der eine neue sprachliche und gesellschaftliche Ordnung entsteht. Entsprechend kann man auch das Experiment in zwei Teile teilen: In Hinsicht auf die Sprache der Ariekei geht es zun&#228;chst darum, die Verh&#228;ltnisse vor der Krise zu beschreiben (vgl. Abschnitt &#187;Sprache und Kultur der Ariekei&#171;). Der zweite Teil des Experiments setzt mit der Krise auf Arieka ein und endet mit der Entstehung einer neuen Sprache (vgl. Abschnitt &#187;Die Sprachkrise&#171;).</p>
<p>Der folgende Abschnitt stellt einige vorgreifende &#220;berlegungen zum Verh&#228;ltnis von Erz&#228;hltexten und theoretischen Texten an und bestimmt den hier verwendeten Begriff des Experiments n&#228;her. Im Anschluss wird rekapituliert, wie der Roman die Ariekei und die Eigenschaften ihrer Sprache beschreibt. Die Sprache der Ariekei wird als &#8250;unm&#246;gliche&#8249; Sprache dargestellt, ihr Aussehen und ihre Lebensform als kaum beschreibbar und &#8250;weird&#8249;. Die theoretischen Implikationen dieser Beschreibung werden im Anschluss ausbuchstabiert: Sie werden im Roman verwendet, um Benjamins Sprachtheorie zu widerlegen und diejenige von Ogden/Richards plausibel zu machen.</p>
<p>Um die Frage der Einheit von Person und Stimme geht es im Abschnitt &#187; Stimme und Identit&#228;t&#171;. Der Roman stellt unterschiedliche Varianten des Themas nebeneinander (z. B. die zweistimmigen Ariekei als Einzelpersonen) und macht dadurch Alternativen zur traditionellen Auffassung (Einheit von Stimme und personaler Identit&#228;t) denkbar.</p>
<p>Der Abschnitt &#187;Die Sprachkrise&#171; legt dar, wie Mi&#233;ville im zweiten Teil der Romanhandlung zun&#228;chst die Sprachkrise der Ariekei darstellt, indem er die Metapher der Sprache als Droge und als Virus in Szene setzt. Den letzten Schritt der Romanhandlung bildet die Entstehung einer neuen Ariekei-Sprache, die menschlichen Sprachen &#228;hnlich ist, insbesondere in Hinblick auf den Gebrauch von Metaphern. Hier geht es haupts&#228;chlich darum, zu zeigen, wie zentral der Gebrauch von Metaphern f&#252;r menschliche Sprachen ist.</p>
</sec>
<sec>
<title>Gedankenexperimente und narrative Strategien in <italic>Embassytown</italic></title>
<p>In <italic>Embassytown</italic> werden unterschiedliche narrative Strategien verwendet, um sprachtheoretische Fragestellungen zu beleuchten. Einige Momente der Handlung &#228;hneln klassischen Gedankenexperimenten<xref ref-type="fn" rid="n3">3</xref>, andere Teile spielen mit der Verk&#246;rperung unterschiedlicher theoretischer M&#246;glichkeiten durch Figuren des Romans, mit der Literalisierung von Metaphern oder der Inszenierung der radikalen Ver&#228;nderung einer Sprache. Diese Integration narrativer und argumentativ-erkl&#228;render Aspekte wird im Folgenden als &#8250;narratives Experiment&#8249; bezeichnet, da der Roman eine ganze Welt entwirft, in der sprachphilosophische Thesen im Verlauf der Romanhandlung gleichsam ausgetestet werden.</p>
<p>In neuester Zeit hat Elgin die Debatte dar&#252;ber wieder angesto&#223;en, ob nicht alle Literatur als Gedankenexperiment anzusehen sei. Sie argumentiert, dass literarische Texte mit den Gedankenexperimenten der Naturwissenschaften wichtige Eigenschaften teilen: Sie sind narrativ und sie fungieren als Beispiele, die wir interpretieren und auf die reale Welt &#252;bertragen m&#252;ssen, um diese besser zu verstehen (<xref ref-type="bibr" rid="B5">Elgin 3 f.</xref>). In der Philosophie werden Gedankenexperimente aber in der Regel enger definiert. So grenzt Bertram Gedankenexperimente in der Philosophie gegen philosophische Reflexion im allgemeinen auf der einen Seite und fiktionale Texte im allgemeinen auf der anderen Seite ab: Gedankenexperimente umfassen typischerweise erstens ein &#187;kontrafaktisches Szenario&#171; und zweitens eine Rahmung dieses Szenarios durch eine vorangehende &#187;Fragestellung&#171; und eine nachfolgende &#187;Auswertung&#171; (<xref ref-type="bibr" rid="B2">Bertram 18</xref>). Das Szenario selbst kann dabei auf die f&#252;r das Experiment wesentlichen Elemente reduziert werden und ist nicht auf eine bestimmte sprachliche Realisierung festgelegt (<xref ref-type="bibr" rid="B2">Bertram 19, 67 f.</xref>).</p>
<p><italic>Embassytown</italic> entspricht dem von Bertram definierten Begriff von Gedankenexperiment nicht, weist aber &#220;berschneidungen damit auf. Eine systematische Einbettung in einen Fragekontext liefert der Roman nicht, und es werden auch keine expliziten Schl&#252;sse gezogen. Beides ist laut Bertram (<xref ref-type="bibr" rid="B2">20 f.</xref>) typisch f&#252;r literarische Texte im Gegensatz zu philosophischen Gedankenexperimenten. Allerdings sorgen in <italic>Embassytown</italic> die Kommentare der Figuren sowie paratextuelle Hinweise daf&#252;r, dass die Aufmerksamkeit der Leser*innen auf diejenigen Aspekte und Theorien gelenkt wird, die f&#252;r den Text relevant sind.</p>
<p>Im ersten Teil der Romanhandlung entwirft Mi&#233;ville mit der Sprache der Ariekei nicht nur eine Aliensprache, deren Fremdheit den Umkehrschluss auf die Eigenschaften menschlicher Sprachen zul&#228;sst. Vielmehr geht es mit der Sprache der Ariekei um die Konstruktion einer Sprache, die bestimmten Theorien dar&#252;ber entspricht, wie menschliche Sprachen funktionieren oder funktionieren sollten, und zwar all jenen Theorien, die einen direkten Bezug von Wort und Gegenstand oder Wort und Gedanke annehmen. Diese Theorien werden <italic>ad absurdum</italic> gef&#252;hrt, indem der Roman demonstriert, dass die Sprache der Ariekei nicht nur anders ist als menschliche Sprachen, sondern so fremd, dass man sich eine entsprechende Lebensform nicht einmal vorstellen kann. Folglich k&#246;nnen die in der Ariekei-Sprache verk&#246;rperten Eigenschaften auf menschliche Sprachen nicht zutreffen. Dieses Vorgehen entspricht strukturell der Beweisf&#252;hrung in einem klassischen Gedankenexperiment, wie man es aus der Philosophie kennt, und erf&#252;llt zwei Funktionen, die Bertram (<xref ref-type="bibr" rid="B2">42</xref>) Gedankenexperimenten zuschreibt: &#187;Argumentieren mit erz&#228;hlerischen Elementen&#171; (<xref ref-type="bibr" rid="B2">Bertram 42</xref>) und Thesen &#187;erkl&#228;ren&#171;, &#187;illustrieren&#171; und &#187;veranschaulichen&#171; (<xref ref-type="bibr" rid="B2">Bertram 36</xref>). Allerdings bietet die lange Form des Romans die M&#246;glichkeit, bestimmte Aspekte detailreich zu beschreiben, anderes durch die Wahl der Erz&#228;hlperspektive als nicht beschreibbar erscheinen zu lassen. Dadurch wird der logische Schachzug der <italic>reductio ad absurdum</italic> in einen Diskurs &#252;ber Alterit&#228;t und Verstehen eingebunden (vgl. die folgenden Abschnitte).</p>
<p>Eine weitere M&#246;glichkeit, theoretische Fragen im Roman zu verhandeln, bietet das Genre der Science-Fiction mit der Gestaltung der humanoiden und nicht humanoiden Figuren. In <italic>Embassytown</italic> verk&#246;rpern unterschiedliche Figuren unterschiedliche Konstellationen von Person und Stimme. Das Science-Fiction-Szenario erlaubt es z. B., neben die einstimmigen Menschen die zweistimmigen Ariekei zu setzen, und bringt so Alternativen zur traditionellen Einheit von Person und Stimme ins Spiel (vgl. Abschnitt &#187;Stimme und Identit&#228;t&#171;).</p>
<p>Des Weiteren bedient sich <italic>Embassytown</italic> des Kunstgriffs der Literalisierung von Metaphern. Die krisenhafte Verbreitung von Sprache als Virus und Droge, die die Ariekei ganz w&#246;rtlich krank und abh&#228;ngig macht, zeigt den materiellen Aspekt der Zirkulation von sprachlichen &#196;u&#223;erungen in einer Gemeinschaft. Hier wird die sprachtheoretische Pointe &#8211; die Inszenierung der Materialit&#228;t des Zeichens als Element der Romanhandlung &#8211; indirekt dadurch gewonnen, dass die entsprechenden Metaphern w&#246;rtlich genommen und in einer entsprechend konstruierten Welt eingesetzt werden (vgl. Abschnitt &#187;Die Sprachkrise&#171;).</p>
<p>Schlie&#223;lich stellt der zweite Teil der Romanhandlung die Inszenierung einer Sprachentstehung dar: Die Einarbeitung der Sprachentstehung in die Handlung demonstriert, dass die neuerworbene F&#228;higkeit der Ariekei, Metaphern zu gebrauchen, ihre gesamte Sprache grundlegend ver&#228;ndert. Sie wird dadurch menschlichen Sprachen sehr viel &#228;hnlicher und die Ariekei k&#246;nnen sich nach dieser Transformation mit den Menschen direkt (also ohne die Intervention von Botschafter*innen) verst&#228;ndigen. Hier geht es rein darum, zu illustrieren, wie zentral Metaphern f&#252;r den menschlichen Sprachgebrauch sind. Im Roman wird kein realistisches Modell f&#252;r die Entstehung oder die Ver&#228;nderung einer Sprache vorgestellt, sondern es wird ein Faktor &#8211; der Metapherngebrauch &#8211; variiert und die Konsequenzen werden auserz&#228;hlt. Man k&#246;nnte hier am ehesten von einer Art &#8250;Sprachursprungsmythos&#8249; sprechen, der die These von der zentralen Rolle der Metaphern f&#252;r menschliche Sprachen durchspielt und plausibel macht. Diese Vorgehensweise entspricht ebenfalls einer von Bertram (<xref ref-type="bibr" rid="B2">36 ff.</xref>) beschriebenen Art von Gedankenexperiment, dem &#8250;erkl&#228;renden Gedankenexperiment&#8249; (vgl. Abschnitt &#187;Die Entstehung neuer Sprachen&#171;).</p>
<p>Diese vier Strategien, der an ein Gedankenexperiment angelehnte Beweis, die Verk&#246;rperung von theoretischen Variationen in Romanfiguren, die Literalisierung von Metaphern und das Auserz&#228;hlen von theoretischen Vorgaben in einer entsprechend konstruierten Welt, werden im Folgenden rekonstruiert, um das Verh&#228;ltnis von Sprachtheorie und Erz&#228;hltext zu erhellen.</p>
</sec>
<sec>
<title>Sprache und Kultur der Ariekei</title>
<p>Im Universum von <italic>Embassytown</italic> gibt es unterschiedlichste Aliensprachen sowie das &#8250;Anglo-Ubiq&#8249; (in Anspielung auf Englisch &#8250;ubiquitous&#8249; / &#8250;allgegenw&#228;rtig&#8249;), das als <italic>lingua franca</italic> fungiert. Neben der Sprache der Ariekei werden im Roman Sprachen erw&#228;hnt, die auf Farben (E 36), Ber&#252;hrung (E 36), dem Herausw&#252;rgen und Konsumieren von enzymhaltigen Pellets (E 36) oder Empathie (E 55) beruhen, sowie andere mehrstimmige Sprachen (E 53). Sie alle funktionieren anders als menschliche Sprachen und k&#246;nnten als Kontrastfolie dienen, um deren Eigenschaften durch den Gegensatz zu verdeutlichen. Und das ist auch der erste Eindruck, den Leser*innen von der Sprache der Ariekei haben: Es geht darum, eine Sprache zu konstruieren, die sich von menschlichen Sprachen in Hinsicht auf Referenz und Wahrheit m&#246;glichst deutlich unterscheidet.</p>
<p>In der Sprache der Ariekei funktioniert der Gegenstandsbezug anders als in menschlichen Sprachen. Die Ariekei k&#246;nnen nur &#252;ber das sprechen, was der Fall ist oder war. Das bedeutet nicht, dass die Ariekei eine den menschlichen Sprachen &#228;hnliche Sprache h&#228;tten, sich nur eben besonders ehrlich ausdr&#252;ckten. Vielmehr besteht in ihrer Sprache eine direkte Verbindung vom Gegenstand zum sprachlichen Ausdruck und zum Bewusstsein der sprechenden Person: &#187;for them each word is a funnel. [&#8230;] A door, through which the thought of that referent, the thought itself that reached for that word, can be seen&#171; (E 55). Die genaueste Beschreibung dieses Verh&#228;ltnisses ist nicht umsonst eine Metapher, denn eine Sprache dieser Art ist kaum vorstellbar. Das wird sofort klar, wenn man sich &#252;berlegt, welche Konsequenzen diese Festlegung hat: Zum einen bedeutet das, dass es nur eine einzige Sprache geben kann; die Sprache der Ariekei hei&#223;t daher im Roman in emphatischer Gro&#223;schreibung auch einfach &#8250;Language&#8249;. Zum anderen ist nicht nur das L&#252;gen unm&#246;glich, sondern auch metaphorisches Sprechen. Die Ariekei haben daher in ihrer Sprache z. B. keine Polysemie (E 80, 295), keine Ambiguit&#228;t (E 295), keine Demonstrativpronomen (E 285) und keine Schrift (E 56, 77; <xref ref-type="bibr" rid="B21">Weakland 85</xref>). Und es steht zu vermuten, dass es in ihrer Gesellschaft dann auch keine Religion (E 124), keine fiktionalen Erz&#228;hlungen, keine Kunst (<xref ref-type="bibr" rid="B21">Weakland 85</xref>) und keine H&#246;flichkeitsformen gibt.</p>
<p>Im Roman wird diese Eigenschaft der Ariekei-Sprache mit Hilfe von zwei sozialen Praktiken der Ariekei dargestellt, dem Verwenden von Vergleichen (englisch &#8250;simile&#8249;; &#8250;Vergleich&#8249;, &#8250;Simile&#8249;)<xref ref-type="fn" rid="n4">4</xref> und dem &#8250;Festival of Lies&#8249; (&#8250;Fest der L&#252;gen&#8249;). Wenn die Ariekei einen neuen Aspekt in ihrer Sprache ausdr&#252;cken m&#246;chten, steht ihnen zu Beginn des Romans lediglich die M&#246;glichkeit offen, Vergleiche anzustellen bzw. herzustellen. Sie k&#246;nnen Vergleiche nur verwenden, wenn die Vergleichsgegenst&#228;nde auch tats&#228;chlich existieren (oder existiert haben).<xref ref-type="fn" rid="n5">5</xref> Sie m&#252;ssen daher eine tats&#228;chliche Situation inszenieren, mit der sie das, wor&#252;ber sie sprechen m&#246;chten, dann vergleichen (wie und ob diese Vergleiche in der Sprachgemeinschaft verbreitet werden, bleibt unklar). Diese Inszenierungen werden in der Gegenwart oft mit Hilfe menschlicher Protagonist*innen aufgef&#252;hrt (E 106). Avice, die Hauptfigur des Romans, ist einer dieser lebenden Vergleiche. Sie wurde als junges M&#228;dchen an einen ihr unbekannten Ort gebracht und hat dort etwas gegessen, ohne wirklich zu verstehen, was vor sich geht:</p>
<disp-quote>
<p>They warned me that the literal translation of the simile would be inadequate and misleading. <italic>There was a human girl who in pain ate what was given her in an old room built for eating in which eating had not happened for a time</italic>. &#187;It&#8217;ll be shortened with use&#171;, Bren told me. &#187;Soon they&#8217;ll be saying you&#8217;re <italic>a girl ate what was given her</italic>.&#171; (E 26)</p>
</disp-quote>
<p>Avices Vergleich wird dann sp&#228;ter erkl&#228;rt als &#187;more or less an expression intended to invoke surprise and irony, a kind of resentful fatalism&#171; (E 26).</p>
<p>Da diese Inszenierungen geplant werden m&#252;ssen, m&#252;ssten die Ariekei dazu aber eigentlich einen Vorbegriff des entsprechenden Ausdrucks haben. Die Praxis des Vergleichens setzt also voraus, dass die Ariekei die Grenzen der direkten Verbindung von sprachlichem Ausdruck, Gegenstand bzw. Situation und Gedanke immer schon an einer Stelle &#252;berschreiten k&#246;nnen. Die Ich-Erz&#228;hlerin Avice kommentiert diese Schwierigkeit folgenderma&#223;en: &#187;Without Language for things that didn&#8217;t exist, they could hardly think them; they were vaguer by far than dreams&#171; (E 83). Hier werden die sp&#228;teren Ver&#228;nderungen der Sprache bereits angelegt.</p>
<p>&#196;hnliches gilt auch f&#252;r die zweite kulturelle Praxis, durch die im Roman die Besonderheit der Ariekei-Sprache ausbuchstabiert wird. Durch den Kontakt mit anderen Kulturen wissen die Ariekei, dass andere Spezies dazu imstande sind, die Unwahrheit zu sagen. Sie sind fasziniert von dieser F&#228;higkeit und organisieren &#8250;Festivals of Lies&#8249;. Bei diesen Veranstaltungen treten auf einer B&#252;hne zun&#228;chst menschliche Botschafter*innen auf, die z. B. blaue Gegenst&#228;nde &#8250;rot&#8249; nennen. Diese Vorf&#252;hrungen einer f&#252;r sie fast unm&#246;glichen sprachlichen Praxis erf&#252;llt die Ariekei im Publikum mit einer Art trunkener Begeisterung; sie werden &#187;literally lie-drunk&#171; (E 84). Anschlie&#223;end versuchen Ariekei unter gro&#223;en Anstrengungen diese schlichten L&#252;gen nachzuahmen. Klar ist, dass es sich dabei um eine kognitive (und vermutlich auch soziale) Transgression handelt, die eine tiefe Faszination auf sie aus&#252;bt.</p>
<p>Die beiden beschriebenen Praktiken, die realweltliche Inszenierung von Vergleichen und die Feste, sind in dieser Form Kontaktph&#228;nomene, insofern sie erst im Kontakt mit anderen Spezies entstehen oder zumindest ausgebaut werden konnten. F&#252;r uns als Leser*innen wird die fremde Kultur also nur dort fassbar, wo sie sich bereits auf unsere eigene(n) zubewegt. Dennoch zeigen diese beiden Praktiken, wie drastisch sich die Sprache der Ariekei von menschlichen Sprachen unterscheidet und wie fremd uns eine Gesellschaft sein wird, in der sie &#252;blich ist.</p>
<p>&#220;ber die Lebensweise der Ariekei erf&#228;hrt man im Roman nur wenig Konkretes. Ihre Technik beruht auf der Manipulation von Lebewesen, aus denen Ger&#228;te und Geb&#228;ude hergestellt werden. Aber weder die Bewohner*innen von Embassytown, noch die Leser*innen (die auf die Perspektive der Ich-Erz&#228;hlerin Avice festgelegt sind) wissen Genaueres &#252;ber die politischen und sozialen Verh&#228;ltnisse au&#223;erhalb der menschlichen Siedlung oder auch nur &#252;ber die Geografie des Planeten. Die Wahl der Erz&#228;hlperspektive erm&#246;glicht hier das Ausblenden von allem, was die Ich-Erz&#228;hlerin, offensichtlich entsprechend einer in Embassytown verbreiteten Gewohnheit, ignoriert.</p>
<p>Sogar das Aussehen der Ariekei wird den Leser*innen erst nach und nach enth&#252;llt, sodass man die Detailaufnahmen im Laufe der Lekt&#252;re zu einem Bild zusammensetzen muss. Die Ariekei haben Schnurrhaare (E 79), vier spinnenartige, behaarte Beine (E 80), zwei M&#252;nder, von denen einer auf einer Art Stiel, der andere auf Brusth&#246;he sitzt (E 79). Sie haben runde B&#228;uche, und ihre zahlreichen Augen (E 275) sitzen ebenfalls auf einer Art Stielen (E 79). Dar&#252;ber hinaus haben sie zwei Fl&#252;gel, einen, mit dem sie h&#246;ren, und einen, den sie wie eine Hand einsetzen k&#246;nnen (E 80). Die Ariekei werden so als groteske Montage ganz spezifischer physischer Elemente pr&#228;sentiert, die an Spinnen und Cartoon-Aliens mit Stielaugen erinnern.</p>
<p>Die Ariekei selbst und ihre Lebensweise sind so nie als Ganze beschreibbar, sie sind f&#252;r die Bewohner*innen von Embassytown, und noch mehr f&#252;r die Leser*innen des Romans, mit einer Art kognitiver Unsch&#228;rfe belegt, und diese Erz&#228;hlstrategie verankert den Roman auch im Kontext eines bestimmten Genres (<xref ref-type="bibr" rid="B22">Z&#228;hringer 531 ff.</xref>). China Mi&#233;ville gilt als einer der Hauptvertreter des New Weird, &#187;a blend of science fiction, surrealism, fantasy, magical realism, and Lovecraftian horror&#171; (<xref ref-type="bibr" rid="B20">Vint 197</xref>). Mit dem von Lovecrafts kosmischem Horror gepr&#228;gten &#187;High Weird&#171; (<xref ref-type="bibr" rid="B9">Mi&#233;ville, &#187;Quantum Vampire&#171; 105</xref>) der 1920er- und 1930er-Jahre hat das New Weird insbesondere gemeinsam, dass das &#8250;Weirde&#8249; die Vorstellung eines geordneten, f&#252;r Menschen verst&#228;ndlichen Universums in Frage stellt (wobei der Schrecken bei Mi&#233;ville historisch-politisch interpretiert wird (<xref ref-type="bibr" rid="B9">128</xref>)). Dargestellt wird das Andere klassischerweise gleichzeitig als &#187;indescribable and formless&#171; und in einer &#187;impossible somatic precision&#171; (<xref ref-type="bibr" rid="B9">105</xref>). Prototypisch &#8250;weird&#8249; in diesem Sinne ist das Tentakel wie es als Kurzformel f&#252;r das absolut Fremde im Cthulhu-Mythos vorkommt (<xref ref-type="bibr" rid="B9">105</xref>). Die Ariekei werden in diesem Sinne durch die Verbindung von Unsagbarkeitstopos und erschreckender K&#246;rperlichkeit klar als &#8250;weird&#8249; gekennzeichnet. F&#252;r das Experiment bedeutet das, dass sie &#8211; und damit ihre Sprache &#8211; geradezu der Inbegriff von Alterit&#228;t sind: Was die &#8250;weirde&#8249; Sprache der Ariekei ausmacht, kann von menschlichen Sprachen nicht sinnvoll ausgesagt werden.</p>
<p>In <italic>Embassytown</italic> ist &#8250;weird&#8249; allerdings keine ontologische Festlegung &#8211; denn am Schluss des Romans funktionieren ja Zusammenarbeit und Kommunikation mit den menschlichen Nachbar*innen. Das h&#228;ngt zum einen damit zusammen, dass die Sprache der Ariekei sich ver&#228;ndert, aber auch daran, dass die &#8250;weirdness&#8249; zu Beginn des Romans auch im Auge der menschlichen Betrachter*innen liegt: &#187;we looked at our Hosts [d.h. die Ariekei] and saw insect-horse-coral-fan things. Those were chimeras of our own baggage.&#171; (E 121, vgl. auch <xref ref-type="bibr" rid="B22">Z&#228;hringer 532</xref>) Die nachgerade alberne Ansammlung von allem, was als monstr&#246;s gelten k&#246;nnte (mit ostentativer Auslassung des lovecraftschen Tentakels), weist ironisch auf das zwangsl&#228;ufige Scheitern der Beschreibung des radikal Anderen hin.</p>
<p>Dass wir als Leser*innen die Leerstellen hinsichtlich der Kultur und Lebensweise der Ariekei nicht f&#252;llen k&#246;nnen, liegt so zum einen an einer erz&#228;hlerischen Strategie des blinden Flecks, die uns in die Perspektive der Bewohner*innen von Embassytown versetzt, die die Ariekei und deren Lebenswelt nicht verstehen k&#246;nnen und nicht wirklich wahrnehmen. Zum anderen liegt es aber auch in der logischen Konsequenz der Festlegungen hinsichtlich der Sprache der Ariekei: Wir k&#246;nnen uns nicht vorstellen, wie eine Gesellschaft organisiert ist, in der nur &#252;ber Tatsachen gesprochen werden kann. Die Erz&#228;hlstrategie und die Logik der sprachphilosophischen Festlegungen greifen ineinander, sodass klar wird, dass wir hier die Unm&#246;glichkeit der Ariekei-Gesellschaft und die Unm&#246;glichkeit ihrer Darstellung nicht einmal unterscheiden k&#246;nnen.</p>
</sec>
<sec>
<title>Referenz und Wahrheit</title>
<p>Mi&#233;ville verweist explizit auf spezifische Autoren, auf die er sich mit den sprachphilosophischen Themen des Romans bezieht: I. A. Richards, Paul Ric&#339;ur und Tr&#7847;n &#272;&#7913;c Th&#7843;o sowie Walter Benjamin.<xref ref-type="fn" rid="n6">6</xref> Paul Ric&#339;urs Arbeiten bilden den Hintergrund f&#252;r das Thema Metaphern im Roman; Tr&#7847;n &#272;&#7913;c Th&#7843;o wird f&#252;r das Thema Deixis im zweiten Teil des Romans wichtig; I. A. Richards und Walter Benjamin sind f&#252;r die urspr&#252;ngliche Konzeption der Sprache der Ariekei relevant. Der erste Teil des Romans macht die semiotische Theorie von Ogden/Richards plausibel, indem er die Gegenposition (in Gestalt von Benjamins Gedanken einer idealen Sprache) <italic>ad absurdum</italic> f&#252;hrt.</p>
<p>Laut C. K. Ogdens und I. A. Richards klassischer Studie <italic>The Meaning of Meaning</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B14">11</xref>) sind am Zeichenprozess drei Elemente zu unterscheiden: &#8250;symbol&#8249; (das als Zeichen f&#252;r etwas steht), &#8250;reference&#8249; (der Gedanke, auf den sich das Zeichen bezieht) und &#8250;referent&#8249; (der Gegenstand, auf den sich der Gedanke bezieht). In diesem Ansatz, der als &#8250;semiotisches Dreieck&#8249; bekannt geworden ist, ist das Verh&#228;ltnis zwischen Zeichen und Gegenstand indirekt, vermittelt &#252;ber den Gedanken und damit &#252;ber den Zeichengebrauch einer Person, die etwas als Zeichen f&#252;r etwas anderes verwendet. Laut Ogden und Richards (<xref ref-type="bibr" rid="B13">12</xref>) ist die Vorstellung einer direkten Verbindung von Zeichen und Gegenstand eine Art philosophisches Grund&#252;bel, das insbesondere daf&#252;r verantwortlich ist, dass man f&#228;lschlicherweise von der Existenz von W&#246;rtern auf die Existenz der entsprechenden Gegenst&#228;nde schlie&#223;t.</p>
<p>Man kann die Sprache der Ariekei als Inszenierung dieser (nach Ogden und Richards falschen) semiotischen Theorie lesen, da die Ariekei Wort, Gedanke und Gegenstand quasi in eins setzen. Wenn die Sprache der Ariekei und die dazugeh&#246;rige Lebensform unvorstellbar sind, k&#246;nnen diese Eigenschaften auch nicht auf menschliche Sprachen zutreffen. Umgekehrt werden dadurch Theorien wie die Ogdens und Richards&#8217;, die eine direkte Verbindung von Zeichen und Gegenstand ablehnen, plausibel gemacht.</p>
<p>Mit Benjamin verh&#228;lt es sich umgekehrt, obwohl das Zitat aus seiner fr&#252;hen Schrift &#187;&#220;ber Sprache &#252;berhaupt und &#252;ber die Sprache des Menschen&#171;, das dem Roman als Motto vorangestellt ist, zun&#228;chst anderes vermuten lie&#223;e. Im deutschen Original lautet das Motto: &#187;Das Wort soll <italic>etwas</italic> mitteilen (au&#223;er sich selbst)&#171; (<xref ref-type="bibr" rid="B1">Benjamin 44</xref>). Das scheint auf eine Trennung von Wort und Referenzgegenstand hinzuweisen. Allerdings f&#228;hrt Benjamin fort: &#187;Das ist wirklich der S&#252;ndenfall des Sprachgeistes&#171; (<xref ref-type="bibr" rid="B1">44</xref>). Die Vorstellung, dass Menschen sich mit Hilfe sprachlicher Ausdr&#252;cke Mitteilungen &#252;ber Gegenst&#228;nde machen, ist f&#252;r Benjamin eine &#187;b&#252;rgerliche&#171; Auffassung von Sprache (<xref ref-type="bibr" rid="B1">34</xref>), die er grunds&#228;tzlich ablehnt. Er deutet Sprache (und Zeichensysteme im Allgemeinen) in einer religi&#246;sen Perspektive: Die Sprache ist &#187;aus dem paradiesischen Zustand, der nur eine Sprache kannte, gefallen&#171; (<xref ref-type="bibr" rid="B1">43</xref>), daher k&#246;nnen menschliche Sprachen nur teilweise und mittelbar das erreichen, was Benjamin an einer Stelle das &#187;geistige Wesen&#171; (<xref ref-type="bibr" rid="B1">31 f.</xref>), an einer anderen &#187;die Mitteilung des Konkreten&#171; (<xref ref-type="bibr" rid="B1">45</xref>) nennt. Durch den &#187;S&#252;ndenfall des Sprachgeistes&#171;, der hier also ganz w&#246;rtlich zu nehmen ist, wird der unmittelbare Zugang der Sprache zu dem, worauf sie sich bezieht, zerst&#246;rt. Eine paradiesische Sprache w&#228;re umgekehrt eine, die sich unmittelbar auf ihren Gegenstand bez&#246;ge, und es k&#246;nnte nur eine solche Sprache geben.</p>
<p>Es liegt insofern nahe, die Sprache der Ariekei mit Weakland (<xref ref-type="bibr" rid="B21">84</xref>), G&#322;az (<xref ref-type="bibr" rid="B6">347</xref>) und Michalowicz (<xref ref-type="bibr" rid="B8">34</xref>) als eine solche paradiesische Sprache zu deuten und die Handlung des Romans als eine Art S&#252;ndenfall, der die Ariekei menschlich macht (<xref ref-type="bibr" rid="B6">G&#322;az 347</xref>) oder ihnen den Raum der Phantasie er&#246;ffnet (<xref ref-type="bibr" rid="B8">Michalowicz 43</xref>). Der Gedanke einer paradiesischen Sprache ist in der westlichen Tradition Teil einer langen Geschichte der <italic>Suche nach der vollkommenen Sprache</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B4">Eco</xref>), die sp&#228;testens mit der Bibel beginnt und &#252;ber die philosophischen Kunstsprachen der Neuzeit zu Sprachtheorien wie der Benjamins f&#252;hrt. Hier bezieht sich die Widerlegung des Romans also eher auf einen Typus von Theorie als auf einen bestimmten Ansatz.</p>
<p>Der erste Teil der Handlung konstruiert die Sprache der Ariekei als &#187;anti-language&#171; (<xref ref-type="bibr" rid="B6">G&#322;az 337</xref>), und wie wenig die Ariekei-Sprache mit menschlichen Sprachen gemein hat, zeigt sich in den Praktiken der &#8250;Festivals of Lies&#8249; und der lebenden Vergleiche, die bereits ihre wesentlichen Merkmale ins Bild setzen. Die Figur Scile kommentiert: &#187;&#8250;Does it ever occur to you that this language is impossible, Avice?&#8249; he says. &#8250;<italic>Im, poss, ih, bul</italic>. It makes no sense. [&#8230;] How can they be sentient and not have symbolic language? How do their <italic>numbers</italic> work?&#8249;&#171; (E 80).</p>
<p>Diese unm&#246;gliche Sprache ist klarerweise als das Andere zu menschlichen Sprachen konstruiert (<xref ref-type="bibr" rid="B6">G&#322;az 337</xref>), aber wie oben dargelegt, geht es um mehr als den blo&#223;en Kontrast: Die Unfassbarkeit ihrer Lebensweise und ihres Aussehens f&#252;gt diesen Unterschieden eine neue Dimension hinzu, die der &#8250;weirdness&#8249;. Nicht nur haben menschliche Sprachen solche Eigenschaften nicht, man kann sich Aliens, die eine solche Sprache sprechen, nicht einmal vorstellen. Das ist nicht nur eine originelle Verwendung des lovecraftschen Unsagbarkeitstopos, sondern Teil eines Experiments, das bestimmte Theorien &#252;ber die menschliche Sprache <italic>ad absurdum</italic> f&#252;hrt.</p>
</sec>
<sec>
<title>Stimme und Identit&#228;t</title>
<p>Die Ariekei haben zwei M&#252;nder, mit denen sie nur gleichzeitig sprechen k&#246;nnen (E 53). Ihre Sprache ist zweistimmig, und Ariekei-Ausdr&#252;cke setzen sich aus zwei unterschiedlichen Lautketten zusammen, die gleichzeitig ausgesprochen werden. Im Roman werden sie daher als &#8250;Bruch&#8249; &#252;bereinandergeschrieben, wie z. B. der Gru&#223; &#187;<inline-formula>
<alternatives>
<mml:math id="eq001-mml">
<mml:mrow><mml:mstyle scriptlevel='+1'><mml:mfrac><mml:mrow><mml:mi mathvariant="italic">suhaill</mml:mi><mml:mo>&#x00A0;</mml:mo></mml:mrow><mml:mrow><mml:mi mathvariant="italic">jarr</mml:mi></mml:mrow></mml:mfrac></mml:mstyle></mml:mrow></mml:math>
<tex-math id="M1">
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</alternatives>
</inline-formula>&#171; (E 54). Die menschliche Praxis, der das am n&#228;chsten kommt, ist ein dadaistisches Simultangedicht.</p>
<p>In dieser Zweistimmigkeit bringt sich aber ein einziges Bewusstsein zum Ausdruck und die Ariekei verstehen Sprache auch nur, wenn sie zwei Bedingungen erf&#252;llt: Einheitlichkeit und Aktualit&#228;t der Sprecherintention bei gleichzeitiger Zweistimmigkeit. Das ist einer der Gr&#252;nde, der die Kommunikation mit ihnen f&#252;r Menschen und andere Spezies schwierig machen. Sie k&#246;nnen theoretisch lernen, die Ariekei zu verstehen, aber nicht umgekehrt (E 49) &#8211; denn f&#252;r die Ariekei ist das Sprechen eines einzelnen Menschen &#187;noise&#171; (E 13). Sie verstehen weder zwei unterschiedliche Personen, die die richtigen Lautketten gleichzeitig &#228;u&#223;ern, da es sich nicht um ein einziges Bewusstsein handelt (auch wenn sie in diesem Fall verstehen, dass jemand versucht zu sprechen) (E 54, 57), noch verstehen sie zweistimmige Tonaufnahmen (E 54 f., 77), da es sich nicht um aktuelle absichtsvolle &#196;u&#223;erungen einer einzigen lebendigen Person handelt (E 55). Sie k&#246;nnen andere Sprachen wie Anglo-Ubiq nicht nur nicht lernen, sie konnten sich vor dem Kontakt mit anderen Kulturen nicht einmal vorstellen, dass es andere Sprachen gibt (E 55). Sie verstehen auch nicht, wie man Sprachen schreiben kann (E 56, 77).</p>
<p>In Embassytown hat man dieses Problem gel&#246;st, indem man Paare von Klonen, die Botschafter*innen, heranzieht und ausbildet, die genau aufeinander eingespielt sind. Sie geh&#246;ren in Embassytown zur Elite, da sie der Stadt &#8211; sehr zum Leidwesen der Zentralregierung in Bremen &#8211; das Monopol auf die Kommunikation mit den Ariekei sichern.</p>
<p>Die Botschafterpaare f&#252;hren einen gemeinsamen zusammengesetzten Namen, der im Roman durch Binnengro&#223;schreibung ausgezeichnet ist, z. B. CalVin, EdGar, MagDa, JoaQuin etc. (E 45 f.); die einzelnen Botschafter*innen werden von den Menschen jeweils als Cal bzw. Vin etc. bezeichnet, eigentlich sind ihre Namen aber f&#252;r die parallele Aussprache der Ariekei-Sprache gedacht (E 15, 17). Sie treten in der Regel zu zweit auf und achten darauf, einander ihr Leben lang k&#246;rperlich so &#228;hnlich wie m&#246;glich zu bleiben, damit die Ariekei sie als eine Person identifizieren.</p>
<p>In Interviews erz&#228;hlt China Mi&#233;ville, dass ihm die Idee von zweistimmigen Aliens im Alter von 11 Jahren gekommen sei (<xref ref-type="bibr" rid="B11">Miller 600</xref>). Im Roman ist aber schnell klar, dass auch hier wieder Bezug auf Theoriegeschichte genommen wird:</p>
<disp-quote>
<p>&#187;There is no other language that works like this&#171;, Scile said. &#187;&#8250;The human voice can apprehend itself as the sounding of the soul itself.&#8249;&#171; [&#8230;] I could tell he was quoting. [&#8230;] &#187;I can&#8217;t remember. Some philosopher. [&#8230;] It&#8217;s not true, not for the human voice. But the Ariekei&#8230; when they speak they <italic>do</italic> hear the soul in each voice.&#171; (E 55 f.)</p>
</disp-quote>
<p>Der fragliche Philosoph, dessen Diktum auf die Ariekei, nicht aber auf menschliche Sprachen zutrifft, ist <xref ref-type="bibr" rid="B7">Hegel</xref>, der in seinen <italic>Vorlesungen &#252;ber die &#196;sthetik</italic> die Singstimme auf diese Weise beschreibt. Er kann hier stellvertretend f&#252;r die enge Verbindung von Stimme und Bewusstsein in der westlichen philosophischen Tradition stehen. In der Sprache der Ariekei verbindet sich dieses Motiv der Transparenz der &#8250;Seele&#8249; mit der Unf&#228;higkeit, zu l&#252;gen, und dem direkten Gegenstandsbezug; so f&#228;llt sie im Roman derselben Widerlegungsstrategie zum Opfer. Auch hier ist etwas, das &#252;ber menschliche Sprachen behauptet wurde, eigentlich nicht einmal vorstellbar.</p>
<p>In <italic>Embassytown</italic> wird die Verbindung von Stimme und Identit&#228;t noch auf andere Weise unterlaufen, n&#228;mlich dadurch, dass unterschiedliche Konstellationen von Stimme und Person durchgespielt werden: Zu Beginn des Romans hat man die zweistimmigen Ariekei mit einem unklaren Personenstatus; am Ende des Romans werden die Ariekei dagegen trotz ihrer Zweistimmigkeit problemlos als Individuen anerkannt. Der Status der Botschafter*innen bleibt unklar (Avice z. B. kann sie nur als zwei unterschiedliche Individuen ansprechen, sie selbst scheinen das anders zu sehen; ganz klar wird das aber nicht). Eine Nebenfigur des Romans, Ehrsul, ist eine KI, deren sprachliches Verhalten mit menschlichem Verhalten identisch ist, und die von Avice, aber nicht von anderen Romanfiguren, als Person akzeptiert wird. Diese Konstellationen entkoppeln Stimme und Person: Zu Beginn des Romans irren sich Menschen und Ariekei jeweils bei der Bestimmung des Personenstatus der anderen Gruppe, weil sie Person und Stimme in einer bestimmten Art verbinden. Aber letztlich akzeptieren sowohl die Figuren als auch die Leser*innen am Ende des Romans die zweistimmigen Ariekei als Personen, sobald sich die semiotischen Eigenschaften ihrer Sprache denen menschlicher Sprachen angeglichen haben (vgl. Abschnitt &#187;Die Entstehung neuer Sprachen&#171;); und die Ariekei akzeptieren dann umgekehrt die einstimmigen Menschen ebenfalls als vollg&#252;ltige Sprecher*innen. Der genaue Personenstatus der Botschafter*innen und der KI bleibt in der Schwebe, denn weder die Menschen noch die Ariekei haben am Ende des Romans vollst&#228;ndig klare Kriterien, nach denen sie Intention und Personenstatus zuschreiben.</p>
<p>Mi&#233;ville kn&#252;pft also auch hier an einen Diskurs an, der ein Grundmotiv westlicher philosophischer Tradition in Frage stellt.<xref ref-type="fn" rid="n7">7</xref> Und auch hier wird eine Auffassung <italic>ad absurdum</italic> gef&#252;hrt, indem sie mit den Ariekei assoziiert wird: Wenn Hegels Aussage auf die Sprache der Ariekei zutrifft, kann sie nicht auf menschliche Sprachen zutreffen. Dar&#252;ber hinaus f&#252;hrt der Roman unterschiedlichste Varianten vor, wie Stimmen mit personaler Identit&#228;t zusammenh&#228;ngen k&#246;nnten, und zeigt, dass die traditionelle Vorstellung davon nicht alternativlos ist.</p>
</sec>
<sec>
<title>Die Sprachkrise</title>
<p>Der chronologisch zweite Teil der Romanhandlung und damit der zweite Teil des Experiments beginnt mit einer politischen Krise. Die Kolonialmacht Bremen hat ein eigenes Botschafterpaar nach Embassytown geschickt, um das Monopol der Kolonie zu brechen und direkt mit den Ariekei kommunizieren zu k&#246;nnen. EzRa unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von den heimischen Botschafterpaaren: Sie sind keine Klone, sondern zwei Personen, die einander (zumindest in menschlichen Augen) nicht einmal &#228;hnlich sind (E 47). Sie verhalten sich auch anders als die anderen Botschafter*innen: Sie frisieren sich unterschiedlich (E60, 62), bleiben nicht st&#228;ndig zusammen (E 59, 119 ff.) und haben deutlich unterscheidbare Pers&#246;nlichkeiten (E 64).<xref ref-type="fn" rid="n8">8</xref></p>
<p>Sind schon die Bewohner*innen von Embassytown schockiert von dem &#187;impossible new Ambassador&#171; (E 5), so hat die Ver&#228;nderung eine drastische und v&#246;llig unvorhergesehene Wirkung auf die Ariekei: Als sie die Stimmen des neuen Botschafterpaares h&#246;ren, verfallen sie in eine Art kollektive Verz&#252;ckung (&#187;trance&#171;, E 94), gefolgt von Entzugserscheinungen und rasender Wut, sobald sie die Stimmen zu lange nicht zu h&#246;ren bekommen. Dadurch bricht die Kommunikation mit den Ariekei zusammen, die Versorgung der Stadt aus dem Umland kommt zum Erliegen und die Stadt geht von einer vagen Krisenstimmung in eine Art Belagerungszustand &#252;ber, als mehr und mehr umherirrende Ariekei ihre regelm&#228;&#223;ige &#8250;Dosis&#8249; der Stimmen einfordern. In der Folge &#228;ndern sich die politischen Verh&#228;ltnisse: In Embassytown wird der Gouverneur Bremens entmachtet und eine Art Komitee, dem auch Avice angeh&#246;rt, versucht, das &#220;berleben der Stadt zu sichern. Bei den Ariekei bilden sich drei Gruppen heraus: erstens die hoffnungslos S&#252;chtigen; zweitens die sogenannten &#8250;Languageless&#8249;, die der Sucht entkommen, indem sie sich das Organ, mit dem sie h&#246;ren (den &#8250;F&#228;cherfl&#252;gel&#8249;), selbst amputieren;<xref ref-type="fn" rid="n9">9</xref> und drittens eine Gruppe, die ihre Sucht einigerma&#223;en im Griff hat und an der Ver&#228;nderung ihrer Sprache arbeitet. Diese letzteren, v. a. ein Ariekes, den Avice &#8250;Spanish Dancer&#8249; nennt, tun sich mit Avice zusammen. Gemeinsam retten sie die Stadt, indem sie eine neue Sprache entwickeln, die die Ariekei von ihrer Sucht heilt. Als eine Armee der &#8250;Languageless&#8249; auf Embassytown zukommt, um den Planeten mit Gewalt von der Sucht und den Menschen, die sie verursacht haben, zu befreien, kommt es zu einer Art Showdown. Dabei machen Avice und ihre Gruppe den &#8250;Languageless&#8249; einerseits klar, dass die Sucht mit Hilfe der ver&#228;nderten Ariekei-Sprache heilbar ist, und andererseits, dass auch sie selbst eine Sprache entwickeln k&#246;nnen, n&#228;mlich eine Geb&#228;rdensprache sowie deren Verschriftlichung. Der Roman endet damit, dass weitere K&#228;mpfe vermieden werden und sich ein neues politisches Gleichgewicht herausbildet.</p>
<p>Die Sprachkrise der Ariekei wird mit Hilfe eines Kunstgriffs in Szene gesetzt, der im Genre Science-Fiction nicht selten ist, der Literalisierung von Metaphern. In <italic>Embassytown</italic> werden drei Metaphern literalisiert und verbunden: Sprache als Religion, als Droge und als Virus. Die Sprache der Ariekei wird bereits zu Beginn der Krise von einer politischen Gruppierung religi&#246;s &#252;berh&#246;ht und zwar im Sinne der oben mit Bezug auf Benjamin erl&#228;uterten paradiesischen Urspr&#252;nglichkeit. Sie halten sie f&#252;r &#187;God&#8217;s Language&#171; (E 148), jede Ver&#228;nderung wird von ihnen als Sakrileg angesehen und sie gehen bis zum politischen Attentat, um die urspr&#252;ngliche Form der Ariekei-Sprache zu erhalten. Dieses Motiv der &#187;language as theology&#171; (<xref ref-type="bibr" rid="B11">Mi&#233;ville in Miller 598</xref>) wird dann noch einmal variiert, wenn umgekehrt die s&#252;chtig machenden Reden des neuen Botschafters EzRa als &#187;god-drug&#171; (E 194) bezeichnet werden, da sie auch dazu verwendet werden k&#246;nnen, die Ariekei zu lenken. Die Sprache als Religion wird hier zum Opium f&#252;rs Volk und die betroffenen Ariekei werden zu &#187;junkies&#171; (E 167). Gleichzeitig wird die &#8250;god-drug&#8249; als eine Art Virus beschrieben, der neben den Ariekei auch ihre biologisch konstruierten H&#228;user und &#8250;Maschinen&#8249; bef&#228;llt.<xref ref-type="fn" rid="n10">10</xref> Weakland (<xref ref-type="bibr" rid="B21">89</xref>) notiert, die Metapher der Sprache als Virus &#187;provides a science-fictional understanding of the signifier&#8217;s materiality&#171;. Diese Interpretation l&#228;sst sich auf den gesamten Metaphernkomplex &#8250;Sprache als Religion-Droge-Virus&#8249; erweitern: Die Betonung der materiellen Zirkulation der Sprache in einer Gesellschaft w&#228;re dann der Gegenentwurf zur benjaminschen paradiesischen Sprache, der diese in der Romanhandlung buchst&#228;blich verdr&#228;ngt und so die Krise herbeif&#252;hrt.</p>
<p>Die Literalisierung von Metaphern, wie sie hier eingesetzt wird, ist nicht nur ein wichtiges Stilelement von SF im Allgemeinen, sie eignet sich auch, um Theorien durch narrative Verk&#246;rperung quasi auf die F&#252;&#223;e zu stellen. Hier wird mit erz&#228;hlerischen Mitteln der Blick auf die Voraussetzungen der kritisierten Theorien gelenkt, n&#228;mlich auf die Verdr&#228;ngung der Materialit&#228;t des Zeichens.</p>
</sec>
<sec>
<title>Die Entstehung neuer Sprachen</title>
<p>Die Wendung der Handlung beruht zum einen darauf, dass es einer kleinen Gruppe von Ariekei mit Hilfe von Avice gelingt, ihre Sprache vom blo&#223;en &#8250;referring&#8249; zum &#8250;signifying&#8249; zu entwickeln (E 296). Dabei spielt der Gebrauch von Vergleichen eine wichtige Rolle als Zwischenschritt. Avice spricht den Ariekei mit Hilfe einer Dolmetscherin Texte der folgenden Art vor:</p>
<disp-quote>
<p>&#187;You&#8217;re trying to change things [&#8230;] You want to change like the girl who ate what was given to her. So you&#8217;re like me [d. h. Avice]. Those who aren&#8217;t trying to change anything are like the girl who didn&#8217;t eat what she wanted but what was <italic>given</italic> to her: they&#8217;re like me. You are like that girl who ate. You are the girl who ate. [&#8230;] And so are the others who aren&#8217;t like you.&#171; (E 301)</p>
</disp-quote>
<p>Die Ariekei, die es schaffen, das in ihrer eigenen Sprache zu wiederholen, haben zwei wesentliche Schritte vollzogen: Sie haben den Vergleich auf zwei unterschiedliche (scheinbar widerspr&#252;chliche) Arten verwendet (was in der urspr&#252;nglichen Ariekei-Sprache unm&#246;glich ist), und sie sind mit einer Formulierung wie &#187;You are the girl&#171; (anstatt &#187;You are like that girl&#171;) vom Vergleich zur Metapher &#252;bergegangen. Dadurch machen sie ihren Sprachgebrauch unabh&#228;ngig von den Tatsachen und erfahren, dass etwas, das nicht buchst&#228;blich wahr ist, dennoch etwas Wahres enthalten kann. Die Unterscheidung von Wort, Gedanke und Referenzgegenstand er&#246;ffnet ihnen &#187;room to think&#171; (E 310), und sie sind damit von ihrer Sucht geheilt. Im Prinzip ist ihnen damit auch klar, dass es mehrere Sprachen gibt und sie k&#246;nnen Anglo-Ubiq lernen (E 310) bzw. entwickeln ihre eigene, zweistimmige Variet&#228;t, &#187;Anglo-Ariekei&#171; (E 343): &#187;<inline-formula>
<alternatives>
<mml:math id="eq002-mml">
<mml:mrow><mml:mstyle scriptlevel='+1'><mml:mfrac><mml:mrow><mml:mi mathvariant="italic">you</mml:mi><mml:mo>&#x00A0;</mml:mo><mml:mi mathvariant="italic">will</mml:mi><mml:mo>&#x00A0;</mml:mo><mml:mi mathvariant="italic">please</mml:mi><mml:mo>&#x00A0;</mml:mo><mml:mi mathvariant="italic">come</mml:mi><mml:mo>&#x00A0;</mml:mo><mml:mi mathvariant="italic">with</mml:mi><mml:mo>&#x00A0;</mml:mo><mml:mi mathvariant="italic">us</mml:mi><mml:mo>&#x00A0;</mml:mo></mml:mrow><mml:mrow><mml:mi mathvariant="italic">you</mml:mi><mml:mo>&#x00A0;</mml:mo><mml:mi mathvariant="italic">will</mml:mi><mml:mo>&#x00A0;</mml:mo><mml:mi mathvariant="italic">please</mml:mi><mml:mo>&#x00A0;</mml:mo><mml:mi mathvariant="italic">come</mml:mi><mml:mo>&#x00A0;</mml:mo><mml:mi mathvariant="italic">with</mml:mi><mml:mo>&#x00A0;</mml:mo><mml:mi mathvariant="italic">us</mml:mi></mml:mrow></mml:mfrac></mml:mstyle></mml:mrow></mml:math>
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</alternatives>
</inline-formula>&#171; (E 343). Sie k&#246;nnen ihre Zweistimmigkeit dar&#252;ber hinaus f&#252;r neue Sinneffekte (&#187;<inline-formula>
<alternatives>
<mml:math id="eq003-mml">
<mml:mrow><mml:mstyle scriptlevel='+1'><mml:mfrac><mml:mrow><mml:mi mathvariant="italic">I</mml:mi><mml:mo>&#x00A0;</mml:mo><mml:mi mathvariant="italic">regret</mml:mi><mml:mo>&#x00A0;</mml:mo><mml:mi mathvariant="italic">nothing</mml:mi><mml:mo>&#x00A0;</mml:mo></mml:mrow><mml:mrow><mml:mi mathvariant="italic">I</mml:mi><mml:mo>&#x00A0;</mml:mo><mml:mi mathvariant="italic">regret</mml:mi></mml:mrow></mml:mfrac></mml:mstyle></mml:mrow></mml:math>
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{\textstyle{{I\;regret\;nothing\;} \over {I\;regret}}}
\]
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</alternatives>
</inline-formula>&#171; (E 343)) und einen spielerischen Umgang mit Sprache(n) (&#187;<inline-formula>
<alternatives>
<mml:math id="eq004-mml">
<mml:mrow><mml:mstyle scriptlevel='+1'><mml:mfrac><mml:mrow><mml:mi mathvariant="italic">Je</mml:mi><mml:mo>&#x00A0;</mml:mo><mml:mi mathvariant="italic">voudrais</mml:mi><mml:mo>&#x00A0;</mml:mo><mml:mi mathvariant="italic">venir</mml:mi><mml:mo>&#x00A0;</mml:mo><mml:mi mathvariant="italic">avec</mml:mi><mml:mo>&#x00A0;</mml:mo><mml:mi mathvariant="italic">toi</mml:mi><mml:mo>&#x00A0;</mml:mo><mml:mo>&#x00A0;</mml:mo></mml:mrow><mml:mrow><mml:mi mathvariant="italic">I</mml:mi><mml:mo>&#x00A0;</mml:mo><mml:mi mathvariant="italic">would</mml:mi><mml:mo>&#x00A0;</mml:mo><mml:mi mathvariant="italic">like</mml:mi><mml:mo>&#x00A0;</mml:mo><mml:mi mathvariant="italic">to</mml:mi><mml:mo>&#x00A0;</mml:mo><mml:mi mathvariant="italic">come</mml:mi><mml:mo>&#x00A0;</mml:mo><mml:mi mathvariant="italic">with</mml:mi><mml:mo>&#x00A0;</mml:mo><mml:mi mathvariant="italic">you</mml:mi></mml:mrow></mml:mfrac></mml:mstyle></mml:mrow></mml:math>
<tex-math id="M4">
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\[
{\textstyle{{Je\;voudrais\;venir\;avec\;toi\;\;} \over {I\;would\;like\;to\;come\;with\;you}}}
\]
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</alternatives>
</inline-formula>&#171; (E 343)) nutzen.</p>
<p>Die zweite sprachliche Entwicklung, die zur Wendung f&#252;hrt, besteht darin, dass die &#8250;Languageless&#8249; verstehen, dass sie eigentlich kommunizieren k&#246;nnen. Avice hatte bemerkt, dass sie sich koordinieren und durch Zeigegesten verst&#228;ndigen k&#246;nnen (E 295). Die Abstraktion, die in dieser Verwendung von Deixis liegt, geht &#252;ber die M&#246;glichkeiten der (alten) Ariekei-Sprache hinaus, da sie allgemeine Vorstellungen (&#8250;that&#8249;) impliziert, losgel&#246;st von einem bestimmten Referenten (<xref ref-type="bibr" rid="B22">Z&#228;hringer 527</xref>). Die Ariekei um Spanish Dancer entwickeln mit einem gefangenen &#8250;Languageless&#8249; gemeinsam die ersten Elemente einer Geb&#228;rdensprache (E 315) und einer &#8250;ideographischen&#8249; Schrift (E 324)<xref ref-type="fn" rid="n11">11</xref>; diese werden von den anderen &#8250;Languageless&#8249; aufgenommen und weiterentwickelt.</p>
<p><italic>Embassytown</italic> inszeniert so eine Art doppelten Sprachursprungsmythos, in dem der Gebrauch von Metaphern einerseits und von Deixis andererseits jeweils Angelpunkt der Sprachentwicklung ist. Die zweite dieser Sprachursprungserz&#228;hlungen bezieht sich auf das Werk Tr&#7847;n &#272;&#7913;c Th&#7843;os, genauer seine Rekonstruktion der Bewusstseinsentwicklung auf Basis des dialektischen Materialismus. F&#252;r ihn ist die Zeigegeste ein Schl&#252;sselelement in der Entwicklungsgeschichte des Menschen, da sie das Verbindungselement zwischen Sensomotorik, Symbolgebrauch und Bewusstseinsentwicklung darstellt und damit eine materialistische Rekonstruktion der Emergenz des individuellen Bewusstseins aus kollektivem Kommunikationsverhalten erm&#246;glicht (<xref ref-type="bibr" rid="B19">Tr&#7847;n 313, 319</xref>).</p>
<p>Was den Gesamtprozess der Entstehung der neuen Ariekei-Sprache(n) angeht, so ist er nicht als Rekonstruktion historischer Entwicklungen zu verstehen, nicht einmal im idealtypischen Sinne; denn der Ausgangspunkt, die Ariekei-Sprache, ist ja ausdr&#252;cklich als unm&#246;glich gekennzeichnet. Es geht also in diesem Teil des Experiments nicht darum, eine Sprachursprungstheorie zu beweisen. Vielmehr geht es darum, durchzuspielen, was alles mit jeweils einem Element des Sprachgebrauchs &#8211; Metapher bzw. Deixis &#8211; in Verbindung steht, und dadurch deutlich zu machen, wie zentral beide Erscheinungen f&#252;r menschliche Sprachen sind. Allerdings werden die Themen Deixis und Geb&#228;rdensprache nur wenig ausgef&#252;hrt, und die Bedeutung von Deixis f&#252;r gesprochene Sprachen wird ausgeklammert. Im Mittelpunkt stehen die Metaphern, da sie die &#8250;Aufl&#246;sung&#8249; darstellen, auf die hin die Haupthandlung angelegt ist. <xref ref-type="fn" rid="n12">12</xref></p>
<p>Man kann in dem Gedanken, dass der Gebrauch von Metaphern dem allt&#228;glichen Sprachgebrauch zugrunde liegt, eine Anspielung auf I. A. Richards&#8217; <italic>The Philosophy of Rhetoric</italic> sehen (<xref ref-type="bibr" rid="B14">Richards 120</xref>). Seine These &#187;metaphor is the omnipresent principle of language&#171; (92) muss man allerdings nicht unterschreiben, um Avices Versuchen, die Ariekei-Sprache zu ver&#228;ndern, zu folgen. Der Beschreibung von Metaphern im Roman liegen zwei allgemeine Gedanken zu Metaphern zugrunde, die man bei Ric&#339;ur aber auch anderen Autor*innen nachlesen kann: Erstens sind Metaphern nicht einfach L&#252;gen &#8211; sie sind zwar w&#246;rtlich falsch, k&#246;nnen aber, wie Aristoteles schon wusste, zu einer neuen Erkenntnis f&#252;hren (38). Daher nennen die Ariekei die Metaphern dann &#187;<inline-formula>
<alternatives>
<mml:math id="eq005-mml">
<mml:mrow><mml:mstyle scriptlevel='+1'><mml:mfrac><mml:mrow><mml:mi mathvariant="italic">lie</mml:mi><mml:mo>&#x00A0;</mml:mo><mml:mi mathvariant="italic">that</mml:mi><mml:mo>&#x00A0;</mml:mo><mml:mi mathvariant="italic">truths</mml:mi><mml:mo>&#x00A0;</mml:mo></mml:mrow><mml:mrow><mml:mi mathvariant="italic">lie</mml:mi><mml:mo>&#x00A0;</mml:mo><mml:mi mathvariant="italic">that</mml:mi><mml:mo>&#x00A0;</mml:mo><mml:mi mathvariant="italic">truths</mml:mi></mml:mrow></mml:mfrac></mml:mstyle></mml:mrow></mml:math>
<tex-math id="M5">
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\[
{\textstyle{{lie\;that\;truths{\rm{\;}}} \over {lie\;that\;truths}}}
\]
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</tex-math>
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</alternatives>
</inline-formula>&#171; (E 337). Das ist m&#246;glich, weil in der Metapher nicht lediglich ein Wort durch eine schm&#252;ckende Umschreibung ersetzt wird, sondern die Metapher auch vom Satzkontext aus als neuer Sinneffekt gelesen werden kann (<xref ref-type="bibr" rid="B15">Ric&#339;ur 87</xref>). In <italic>Embassytown</italic> geht es nicht um eine bestimmte Theorie der Metapher, nicht um die Abgrenzung von metaphorischem und nicht-metaphorischem Sprechen und auch nicht um die genaue Logik des Metapherngebrauchs &#8211; vielmehr wird ganz allgemein die zentrale Bedeutung des Ph&#228;nomens f&#252;r menschliche Sprachen hervorgehoben. Man muss als Leser*in keines dieser Probleme l&#246;sen, sondern lediglich verstehen, dass die Ariekei Metaphern dann genauso verwenden wie wir.</p>
<p>Die doppelte Sprachursprungserz&#228;hlung der &#8250;Languageless&#8249;, die eine Geb&#228;rdensprache entwickeln, und der &#187;New Ariekei&#171; (E 339), die &#8250;Anglo-Ariekei&#8249; sprechen, wird im Roman insgesamt positiv, als ein Prozess des &#8250;zur Sprache Kommens&#8249; dargestellt (vgl. z. B. die Rede des Ariekes Spanish Dancer, E 335 f.), und die Haupthandlung endet damit, dass gr&#246;&#223;eres Blutvergie&#223;en vermieden werden kann. Das garantiert kein Happy End, denn die weitere Entwicklung der politischen Lage insgesamt bleibt offen, aber die Menschen aus Embassytown und die beiden Gruppen der Ariekei k&#246;nnen sich verst&#228;ndigen und haben gegen&#252;ber der Kolonialmacht Bremen einen besseren Stand als zuvor.</p>
<p>Die Implikationen f&#252;r die Interpretation des Romans als Kolonialismuserz&#228;hlung im Einzelnen auszuf&#252;hren, w&#252;rde zu weit f&#252;hren. In Bezug auf den sprachtheoretischen Kontext sei aber hier auf zwei Aspekte hingewiesen:</p>
<list list-type="simple">
<list-item><p>&#8211; Der Logik des Romans zufolge werden die Ariekei die grundlegende Ver&#228;nderung ihrer Sprache mit einer ebenso grundlegenden Ver&#228;nderung ihres Denkens und ihrer Kultur erkaufen (<xref ref-type="bibr" rid="B22">Z&#228;hringer 528</xref>). Dabei handelt es sich zumindest zum Teil um eine Anpassung an die Kultur der Menschen. Dieser Problemkreis wird im Roman nicht wirklich thematisiert und kann auch nicht thematisiert werden, da der urspr&#252;ngliche Zustand ja als nicht beschreibbar gesetzt ist.</p></list-item>
<list-item><p>&#8211; Die Geb&#228;rdensprache im Roman entsteht, indem der (h&#246;rende) Ariekes Spanish Dancer und der gefangene &#8250;languageless&#8249; Ariekes beginnen, &#252;ber Geb&#228;rden zu kommunizieren, nachdem Avice aufgefallen ist, dass die &#8250;Languageless&#8249; bereits Zeigegesten verwenden. Avice kommentiert zwar: &#187;We weren&#8217;t teaching the deafened to communicate: we were showing them they already could, and did. &#171; (E 324) Dennoch geht die Initialz&#252;ndung f&#252;r die Entwicklung der Geb&#228;rdensprache im Roman von H&#246;renden aus, was aus sprachwissenschaftlicher Sicht nicht sinnvoll ist.<xref ref-type="fn" rid="n13">13</xref></p></list-item>
</list>
</sec>
<sec>
<title><italic>Embassytown</italic> als narratives Experiment</title>
<p><italic>Embassytown</italic> kann als narratives Experiment gelesen werden, d. h. als Konstellation von mehreren narrativen Strategien, die sprachtheoretische Konzepte inszenieren und durchspielen, um sie zu illustrieren, zu widerlegen oder plausibel zu machen. Im Gegensatz zum klassischen Gedankenexperiment wird im Roman allerdings gerade kein reduziertes Szenario vorgelegt. Vielmehr werden mehrere miteinander verbundene Szenarien mit jeweils eigenen Fragestellungen verwoben, detailreich beschrieben und eng in die Romanhandlung eingebunden. Und die Rekonstruktion des sprachtheoretischen Kontexts wird durch den Text zwar angeleitet, insgesamt jedoch der Leser*in &#252;berlassen.</p>
<p>Als lange Erz&#228;hlform gibt der Roman Raum f&#252;r ein ausgearbeitetes Worldbuilding, die Kombination mehrerer experimenteller Strategien innerhalb einer Handlung und die Beschreibung der Reaktionen und Handlungsweise der Figuren. Diese &#187;Vergegenw&#228;rtigungsleistung&#171; (Gabriel 19) erm&#246;glicht es, die dargestellten theoretischen Zusammenh&#228;nge &#187;in an intuitive and non-technical manner&#171; (Wiltsche 16) zu begreifen. Gerade f&#252;r Sprachtheorien bietet eine solche Einbettung in einen narrativen Zusammenhang die M&#246;glichkeit, vielf&#228;ltige Varianten durchzuspielen, zu vergleichen und zu testen.</p>
<p>Das bedeutet aber nicht, dass <italic>Embassytown</italic> eine Art theoretischer &#8250;Schl&#252;sselroman&#8249; w&#228;re, in dem es lediglich darum ginge, die entsprechende Theorie zu finden, um den wahren Gehalt zu verstehen. Vielmehr liegt der Witz darin, dass die fraglichen Theorien durch die narrative Verk&#246;rperung in soziale, politische und kulturelle Kontexte gesetzt werden: Jemand muss in und mit der fraglichen Sprache handeln, und dadurch zeigt sich ihre Funktionsweise bzw. ihre Unm&#246;glichkeit. In diesem Sinne kann <italic>Embassytown</italic> zwar insgesamt als eine Art &#8250;narratives Experiment&#8249; gelesen werden, das aber als solches eben nur funktionieren kann, <italic>weil</italic> der Roman auch als Erz&#228;hltext f&#252;r sich stehen kann.</p>
<p>Der Roman braucht im Gegensatz zur Abhandlung kein koh&#228;rentes theoretisches Ganzes oder &#220;bersichtlichkeit zu bieten &#8211; man kann der Handlung problemlos folgen, ohne mehr zu wissen, als durch die Figurenkommentare im Roman angedeutet ist; und ob die verwendeten Theorien in jeder Hinsicht vereinbar sind, spielt keine Rolle f&#252;r das Verst&#228;ndnis der Handlung. Auch stehen an manchen Stellen des Romans die Erfordernisse der Erz&#228;hlhandlung, an anderen diejenigen der Theorie im Vordergrund. Aber es kommt eben auf den Gewinn an Komplexit&#228;t an, den die Verk&#246;rperung im Roman bietet. Dazu geh&#246;rt auch, dass Aspekte, die in einem reinen Gedankenexperiment irrelevant w&#228;ren, im Roman neue Verbindungen herstellen. So geht es eben nicht nur um die Konstruktion einer unm&#246;glichen Sprache, sondern auch um die Frage nach der Darstellbarkeit einer radikal fremden Kultur und nach den Bedingungen von Kommunikation. Das sieht man z. B. an der Rolle, die die Erz&#228;hlperspektive spielt: Die Form der Ich-Erz&#228;hlung erm&#246;glicht das Ausblenden von Informationen &#252;ber die Ariekei-Kultur; so ist diese zwar in der Handlung als Faktor gesetzt, bleibt aber f&#252;r die Leser*innen unerreichbar. In einem reinen Gedankenexperiment h&#228;tte ein solches Vorgehen keinen Sinn, im Roman dagegen wird so durch erz&#228;hlerische Mittel die Frage nach der Darstellbarkeit der Ariekei-Kultur aufgeworfen.</p>
<p>Auch die Literalisierung von Metaphern tr&#228;gt zu dieser Komplexit&#228;t bei und h&#228;lt eine &#228;hnliche Balance zwischen der Ebene der Romanhandlung und der Ebene des Experiments. Mi&#233;ville beschreibt diesen Kunstgriff folgenderma&#223;en:</p>
<disp-quote>
<p>What unites the genre of fantasy/Gothic and the genre of the science fiction is that they <italic>literalize their metaphors</italic>. [&#8230;] To literalize your metaphor does not mean that it stops being a metaphor, but it invigorates the metaphor because it embeds its referent within the totality of the text, with its own integrity and realism. (<xref ref-type="bibr" rid="B17">Shapiro 65</xref>)</p>
</disp-quote>
<p>In <italic>Embassytown</italic> ist Sprache in diesem Sinne auf der Ebene der Handlung ein Virus, das die Ariekei und ihre Maschinen bef&#228;llt; als Plot-Element ist das Sprachvirus integraler Teil einer komplexen Welt. Auf der Ebene des Experiments evoziert die Metapher der Sprache als Virus die Materialit&#228;t des sprachlichen Zeichens und seine wirkungsm&#228;chtige Zirkulation in einer Gesellschaft.</p>
<p>Wenn man <italic>Embassytown</italic> auf diese Weise analysiert, kann man dem Roman eine dreifache Pointe abgewinnen: Es geht um sprachphilosophische Fragen und damit verbunden um die Darstellbarkeit der &#8250;anderen&#8249; Kultur; es geht um den pers&#246;nlichen und politischen Umgang mit dem Fremden im Kontext kolonialer Herrschaftsverh&#228;ltnisse; und schlie&#223;lich geht es um die Darstellbarkeit von theoretischen Zusammenh&#228;ngen in einem narrativen Text.</p>
<p>Mi&#233;ville selbst benennt &#187;the specifics of metaphor and the specifics of language as theology&#171; (<xref ref-type="bibr" rid="B11">Miller 598</xref>) als die sprachphilosophischen Hauptthemen von <italic>Embassytown</italic>. Vor allem geht es darum, gegen eine direkte Verbindung von Wort, Gedanke und Gegenstand zu argumentieren und damit gegen die Vorstellung einer &#8250;paradiesischen&#8249; Sprache. Umgekehrt wird die zentrale Rolle des Metapherngebrauchs f&#252;r menschliche Sprachen betont. Es werden noch eine Reihe weitere Themen angesprochen, wie Deixis, der Zusammenhang von Stimme und Subjekt oder die Materialit&#228;t des Zeichens, sie spielen aber eine weniger zentrale Rolle im Text. Geb&#228;rdensprachen werden als Thema weder ganz korrekt dargestellt, noch erhalten sie hinreichend Raum. Der allgemeine Punkt &#187;metaphor is everything&#171; (<xref ref-type="bibr" rid="B11">Mi&#233;ville in Miller 600</xref>), in dem Sinne, dass menschliche Sprachen ohne Metaphern kaum funktionieren k&#246;nnten, ist in dieser Allgemeinheit in der Sprachwissenschaft dagegen anschlussf&#228;hig &#8211; wenn der Roman auch die daraus folgenden Probleme der Abgrenzung von metaphorischem und nicht-metaphorischem Sprechen oder der genauen Funktionsweise metaphorischen Sprechens nicht angeht.</p>
<p>In der Romanhandlung verbinden sich die sprachphilosophischen Themen mit der Unm&#246;glichkeit, die Kultur der Ariekei direkt zu beschreiben, so dass diese nur an der Peripherie der Handlung aufscheint. F&#252;r <italic>Embassytown</italic> als Kolonialismuserz&#228;hlung hat das allerdings zur Folge, dass das (zumindest vorl&#228;ufig) gute Ende des Romans durch eine radikale Ver&#228;nderung und Anpassung der Ariekei-Kultur erkauft ist (<xref ref-type="bibr" rid="B22">Z&#228;hringer 528</xref>). Der Unsagbarkeitstopos, der zentral f&#252;r das Gedankenexperiment ist, markiert eine Grenze des Erz&#228;hlens, die uns als Leser*innen auf unsere eigene Perspektive zur&#252;ckwirft.</p>
<p><italic>Embassytown</italic> hat dar&#252;ber hinaus eine metafiktionale Pointe: Der Roman demonstriert, wie theoretische Fragen in einen narrativen Kontext verwoben werden k&#246;nnen: z. T. durch den R&#252;ckgriff auf eine Art Gedankenexperiment, z. T. durch andere narrative Strategien wie die Literalisierung von Metaphern. Man kann das als Kommentar zu Suvins klassischer Definition der SF als &#187;<italic>Literatur der erkenntnisbezogenen Verfremdung</italic>&#171; (<xref ref-type="bibr" rid="B18">24</xref>) sehen: Mi&#233;ville zeigt mit <italic>Embassytown</italic>, dass die Vorstellung, SF m&#252;sse eine wissenschaftlich legitimierte (<xref ref-type="bibr" rid="B18">Suvin 35 f.</xref>), &#187;realistische Irrealit&#228;t&#171; (<xref ref-type="bibr" rid="B18">Suvin 12</xref>) schaffen, um einen Erkenntnisfortschritt zu erzeugen, zu kurz greift.<xref ref-type="fn" rid="n14">14</xref> Als &#8250;weirde&#8249; Science-Fiction &#252;berschreitet <italic>Embassytown</italic> die Grenzen zwischen Erz&#228;hlung und Theorie und macht den Roman selbst zum Experimentierfeld.</p>
</sec>
</body>
<back>
<fn-group>
<fn id="n1"><p>Im Original deutsch.</p></fn>
<fn id="n2"><p><xref ref-type="bibr" rid="B10"><italic>Embassytown</italic></xref> wird als &#8250;E&#8249; zitiert, gefolgt von der Seitenzahl.</p></fn>
<fn id="n3"><p><italic>Embassytown</italic> wird gelegentlich aufgrund seiner Bezugnahme auf sprachphilosophische Probleme allgemein als &#8250;Gedankenexperiment&#8249; bezeichnet (z. B. <xref ref-type="bibr" rid="B6">G&#322;az 336</xref>), der Experimentcharakter des Textes wird aber nicht i. E. erl&#228;utert.</p></fn>
<fn id="n4"><p>Wo &#220;bersetzungen in Klammern gegeben werden, entsprechen sie der im Literaturverzeichnis angegebenen &#220;bersetzung von <italic>Embassytown</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B10"><italic>Die Stadt der Fremden</italic></xref>).</p></fn>
<fn id="n5"><p>Mit G&#322;az (336) kann man bei dieser Suche nach ontologischer Verankerung auch an die Akademie in Lagado aus <italic>Gulliver&#8217;s Travels</italic> (1726) denken, wo man versucht, W&#246;rter durch die entsprechenden Gegenst&#228;nde zu ersetzen, oder an die Houyhnhnms, die kein Konzept von L&#252;ge haben.</p></fn>
<fn id="n6"><p>In den &#187;Acknowledgments&#171; zu Beginn des Romans hei&#223;t es &#187;Among the writers I am particularly grateful to are I. A. Richards, Paul Ricoeur [sic], and Tran Duc Thao [sic]&#171; (E, ohne Seitenzahl) Diese Danksagung findet sich nicht in allen Ausgaben des Romans. Von Walter Benjamin stammt das Motto, das dem Roman vorangestellt ist.</p></fn>
<fn id="n7"><p>Weakland (<xref ref-type="bibr" rid="B21">86</xref>) zieht in diesem Zusammenhang zu Recht die Verbindung vom Hegelzitat in <italic>Embassytown</italic> zu Derrida. In Derridas <italic>Grammatologie</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B3">23</xref>) wird gerade Hegels <italic>&#196;sthetik</italic> als Beispiel f&#252;r den Phonozentrismus der westlichen philosophischen Tradition angef&#252;hrt, der die Stimme als transparentes Medium f&#252;r das Selbst- und Weltverh&#228;ltnis des Subjekts ansieht.</p></fn>
<fn id="n8"><p>Man mag bei ihnen vielleicht an Holbeins &#187;The Ambassadors&#171; denken (siehe <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://www.nationalgallery.org.uk/paintings/hans-holbein-the-younger-the-ambassadors">www.nationalgallery.org.uk/paintings/hans-holbein-the-younger-the-ambassadors</ext-link>). Holbeins Doppelportr&#228;t stellt zwei unterschiedliche (und auch unterschiedlich gekleidete) Personen dar, deren &#196;hnlichkeit und symmetrische K&#246;rperhaltung aber ihre Zusammengeh&#246;rigkeit betonen.</p></fn>
<fn id="n9"><p>Die Gruppe der &#8250;Languageless&#8249; wird im Roman auch als &#8250;Absurd&#8249; bezeichnet (aus der von Mi&#233;ville favorisierten Vorsilbe &#8250;ab-&#8249; f&#252;r alles &#8250;Weirde&#8249; und dem lateinischen Wort f&#252;r &#8250;geh&#246;rlos&#8249; (E 278)). Zwar &#252;berwinden die &#8250;Languageless&#8249; ihre Sprachlosigkeit im Lauf der Romanhandlung, aber es bleibt schwierig, diese Bezeichnungen anders als bestenfalls irref&#252;hrend (siehe Abschnitt &#187;Die Entstehung neuer Sprachen&#171;), schlimmstenfalls diskriminierend zu lesen.</p></fn>
<fn id="n10"><p>Die Ariekei werden von den Bewohner*innen von Embassytown &#8250;Hosts&#8249; genannt, was &#8250;Gastgeber&#8249; bedeutet, aber ebenso auf einen von einem Virus befallenen Organismus verweisen kann.</p></fn>
<fn id="n11"><p>Als &#8250;ideographisch&#8249; wurden traditionell Schriften bezeichnet, von denen man annahm, dass sie sich direkt auf Gedanken oder Begriffe beziehen, unter Umgehung der gesprochenen Sprache. Man nahm z. B. an, dass das Chinesische eine solche Schrift sei. Die moderne Schrifttheorie vertritt diese Auffassung nicht mehr und verwendet auch die Bezeichnung nicht mehr. Was im Roman genau damit gemeint ist, wird nicht erkl&#228;rt. Dass eine Schrift gemeint ist, die Gedanken schreibt, ist eher unwahrscheinlich, da das der urspr&#252;nglichen Ariekei-Sprache zu &#228;hnlich w&#228;re. Es steht eher zu vermuten, dass es sich um eine Schrift handeln soll, die sich nicht an den Untergliederungen der gesprochenen Sprache orientiert.</p></fn>
<fn id="n12"><p>Die Wendung der Handlung beruht darauf, dass sich mit der Sprache der Ariekei auch ihr Denken &#228;ndert. Das entspricht der Logik der Ariekei-Sprache, in der Denken und Sprechen eins sind. Man hat daher <italic>Embassytown</italic> auch mit der Sapir-Whorf-Hypothese in Verbindung gebracht (<xref ref-type="bibr" rid="B12">Nediger 30</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B6">G&#322;az 344</xref>). Tats&#228;chlich liegt es in der Logik der Handlung, dass sich mit den sprachlichen M&#246;glichkeiten der Ariekei auch ihre Gedankenwelt &#228;ndert, allerdings kann das nat&#252;rlich nur retrospektiv festgestellt werden, da das Denken der Ariekei vor der Verwandlung unzug&#228;nglich bleibt. Insofern geht es nicht thematisch um diese Hypothese, vielmehr wird sie verwendet, um die anderen Theorien in die Handlung einzubinden: &#187;I know the Sapir-Whorf hypothesis is wrong. What I thought was that it was an interesting peg for a story&#171; (<xref ref-type="bibr" rid="B11">Mi&#233;ville in Miller 598</xref>).</p></fn>
<fn id="n13"><p>Es ist eine Geb&#228;rdensprache, die Nicaraguan Sign Language, die in der Sprachwissenschaft als ein Paradebeispiel f&#252;r die Emergenz einer Sprache im Gebrauch einer Gemeinschaft gilt (<xref ref-type="bibr" rid="B16">Senghas und Coppola</xref>).</p></fn>
<fn id="n14"><p>Zu Mi&#233;villes Auseinandersetzung mit Suvin siehe Miller.</p></fn>
</fn-group>
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<title>Autorin</title>
<p>Elisabeth Birk ist Senior Lecturer am Department of German der Universit&#228;t Malta (<ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.um.edu.mt/arts/german/">L-Universit&#224; ta&#8217; Malta</ext-link>). Nach einer Promotion im Fach Germanistische Linguistik an der RWTH Aachen war sie Postdoc an der Freien Universit&#228;t Berlin im Graduiertenkolleg &#187;Schriftbildlichkeit&#171; und hat an den Universit&#228;ten Aachen, Chemnitz und Hamburg unterrichtet.</p>
<p>Sie hat u. a. Aufs&#228;tze zu Schrifttheorie, Semiotik und Metaphern verfasst. Sie ist Mitherausgeberin eines Sammelbandes zu Schrift und eines Bandes zu Roland Barthes sowie eine der &#220;bersetzerinnen von Saussures <italic>Wissenschaft der Sprache</italic>.</p>
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<title>Konkurrierende Interessen</title>
<p>Die Autorin hat keine konkurrierenden Interessen zu erkl&#228;ren.</p>
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<title>Zitierte Werke</title>
<ref id="B1"><label>1</label><mixed-citation publication-type="journal"><string-name><surname>Benjamin</surname>, <given-names>Walter</given-names></string-name>. <article-title>&#187;&#220;ber Sprache &#252;berhaupt und &#252;ber die Sprache des Menschen&#171;</article-title>. <source>Sprache und Geschichte: Philosophische Essays</source>, Hg. <string-name><surname>Rolf Tiedemann</surname>, <given-names>Reclam</given-names></string-name>, <year>1992</year>. <fpage>30</fpage>&#8211;<lpage>49</lpage>.</mixed-citation></ref>
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<ref id="B3"><label>3</label><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Derrida</surname>, <given-names>Jacques</given-names></string-name>. <source>De la Grammatologie</source>. <publisher-name>Les &#201;ditions de Minuit</publisher-name>, <year>1967</year>.</mixed-citation></ref>
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