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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung</journal-title>
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<article-title>Fantastikforschung als Beruf</article-title>
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<aff id="aff-2"><label>2</label>Freie Forscher, DE</aff>
<aff id="aff-3"><label>3</label>Philipps-Universit&#228;t Marburg, DE</aff>
<aff id="aff-4"><label>4</label>Technische Universit&#228;t Dresden, DE</aff>
<aff id="aff-5"><label>5</label>Universit&#228;t Klagenfurt, AT</aff>
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<aff id="aff-7"><label>7</label>University of California, Riverside, US</aff>
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<license-p>Die Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung ist eine Open-Access-Zeitschrift mit Peer-Review-Verfahren, die von der Open Library of Humanities ver&#246;ffentlicht wird. &#169; 2023 Der/die Autor*innen. Dieser Open-Access-Beitrag ist lizenziert durch die Creative-Commons Lizenz BY-SA. Diese Lizenz erlaubt es Wiederverwender*innen, das Material in jedem Medium oder Format zu verteilen, zu remixen, anzupassen und darauf aufzubauen, solange der/die Urheber*in genannt wird. Die Lizenz erlaubt die kommerzielle Nutzung. Wenn Sie das Material neu mischen, anpassen oder darauf aufbauen, m&#252;ssen Sie das modifizierte Material unter identischen Bedingungen lizenzieren. Vgl. <uri xlink:href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de">https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de</uri>.</license-p>
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<p>Forum on research into the fantastic as a profession.</p>
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<title>Zur Fantastikforschung berufen</title>
<p>Simon Spiegel</p>
<p>Die Zeitschrift, die Sie in den H&#228;nden halten oder vielmehr in irgendeiner digitalen Form lesen, tr&#228;gt den Namen <italic>Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung</italic>; sie ist das offizielle Organ der Gesellschaft f&#252;r Fantastikforschung. Fantastikforschung pr&#228;sentiert sich, so scheint es zumindest im Kontext der <italic>ZFF</italic> respektive GFF, als eine relativ klar umrissene Angelegenheit. Dieser Schein ist allerdings tr&#252;gerisch, denn wenn man versucht, diese <italic>Sache</italic>, f&#252;r die Fantastikforschung ein Beispiel sein soll, genauer zu bestimmen, wird es rasch schwierig. Was ist Fantastikforschung eigentlich? Eine Wissenschaft, eine Disziplin, eine Methode, ein Ansatz? All das scheint nicht wirklich zutreffend. Fantastikforschung definiert sich ausschlie&#223;lich &#252;ber ihr Thema, &#252;ber das Gebiet oder Feld, mit dem sie sich besch&#228;ftigt &#8211; eben der Phantastik.</p>
<p>Viel weiter bringt einen diese Einsicht freilich nicht, denn Phantastik ist notorisch schwierig zu fassen. Das beginnt bereits bei der Schreibweise. So steht f&#252;r mich &#8211; obwohl ich seit mehreren Jahren Redakteur der Zeitschrift bin &#8211; eindeutig fest, dass Phantastik unbedingt mit &#8250;Ph&#8249; geschrieben werden sollte und die Variante mit &#8250;F&#8249;, die f&#252;r die Zeitschrift gew&#228;hlt wurde, Ausdruck von Banausentum ist. Aber nat&#252;rlich beschr&#228;nken sich die Schwierigkeiten nicht auf so triviale Dinge wie Schreibweisen, sondern finden ihre Fortsetzung in den unz&#228;hligen Diskussionen, was Phantastik <italic>denn nun wirklich ist</italic>. Diskussionen, die ich an dieser Stelle f&#252;r einmal nicht wieder aufrollen m&#246;chte.<xref ref-type="fn" rid="n1">1</xref> Ich belasse es lediglich beim Hinweis, dass in den elf Jahren, die es die <italic>ZFF</italic> schon gibt, darin unter anderem Artikel zu <sc>Star-Wars</sc>-Fans, dystopischen Fernsehserien, Rollenspielen, Verschw&#246;rungstheorien, Filmen mit phantastischen Autos sowie Fantasy-Serien erschienen sind, aber auch Interviews mit einer Spieldesignerin und einem &#214;konomen. Zumindest eines scheint somit klar: Inhaltlich ist die Phantastikforschung denkbar breit aufgestellt.</p>
<p>Die inhaltliche Breite setzt sich in der Vielzahl methodischer Ans&#228;tze fort. Von relativ klassischen literaturwissenschaftlich-hermeneutischen Herangehensweisen &#252;ber mehr historisch oder kulturwissenschaftlich ausgerichtete Analysen bis zu empirisch-sozialwissenschaftlichen Untersuchungen war in der <italic>ZFF</italic> schon alles vertreten.</p>
<p>Phantastikforschung, so ein erster Befund, l&#228;sst sich somit nicht viel genauer bestimmen denn als &#8250;wissenschaftliche Besch&#228;ftigung mit nicht-realistischen k&#252;nstlerischen Werken&#8249;. Was bedeutet die Breite unseres Feldes aber f&#252;r uns als Phantastikforscherinnen und -forscher? Was sagt es &#252;ber unser eigenes Selbstverst&#228;ndnis aus, wenn wir jenseits einer Allgemeinstdefinition keinen gemeinsamen Nenner finden? Ist es da noch sinnvoll, von Phantastikforschung zu sprechen, ja verstehen wir uns selbst denn &#252;berhaupt als Phantastikforscher:innen und nicht eher als Literaturwissenschaftler, Filmwissenschaftlerinnen, Soziologen, Philosophinnen etc.? Und welche Konsequenzen hat ein Bekenntnis zur Phantastikforschung f&#252;r die eigene wissenschaftliche Arbeit und eine m&#246;gliche akademische Karriere?</p>
<p>Innerhalb der <italic>ZFF-</italic>Redaktion diskutieren wir diese und &#228;hnliche Fragen mit sch&#246;ner Regelm&#228;&#223;igkeit, und wann immer wir uns eingehender mit ihnen besch&#228;ftigen, sehen wir uns bald mit Grundlegendem konfrontiert. Mit wissenschaftstheoretischen und methodologischen &#220;berlegungen dazu, was eigentlich eine Disziplin ausmacht und wie man in einem bestimmten Fach sozialisiert wird. Daran schlie&#223;en sich fast von selbst praktischer ausgerichtete Abw&#228;gungen zur Karriereplanung an. Wie positioniert man sich am geschicktesten im hart umk&#228;mpften akademischen Markt, mit welchen Themen kann man wohl am meisten punkten? Fast unweigerlich landen wir dann auch bei l&#228;ngst ad acta geglaubten Diskussion um Hoch- und Popul&#228;rkultur, um den in deutschsprachigen Landen besonders gern gef&#252;hrten Kampf von E gegen U. Verbaue ich mir den Weg zu einer Professur f&#252;r Deutsche Literaturwissenschaft, wenn ich zu <italic>Perry Rhodan</italic> promoviere? Oder geht es nur darum, die Sache geschickt zu drehen und im Titel auf einen kanonisierten &#8211; in aller Regel toten wei&#223;en, m&#228;nnlichen &#8211; Autor wie Johann Wolfgang Goethe, Thomas Mann oder Ernst J&#252;nger zu verweisen, die alle auch in phantastischen Gefilden t&#228;tig waren? Sind junge F&#228;cher wie die Game oder Fandom Studies offener, oder ist man in diesen nach wie vor exotischen Disziplinen erst recht gut beraten, wenn man zumindest teilweise an etablierte Diskurse andockt?</p>
<p>Nachdem die Foren vergangener <italic>ZFF-</italic>Ausgaben Themen aufgriffen, die in der einen oder anderen Weise von allgemeiner Relevanz waren, haben wir uns f&#252;r diese Ausgabe ganz bewusst f&#252;r eine Innenschau entschieden und verschiedene Vertreterinnen und Vertreter unseres &#8211; wenn wir es mal so nennen wollen &#8211; Fachs danach gefragt, wie sie sich innerhalb der Phantastikforschung positionieren. Wir waren bem&#252;ht, ein breites Spektrum abzudecken, vom Doyen des Fachs <xref ref-type="bibr" rid="B27">Dieter Petzold</xref> &#8211; der derartigen Ehrentiteln allerdings skeptisch gegen&#252;bersteht &#8211; &#252;ber den &#187;freiberuflichen Phantastikforscher&#171; Frank Weinreich bis zu Sheryll Vint, die an der UC Riverside in Kalifornien eines der wenigen universit&#228;ren Programme leitet, die sich ganz der Phantastik verschreiben.</p>
<p>Wobei die letzte Aussage im Grunde nicht korrekt ist, denn das Programm, dem Vint vorsteht, hei&#223;t mit vollem Namen &#8250;Speculative Fictions and Cultures of Science Program&#8249;, und in ihrem Text spricht sie wechselweise von &#8250;Science&#8249; und &#8250;Speculative Fiction&#8249; (ein Umstand, der uns bei der &#220;bersetzung ihres Beitrags einiges Kopfzerbrechen bereitet hat). Dass der Begriff &#8250;Phantastik&#8249; respektive &#8250;fantastic&#8249; in ihrem Beitrag nicht auftaucht, d&#252;rfte zwar prim&#228;r an unterschiedlichen sprachlichen Traditionen liegen, dennoch hat die Forschung von Vint und ihren Kolleg:innen &#8211; die Vokabel &#8250;science&#8249; zeigt es deutlich an &#8211; einen klaren Schwerpunkt im Bereich der SF. High Fantasy in der Tradition Tolkiens, klassische M&#228;rchen und &#252;bernat&#252;rlicher Horror im Stile Stephen Kings &#8211; alles Themen, denen man an einer GFF-Tagung typischerweise begegnet &#8211;, stehen eindeutig nicht im Mittelpunkt. Das hat das Programm an der UCR bei allen Unterschieden mit dem Forschungsschwerpunkt Critical Future Studies an der TU Dresden gemeinsam, &#252;ber den Julia Gatermann in ihrem Beitrag spricht.</p>
<p>Hier wird nicht nur einmal mehr deutlich, dass Phantastikforschung eben nicht gleich Phantastikforschung ist, sondern dass, zumindest wenn es darum geht, welche Vorhaben Chancen auf Unterst&#252;tzung haben, was in welchem Umfang institutionalisiert wird, wohl doch so etwas wie eine inoffizielle Hierarchie innerhalb unseres vagen Feldes existiert. Dass sich eine deutschsprachige Universit&#228;t in absehbarer Zukunft dazu entschlie&#223;en sollte, analog zur Pionierleistung der TU Dresden einen Lehrstuhl f&#252;r Critical Fantasy Studies oder dergleichen einzurichten, ist doch ziemlich unwahrscheinlich. Zwar setzt sich selbst in den Germanistik-Instituten, die diesbez&#252;glich wohl zu den konservativsten akademischen Einrichtungen geh&#246;ren, allm&#228;hlich die Einsicht durch, dass SF-Texte nicht blo&#223; dem Eskapismus fr&#246;nen, sondern uns etwas Substanzielles zu sagen haben. Fantasy dagegen wird nach wie vor gerne prim&#228;r im Kontext von Kinder- und Jugendliteratur diskutiert, erscheint nach wie vor als nur bedingt satisfaktionsf&#228;hig; daran scheinen weder der Erfolg von <italic>Harry Potter</italic> (1997&#8211;2007), <sc>Game of Thrones</sc> (<xref ref-type="bibr" rid="B3">US 2011&#8211;2019</xref>, Idee: David Benioff und D. B. Weiss) und Konsorten etwas zu &#228;ndern noch die Traditionslinie, die sich von diesen zu kanonisierten Werken wie den Kunstm&#228;rchen der Romantik oder den Opern Richard Wagners ziehen lie&#223;e.</p>
<p>Wobei hier auch die Frage erlaubt sei, ob es der Fantasy diesbez&#252;glich denn gro&#223; anders ergeht als praktisch aller Genreliteratur. Wie viele <xref ref-type="bibr" rid="B32">literaturwissenschaftliche</xref> Seminare werden denn zum Krimi oder zum Arztroman angeboten? Gibt es irgendwo im deutschen Sprachraum einen Lehrstuhl f&#252;r Thriller oder Westernliteratur? Die Schwierigkeiten, welche die Germanistik nach wie vor mit gro&#223;en Bereichen der Phantastik bekundet, sind letztlich Ausdruck einer grunds&#228;tzlichen Skepsis gegen&#252;ber popul&#228;ren Formen, die andere F&#228;cher zumindest in so ausgepr&#228;gter Form nicht kennen. Meine Heimdisziplin etwa, die Filmwissenschaft, besch&#228;ftigt sich seit jeher mit massenwirksamer Unterhaltung. Alles andere w&#228;re auch schlicht undenkbar; eine Filmwissenschaft, die das popul&#228;re Kino und somit die gesamte Produktion Hollywoods ignorieren w&#252;rde, w&#228;re eine ziemlich absurde Angelegenheit. Dies mag ein Grund daf&#252;r sein, dass ich weder bei meinem Promotions- noch bei meinem Habilitationsprojekt &#8211; Ersteres besch&#228;ftigte sich mit dem Science-Fiction-Film (<italic>Konstitution</italic>), Letzteres mit Utopien im Dokumentar- und Propagandafilm (<italic>Bilder</italic>) &#8211; je auf nennenswerte Widerst&#228;nde stie&#223;.</p>
<p>Dass ich an dieser Stelle mit meinen eigenen, notgedrungen anekdotischen Erfahrungen argumentiere, entspricht &#252;brigens ganz dem Stil der &#252;brigen Forumsbeitr&#228;ge, die alle eine mehr oder weniger stark ausgepr&#228;gte autobiografische Note besitzen. Im Zentrum steht fast immer die Schilderung des eigenen Werdegangs. Wie hat es der oder die Beitragende geschafft, sich in der pers&#246;nlichen Nische mehr oder weniger behaglich einzurichten, welche Hindernisse galt es zu &#252;berwinden, welche Gl&#252;cks- und Zuf&#228;lle waren ausschlaggebend?</p>
<p>So unterschiedlich und durch die jeweils ganz individuelle Situation gepr&#228;gt die verschiedenen Lebensl&#228;ufe sein m&#246;gen, im Vergleich zeigen sich dennoch einige Gemeinsamkeiten. Selbst wenn die Karriere in der Phantastikforschung oft urspr&#252;nglich nicht geplant war und sich l&#228;ngst nicht alle Beitragenden prim&#228;r als Phantastik-Forschende verstehen, steht doch immer die Begeisterung f&#252;r den Gegenstand im Zentrum. Man schreibt nicht zuf&#228;llig oder aus Verlegenheit, mangels besserer Alternativen, eine Dissertation &#252;ber <italic>Harry-Potter-</italic> und <italic>The-Lord-of-The-Rings</italic>-Fans oder Pen&amp;Paper-Rollenspiele, wie es Sophie G. Einw&#228;chter respektive Ren&#233; Schallegger taten, sondern weil dies Themen sind, die der jeweiligen Forscherin, dem jeweiligen Forscher unter den N&#228;geln brennen, die sie begeistern.</p>
<p>Auff&#228;llig ist auch, dass fast alle Beitr&#228;ge erw&#228;hnen, wie gut sich phantastische Themen f&#252;r die Lehre eignen, dass sich mit ihnen nicht nur ganz unterschiedliche Perspektiven und Methoden behandeln lassen, sondern dass die Studierenden in aller Regel auch darauf ansprechen. Dies d&#252;rfte nicht nur daran liegen, dass vielen Studentinnen und Studenten Avengers-Filme oder Horror-Serien n&#228;her liegen als Romane des b&#252;rgerlichen Realismus, auch die Begeisterung der Dozierenden d&#252;rfte hier ein wesentlicher Faktor sein. Im Grunde ist es nicht weiter erstaunlich: Wenn man etwas mit Leidenschaft vortr&#228;gt, springt der Funke viel eher &#252;ber, als wenn man ein Pflichtprogramm runterspult.</p>
<p>Es ist zu hoffen, dass auch Wissenschaftler:innen au&#223;erhalb der Phantastikforschung mehrheitlich an Themen arbeiten, f&#252;r die sie sich genuin interessieren. Dennoch zeichnet sich die Phantastikforschung &#8211; so zumindest mein Eindruck, der sich im Forum best&#228;tigt &#8211; durch einen besonders ausgepr&#228;gten Enthusiasmus f&#252;r den untersuchten Gegenstand aus. L&#228;ngst nicht alle Phantastikforschenden sind Fans, aber ich kenne neben den j&#228;hrlichen GFF-Tagungen (und angels&#228;chsischen Gegenst&#252;cken) keine andere Konferenz, an der man beim Kaffeegespr&#228;ch zwischen zwei Panels nicht nur ganz unkritisch vom neusten Marvel-Blockbuster schw&#228;rmen kann, sondern auch reibungslos von einer hoch differenzierten Diskussion postkolonialer Theorie zu einem Bericht &#252;ber die unl&#228;ngst gespielte Rollenspielsession &#252;bergehen kann. Vor allem habe ich kein anderes wissenschaftliches Setting erlebt, in dem man das offen tun kann, ohne dass jemand daran Ansto&#223; nimmt oder sich zumindest sehr erstaunt zeigt.</p>
<p>Es ist sicher kein Zufall, dass der Urtext der Fan Studies, <xref ref-type="bibr" rid="B22">Henry Jenkins&#700;</xref> <italic>Textual Poachers</italic>, von einem bekennenden SF-Fan mit medienwissenschaftlichem Hintergrund stammt. Jenkins hat f&#252;r seine eigene Position, in der sich sein Fan- und Wissenschaftler-Dasein &#252;berlagern, den Begriff des &#8250;Aca-Fan&#8249; gepr&#228;gt. Bei weitem nicht alle Forschenden auf dem Gebiet der Phantastik sind Aca-Fans &#8211; ich selbst habe mich trotz mittlerweile &#252;ber zwanzigj&#228;hriger Besch&#228;ftigung mit SF nie als Fan verstanden &#8211;, aber eine gewisse Fan-Qualit&#228;t durchzieht die ganze Phantastikforschung. Und vielleicht ist es gerade diese im besten Sinne jugendliche Begeisterung f&#252;r den Forschungsgegenstand, die uns als Phantastikforscher:innen trotz aller Unterschiede verbindet. So wenig greifbar und unscharf diese <italic>differentia specifica</italic> auch sein mag &#8211; Enthusiasmus ist beileibe nicht die schlechteste Basis f&#252;r gemeinsame wissenschaftliche Arbeit.</p>
<sec>
<title>Autor</title>
<p>PD Dr. Simon Spiegel ist Research Fellow am Seminar f&#252;r Filmwissenschaft der Universit&#228;t Z&#252;rich und Privatdozent an der Universit&#228;t Bayreuth. Er ist Chefredakteur der <italic>Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung</italic> und schreibt regelm&#228;&#223;ig f&#252;r diverse Publikationen &#252;ber Film und verwandte Themen. <xref ref-type="bibr" rid="B40">2019</xref> ist seine Habilitationsschrift <italic>Bilder einer besseren Welt. Die Utopie im nichtfiktionalen Film</italic> bei Sch&#252;ren erschienen; auf Englisch als <italic>Utopias in Nonfiction Film</italic> (Palgrave Macmillan 2021). Weitere ausgew&#228;hlte Publikationen: <italic>Utopia and Reality. Documentary, Activism and Imagined Worlds</italic> (Mitherausgeber, University of Wales Press <xref ref-type="bibr" rid="B41">2020</xref>); <italic>Theoretisch phantastisch. Eine Einf&#252;hrung in Tzvetan Todorovs Theorie der phantastischen Literatur</italic> (p.machinery 2010); <italic>Die Konstitution des Wunderbaren. Zu einer Poetik des Science-Fiction-Films</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B38">Sch&#252;ren 2007</xref>).</p>
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<title>Zu den M&#246;glichkeiten der au&#223;erakademischen Phantastikforschung</title>
<p>Frank Weinreich</p>
<p>Mein Name ist Frank Weinreich, und ich bin unabh&#228;ngiger Phantastikforscher. Der deklarative Effekt dieser Aussage bezeichnet hier jemanden, der au&#223;erhalb universit&#228;rer Kreise diesem Interesse nachgeht, was doch eher ungew&#246;hnlich ist, denn &#252;blicherweise findet Phantastikforschung im akademischen Umfeld statt. Das ist ein Umfeld, dem ich durchaus entstamme, aber vier F&#252;nftel meiner Arbeiten und Publikationen stammen aus der Zeit, als ich die Universit&#228;t bereits verlassen und mich selbst&#228;ndig gemacht hatte. Was aufgrund der Freiheiten als unabh&#228;ngiger Forscher zwar sehr befriedigend, aber nicht immer einfach war. Forschungsarbeiten k&#246;nnen bekanntlich alles M&#246;gliche sein, sind eines aber stets mit Sicherheit &#8211; und zwar zeitintensiv und aufwendig. Ist es also m&#246;glich und sinnvoll, au&#223;erhalb der Universit&#228;t oder einer anerkannten Forschungseinrichtung Forschung zu betreiben? Wobei die M&#246;glichkeit ganz offensichtlich gegeben ist, denn es gibt ja au&#223;erakademische Forscherinnen und -forscher. Im angels&#228;chsischen Sprachraum hat sich daf&#252;r der &#187;independent scholar&#171; sogar als eigener Begriff etabliert. Da wir in den Geisteswissenschaften keine Teilchenbeschleuniger, Gaschromatographen oder Expeditionsgelder ben&#246;tigen, sondern nur den eigenen Kopf und ein solides Fundament theoretischer Vorkenntnisse &#252;ber unser Fach und dessen Herangehensweisen, wird das auch nicht weiter verwundern. Doch kann man angesichts des Umstands, dass man seinen Lebensunterhalt bestreiten muss, auch sinnvollerweise extra-universit&#228;r und damit ohne eine lohnbewehrte Stelle oder (Dritt-)Mittel forschen?</p>
<p>Diese Frage m&#246;chte ich mit der Darstellung meiner eigenen Forscher- und Arbeitsvita exemplarisch beantworten, um daran anschlie&#223;end allgemeinere Schl&#252;sse daraus zu ziehen und einige Ideen zu einer m&#246;glichen Ausweitung der Phantastikforschung und den Perspektiven von Forscherinnen und Forschern grob zu skizzieren.</p>
<p>Ich bin promovierter Philosoph und f&#252;hre ein Arbeitsleben als freier Lektor, Publizist und &#220;bersetzer. Nach dem Abitur habe ich eine Ausbildung zum Krankenpfleger durchlaufen, die in diesem Zusammenhang nur dahingehend von Bedeutung ist, dass mich diese Arbeit unter anderem gro&#223;e Disziplin lehrte; eine Eigenschaft, die sp&#228;testens wichtig wird, wenn man verschiedene Dinge auf lange Dauer gleichzeitig tun muss. Und das halte ich f&#252;r unvermeidlich, wenn man au&#223;erakademisch forschend arbeitet und den Lebensunterhalt zumindest anfangs zus&#228;tzlich bestreiten muss. Der Pflege folgte in den 1990er-Jahren ein Magister-Studium der Philosophie, der Kommunikations- und der Politikwissenschaften an der Ruhr-Universit&#228;t Bochum, an das sich eine Promotion in Philosophie &#252;ber Medizinethik und Technologiefolgenabsch&#228;tzung an der Uni Vechta anschloss, w&#228;hrend ich gleichzeitig fachfremd eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei den P&#228;dagogen an der TU Dortmund besetzte. Mein Ziel war urspr&#252;nglich eine akademische Laufbahn, womit ich infolge der Bologna-Reformen jedoch zunehmend fremdelte, denn diese Verschulung von Universit&#228;t entfernte sich zusehends von dem Lern- und Lehrideal, das ich bei Gadamer, Flasch, Rehn und anderen kennen- und sch&#228;tzen gelernt hatte. Angeregt durch die lebenslange Lekt&#252;re phantastischer Literatur und die utopischen und dystopischen Horizonte, die sich im Zusammenhang mit der Entschl&#252;sselung von Genomen und dem Fortschreiten der Medizintechnik ergaben, fand sich ein Anschluss meiner Lekt&#252;ren an meine wissenschaftliche Arbeit, die ihren Ausdruck in einer Reihe von Publikationen und Vortr&#228;gen fand, zu denen sich bald weitere Arbeiten zu anderen Phantastikgenres und -topoi gesellten. Einige davon weckten wiederum das Interesse von Verlagen an meiner Arbeit dahingehend, dass man mir solide Phantastik-Kenntnisse und eine gute &#8250;Schreibe&#8249; attestierte und mich fragte, ob ich mir nicht zutraue, entsprechende Literatur auch zu lektorieren. Das er&#246;ffnete mir den Weg zu einer T&#228;tigkeit als freier Lektor, die mir nach einigen Jahren ausk&#246;mmliche Ertr&#228;ge und die M&#246;glichkeit zur weiteren wissenschaftlichen und popul&#228;ren Besch&#228;ftigung mit der Phantastik erm&#246;glichte. (Wobei ich auch Werbeprospekte und Kataloge korrigiert und &#252;berhaupt alle m&#246;glichen Textarten au&#223;er Lyrik &#252;berarbeitet habe &#8211; so ein Gesch&#228;ft baut sich langsam auf.)</p>
<p>Dieser Lebenslauf ist in vieler Hinsicht ungew&#246;hnlich und von manchen Gl&#252;cksf&#228;llen gekennzeichnet, aber doch nichts derart Besonderes, dass es nicht &#228;hnlich verzweigte Biografien g&#228;be, die dazu f&#252;hren, dass Menschen sich au&#223;erhalb des wissenschaftlichen Elfenbeinturmes der Phantastik &#8211; oder auch ganz anderen, aber ernsthaft betriebenen Forschungsaufgaben &#8211; widmen (k&#246;nnten). Es stellen sich dabei zwei Fragen.</p>
<p>Einmal geht es darum, inwieweit man es sich &#252;berhaupt erlauben kann, intensive Forschungsarbeit zu leisten, die nicht oder kaum verg&#252;tet wird. Ideal ist es, wenn sich Forschungsinteresse und Brotberuf irgendwie erg&#228;nzen und so Synergien entstehen k&#246;nnen. Nur d&#252;rfte das in der Regel nicht einfach sein. Und wird m&#246;glicherweise auch von Zuf&#228;llen abh&#228;ngen und sich somit nicht planen lassen. Dass ich neben Promotionsstudium und Wiss.-Mit.-Stelle Ende der 1990er-Jahre eine der damals ganz wenigen Internetseiten aufgebaut habe, die sich theoretisch mit Tolkiens <italic>The Lord of the Rings</italic> (1954&#8211;1955) besch&#228;ftigte (<ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://www.polyoinos.de">www.polyoinos.de</ext-link>) und kurz danach der Hype um Peter Jacksons Verfilmung einsetzte, der meiner Site f&#252;r ein, zwei Jahre t&#228;glich Tausende von Besuchern einbrachte, war so nicht geplant. Ich wollte einfach nur eine begr&#252;ndete Interpretation von Aspekten eines mir sehr wichtigen literarischen Werks loswerden und wurde letztlich dadurch als Lektor &#8250;entdeckt&#8249;.</p>
<p>Eine sich unerwartet &#246;ffnende T&#252;r wie diese ist auch in anderen Zusammenh&#228;ngen denkbar. Ein Erzieher mag vielleicht die p&#228;dagogischen M&#246;glichkeiten kindgerechter Phantastik entdecken und sp&#228;ter entscheidende theoretische Einblicke in dieses Gebiet darlegen und so die Forschung erweitern. Eine Ingenieurin k&#246;nnte in kritischer Reflexion der an sie gestellten Anforderungen Entscheidungshilfe in phantastischen Werken suchen, sich in diesen Aspekt der Science Fiction vertiefen und aus dieser Praxissicht neue Aspekte im gesamten Genre beleuchten. Und das sind jetzt nur Beispiele, die sich auf die Inhalte phantastischer Werke beziehen; formale, historische, &#228;sthetische, sprachliche und weitere Aspekte der Phantastikforschung bilden noch ganz andere Ansatzm&#246;glichkeiten und er&#246;ffnen Untersuchungsmethoden, die eben auch au&#223;eruniversit&#228;ren Forscherinnen und Forschern offenstehen.</p>
<p>Nur m&#252;ssen die au&#223;erakademischen Stimmen auch Geh&#246;r finden k&#246;nnen, und das ist die zweite Frage, die sich stellt, wenn wir &#252;ber &#187;freiberufliche Phantastikforschung&#171; reden, wie sie <xref ref-type="bibr" rid="B39">Simon Spiegel</xref> so sch&#246;n bezeichnete, als er mich wegen dieses Artikels ansprach. Die Frage lautet: &#187;Wird der Laie denn in der Akademie auch geh&#246;rt?&#171; Und diese Frage wird nicht den Forschenden gestellt, sondern den Institutionen und ihren Vertreterinnen und Vertretern. Wobei ich den Begriff &#187;Laie&#171; nat&#252;rlich bewusst provokativ gew&#228;hlt habe. Denn dem Laien wird (vielfach zurecht) unterstellt, dass er vor allem subjektive Befindlichkeiten in die Diskussion einbringt (&#187;<sc>Star Wars</sc> ist das Allergr&#246;&#223;te, was es je im Kino gegeben hat!&#171;), die den angestrebten Erkenntnisgewinn unseres Faches nicht allzu stark befeuern. Aber als Herausgeber, Peer, Mitveranstalter von Symposien und Juror in wissenschaftlichen Auszeichnungsverfahren habe ich mehrfach erlebt, dass formale Qualifikationen und die institutionelle Eingebundenheit in die Scientific Community als Auswahl- wie auch als Qualit&#228;tskriterium vor die inhaltliche Beurteilung einer Arbeit, eines Vorhabens oder eines sonstigen Debattenbeitrags gestellt wurden. Nicht-institutionell arbeitende Forscherinnen und Forscher als Laien abzuqualifizieren beschneidet die M&#246;glichkeiten und den Fortschritt der Phantastikforschung im Speziellen ebenso wie sie es im Allgemeinen &#252;berhaupt f&#252;r alle Forschungsfelder tut. Wissenschaftliche Forschung setzt nat&#252;rlich auf Standards, die potenzielle Beitragende erf&#252;llen m&#252;ssen, und das erfordert auf deren Seite ein nicht geringes Ma&#223; an Kenntnissen fachspezifischer und allgemeinerer Art. Aber es ist egal, wo diese Kenntnisse herkommen. Und wenn die Standards nicht erf&#252;llt werden, so h&#228;lt das die Forschung nicht auf, denn um diesbez&#252;gliche M&#228;ngel zu erkennen, gen&#252;gt ein schneller Blick auf das eingereichte Paper. Deshalb schreibe ich auch nicht, dass die &#8250;Laienstimmen&#8249; Geh&#246;r finden m&#252;ssen, denn es gibt Beitr&#228;ge, die die Forschung nicht weiterbringen. Aber sie m&#252;ssen eben Geh&#246;r finden <italic>k&#246;nnen</italic>; d&#252;rfen also nicht im Vorhinein aufgrund au&#223;erhalb ihres Beitrags liegender Kriterien verworfen werden.</p>
<p>Dieser von vielen Zu- und Gl&#252;cksf&#228;llen gekennzeichnete Lebenslauf, der es mir heute erm&#246;glicht, autonom auf dem Gebiet der Phantastikforschung t&#228;tig zu sein und trotzdem meinen Lebensunterhalt nicht allzu fachfremd verdienen zu m&#252;ssen, ist ein sehr spezieller. Au&#223;erdem ist die T&#228;tigkeit als Lektor, die mehr umfasst als B&#252;cher stilistisch zu veredeln, sondern durchaus auch die F&#246;rderung von Genres in der &#214;ffentlichkeit eben auch in Form von Erkenntnisgewinn und -vermittlung umfasst, so weit gar nicht von der akademischen T&#228;tigkeit entfernt. Phantastikforschung kann aber auch auf g&#228;nzlich anderen Gebieten erfolgen.</p>
<p>Zunehmend wird beispielsweise der vision&#228;re Wert des Genres erkannt und die Phantastik als Ideengeber entdeckt, etwa in Form von Unternehmungen wie dem Future-Life-Projekt (<ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://www.phantastik.eu">www.phantastik.eu</ext-link>). Autorinnen und Regisseure der Phantastik wiesen immer schon und weisen immer noch darauf hin, dass man neue Blickwinkel und innovative Herangehensweisen auch auf verr&#252;ckt anmutende und weit hergeholt scheinende Weisen entwickeln und zur Diskussion stellen kann. Wobei das Entwickeln und Debattenf&#252;hren als eher verkopfte Angelegenheit wahrscheinlich gar nicht unbedingt das wichtigste Anliegen der kreativen Praktikerinnen und Praktiker ist. Aber genau das kann und &#8211; wie ich denke &#8211; sollte es f&#252;r die Phantastikforscherinnen und -forscher sein. Wir k&#246;nnen Impulse nicht nur aus der Universit&#228;t heraus geben, sondern sind in der Lage, als Mitwirkende bei allen m&#246;glichen Formen der Projektarbeit aufzutreten. Mit unserem &#220;berblick &#252;ber die Phantastik und der Forschung zum Genre k&#246;nnen wir genau den systematisch fundierten Input geben, der in sozialen, technischen, &#246;kologischen und vielen anderen aktuellen Fragen n&#246;tig ist, und der vielleicht sogar hier und dort entscheidende Hinweise f&#252;r bahnbrechende Durchbr&#252;che zeitigen mag.</p>
<p>Eine zunehmende Offenheit daf&#252;r scheint es aufseiten der Wirtschaft als potenziellem au&#223;erakademischem Arbeitgeber ganz langsam auch zu geben. Unsererseits bedarf es dann das eine oder andere Mal vielleicht nur etwas mehr Mutes und einer gewissen Out-of-the-box-Initiative, um auf uns und das, was wir wissen, aufmerksam zu machen. Das w&#252;rde, anders als eine zunehmende Verschulung der Akademien, zum gew&#252;nschten Austausch des an den Universit&#228;ten entwickelten kritischen Denkens mit Wirtschaft und Gesellschaft beitragen. Und damit verwirklichten die Phantastikforscherinnen und -forscher am Ende das, was ihr Forschungsobjekt immer schon anstrebt: die Dinge neu und anders zu betrachten.</p>
<sec>
<title>Autor</title>
<p>Frank Weinreich, Jahrgang 1962, Magister-Studium der Philosophie, Kommunikations- und Politikwissenschaften an der Ruhr-Universit&#228;t Bochum, Promotion zum Dr. phil. in Philosophie an der Universit&#228;t Vechta, lebt als freier Lektor und Publizist in Bochum. Zu seinen j&#252;ngsten Publikationen z&#228;hlt der Abschluss einer Trilogie von Grundlagentexten &#252;ber die Antikenrezeption in der Fantasy, der Science Fiction und dem Horrorgenre in den jeweiligen von Michael Kleu herausgegebenen Aufsatzsammlungen aus dem Oldib-Verlag, Essen, sowie ein mit dem Fotografen Andreas Gerth entwickelter Bildband &#252;ber Landschaften in Mittelerde, <italic>Auenland und D&#252;sterwald</italic>, der im Oktober 2022 bei Frederking &amp; Thaler, M&#252;nchen, erschien. Eine vollst&#228;ndige Publikationsliste findet sich unter <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://textarbeiten.com/publikationen">textarbeiten.com/publikationen</ext-link>.</p>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>Fantastik als Beruf Erfahrungen mit dem Fantastischen in der Medienkulturwissenschaft</title>
<p>Sophie G. Einw&#228;chter</p>
<p>Obwohl ich mich nicht als Fantastikforscherin begreife, haben Elemente der Fantastik meinen Werdegang stets begleitet. Zun&#228;chst im anglistischen Studium mit Vertiefung in der Schauerromantik (zwischen <italic>gothic novels, monsters</italic> &amp; <italic>damsels in distress</italic>), dann als Medienkulturwissenschaftlerin mit Schwerpunkt in der Erforschung von Fankulturen erwies sich das Fantastische als etwas, das Leser_innen, Zuschauer_innen und Gamer_innen oft &#252;ber Generationen hinweg an unterschiedlichste Medien fesselt und somit auch f&#252;r mich, die Rezeptionsph&#228;nomene schon immer besonders interessant fand, dauerhaft Relevanz besitzt.</p>
<sec>
<title>Vampirmedien &#8211; Lehr- und Lernthema mit gro&#223;er Resonanz</title>
<p>Zu Beginn meines Promotionsstudiums der Medienwissenschaft organisierte ich mit meiner Kollegin Maria Verena Peters eine transdisziplin&#228;re Tagung zu Vampirerz&#228;hlungen (<italic>Letting the Vampire In</italic>, Dezember 2010 Ruhr-Universit&#228;t Bochum), ein Thema, das damals gerade einen regelrechten Hype erlebte. Letzterer war ausgel&#246;st von in relativ kurzen Abst&#228;nden erschienenen Filmen und Serien mit Vampirthematik (u. a. <sc>The Twilight Saga</sc> [2008&#8211;2012], <xref ref-type="bibr" rid="B45"><sc>True Blood</sc> [US 2008&#8211;2014, Idee: Alan Ball]</xref> und <xref ref-type="bibr" rid="B46"><sc>The Vampire Diaries</sc> [US 2009&#8211;2017, Idee: Kevin Williamson und Julie Plec]</xref>), war aber nat&#252;rlich keinesfalls isoliert zu betrachten, sondern ist in einer langen kulturhistorischen, literarischen sowie generell medialen Tradition zu verorten. Geschichten von Vampiren, das wurde uns klar, waren (und sind) so vieles: Parabeln &#252;ber die Gefahr von Anziehung und N&#228;he, den Reiz des Anderen und die m&#246;gliche Vernichtung, die von ihm ausgeht; Warnungen vor den Versuchungen der Macht, des ewigen Lebens, bleibender Sch&#246;nheit und &#220;berlegenheit; kritische Betrachtungen der Abh&#228;ngigkeit solcher Macht von Situationen der Ausbeutung und der Monstrosit&#228;t, die damit einhergeht. Faszinierend, wie ein Stoff sich &#252;ber Jahrtausende (wenn wir etwa mit Lilith, Adams erster und ungehorsamer Frau, beginnen, vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B42">Trattner</xref>) immer wieder neu erz&#228;hlen l&#228;sst und dabei Facetten dessen enth&#252;llt, was eine Gesellschaft im Augenblick besch&#228;ftigt, was sie ersehnt und was sie f&#252;rchtet. Vampire, so <xref ref-type="bibr" rid="B8">Nina Auerbach</xref> in <italic>Our Vampires, Ourselves</italic> spiegeln immer einen Teil von uns selbst und unserer Zeitgeschichte wider. Seit unserer Tagung sind zw&#246;lf Jahre vergangen und das Thema ist wie seine Hauptfigur nicht totzukriegen, sondern erweist sich ein ums andere Mal als relevant, wie etwa Theresia Heimerl sehr treffend im letzten Forum der ZfF festhielt, als sie vom Potenzial der vampirischen Existenz sprach, Sehnsuchts- und &#187;Hoffnungsort von Frauen, Kindern und Menschen alternativer Sexualit&#228;t&#171; zu sein (<xref ref-type="bibr" rid="B43">Wiedergr&#252;n et al. 14</xref>).</p>
<p>Wir Jungwissenschaftlerinnen machten 2011 die spannende Erfahrung, ein Thema aufzugreifen, das disziplin&#228;r in viele Richtungen Anschluss fand und &#252;berdies ein gewisses Medienecho hervorrief (eine dpa-Meldung zog zahlreiche Interviewanfragen nach sich) &#8211; wir sammelten erste Erfahrungen mit Wissenschaftskommunikation, in kollegialer Vernetzung, Eventmanagement und Fundraising. Getragen wurden wir von einer Welle des professoralen Wohlwollens und auch ganz konkret der Mittel und Ausstattung, die f&#252;r die Doktorand_innenf&#246;rderung bereitstanden, sowie der Freude aller Beteiligten am Thema und seiner Vielseitigkeit.</p>
<p>Seither habe ich auch andere Beobachtungen gemacht, etwa dass Forschungsthemen der Fantastik eine Karriere in Medien- Literatur- oder Kulturwissenschaft auch verkomplizieren k&#246;nnen und dass entsprechende inhaltliche Schwerpunkte von vielen eher mit der Fr&#252;hphase eines wissenschaftlichen Werdegangs in Zusammenhang gebracht werden. In den Denominationen von Professuren finden sich explizit fantastische Themen nur selten, allenfalls versteckt hinter dem Etikett des &#8250;Popul&#228;ren&#8249;, weshalb sich viele hochqualifizierter Kolleg_innen und auch ich selbst mit der Frage konfrontiert sehen, ob und in welche Richtungen man sich inhaltlich noch einmal neu erfinden k&#246;nnte, um nicht von anderen als weniger anschlussf&#228;hig eingestuft zu werden (ohne dies notwendigerweise zu sein). Je h&#246;her die Karrierestufe, desto wichtiger wurden strategische &#220;berlegungen, etwa die dem jeweiligen Fach eigenen Distinktionen zu beachten, dessen inhaltliche Breite vertreten zu k&#246;nnen oder auch (finanziell motiviert) Bez&#252;ge zu aktuellen F&#246;rderlinien herstellen zu k&#246;nnen.</p>
</sec>
<sec>
<title>Fankultur als Forschungsthema</title>
<p>In meinem Promotionsstudium waren es dann vor allem Fans und Fandom, die meine Bindeglieder zum Fantastischen darstellten. Ich wandte mich der Partizipations- und Fanforschung zu, in der es mir darum ging zu untersuchen, welche organisatorischen und &#246;konomischen Konsequenzen aus fankultureller Begeisterung resultieren. Oft fing es f&#252;r meine Interviewpartner_innen (aus den genannten Vampirmedien-Fandoms, aber auch dem <italic>Harry-Potter-</italic> und <italic>The Lord-of-The-Rings</italic>-Fandom) mit einer Geschichte an, aus einer TV-Serie oder einem Kinoblockbuster, die noch nicht auserz&#228;hlt war, auf deren Fortsetzung man zu lange warten musste oder von der sie einfach nicht genug bekommen konnten. &#8211; Was folgte, waren eigene Websites, das Organisieren von Events, oder Filmprojekte, die der Leidenschaft weitere kreative und soziale Auseinandersetzungen boten. Der Kompetenzerwerb (von Sprachkenntnissen &#252;ber Kunsthandwerk oder Schmiedek&#252;nste bis hin zu Filmschnitt, Webdesign und Eventmanagement), der so f&#252;r viele spielerisch und in der Freizeit erfolgte, war teils erheblich und m&#252;ndete oftmals in Formen der Professionalisierung im Rahmen von Fantasy-Conventions, eigenen Onlinedatenbank- und Eventorganisationen, Lets Plays auf YouTube (heute fortgesetzt auf Twitch.tv) etc.</p>
<p>Die Bandbreite dieser Erfahrungen war faszinierend: Ich sprach mit M&#252;ttern, die w&#228;hrend ihrer Elternzeit online Vampirserien-Fanseiten organisierten, weil Ihnen zuhause die Decke auf den Kopf fiel, mit Fanfilmemacher_innen (<xref ref-type="bibr" rid="B17">Einw&#228;chter, <italic>Transformationen</italic></xref>); mit Herausgebenden von Fanmagazinen und Veranstalter_innen von Conventions, die sich mit rechtlichen Rahmenbedingungen vertraut machten und Ver&#246;ffentlichungsstrategien entwickelten, um nicht den Zorn von Rechteinhaber_innen auf sich zu ziehen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B15">Einw&#228;chter, &#187;Please&#171; und Einw&#228;chter, &#187; Negotiating&#171;</xref>).</p>
<p>Ich lernte durch diese Forschung, dass Fans nicht nur offizielle Texte transformieren und mit Fanfiction, Fanart etc. <italic>semiotisch</italic> produktiv sind (<xref ref-type="bibr" rid="B22">Jenkins</xref>), sondern dass sie zentrale Akteur_innen in kulturwirtschaftlichen M&#228;rkten darstellen, dass sie je nach Situation Vermittelnde zwischen offiziellem Angebot und m&#246;glicher Nachfrage sind, aber auch Archivar_innen von Popul&#228;rkultur, die selten Eingang in offizielle Ged&#228;chtnisinstitutionen findet. Dass Fans zudem selbst unternehmerische Praktiken entwickeln und keineswegs immer nur harmonisch interagieren, sondern auch miteinander in Wettbewerb treten &#8211; das alles waren Beobachtungen meiner Forschung zu dieser Zeit, die nicht nur den Kern meiner Dissertation, sondern auch weiterf&#252;hrende Erkenntnisse &#252;ber die <italic>Kulturwirtschaft an sich</italic> darstellten. Fans und die Beobachtung und Begleitung ihrer Aktivit&#228;ten halfen mir dabei, einen umfassenderen Blick auf den Teil der Wirtschaft zu gewinnen, in den auch viele Medien- und Kulturwissenschaftler_innen eintreten, wenn sie nicht an der Universit&#228;t bleiben: als Redakteur_innen, Autor_innen, Veranstaltungsmanager_innen, kurzum: Kreative.</p>
</sec>
<sec>
<title>Fankultur als fruchtbares Thema und Inspiration in der Lehre</title>
<p>Ich selbst fand neben einer gewissen Prekarit&#228;t in vielen dieser fankulturellen Biografien weitere Aspekte wieder, die auch mein Leben als Medienwissenschaftlerin pr&#228;gen: Oftmals gibt es auch heute noch Erz&#228;hlungen oder Medien, die mich derart begeistern, dass die Auseinandersetzung mit ihnen sich nicht mehr wie Arbeit anf&#252;hlt &#8211; ein Luxus, der f&#252;r hohe intrinsische Motivation sorgt und so wohl auch zu einem gewissen Selbstausbeutungsrisiko bei Geisteswissenschaftler_innen wie auch Kreativen der Kulturwirtschaft f&#252;hrt.</p>
<p>Die gro&#223;en Mythen aktueller oder vergangener Tage bieten wunderbare Gelegenheiten, um Studierende dort abzuholen, wo ihre Leidenschaft sitzt, und dar&#252;ber hinaus fachliche Potenziale zu aktivieren. Seminare zu Filmen und Serien ebenso wie Kurse, die sich mit Fankulturen und ihrer Theoretisierung auseinandersetzen, haben immer gro&#223;en Anklang gefunden, weil viele ihre eigenen Faszinations- und Begeisterungsthemen einbringen konnten. Auch im Studium ist intrinsische Motivation, die Besch&#228;ftigung mit einer Sache um ihrer selbst willen, eine wertvolle Ressource. Eine gemeinsame Vorstellungsrunde etwa, in der alle Studierenden eine Serie, einen Film, ein Game oder eine Musikgruppe etc. nennen sollen, mit der sie sich gut auskennen, ist nicht nur ein Eisbrecher, der die Teilnehmer_innen einander interessierter und offener begegnen l&#228;sst, sondern auch f&#252;r die Lehrperson ein spannender Einblick in das jeweilige popkulturelle Zeitgeschehen.</p>
<p>Allerdings: Serien und Filme sind zwar legitime Forschungsgegenst&#228;nde in der Medienkulturwissenschaft, aber die popkulturelle Landschaft ist derart schnelllebig und manche Texte so ausufernd, dass ihre Beforschung zuweilen an ihre Grenzen st&#246;&#223;t. Viele popul&#228;re Erz&#228;hlungen finden ein abruptes Ende, andere erstrecken sich &#252;ber zahlreiche B&#228;nde oder Staffeln, wie lie&#223;e sich ihre Komplexit&#228;t angemessen in einem Kurs wiedergeben, der nur eine &#252;berschaubare Anzahl von Stunden umfasst? Die Besch&#228;ftigung mit diesen Stoffen muss so vor allem aus pragmatischen Gr&#252;nden oft fragmentarisch bleiben, als Auswahl exemplarischer Sequenzen oder Handlungsb&#246;gen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B18">Fr&#246;hlich et al.</xref>).</p>
<p>Viele Studierende haben bei mir Haus- oder Abschlussarbeiten zu ihren Lieblingsfilmen oder Gaming-Welten geschrieben (und dar&#252;ber auch mir Einblick in kulturelle Nischen oder auch Mainstreamph&#228;nomene erm&#246;glicht, die sich generationenbedingt meiner Wahrnehmung entzogen) &#8211; das Lernen war so immer ein gegenseitiges. Nur in sehr seltenen F&#228;llen zeigte sich die Gefahr, &#252;ber das pers&#246;nliche Engagement die F&#228;higkeit zur kritischen Distanz zu verlieren, und auch solche Situationen stellen <italic>teachable moments</italic> dar. In meiner langj&#228;hrigen Erfahrung mit Kursen zu diesen Themen hat Fandom sich vor allem als eines erwiesen: als Quelle guter Textkenntnis &#8211; und von dieser profitiert jedes Seminar.</p>
<p>Das in fankulturellen Kreisen (im Bereich der <italic>fanfiction</italic>) &#252;bliche gegenseitige Betreuungsverh&#228;ltnis bei Schreibprozessen auf Augenh&#246;he, das sogenannte <italic>beta reading</italic>, binde ich noch heute &#8211; wo immer m&#246;glich &#8211; in meine Kurse mit ein, indem ich meine Studierenden bitte, gegenseitig in Tandems ihre Hausarbeiten nach gewissen Kriterien zu feedbacken und zu &#252;berarbeiten, bevor sie diese offiziell bei mir abgeben. Daraus resultieren wertvolle Lernprozesse auf der Peer-Ebene und konkrete Kooperationen zwischen Studierenden.</p>
</sec>
<sec>
<title>Fanforschung und Medienwissenschaft</title>
<p>Fanforschung ist allerdings nicht nur ein Garant f&#252;r gro&#223;e Freude an der Arbeit, sondern kann sehr wohl auch als Nischenthema und Karrierehindernis verstanden werden, etwa wenn der Eindruck entsteht, man spreche im Seminar eigentlich nur &#252;ber die eigenen Lieblingsserien oder die j&#252;ngst organisierte Tagung sei mehr eine Fanconvention als ein wissenschaftlich fundierter Anlass. Allein schon wegen der professionellen Distinktion, denn der Grat zwischen &#187;fan scholar&#171; (einem Fan, der Forschung betreibt, <xref ref-type="bibr" rid="B21">Hills 2</xref>) und einem &#187;scholar-fan&#171; (einer Wissenschaftlerin, die auch Fan ist, ebd.) ist schmal &#8211;aus Gr&#252;nden der Reputationswahrung gilt es also zu markieren: Hier geht es nicht um Nerdtum, sondern um methodisch geleitete und theoriegest&#252;tzte Auseinandersetzung. Genauso wie wenige Kolleg_innen ihre Expertise allein &#252;ber Forschung im Bereich der Fantastik bestreiten k&#246;nnen, geben auch nur wenige Fanforschung als alleinigen Schwerpunkt ihrer Arbeit an. Dabei w&#228;re die Thematik in viele mediale Bereiche anschlussf&#228;hig, wenn man sie nur konsequent genug weiterd&#228;chte.</p>
<p>Die <italic>Fan Studies</italic> f&#252;hren in Deutschland eine institutionelle Zwischenexistenz zwischen Soziologie, Kommunikationswissenschaft, Medien(kultur)wissenschaft und Filmwissenschaft (hier insbesondere <italic>Audience Studies</italic>), die je nach Standort mehr oder eben weniger stark miteinander kooperieren. Oft gibt es jeweils unterschiedliche Schwerpunktsetzungen &#8211; hier mehr auf Sport- oder Musikfandom, dort mehr auf Filme und Games. Methoden sowie Begrifflichkeiten k&#246;nnen variieren, ebenso die Bereitschaft, Fankultur auch als Bestandteil der Tradition wissenschaftlicher Institutionen anzuerkennen.</p>
<p>Wie ich bereits mehrfach er&#246;rtert habe, spricht vieles daf&#252;r, insbesondere Medien- und Literaturwissenschaftler_innen selbst als Fans zu begreifen, die besondere Leidenschaft in die Besch&#228;ftigung mit ihren Gegenst&#228;nden einflie&#223;en lassen (vgl. u. a. <xref ref-type="bibr" rid="B13">Cuntz-Leng et al</xref>). In der Filmwissenschaft etwa wird ohne Schamgef&#252;hl von Liebhaberei, Kenner_innentum, von Cin&#233;philie gesprochen und viele bekennen sich auch offen dazu. &#8211; Allein das Etikett des/der Fan/s m&#246;chten nur wenige tragen, auch wenn Sammelboxen, Bildb&#228;nde und andere Memorabilia von Hitchcock, Godard, Tarantino und Co. die heimische Vitrine zieren m&#246;gen. In dieser Weigerung, Fandom von Wissenschaftler_innen auch als solches zu benennen, schwingt zum einen eine altbekannte Trennlinie zwischen vermeintlicher Hoch- und Subkultur mit (und ihren jeweils unterschiedlichen Formen legitimer Begeisterung), zum anderen gibt es auch eine genderspezifische Dimension zu beachten, denn traditionell hatten es immer jene Texte und Medien schwerer, als legitime Forschungsgegenst&#228;nde anerkannt zu werden, die einem eher weiblichen (oder queeren) Publikum zugeordnet wurden oder mit weiblichen oder queeren Gef&#252;hlsexzessen in Verbindung gebracht wurden (z. B. <italic>romance novels</italic>, Seifenopern etc.). Und auch die Frage, ob Begeisterung als legitime Ressource f&#252;r Forschungsaktivit&#228;ten gelten kann, wird innerhalb der Disziplinen, die Fanforschung betreiben, sehr unterschiedlich beantwortet. Nie werde ich vergessen, wie ich im Evaluationsprozess meines Promotionsvorhabens f&#252;r ein Stipendium von zwei Professoren die gleiche Frage gestellt bekam: &#187;Sind Sie denn selbst Fan?&#171;. Interessant war, dass beide sich eine andere Antwort w&#252;nschten. W&#228;hrend der eine hoffte, ich sei Fan, weil ich dann den Gegenstand und die Kultur, die ich beforschen wollte, besonders gut verstehen &#8211; &#252;berhaupt erst <italic>richtig</italic> verstehen &#8211; k&#246;nnte, hatte der andere Sorge, ich sei im Fall eines eigenen Fandoms nicht distanziert genug vom Gegenstand, um analytisch valide Schl&#252;sse ziehen zu k&#246;nnen.</p>
<p>Wenngleich ich dieses Erlebnis vor allem als Symptom einer <italic>erw&#252;nschten</italic> oder <italic>performten</italic> Distinktion innerhalb eines Systems verstehe, das alte Hierarchien und althergebrachten Habitus perpetuiert, so war es f&#252;r meinen eigenen Werdegang dennoch wichtig, die Konturen der eigenen Besch&#228;ftigung immer wieder zu hinterfragen. Aus diesem Spannungsverh&#228;ltnis (und zuweilen Rechtfertigungszwang) habe ich gelernt, den Forschungsbereich als einen zu begreifen, der zuweilen polarisieren mag und dann mitsamt seiner fachspezifischen sowie interdisziplin&#228;ren Fruchtbarkeit immer wieder neu erl&#228;utert werden muss.</p>
<p>Ich sehe jedoch zugleich eine in den letzten Jahren gestiegene Bereitschaft, Fanforschung auch in der Medienkulturwissenschaft den Raum zu geben, den ihre Relevanz ihr zuschreibt, denn Fankultur ist l&#228;ngst integraler Bestandteil gegenw&#228;rtiger Alltagskultur geworden (<xref ref-type="bibr" rid="B20">Gray, Sandvoss und Harrington</xref>) und somit f&#252;r viele bereits offensichtlich, dass in den gro&#223;en Forschungszusammenh&#228;ngen zu medienkulturellen und p&#228;dagogischen Themen eine fankulturelle Perspektive mit dazu geh&#246;rt. Es gibt deshalb ein gro&#223;es Potenzial zu medienkulturwissenschaftlichen Kooperationen mit anderen Disziplinen wie beispielsweise der Germanistik (z. B. Lesef&#246;rderung) oder Wirtschaftswissenschaft (z. B. Branding, Media Franchises, generell: Cultural Industries betreffend).</p>
<p>Fantastisches und Fankulturelles &#8211; die Erz&#228;hlungen, Mythen, das Popul&#228;re und Unterhaltsame ebenso wie die Reaktionen eines Publikums auf diese Inhalte &#8211; sind genau das, was unsere Gegenwart und unser mediales Miteinander in vieler Hinsicht ausmacht und was wir verstehen m&#252;ssen, um nicht nur mediale, sondern zunehmend auch gesellschaftliche und politische Zusammenh&#228;nge zu begreifen. Denn, wie k&#246;nnte man g&#228;ngige Verschw&#246;rungstheorien und Propaganda (<xref ref-type="bibr" rid="B38">Spiegel et al.</xref>), die medialen Erfolge eines Donald Trump (<xref ref-type="bibr" rid="B14">Einw&#228;chter, &#187;Marken&#171; 332</xref>) (der sich selbst kokettierend als Marvel-B&#246;sewicht Thanos inszenierte) oder auch Protestph&#228;nomene (wie das Verhalten des Pseudo-Schamanen Jake Angeli beim Capitolsturm in seiner Fantasie-Gewandung, vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B19">G&#246;zen</xref>) verstehen, ohne dabei ihre Verweise auf Mythisches und Fantastisches sowie auf etablierte performative Aneignungspraktiken wie beispielsweise Cosplay anzuerkennen, von denen politische Bewegungen mittlerweile l&#228;ngst Gebrauch machen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B16">Einw&#228;chter, &#187;Marken&#171; und G&#246;zen</xref>)? Es sind Erz&#228;hlungen, die uralt sind und zugleich immer wieder neu aufbereitet werden, die heute unseren medialen Alltag durchziehen, und oft unbemerkt mitpr&#228;gen, wie wir Sinn aus dem machen, was uns umgibt. &#8211; F&#252;r mich ein wichtiger Grund, die Zusammenh&#228;nge von Medien und Kultur(en), Gemeinschaften und Narrativen wissenschaftlich zu befragen und dabei den kritischen Blick immer wieder auch auf die Hochschule selbst (mit den ihr eigenen Erz&#228;hlungen und Gefolgschaftsph&#228;nomenen) zu richten.</p>
</sec>
<sec>
<title>Autorin</title>
<p>Sophie G. Einw&#228;chter, Dr. phil., Studium der Film- und Fernsehwissenschaft, Germanistik und Anglistik (Ruhr-Uni Bochum), Dissertation mit dem Titel <italic>Transformationen von Fankultur: Organisatorische und &#246;konomische Konsequenzen globaler Vernetzung</italic> (Open Access, Uni Frankfurt 2014), aktuell Leiterin des DFG-Projekts <italic>Medienwissenschaftliche Formate und Praktiken im Kontext sozialer und digitaler Vernetzung</italic> an der Philipps-Universit&#228;t Marburg (2021&#8211;2024). Gemeinsam mit Vera Cuntz-Leng Initiatorin und Sprecherin der AG Partizipations- und Fanforschung der Gesellschaft f&#252;r Medienwissenschaft (GfM). Sprecherin des AK Gewaltpr&#228;vention online innerhalb des Forum Antirassismus in der Medienwissenschaft (FAM) und seit 2022 Mitherausgeberin der Zeitschrift <italic>Demokratie gegen Menschenfeindlichkeit</italic>. Forschungsschwerpunkte: Ethnografische Wissenschaftsforschung, Fan Studies, Cultural Studies, Digital Cultures, Gewaltpr&#228;vention.</p>
</sec>
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<sec>
<title>Fantastikforschung <italic>Then and Now</italic> &#8211; eine sehr subjektive Standortbestimmung</title>
<p>Julia Gatermann</p>
<disp-quote>
<p>The here and now is a prison house. We must strive, in the face of the here and now&#8217;s totalising rendering of reality, to think and feel a <italic>then and there</italic>. Some will say that all we have are the pleasures of this moment, but we must never settle for that minimal transport; we must dream and enact new and better pleasures, other ways of being in the world, and ultimately new worlds. (<xref ref-type="bibr" rid="B25">Jos&#233; Esteban Mu&#241;oz</xref>, <italic>Cruising Utopia: The Then and There of Queer Futurity</italic> 1)</p>
</disp-quote>
<p>Um dem Gef&#228;ngnis des Hier und Jetzt zu entkommen, bedarf es der Vorstellungskraft, die allerdings weit mehr als &#8250;blo&#223;er&#8249; Eskapismus ist. Mu&#241;oz&#8217; eindringliches Pl&#228;doyer f&#252;r die Wirkmacht der Fantasie, die &#252;berhaupt erst die Voraussetzung jeglicher Gestaltungskraft in der &#8250;Realit&#228;t&#8249; ist, steht in einem Kontext, der seine Worte &#8211; gerade durch den scharfen Kontrast &#8211; umso utopischer klingen lassen. F&#252;r marginalisierte Gruppen ist Fantasie, vor allem utopisches Denken, &#252;berlebenswichtige Notwendigkeit, sowohl Akt des Widerstandes gegen Unterdr&#252;ckung als auch zukunftsgerichtete Reklamation der eigenen Identit&#228;t gegen eine dominante Kultur, die sie mit ihrer schieren Ignoranz auszul&#246;schen droht.</p>
<p>F&#252;r eine wei&#223;e cisgender Frau wie mich, die in einem mehrheitsgesellschaflich wei&#223;en, strukturell rassistischen System aufgewachsen ist, ist es relativ leicht, das eigene Privileg, wo es denn besteht, auszublenden und die Diskriminierung anderer im t&#228;glichen Geschehen zu &#252;bersehen, liegt es doch schlie&#223;lich in der Natur dieser Strukturen, sich selbst zu erhalten. Die ideologischen F&#228;rbungen und &#252;berlieferten Werturteile, die unserem Alltagsdenken und unseren Grundannahmen &#252;ber uns selbst, die Welt und den eigenen Platz darin unterliegen, sind etwas, das wir in der Regel gar nicht bewusst wahrnehmen, sie sind uns so vertraut, dass wir sie gewisserma&#223;en als kulturellen &#187;White Noise&#171; ausblenden. Wenn wir Teil dieser Mehrheitsgesellschaft sind, erlauben uns solche vorgefassten Denkweisen, abh&#228;ngig von unserer jeweiligen Position im System, relativ unangefochten und reibungslos von den bestehenden Hierarchien zu profitieren. Wir k&#246;nnen uns, ebenfalls abh&#228;ngig von unserem eigenen Status, in den kulturellen Repr&#228;sentation abgebildet und validiert f&#252;hlen. Es gibt nur wenig, was unser Realit&#228;tsbild herausfordert und hinterfragt, und somit werden wir &#8211; wenn wir nicht gerade aktiv gegen den kulturellen Mainstream anarbeiten &#8211; standardm&#228;&#223;ig Teil der destruktiven Ignoranz, der systemischen Gewalt gegen gesellschaftliche Minderheiten.</p>
<p>Etablierte Seh- und Denkmuster hinterfragen zu k&#246;nnen setzt voraus, dass man sie als solche erkennt, dass man lernt, die eigene Perspektive zu verlassen, um neue Blickwinkel einzunehmen. Der Fantastik, die ich hier als groben Oberbegriff f&#252;r nicht-mimetische Genres wie SF, Fantasy und Horror (im Folgenden gesammelt unter SFFH) verwende, wohnt aus meiner Sicht ein unglaubliches Potenzial inne, eine genau solche Verschiebung in unserer Wahrnehmung zu erreichen. &#196;hnlich dem konzeptionellen Spannungsfeld, das an den R&#228;ndern zweier verschiedener Kulturen die Entstehung neuer imagin&#228;rer R&#228;ume erm&#246;glicht, strebt die Fantastik als Modus bewusst eine solche, diesen Prozessen zugrundeliegende kognitive Verfremdung an, die die vertraute Perspektive destabilisiert. Die wohl wirkm&#228;chtigste Kapazit&#228;t von Fantastik ist aus meiner Sicht, wie sie uns den Blick auf unsere eigene Kultur &#246;ffnet, manchmal nur durch eine kleine Neigung des Winkels, und uns so Aspekte vor Augen f&#252;hrt, die wir ansonsten vielleicht &#252;bersehen h&#228;tten. Der Fantastik gelingt es mit verbl&#252;ffender Leichtigkeit, unsere langgehegten &#220;berzeugungen und Vorurteile, die h&#228;ufig historisch verwurzelt und komplex in unsere Kultur eingewoben sind, durch eine solche Verschiebung des Rahmens deutlich zu machen; dass das, was wir vielleicht sogar als &#8250;neutrale Fakten&#8249; empfunden haben, arbitr&#228;re Konstrukte sind, die ebenso gut auch neu und anders gedacht werden k&#246;nnen. Und ebendiese verbl&#252;ffende Leichtigkeit entlarvt, wie rigide und wenig tragf&#228;hig die Grundlagen unseres Denkens sein k&#246;nnen, wenn sie unhinterfragt bleiben und sich somit nicht an die Herausforderungen einer hochkomplexen Welt anpassen k&#246;nnen. Die Fantastik gibt uns also m&#228;chtige Werkzeuge an die Hand, mit denen wir uns neue Facetten unserer Realit&#228;t, von der wir geglaubt hatten, dass sie uns vertraut sei, sichtbar machen k&#246;nnen. Mit der Macht, neue Fragen stellen zu k&#246;nnen &#8211; &#187;was w&#228;re wenn &#8230;?&#171; &#8211;, werden wir also gleichzeitig bef&#228;higt, unsere Realit&#228;t neu zu sehen und neu zu gestalten.</p>
<p>Als ich gegen Ende meines Studiums, also etwa 2008/09, beschloss, das Potenzial dieses &#187;was w&#228;re wenn&#171; zum Gegenstand meiner Magisterarbeit zu machen, musste ich feststellen, dass es in Deutschland kaum M&#246;glichkeiten des wissenschaftlichen Austausches dazu gab, war Fantastik doch immer noch ein Bereich, dem gr&#246;&#223;tenteils die wissenschaftliche Anerkennung fehlte. Um Feedback f&#252;r mein Projekt zu bekommen, musste ich in die USA reisen, wo ich auf meiner ersten wissenschaftlichen Tagung, der ICFA (International Conference for the Fantastic in the Arts), meine Forschung vorstellen durfte, dicht gefolgt von einer Teilnahme an der Jahrestagung der SFRA (Science Fiction Research Association). Ich verbrachte ein Jahr damit, f&#252;r meine Magisterarbeit an der einschl&#228;gigen Merril Collection of Science Fiction, Speculation and Fantasy in Toronto, Kanada, zu recherchieren. Was ich in diesen Kontexten erlebte, war einfach nur &#252;berw&#228;ltigend: Ich wagte zwar gerade einmal meine allerersten Schritte in der Wissenschaft, erlebte aber ein unglaubliches Ma&#223; an Unterst&#252;tzung und Zuspruch durch die Fantastik-Community f&#252;r meine Vorhaben und Ambitionen.</p>
<p>Als ich schlie&#223;lich nach Deutschland zur&#252;ckkehrte, sehnte ich mich danach, dieses Gef&#252;hl von R&#252;ckhalt und Zugeh&#246;rigkeit mitzunehmen bzw. auch in einem deutschen Kontext erfahren zu k&#246;nnen. Als daher 2010 Lars Schmeink das Wagnis einging, in Hamburg eine Konferenz zu organisieren, die Forscher*innen eine Austauschm&#246;glichkeit zur Fantastik in Deutschland bieten sollte, unterst&#252;tzte ich dieses Vorhaben, so gut ich konnte, um die dortige Gr&#252;ndung der Gesellschaft f&#252;r Fantastikforschung und ihren darauffolgenden Aufbau zu erm&#246;glichen. Den Einsatz und die Unterst&#252;tzung, die wir 2010 in Hamburg und in all den Jahren seitdem erfahren haben, war und ist wirklich atemberaubend, und ich f&#252;hle mich unglaublich privilegiert, der GFF zehn Jahre lang im Vorstand gedient zu haben! Seit 2019 habe ich nun die Ehre, in der wohl &#228;ltesten und etabliertesten wissenschaftlichen Gesellschaft f&#252;r SF, der Science Fiction Research Association, Landesvertreterin f&#252;r Deutschland sein und somit gewisserma&#223;en einen Beitrag beim Br&#252;ckenschlag zwischen deutschem Fantastik-Diskurs und der internationalen Gemeinschaft leisten zu d&#252;rfen. Meine Faszination f&#252;r SF, Fantasy und Horror ist zwar weitaus &#228;lter als meine akademische Laufbahn, doch war es wohl die Kombination von kritischer Innovation und kreativer Forschung in diesem Bereich, zusammen mit der Aufgeschlossenheit und Inklusivit&#228;t der Menschen dort, die mich zum Entschluss bewogen haben, in der Wissenschaft zu bleiben &#8211; die Fantastikforschung ist also gewisserma&#223;en meine akademische Heimat.</p>
<p>Heutzutage Fantastikforschung zu betreiben, bedeutet etwas ganz anderes als noch vor f&#252;nf, geschweige denn zehn Jahren &#8211; zumindest in meiner eigenen Erfahrung. Gerade in der Wahrnehmung von SF, aber vielleicht in etwas geringerem Ma&#223;e auch von anderen fantastischen Genres wie (Urban) Fantasy oder Horror, hat es eine Verschiebung gegeben. Die Debatte &#187;Science Fiction vs. Speculative Fiction&#171;, die die Grande Dame der kanadischen Literatur <xref ref-type="bibr" rid="B7">Margaret Atwood 2004</xref> entfacht hatte, als sie ihre eigenen Werke vom Genre abheben wollte, indem sie Letzteres doch recht eng und nicht gerade wohlwollend als Geschichten &#252;ber &#187;talking squids of Saturn&#171; (513) definierte, ist mittlerweile l&#228;ngst zum Klischee geworden. Seitdem hat es die fantastische Literatur ein St&#252;ck weit aus dem &#187;literarischen Ghetto&#171; herausgeschafft, <xref ref-type="bibr" rid="B23">das Ursula K. Le Guin</xref> ihr anl&#228;sslich Atwoods Abgrenzung attestierte. Vielleicht auch nicht zuletzt, weil sich mittlerweile selbst im gesellschaftlichen Mainstream vielfach das eigene Realit&#228;tsempfinden durch die schlichtweg nicht mehr zu leugnenden globalen Ver&#228;nderungen an die fiktiven Dystopien angeglichen hat und damit einhergehend ein bis dato vielfach als selbstverst&#228;ndlich angenommenes Sicherheitsgef&#252;hl ins Wanken geraten ist. Die Nachrichten &#8211; sei es mit Aufnahmen der ersten Monate der Pandemie oder der Auswirkungen des Klimawandels &#8211; beschw&#246;ren h&#228;ufig ein ungutes Gef&#252;hl von D&#233;j&#224;-vu herauf, bzw. das eines &#187;Doppelbildes&#171;, bei dem sich fiktive und reale Bilder &#252;bereinanderlegen und suggerieren, dass die in der SF abgebildete Zukunft l&#228;ngst hier sei.</p>
<p>Konzepte wie der kritische Posthumanismus oder New Materialism sowie Theoriekomplexe wie das Anthropoz&#228;n lassen sich in der Tat deutlich besser mit verfremdenden und extrapolierenden Darstellungsweisen greifen als mit traditionellen realistisch-mimetischen. Meine eigene Forschung, z. B. im Rahmen meiner Promotion zur Non-Normativit&#228;t von marginalisierten weiblichen K&#246;rpern in nordamerikanischer SF, die mit ihrem verk&#246;rperten Wissen Widerstand gegen Unterdr&#252;ckung leisten, speist sich aus einem betont intersektionalen Theoriediskurs, in dem Feminismus, Critical Race Theory, Postkoloniale Studien, Queer Theory und Crip Theory zusammenkommen. Wenn man sich vorrangig mit historisch unterdr&#252;ckten Perspektiven wie z. B. mit literarischen Verhandlungen der <italic>Middle Passage</italic>, &#252;ber die Sklaven von Afrika in die USA gebracht wurden, oder dem <italic>Trail of Tears</italic>, der systematischen Enteignung und Ausl&#246;schung der indigenen Einwohner Nordamerikas, befasst, wird auch einer westlichen Leserin schnell klar, dass f&#252;r viele marginalisierte Gruppen die Apokalypse l&#228;ngst stattgefunden hat (vgl. hierzu auch <xref ref-type="bibr" rid="B11">Canavan</xref>). Die Fantastik bietet sich somit als passender und naheliegender Modus der Darstellung an, um ein Gef&#252;hl der Entfremdung zu transportieren &#8211; eine Einsch&#228;tzung, die mittlerweile immer gr&#246;&#223;ere Verbreitung findet. W&#228;hrend ich also noch 2010 mit meinem damaligen SF&#8211;Magisterthema auf Widerstand und mangelnde Akzeptanz gesto&#223;en bin, bin ich heute mit meiner Forschung in guter Gesellschaft: Zurzeit entstehen z. B. gerade eine Vielzahl von Promotionsarbeiten, die einen Fantastik-Schwerpunkt haben. Bei der Gr&#252;ndung der GFF war die Schaffung eines Dissertationspreises neben dem Aufbau einer Infrastruktur und eines Netzwerkes aus Forscher*innen ein wichtiger Punkt, um wissenschaftlichen Arbeiten mit einem Fantastik-Fokus Sichtbarkeit und Anerkennung zu verschaffen. Mittlerweile werden einschl&#228;gige Dissertationen auch in anderen Gesellschaften mit einiger Regelm&#228;&#223;igkeit gew&#252;rdigt. Insgesamt hat die Forschung in diesem Bereich deutlich mehr Sichtbarkeit und Profil gewonnen &#8211; auch in den Programmen wissenschaftlicher Tagungen, bei denen dies fr&#252;her eher eine Seltenheit darstellte: auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft f&#252;r Amerikastudien konnte ich dieses Jahr z. B. einen ganzen Workshop zur SF mitorganisieren.</p>
<p>Auf struktureller Ebene wird der Fantastikforschung mittlerweile also deutlich mehr Gewicht und Bedeutung beigemessen. So hatte ich Anfang 2019 das gro&#223;e Gl&#252;ck, mit einer dreij&#228;hrigen Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin in dem interdisziplin&#228;ren Drittmittelprojekt &#187;Fiction Meets Science&#171; mit dem Unterprojekt &#187;Science in Postcolonial Speculative Fiction: Nature/Politics/Economies Reimagined&#171; zur Dezentrierung westlicher Perspektiven in der zeitgen&#246;ssischen anglophonen SF zu forschen. Seit Oktober 2021 arbeite ich nun als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl f&#252;r Nordamerikanische Literatur der TU Dresden, der den dezidierten Fokus Critical Future Studies innehat. Diese Stelle erlaubt es mir, SFFH nicht nur als expliziten Teil meiner Forschung, sondern auch meiner Lehre voranzutreiben. Dabei empfinde ich es als gro&#223;es Privileg, meinen Studierenden jedes Semester Seminare zu Themen wie Afrofuturism, Diverse SF oder Reproductive Justice anbieten zu k&#246;nnen und dabei das Potenzial der Fantastik qua Extrapolation zu nutzen, um ihnen etwa das kritische Hinterfragen problematischer Entwicklungen und Machtstrukturen zu vermitteln, die in der Mehrheitsgesellschaft seit jeher normalisiert sind. Mein Eindruck ist, dass meine Studierenden bereits eine inh&#228;rente Kompetenz mitbringen, Fantastik als Modus und Filter f&#252;r Weltinterpretation zu verstehen, sodass eine wissenschaftliche Rahmung ihnen hier das passende analytische Werkzeug liefert, die eigenen F&#228;higkeiten zum kritischen Denken noch weiter zu sch&#228;rfen und f&#252;r den eigenen Alltag tauglich zu machen. Der intersektionale Ansatz, den ich stets verfolge, scheint meine Studierenden besonders stark anzusprechen, da sie seine Relevanz f&#252;r ihr eigenes Realit&#228;tsbewusstsein direkt erkennen und wertsch&#228;tzen. Durch die Verhandlung von SFFH-Prim&#228;rwerken marginalisierter Autor*innen werden selbst komplexe Theorieans&#228;tze wie Critical Posthumanism, Postcolonial Theory oder Black Feminism f&#252;r meine Studierenden ungleich greifbarer. Fantastik ist somit f&#252;r mich nicht nur Forschungsgegenstand, sondern gleichzeitig auch Werkzeug.</p>
<p>Meine Arbeit und Forschung in einem haupts&#228;chlich nordamerikanischen Kontext bringen mich entsprechend mit den dortigen aktuellen Diskursen und Debatten in Kontakt, wobei es verglichen mit dem deutschen Kontext interessanterweise teilweise sehr unterschiedliche Gewichtungen bis hin zu kulturellen Verschiebungen gibt. Seit ihrer Gr&#252;ndung war es ein Bestreben der GFF, den Austausch anzuregen und die Kommunikation zu f&#246;rdern &#8211; mit gutem Erfolg. Auf den Jahrestagungen konnten wir regelm&#228;&#223;ig einen gro&#223;en Anteil internationaler Teilnehmer*innen verzeichnen. Um diesen produktiven gegenseitigen Austausch, gerade nach einer Zeit der pandemiebedingt gef&#252;hlt st&#228;rkeren Isolation, weiter zu st&#228;rken, freue ich mich, nun eine Tagung (vom 15. bis 19. August 2023) an der TU Dresden organisieren zu d&#252;rfen, bei der genau dies im Mittelpunkt steht. Ich bin meinem Vorgesetzten Prof. Moritz Ingwersen sowie den Vorst&#228;nden sowohl der GFF als auch der SFRA zutiefst zu Dank verpflichtet, dass sie sich sofort bereit erkl&#228;rt haben, mit mir das Experiment einer gemeinsamen Jahrestagung der beiden Gesellschaften zu wagen. In diesen Zeiten, die gepr&#228;gt sind von globalen Krisen, m&#252;ssen wir lernen umzudenken, denn <italic>business as usual</italic> ist keine Option mehr. Wir sehen uns mit gigantischen Herausforderungen konfrontiert, deren Bew&#228;ltigung es notwendig macht, &#252;ber den Tellerrand hinauszuschauen. Wir brauchen neue Perspektiven und Blickwinkel, neue Formen der Zusammenarbeit und Kooperation, Kommunikation miteinander &#252;ber die Trenngr&#228;ben unserer subjektiven Erfahrungen hinaus. Und mehr als alles andere brauchen wir eine gro&#223;e Portion utopisches Denken! Mit anderen Worten: in diesen Zeiten brauchen wir Fantastikforschung mehr als je zuvor, und je diverser die Stimmen in ihr, umso besser stehen unsere Chancen, die Krisen zu meistern und die Welt zum Besseren zu ver&#228;ndern. Unter dem Titel &#187;Disruptive Imaginations&#171; hoffe ich, eine Vielzahl solcher diverser Stimmen dazu zu h&#246;ren, wie man produktiv mit Disruptionen umgehen kann, wie man vielleicht sogar den Status Quo aufbrechen muss, welches disruptive Potenzial in der Vorstellungskraft selbst steckt, wo versprochene Disruptionen zu kurz greifen, und wo m&#246;glicherweise das eigene Denken eines Bruchs bedarf, um Raum f&#252;r mehr Gleichberechtigung und wirklich nachhaltiger Innovation zu schaffen. Trotz noch immer bestehender globaler Unsicherheiten hoffe ich, dass wir im August 2023 m&#246;glichst viele Teilnehmer*innen zu diesem gemeinsamen Event begr&#252;&#223;en d&#252;rfen, um unseren fruchtbaren und dynamischen Austausch noch weiter zu vertiefen und unsere Vernetzung miteinander zu st&#228;rken. Unsere Gemeinsamkeiten, aber gerade auch unsere Unterschiede und individuellen Perspektiven sind das, was die SFF-Forschungsgemeinschaft ausmacht, tr&#228;gt und in die Zukunft bringen kann, und ich bin unglaublich dankbar, ein Teil hiervon sein zu d&#252;rfen.</p>
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<title>Autorin</title>
<p>Julia Gatermann promoviert in der Amerikanistik an der Technischen Universit&#228;t Dresden zu Biokolonialismus und nicht-normativem weiblichen <italic>embodiment</italic> als Schauplatz des Widerstands in zeitgen&#246;ssischer nordamerikanischer spekulativer Literatur. Ihre bisherigen Publikationen befassen sich mit transhumanistischen &#8250;Post-Disability&#8249;-Bildern in der Kulturproduktion und mit Zukunftsimaginationen posthumanistischer Fortpflanzung, einschlie&#223;lich eines Kapitels in <italic>Technologies of Feminist Speculative Fiction</italic> (Palgrave Macmillan, 2022) und einem Artikel in <italic>Science Fiction Studies</italic> (M&#228;rz 2023). Seit 2021 arbeitet Julia Gatermann als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl f&#252;r Nordamerikanische Literatur und Critical Future Studies und war davor Teil des interdisziplin&#228;ren Forschungsprojekts <italic>Fiction Meets Science</italic> mit einem Unterprojekt zu postkolonialer SF. Seit der Gr&#252;ndung 2010 bis 2020 hat sie im Vorstand der Gesellschaft f&#252;r Fantastikforschung (GFF) gedient. Zurzeit ist sie in der Science Fiction Research Association (SFRA) <italic>country representative</italic> f&#252;r Deutschland. Julia Gatermann ist Co-Organisatorin der gemeinsamen Jahrestagung der SFRA und der GFF 2023 mit dem Titel &#187;Disruptive Imaginations&#171;.</p>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>Zur Rolle der Fantastikforschung</title>
<p>Ren&#233; Reinhold Schallegger</p>
<p>Gerade in so unruhigen und krisenhaften Zeiten, wie sie gro&#223;e Teile der Welt seit einigen Jahren durchleben, ist die Fantastik und die kritische Auseinandersetzung mit ihr durch die Fantastikforschung von so gro&#223;er Relevanz wie schon lange nicht mehr. Das mag auf den ersten Blick widersinnig erscheinen, denn wenn es an Grundbed&#252;rfnissen wie pers&#246;nlicher und wirtschaftlicher Sicherheit fehlt oder diese je nach individuellen Lebensumst&#228;nden zumindest bedroht sind oder sein k&#246;nnten, warum sich dann ausgerechnet etwas zuwenden, das nach landl&#228;ufigem Verst&#228;ndnis keine realweltliche Existenz hat? Und doch war es immer schon ein menschlicher Impuls, gerade in diesen Momenten Geist und Kreativit&#228;t schweifen zu lassen &#8211; sei es zur blo&#223;en Ablenkung bis hin zur Weltflucht oder zum kritischen oder gar revolution&#228;ren Ausspinnen von Alternativen. John Clute baut seine Definition und darauf aufbauend die Unterscheidung von Fantasy und SF auf dem Konzept der (Un-)M&#246;glichkeit einer Erz&#228;hlung nach dem als konsensual wahrgenommenen Wirklichkeitsmodell einer Gesellschaft auf (<xref ref-type="bibr" rid="B12">Clute, 338</xref>), und tats&#228;chlich scheint mir die bewusste, ja spielerische Auslotung des M&#246;glichen und seiner Grenzen auch der Kern nicht nur der Faszination, sondern auch der psychologischen, gesellschaftlichen und kulturellen Schlagkraft der Fantastik in all ihren Formen zu sein.</p>
<p>Schon in meiner Jugend wurde ich durch fantastische Texte &#8211; von <italic>Captain-Future</italic>-Comics bis zur monumentalen Trilogie des <italic>Lord of the Rings &#8211;</italic> sozialisiert, verbrachte meine Zeit regelm&#228;&#223;ig im Kreis meiner Freund*innen vor dem Bildschirm mit der neuesten Beute aus &#246;ffentlichen und privaten Videotheken (zutiefst beeindruckt vom eigentlich noch verbotenen <sc>Alien [Alien &#8211; Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt</sc>, GB/US <xref ref-type="bibr" rid="B1">1979</xref>, Regie: Ridley Scott]) oder den allw&#246;chentlichen Abenteuern zuerst der Crews von <sc>Star Trek</sc> (<sc>The Original Series [Raumschiff Enterprise</sc>, US <xref ref-type="bibr" rid="B5">1966&#8211;1969</xref>, Idee: Gene Roddenberry] und <sc>Next Generation [Raumschiff Enterprise &#8211; Das n&#228;chste Jahrhundert</sc>, US <xref ref-type="bibr" rid="B4">1987&#8211;1994</xref>, Idee: Gene Roddenberry]) und sp&#228;ter den &#252;ber Jahren hinweg gesponnenen epischen Handlungsb&#246;gen von <sc>Babylon</sc> 5 (<xref ref-type="bibr" rid="B2">US 1993&#8211;1998</xref>, Idee: J. Michael Straczynski). Pen-&amp;-Paper-Rollenspiele, egal ob <italic>Das Schwarze Auge, Shadowrun</italic> oder <italic>Vampire</italic>, hielten uns n&#228;chte-, ja monatelang gebannt, und als die Hardware erschwinglich wurde, folgte die (damals zumeist noch) eher individuelle Faszination der Videospiele von <italic>Civilization</italic> bis <italic>Ultima</italic>. Wie f&#252;r viele meiner Kolleg*innen, die heute in &#228;hnlichen beruflichen Umfeldern t&#228;tig sind, f&#252;hrte mein Weg trotz Absenz von Akademiker*innen in meine Familie (ich bin ein <italic>first academic</italic>, wie unsere Universit&#228;tsmanager*innen neudeutsch zu sagen pflegen) dennoch fast selbstverst&#228;ndlich an die Universit&#228;t und dort in ein philologisches Studium (in meinem Fall der Anglistik und Amerikanistik und des Franz&#246;sischen), da die literatur- und kulturwissenschaftlichen Studien damals noch als einer der wenigen Orte galten, wo meine amateurhafte Leidenschaft f&#252;r die Fantastik &#8211; wenn auch nur theoretisch &#8211; in eine berufliche Existenz m&#252;nden konnten (&#252;ber den inzwischen wissentlich politisch herbeigef&#252;hrten bedauerlichen Zustand der F&#228;cher der Literatur-, Kultur-, und Geisteswissenschaften an unseren Universit&#228;ten m&#246;chte ich an dieser Stelle kein Wort verlieren).</p>
<p>Wie schwer es sogar noch knapp nach der Jahrtausendwende war, an einer &#246;sterreichischen Universit&#228;t &#8211; sogar einer jungen und angeblich progressiven &#8211;, eine Betreuung f&#252;r meine Diplomarbeit &#252;ber <sc>Babylon</sc> 5 zu finden, &#246;ffnete mir die Augen &#252;ber die Realit&#228;ten der prek&#228;ren Verankerung der Fantastikforschung im Wissenschaftsbetrieb. Dasselbe Schauspiel wiederholte sich (nach einer akademischen Absenz durch Zivildienst und der Hoffnung, mit politischer Arbeit gesellschaftlich etwas zu ver&#228;ndern) bei meiner Dissertation zu Pen&amp;Paper-Rollenspielen, die nur durch den frischen Wind, den eine neue Professur mit sich brachte, m&#246;glich wurde. SF-TV-Serien waren ja schon ein abstruses Thema f&#252;r eine &#246;sterreichische Universit&#228;t, aber Rollenspiele?</p>
<p>Aus dieser Erfahrung weitgehenden akademischen Unverst&#228;ndnisses unter den arrivierten Generationen in unseren Institutionen und eines Kampfes gegen anscheinend traditionsbedingte Windm&#252;hlen heraus, was eine kritische und qualit&#228;tsvolle Auseinandersetzung mit der Fantastik betrifft, war eine meiner ersten Begegnungen als Jungforscher mit dem akademischen Konferenzbetrieb die Gr&#252;ndungskonferenz der GFF 2010 in Hamburg. Einen gl&#252;cklicheren Zufall h&#228;tte ich mir wohl nicht w&#252;nschen k&#246;nnen. Getragen von einem egalit&#228;ren Geist der Offenheit, des Respekts und des Willkommens, sowohl auf wissenschaftlicher als auch auf menschlicher Ebene, schuf das Team rund um unseren Gr&#252;ndungspr&#228;sidenten Lars Schmeink eine akademische Heimat nicht nur f&#252;r mich, sondern f&#252;r Dutzende &#252;ber die Jahre hinweg wohl Hunderte Akademiker*innen in Deutschland und Europa, denen es &#228;hnlich ging wie mir.</p>
<p>In ihrer Einleitung zum ersten Konferenzband (<italic>Collision of Realities</italic>)<xref ref-type="fn" rid="n2">2</xref> skizzieren Lars, Astrid B&#246;ger und Hans-Harald M&#252;ller die <italic>Raison d&#8217;&#202;tre</italic> und die Mission der GFF. Es ging ihnen darum, die notwendigen akademischen Strukturen und Netzwerke zu etablieren, um die Fantastikforschung als eigenes Feld in Europa unabh&#228;ngig von Nordamerika zu entwickeln und zu st&#228;rken, damit unsere Forschungsergebnisse entsprechend ihrer Relevanz in popul&#228;rkulturellen Diskursen pr&#228;sentiert werden k&#246;nnen (<xref ref-type="bibr" rid="B37">Schmeink et al. 2</xref>). Und auch innerhalb der traditionell gewachsenen, starren Disziplinenlogik unserer Universit&#228;ten wollten sie eine Verschiebung herbeif&#252;hren, systematisch akademische Strukturen und Ressourcen schaffen, um die Fantastikforschung ebenb&#252;rtig zu anderen Teilbereichen der Kultur- und Literaturwissenschaften zu entwickeln (1). F&#252;r das Feld der Fantastikforschung, aber besonders auch die Fantastikforscher*innen selbst, die dieses ausmachen, sollten akademische Reputation und Selbstbewusstsein gest&#228;rkt werden, damit sie innerhalb der bestehenden Disziplinen an unseren Universit&#228;ten auch den ihnen geb&#252;hrenden Platz einzunehmen im Stande sind (3).</p>
<p>Mehr als zehn Jahre danach sind diese Ziele im Kerngebiet der Gesellschaft, den DACH-L&#228;ndern Deutschland, &#214;sterreich und der Schweiz, durch die Expertise, Beharrlichkeit und auch die menschlichen Qualit&#228;ten der Mitglieder der GFF weitgehend erreicht. Netzwerke sind entstanden, die es Fantastikforscher*innen erlauben, sich international in Europa zu bewegen und ihre Qualifikationsarbeiten unter fachkundiger Betreuung zu schreiben. Die Kompetenzen unserer Mitglieder sind gefragt und werden auch gesamtgesellschaftlich rezipiert, besonders wenn es um die eingangs erw&#228;hnte Qualit&#228;t der Fantastik geht, sich in krisenhaften Zeiten mit den verf&#252;gbaren und denkbaren M&#246;glichkeiten zu besch&#228;ftigen. In meinem Beitrag zur Gr&#252;ndungskonferenz habe ich &#252;ber die Offenheit der Fantasy gesprochen, die aber dennoch (oder vielleicht gerade deshalb?) tiefere Bedeutungen erm&#246;glicht, indem sie zwischen Freiheit und Konvention oszilliert, eine &#187;literature of emancipation&#171;, die uns nach den kulturellen Verwerfungen der Postmoderne hilft, den scheinbaren Widerspruch zwischen Sinnsuche einerseits und der Unwilligkeit, <italic>einen</italic> Sinn zu finden, zu ertragen (<xref ref-type="bibr" rid="B36">Schallegger 46</xref>). Ausgeweitet auf alle Subgenres der Fantastik m&#246;chte ich meine damalige Kernaussage auch nach all den Jahren aufrechterhalten, fu&#223;end auf einer Lesart der Fantastik als eine Kulturform des M&#246;glichen: &#187;It can also be a powerful tool to achieve self-knowledge and freedom as an aware, self-sufficient subject ready to engage in successful social relationships&#171; (46). Wenn wir Fantastik jenseits von profitgetriebenen Marktmechanismen und engen, starren Genrekonventionen und Publikumserwartungen denken, die alle notwendigerweise zu einer Fossilisierung des Bestehenden f&#252;hren, dann wird sie zu einem zug&#228;nglichen und wirkungsm&#228;chtigen Werkzeug, um Grenzen auszuloten und zu verschieben, neue Wege und Sichtweisen zu er&#246;ffnen und schlie&#223;lich ethisch reflektiert neue Wirklichkeiten aus den bestehenden herauszuschaffen.</p>
<p>In diesem Sinne sehe ich mich pers&#246;nlich prim&#228;r als Fantastikforscher, und diese Lesart hat bei mir auch zu einer zunehmenden Verschiebung meiner Aufmerksamkeit und meines Forschungsinteresses weg von linearen Medien (Buch, Film, TV, Comics) und hin zu dynamischen, ludischen Medien gef&#252;hrt, in denen ich die Erkundung eines M&#246;glichkeitsraumes in noch komplexerer Art und unter Einbeziehung der Interaktion zwischen Designer*innen, Spielenden und virtuellen Welten verwirklicht sehe. Aus diesem generellen Fokus sind f&#252;r mich besonders (derzeit h&#246;chst relevante) Fragen der Repr&#228;sentation und der Teilhabe, der Ethik und der Citizenship erwachsen, die ich wiederum in nicht-ludische Medien zur&#252;ckspiele. Innerhalb meiner Mutterdisziplin &#8211; ich bin ja immer noch Anglist/Franz&#246;sist und muss im Universit&#228;tsbetrieb auch traditionelle Felder bedienen &#8211; konnte ich mich durch institutionelle Freir&#228;ume gut als Fantastikforscher etablieren, und es haben sich lebhafte und kreative Wechselbeziehungen und Kooperationen mit meinen in herk&#246;mmlichen Feldern arbeitenden Kolleg*innen ergeben und verfestigt. Besonders bew&#228;hrt hat es sich, den Zugang zu Klassikern der englischsprachigen Literatur und Kultur &#252;ber die Fantastik und die Popul&#228;rkultur der Gegenwart anzubieten. Durch die Massenmedien sind die Studierenden mit vielen Inhalten und Motiven ja bereits vertraut, ohne deren Urspr&#252;nge oder fr&#252;here Bearbeitungen zu kennen, und so werden unsere Seminare oft zu spannenden Entdeckungsreisen f&#252;r sie <italic>und</italic> mich, in denen wir unsere Denkr&#228;ume entsprechend gegenseitig erweitern k&#246;nnen.</p>
<p>Die Gesellschaft f&#252;r Fantastikforschung war dabei &#252;ber die Jahre hinweg meine zentrale akademische Heimat und das Zusammentreffen bei der Jahrestagung nicht nur beruflicher Fixpunkt, sondern auch immer so etwas wie ein intellektuelles Familientreffen. Die gro&#223;artige Arbeit, die &#252;ber die Jahre hinweg von Lars und den Vorstandsteams geleistet wurde, hat nicht nur die 2010 selbst gesteckten Ziele weitgehend erreicht, sie hat der Fantastikforschung in Europa auch ein Gesicht und eine Stimme gegeben. Heute reichen unsere Netzwerke weit &#252;ber den urspr&#252;nglichen Raum hinaus, und als ich die Gelegenheit hatte, meinen Teil zum Gedeihen unserer Gesellschaft zu leisten, habe ich die internationale Vernetzung jenseits des deutschsprachigen Raumes auch als Chance wahrgenommen, tats&#228;chlich zu einer <italic>gesamteurop&#228;ischen</italic> Gesellschaft f&#252;r Fantastikforschung zu wachsen. Die Jahre der Pandemie haben es uns leider unm&#246;glich gemacht, uns physisch zu begegnen &#8211; dabei war der menschliche Faktor, gest&#252;tzt auf die akademische Qualit&#228;t unserer Arbeit, meiner Meinung nach immer schon das Geheimnis unseres Erfolges. Die Jahrestagung 2022 war unser erstes <italic>pers&#246;nliches</italic> Zusammentreffen seit dem 10-Jahre-Jubil&#228;um 2020, und von dort sind sicher wieder neue Impulse der Fantastikforschung ausgegangen, hat sich unser Netzwerk erweitert.</p>
<p>Wie eingangs erw&#228;hnt, k&#246;nnte es wohl keine bessere Zeit f&#252;r unser verst&#228;rktes Hineinwirken in die Gesellschaft und die akademische Landschaft geben, da die Fantastik in ihren mannigfaltigen Formen inzwischen fast schon zum bestimmenden Modus kulturellen Schaffens und Produzierens geworden ist. Wer k&#246;nnte besser als erkl&#228;rende, reflektierende, wenn n&#246;tig auch mahnende Stimmen in der kritischen Auseinandersetzung mit der Flut an fantastischen Medieninhalten fungieren als die Mitglieder der GFF? Die Kompetenzen, die wir &#252;ber die Jahre hinweg als Individuen und vernetzt im Kollektiv entwickelt haben, werden jetzt so sehr gebraucht wie selten zuvor: Wir haben die theoretische Kompetenz, die Medienkompetenz, wir haben das Textrepertoire und einen Katalog an wissenschaftlichen Ver&#246;ffentlichungen, die es uns erlauben, als glaubhafte und verl&#228;ssliche Vermittler*innen zwischen Gesellschaft, Kulturindustrien und Bildungsinstitutionen aufzutreten. In diesen Bereichen sehe ich als derzeitiger Vorsitzender der GFF unsere Kernaufgaben. Wir k&#246;nnen Entwicklungen und Verbindungen verst&#228;ndlich machen, &#196;ngste mindern, Menschen zusammenf&#252;hren.</p>
<p>Wenn Kinos, Buchhandlungen, Streamingdienste und Spieleplattformen von Dystopien &#252;berschwemmt werden, dann k&#246;nnen wir nicht nur dieses Ph&#228;nomen fundiert erkl&#228;ren, sondern auch bis auf die Ebene einzelner Artefakte hinunter interpretative Kompetenzen vermitteln und Zusammenh&#228;nge kritisch beleuchten. Wenn Marvel mit seinem <italic>Cinematic Universe</italic> jahrelang die westliche Filmwirtschaft dominiert und sich Streamingdienste mit Milliardenbudgets in einer Renaissance der Fantasy zu &#252;berbieten versuchen, dann sind es die Fantastikforscher*innen der GFF, die Potentiale und Gefahren auf kultureller, sozialer und wirtschaftlicher Ebene ausloten. Wenn Serien wie <sc>Stranger Things</sc> (<xref ref-type="bibr" rid="B6">US 2016&#8211;</xref>, Idee: Matt Duffer und Ross Duffer) zu massenkulturellen Ph&#228;nomenen und Echokammern der Nostalgie werden, dann sind es die akademisch geschulten und gleichzeitig auch durch ihre Offenheit zug&#228;nglichen und allgemein verst&#228;ndlichen Mitglieder der GFF, die erfolgreich differenzierte Lesarten und bewussten Genuss vermitteln. Hier ergibt sich auch f&#252;r mich pers&#246;nlich die &#220;berschneidung zwischen meiner individuellen Perspektive als Fantastikforscher einerseits und Vorsitzender der Gesellschaft f&#252;r Fantastikforschung andererseits: Dem derzeitigen Vorstand ist es ein zentrales Anliegen, auf den Errungenschaften unserer Vorg&#228;nger*innen aufbauend die GFF weiterhin zu einem attraktiven und aktiven europ&#228;ischen Netzwerk und Kompetenzzentrum f&#252;r eine kritische Auseinandersetzung mit der Fantastik zu entwickeln, auf globaler Augenh&#246;he mit etablierteren und akzeptierteren Formen kulturellen Ausdrucks in unseren Mutterdisziplinen.</p>
<p><xref ref-type="bibr" rid="B23">Ursula Le Guin</xref> hat einmal die Fantasy als Gegenkraft zu den Alptr&#228;umen der Politiker*innen dargestellt (zit. in <xref ref-type="bibr" rid="B44">Wood 1</xref>), weil sie wirkungsm&#228;chtig bestehende Strukturen hinterfragen und &#8211; f&#252;r die Herrschenden bedenklich &#8211; andere M&#246;glichkeiten aufzeigen kann. Umgekehrt formuliert sehe ich die Fantastik lieber als die Tr&#228;ume verantwortungsvoller und kritischer B&#252;rger*innen. In der differenzierten, fundierten und respektvollen Auseinandersetzung mit diesen Tr&#228;umen und der gesellschaftlichen Vermittlung ihrer Inhalte und Ideen liegt f&#252;r mich die Rolle der Fantastikforschung und damit auch die Rolle der GFF als Organisation und Gemeinschaft von Forschenden und Lehrenden.</p>
<sec>
<title>Autor</title>
<p>Ren&#233; Reinhold Schallegger studierte Anglistik, Amerikanistik und Franz&#246;sisch mit dem Schwerpunkt Literatur- und Kulturkritik an der Universit&#228;t Klagenfurt (&#214;sterreich) und der Anglia Ruskin University (Cambridge/UK). Nach einem Forschungsaufenthalt an der Birmingham City University (Birmingham/UK) f&#252;r seine Habilitationsschrift <italic>Choices and Consequences: Videogames, Virtual Ethics, and Cyber-Citizenship</italic> ist er derzeit Assoc.-Prof. f&#252;r British, Canadian und Game Studies an der Universit&#228;t Klagenfurt. Seine j&#252;ngsten Ver&#246;ffentlichungen sind &#187;Only Human After All? &#8211; Das &#252;berraschende (und vermeidbare) Scheitern von Mass Effect: Andromeda&#171; (<italic>Zeitschrift f&#252;r Kanada-Studien</italic> 70, 2020), &#187;Virtual Voices in the Wilderness? &#8211; The Media Ecology of Videogames in Canada&#171; (in A. Boller, A. Krewani, and M. Kuester (Hg.): <italic>Canadian Ecologies Beyond Environmentalism &#8211; Culture, Media, Art, Ethnicities</italic>, 2020), und &#187;Light My (Camp-)Fire: Affect and Incitement in Firewatch&#171; (in L. Joyce und V. Navarro-Remesal (Hg.): <italic>Culture at Play &#8211; How Video Games Influence and Replicate Our World</italic>, 2021).</p>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>Phantastikforschung &#8211; Beruf, Berufung oder pures Gl&#252;ck? Bericht eines Vertreters der &#187;Pionier-Generation&#171;</title>
<p>Dieter Petzold</p>
<p>Der Begriff &#187;Pionier-Generation&#171; taucht in der Mail auf, mit der ich um einen Beitrag f&#252;r die vorliegende Nummer der <italic>Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung</italic> gebeten wurde. Ob er berechtigt ist, ob er auf mich zutrifft, und ob es sich dabei vielleicht gar um einen Ehrentitel handelt, m&#246;gen die Leser*innen der folgenden sehr pers&#246;nlichen Erinnerungen selbst entscheiden.</p>
<sec>
<title>Wie bin ich zur Phantastikforschung gekommen?</title>
<p>Da muss ich ziemlich weit zur&#252;ckblicken, denn vor der Forschung steht ja erst einmal das Interesse. Und das wurde wohl schon von meiner Mutter geweckt, die (was f&#252;r eine Angeh&#246;rige der Arbeiterklasse in der Nachkriegszeit schon bemerkenswert ist) einen Zug zur Romantik hatte und mir M&#228;rchen nicht etwa nur vorlas, sondern mit ihren eigenen Worten lebhaft erz&#228;hlte. Tats&#228;chlich k&#246;nnte man meinen Weg zur Phantastik auch als eine Abfolge von phantastischen Gl&#252;cksf&#228;llen betrachten.</p>
<p>Der n&#228;chste gl&#252;ckliche Zufall kam ins Spiel, als ich mein Anglistik- und Germanistikstudium an der Universit&#228;t W&#252;rzburg begann. In der Germanistik gab es die Unterabteilung &#187;Volkskunde&#171;, und so finden sich in meinem Studienbuch f&#252;rs 1. und 2. Fachsemester auch zwei Vorlesungen &#252;ber &#187;Die Legende&#171; und &#187;Die Sage&#171;. Man sieht: Ganz so tabu war die akademische Besch&#228;ftigung mit phantastischer Literatur auch in den 1960er-Jahren nicht; schlie&#223;lich kamen da ja Vorlesungen zu &#187;Walther von der Vogelweide&#171; und &#187;Epik des Sp&#228;tmittelalters&#171; hinzu und sp&#228;ter in Erlangen Lehrveranstaltungen zu &#187;Wolfram von Eschenbach&#171;, &#187;Tristan und Isolde&#171;, &#187;M&#228;rchen der Romantik&#171; &#8211; und nat&#252;rlich zu Shakespeare &#8230;</p>
<p>Wozu dieses Vorspiel? Um daran zu erinnern, dass die Literatur seit ihren fr&#252;hesten &#220;berlieferungen, vom Gilgamesh-Epos &#252;ber Homer und Vergil, die mittelalterliche Epik, Dante, Spenser und Milton usw. sich ja noch nie mit der Abbildung banaler Erfahrungswirklichkeit begn&#252;gte. Ob man all diese Fiktionstexte unter den Begriff &#8250;Phantastik&#8249; zusammenfassen darf, ist eine der spannenden akademischen Fragen, die in den letzten drei&#223;ig Jahren immer wieder diskutiert worden ist (auch von mir) und die wohl trotzdem nie abschlie&#223;end beantwortet werden wird. In den Geisteswissenschaften haben wir es nun einmal nicht mit lupenrein definierten Begriffen zu tun.</p>
<p>Also kehren wir zum pers&#246;nlichen Erfahrungsbericht zur&#252;ck. Als n&#228;chster Gl&#252;cksfall ist die Tatsache anzusehen, dass mein akademischer Betreuer in Erlangen, Professor Erwin Wolff, mir viel Freiheit lie&#223;: bei der Suche nach einem Thema f&#252;r die Zulassungsarbeit, bei der Ausweitung derselben zur Dissertation, bei der Themenwahl f&#252;r die Habilitationsschrift und bei den eigenen Lehrveranstaltungen.</p>
<p>Dass mir beim Herumst&#246;bern in der Institutsbibliothek ausgerechnet Lewis Carrolls <italic>Alice&#8217;s Adventures in Wonderland</italic> (1856) in die H&#228;nde fiel, ist wiederum ein gl&#252;cklicher Zufall: Gegenstand des regul&#228;ren Studiums waren dergleichen Texte jedenfalls nicht. Aber zum Gl&#252;ck lie&#223; die Studienordnung einem eifrigen Studenten damals noch gen&#252;gend Zeit, auch mal einfach ein paar B&#252;cher in die Hand zu nehmen, zu deren Lekt&#252;re er nicht verpflichtet war. Dass Carrolls phantastische Geschichte in der angeblich so staubtrockenen viktorianischen Zeit so ein Riesenerfolg war, kam mir erstaunlich genug vor &#8211; richtig spannend aber war die Frage, die sich mir daraufhin stellte: Gab es von dieser so ganz und gar nicht &#8250;realistischen&#8249; Nonsense-Literatur damals eigentlich noch mehr? Edward Lear war schnell gefunden, aber meine anschlie&#223;enden Forschungen an der British Library in London f&#246;rderten tats&#228;chlich noch eine Menge weiterer Texte zutage, die in der Zwischenzeit v&#246;llig in Vergessenheit geraten waren, und so erschloss meine Dissertation mit dem Titel <italic>Formen und Funktionen der englischen Nonsense-Dichtung im 19. Jahrhundert</italic>, so m&#246;chte ich frech immer noch behaupten, 1972 in mancher Hinsicht tats&#228;chlich Neuland.</p>
</sec>
<sec>
<title>Phantastisches (und weitere Gl&#252;cksf&#228;lle) im Universit&#228;tsbetrieb</title>
<p>Dass das Erlanger Institut f&#252;r Anglistik und Amerikanistik (pardon, damals hie&#223; es noch Seminar f&#252;r Englische Philologie) dringend Personal f&#252;r sprachwissenschaftliche Grundkurse brauchte, mich daf&#252;r einsetzte und mir trotzdem die Option lie&#223;, meine literaturwissenschaftlichen Forschungen weiterzuf&#252;hren, ist der n&#228;chste Gl&#252;cksfall. Und ebenso, dass ich nach der Promotion als frischgebackener Wissenschaftlicher Assistent bei der Wahl meiner Proseminar-Themen viel Freiheit hatte und in den 1970er-Jahren meine Student*innen nicht nur &#252;ber Shakespeare, Dickens und Shaw, sondern auch &#252;ber Nonsense-Literatur, Utopie und Satire bei More, Swift und Butler, englische Volks- und Kunstballaden und moderne Anti-Utopien aufkl&#228;ren durfte. Nicht zu vergessen ein Proseminar zur englischen Kinderliteratur im Sommersemester 1975 &#8211; ein Nebenprodukt meiner Forschungen f&#252;r die Habilitationsschrift &#252;ber das englische Kunstm&#228;rchen im 19. Jahrhundert, bei denen ich erneut das Gef&#252;hl hatte, Neuland zu betreten. In der Germanistik waren die &#187;Kunstm&#228;rchen&#171; der Romantiker (Novalis, Tieck, Fouqu&#233;, Hoffmann, Brentano, Hauff etc. etc.) ja schon lange ein ganz gro&#223;es Thema &#8211; aber gab es so etwas eigentlich auch in der englischen Literatur des 19. Jahrhunderts? Auch hier war die einschl&#228;gige Sekund&#228;rliteratur &#228;u&#223;erst d&#252;nn, und wieder konnte ich, dank eines DFG-Forschungsstipendiums &#8211; dass man bei der DGF ein so abseitiges Thema f&#252;r f&#246;rderungsw&#252;rdig hielt, war noch so ein Gl&#252;cksfall &#8211; der British Library eine ganze Menge phantastischer Geschichten entlocken.</p>
<p>Bei der Publikation der Habilitationsschrift hielt ich noch an der klassischen Bezeichnung &#8250;Kunstm&#228;rchen&#8249; fest, aber im Verlauf meiner Recherchen begann sich schon der Begriff &#8250;Fantasy&#8249; zu etablieren.<xref ref-type="fn" rid="n3">3</xref> Im &#220;brigen entdeckte ich w&#228;hrend meiner Studien, dass die Tradition des Erfindens von &#8250;M&#228;rchen&#8249; im 20. Jahrhundert munter weiterging, ja &#252;berhaupt erst so richtig Schwung aufnahm. Die Habilitationsschrift w&#228;re damit zu umfangreich geworden; auch so brauchte der Verlag eine ganze Weile f&#252;r die Produktion des Buches, und so kam es, dass mein B&#252;chlein <italic>J. R. R. Tolkien: Fantasy Literature als Wunscherf&#252;llung und Weltdeutung</italic> (gewidmet &#187;meinen wackeren Mitstreitern vom Hauptseminar SS 1979&#171;) sogar noch ein Jahr vor der Habilitationsschrift erschien, n&#228;mlich <xref ref-type="bibr" rid="B29">1980</xref>.</p>
<p>Dass sich bei all diesen T&#228;tigkeiten ein weiteres Forschungsgebiet auftat, n&#228;mlich das der Kinder- und Jugendliteratur, war dabei schier unvermeidlich: Schlie&#223;lich &#252;berlagern sich die beiden Bereiche mindestens seit dem sp&#228;ten 18. Jahrhundert gro&#223;fl&#228;chig, und mindestens seit dem Erscheinen der <italic>Kinder- und Hausm&#228;rchen</italic> der Gebr&#252;der Grimm gelten Kinder weithin als <italic>das</italic> Publikum f&#252;r M&#228;rchen und dergleichen. Wobei sich auch hier bei genauerem Hinsehen die Begrifflichkeit als problematisch erweist: Definiert sich die Kinderliteratur &#252;ber den vom Autor (oder seinem Verleger) intendierten Leser? Was ist dann, wenn sich die tats&#228;chliche Leserschaft von solchen Einschr&#228;nkungen nicht beeindrucken l&#228;sst? Man denke nur an die gro&#223;en Fantasy-Klassiker <italic>Alice&#8217;s Adventures in Wonderland, Peter Pan</italic> (1904), <italic>The Wind in the Willows</italic> (1908), <italic>The Hobbit</italic> (1937), die <italic>Harry-Potter-</italic>Reihe &#8211; alles <italic>all-age literature</italic>.</p>
<p>Dass solche &#8250;entlegenen&#8249; Texte im Laufe der 1970er-Jahre immer mehr ins Blickfeld der Literaturwissenschaft gelangten, ist Teil eines noch viel gr&#246;&#223;eren Umbruchs, der sich in diesen Jahren unter dem Dachbegriff &#8250;Literaturtheorie&#8249; vollzog. Er kann und soll hier nat&#252;rlich nicht n&#228;her beschrieben werden; es mag gen&#252;gen, einige einschl&#228;gige Forschungsrichtungen und -begriffe zu benennen, wie z. B. <italic>Rezeptions&#228;sthetik, Literaturpsychologie, Literatursoziologie, New Historicism, Strukturalismus, Poststrukturalismu</italic>s usw. Unter den zahlreichen einschl&#228;gigen knallroten UTB-B&#228;nden, die noch immer mein B&#252;cherregal zieren, befinden sich auch etliche Auflagen der <italic>Einf&#252;hrung in das Studium der englischen Literatur</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B35">ab 1974</xref>), die ich zusammen mit einigen etwas &#228;lteren Kollegen gestalten durfte (dass wir in Erlangen einen recht breiten Mittelbau ohne Konkurrenzdruck hatten, ist noch so ein Gl&#252;cksfall) und die von der vierten Auflage an auch ein Kapitel von mir &#252;ber nicht-mimetische Erz&#228;hlformen enthielt. Au&#223;erdem entwickelte einer meiner Kollegen, Eberhard Sp&#228;th, ein lebhaftes Interesse an <xref ref-type="bibr" rid="B31">Unterhaltungsliteratur</xref> (ein Begriff, der die im Bildungsb&#252;rgertum etablierte, wertende Unterscheidung zwischen &#8250;ernster&#8249; und &#8250;leichter&#8249; oder gar &#8250;seichter&#8249; Literatur mit sich herumschleppt &#8211; und der schwammig genug ist, um sowohl Krimis als auch Phantastik und Kinderliteratur aufzusaugen) und veranstaltete zusammen mit mir vom Ende der 1980er-Jahre an insgesamt drei Tagungen in Erlangen, bei denen es neben theoretischen &#220;berlegungen vor allem um Krimis, aber auch um Formen der phantastischen Literatur ging.<xref ref-type="fn" rid="n4">4</xref></p>
<p>Doch kehren wir nach diesem Vorgriff in die fr&#252;hen 1980er-Jahre zur&#252;ck. Der n&#228;chste zu erw&#228;hnende Gl&#252;cksfall betrifft weit mehr als nur meine Forschungsinteressen, aber eben auch diese. Die Rede ist von einem privat organisierten Dozentenaustausch, der es mir erm&#246;glichte, ein ganzes Jahr lang an der renommierten University of North Carolina in Chapel Hill zu unterrichten und zu forschen. Dem riesigen English Department war eine Folklore-Abteilung angeschlossen, die mich mit offenen Armen aufnahm und mich ermunterte, im Herbst 1983 den Kurs <italic>English 195: English Fairy Tales and Legends</italic> anzubieten. Schon zu dieser Zeit fieberte die journalistisch/akademische &#214;ffentlichkeit des ganzen Landes dem Jahr 1984 entgegen und damit der Frage, wie sich George Orwells dystopische Visionen zur realen Weltsituation verhielten. Ich durfte mit einem &#246;ffentlichen Vortrag meinen Beitrag dazu leisten und in der Folge auch einige wissenschaftliche Konferenzen besuchen. Bei der wichtigsten, der Fifth International Conference on the Fantastic in Literature and the Arts, die Ende M&#228;rz 1984 in Boca Raton (Florida) stattfand, gab ich zwar nur einen Ausschnitt aus meiner Habilitationsschrift zum Besten; wichtiger im R&#252;ckblick war das Erlebnis einer so gro&#223;en Organisation, die sich Gastredner wie Leslie Fiedler und Stephen King leisten konnte.</p>
<p>Die Existenz solcher wissenschaftlichen Vereinigungen wie der International Association for the Fantastic in the Arts (gegr&#252;ndet 1979) lie&#223; keinen Zweifel mehr zu: Fantastikforschung war &#8250;in&#8249;. Ob dies auch f&#252;r die akademische Welt in Deutschland galt, schien mir allerdings noch etwas zweifelhaft, als mein Vortrag &#252;ber &#187;Fantasy Fiction and Related Genres&#171; beim Anglistentag 1985 ganz in die letzte zeitliche Ecke gedr&#228;ngt und danach auch nicht im Tagungsband publiziert wurde.</p>
<p>Macht nichts, ich brachte ihn anschlie&#223;end in den renommierten <xref ref-type="bibr" rid="B28"><italic>Modern Fiction Studies</italic></xref> unter; und au&#223;erdem hatte ich inzwischen eine Einladung zum Beitritt in die Deutsche Inklings-Gesellschaft erhalten, die ein neues Kapitel in meiner Entwicklung zum Fantastik-Spezialisten er&#246;ffnete.</p>
</sec>
<sec>
<title>Fantastik-Fans, Vortr&#228;ge und Ver&#246;ffentlichungen, und akademischer Alltag</title>
<p>Dieses Kapitel &#252;ber die weitere Entwicklung umfasst beinahe vierzig Jahre, dennoch kann ich mich nun kurz fassen, denn im Verlauf dieser Zeit hat die Phantastikforschung (jedenfalls in meiner Wahrnehmung) den Ruch des Au&#223;ergew&#246;hnlichen, der &#8250;Spinnerei&#8249;, mehr und mehr verloren. Das h&#228;ngt nat&#252;rlich vor allem mit der zunehmenden Popularit&#228;t der Werke von Tolkien &amp; Co. zusammen, die nach und nach zu einem Anwachsen von einschl&#228;giger Sekund&#228;rliteratur f&#252;hrte und zum Entstehen von literarischen Gesellschaften zu diesem Themenbereich, auch in Deutschland. Die erste dieser Art war wohl der Science Fiction Club Deutschland, gegr&#252;ndet 1955; mit einigem zeitlichen Abstand folgten diesem der Deutsche Fantasy Club (1978) und die Inklings-Gesellschaft f&#252;r Literatur und &#196;sthetik (1983). Mit ihrem hybriden Charakter (halb wissenschaftliche Gesellschaft, halb Fan-Club) nahmen diese in der Landschaft der altehrw&#252;rdigen etablierten literarischen Gesellschaften, die sich schon seit dem 19. Jahrhundert dem Studium der gro&#223;en Klassiker gewidmet hatten (die erste war &#252;brigens die Deutsche Shakespeare-Gesellschaft, gegr&#252;ndet 1864) freilich eine etwas zweifelhafte Sonderstellung ein.</p>
<p>Mit Abstrichen gilt diese Charakterisierung auch f&#252;r die Inklings-Gesellschaft, die f&#252;r mich ein wesentliches Bet&#228;tigungsfeld werden sollte. Im Jahr 1983 von dem &#252;beraus r&#252;hrigen Gymnasialprofessor und (Privat-)Gelehrten Dr. Gisbert Kranz in Aachen gegr&#252;ndet, widmete sie sich einerseits, dem ersten Teil ihres Namens entsprechend, dem Studium der Werke der Inklings-Autoren, daneben aber auch, laut Selbstdarstellung im Internet, &#187;der Analyse des Phantastischen in Literatur, Film und Kunst allgemein&#171; (s. Anm. 5). Jemandem wie mir, der den religi&#246;s gef&#228;rbten Fantastereien von Tolkien, Lewis, Sayers, Williams und ihren Vorl&#228;ufern MacDonald und Chesterton mit gro&#223;em Interesse, aber auch einer gewissen Distanz gegen&#252;berstand, war diese Offenheit der Gesellschaft wichtig, die sich auch in den weitgespannten Interessen der vielen Mitglieder, die ich nach meinem Eintritt kennenlernen konnte, manifestierte.</p>
<p>Das Changieren zwischen Fan-Interessen und dem Anspruch auf wissenschaftliche Seriosit&#228;t kann jeder unschwer erkennen, der eine der fr&#252;hen Inklings-Jahrb&#252;cher in die Hand nimmt &#8211; was f&#252;r viele Interessenten allerdings nicht ganz einfach sein mag, da nur wenige Universit&#228;tsbibliotheken Inklings-Jahrb&#252;cher besitzen.<xref ref-type="fn" rid="n5">5</xref> So enthalten z. B. die B&#228;nde 3 und 4 neben wissenschaftlichen Aufs&#228;tzen auch &#220;bersetzungen von Dichtungen und Texten von Charles Williams und George MacDonald aus der Feder von Gisbert Kranz und Berichte &#252;ber den Stand der Tolkien-Rezeption in verschiedenen europ&#228;ischen L&#228;ndern und einen Bericht &#252;ber die Verleihung der Inklings-Medaille an den &#246;sterreichischen Fantasy-Autor Peter Marginter. Zugleich richtete sich die Inklings-Gesellschaft dezidiert international aus, sowohl was die behandelten Autoren und Werke betrifft als auch hinsichtlich ihrer Mitglieder. Besonders deutlich zeigte sich dies 1992 beim Internationalen Tolkien-Symposion zu Aachen, bei dem 15 Beitr&#228;ger*innen aus neun L&#228;ndern Vortr&#228;ge hielten.</p>
<p>Mein eigener Beitrag zu dieser Tagung ist auch im Kontext dieses R&#252;ckblicks nicht uninteressant, denn er besch&#228;ftigt sich mit &#187;Zw&#246;lf Jahre[n] Tolkien-Rezeption in Deutschland, 1980&#8211;1991&#171;. U. a. stellte ich damals fest, dass in diesem Zeitraum lediglich zwei Aufs&#228;tze zu Tolkien &#187;in etablierten anglistischen bzw. allgemein-literaturwissenschaftlichen Fachzeitschriften erschienen sind&#171; (246).<xref ref-type="fn" rid="n6">6</xref> Ansonsten aber, so mein damaliger Befund, fand die Tolkien-Forschung ganz &#252;berwiegend &#252;ber das Inklings-Jahrbuch und, in geringerem Ma&#223;, die Zeitschrift <italic>Fantasia</italic> des Ersten Deutschen Fantasy Clubs den Weg in eine (sicherlich sehr eng begrenzte) &#214;ffentlichkeit. Immerhin gab es aber auch bereits vier Dissertationen zum Thema &#8250;Fantasy&#8249;.<xref ref-type="fn" rid="n7">7</xref></p>
<p>Auch die wissenschaftlichen Verlage verhielten sich nach meiner Erfahrung eher z&#246;gerlich gegen&#252;ber den neuen Entwicklungen. So beantwortete z. B. der Schwann Bagel Verlag 1987 meinen Vorschlag, seinen B&#228;nden &#252;ber die Utopie und die Science Fiction in der angloamerikanischen Literatur (1984 und 1986) einen &#228;hnlichen zur Fantasy-Literatur folgen zu lassen, nur hinhaltend und schlie&#223;lich ablehnend. Was im &#220;brigen den Eindruck verst&#228;rkt, dass zu dieser Zeit die deutlicher zeitkritisch motivierten Formen der Phantastik im wissenschaftlichen Bewusstsein der Zeit besser etabliert waren als die allzu sehr nach &#8250;blo&#223;er&#8249; Unterhaltung riechende Fantasy Fiction.</p>
<p>Dass sich diese Atmosph&#228;re im Verlauf der 1990er-Jahre allm&#228;hlich &#228;nderte, muss hier nicht im Detail gezeigt werden. Ein Beleg daf&#252;r ist die Einladung der Redaktion der Zeitschrift <italic>anglistik &amp; englischunterricht</italic> an mich, einen Band &#252;ber <italic>Fantasy in Film und Literatur</italic> herauszugeben (<xref ref-type="bibr" rid="B9">er erschien 1996</xref>). Und so regte sich auch kein Protest unter den Inklings-Mitgliedern, als ich nach meiner &#220;bernahme der Herausgeberschaft des Jahrbuchs von 1993 an St&#252;ck f&#252;r St&#252;ck bem&#252;ht war, das Jahrbuch st&#228;rker an die bei anderen wissenschaftlichen Zeitschriften &#252;blichen Prinzipien und Regeln anzupassen. Dass ich in den mehr als 25 Jahren Herausgebert&#228;tigkeit mit vielen hochinteressanten Forscher*innen aus der ganzen Welt in Kontakt kam und mit unz&#228;hligen Aufs&#228;tzen zu den unterschiedlichsten Formen von Phantastik, sehe ich im R&#252;ckblick als einen weiteren Gl&#252;cksfall &#8211; auch wenn dabei jede Menge ganz un-phantastischer Basisarbeit anfiel, von Argumentationskritik &#252;ber Stil- und Grammatikfragen und Kontrolle von Quellenverweisen bis hin zu Rechtschreibung und Interpunktion. Und dass ich hierf&#252;r, zumindest w&#228;hrend meiner aktiven Uni-Zeit, auf die Unterst&#252;tzung durch studentische Hilfskr&#228;fte zur&#252;ckgreifen durfte, ist der letzte zu erw&#228;hnende Gl&#252;cksfall &#8211; nicht nur f&#252;r mich, sondern (so hoffe ich) auch f&#252;r die Hilfskr&#228;fte, die auf diese Weise nicht nur mit den verschiedensten Arten von phantastischer Literatur in Ber&#252;hrung kamen, sondern auch das ABC des wissenschaftlichen Arbeitens lernten und f&#252;r ihre eigenen Phantastik-Forschungen (bis hin zu Dissertationen und anderen selbst&#228;ndigen Ver&#246;ffentlichungen) nutzen konnten.</p>
</sec>
<sec>
<title>Schlussbetrachtung</title>
<p>Zu meinen weiteren wissenschaftlichen T&#228;tigkeiten bleibt hier nicht viel zu erw&#228;hnen: Beitritte zu weiteren wissenschaftlichen Gesellschaften (Deutscher Anglistentag, Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendliteraturforschung, Children&#8217;s Literature Association, International Research Society for Children&#8217;s Literature), Teilnahme an (und gelegentlich auch Organisation von) Konferenzen im In- und Ausland, Publikationen in diversen Zeitschriften und Sammelb&#228;nden, (mehr und mehr auch auf Einladung der Veranstalter bzw. Herausgeber) und nat&#252;rlich Lehrveranstaltungen. Wobei es in all diesen Bereichen vorwiegend, aber nicht ausschlie&#223;lich, um fantastische Literatur ging.</p>
<p>Bleibt die Kernfrage: Bin ich denn nun tats&#228;chlich so etwas wie ein Pionier der Phantastikforschung? Die Antwort kann nur ein donnerndes &#187;Naja!&#171; sein. Wie mein kurzer Bericht erkennen l&#228;sst, habe ich mich w&#228;hrend meines ganzen akademischen Lebens mit Phantastik besch&#228;ftigt, was zumindest in der Anfangsphase im akademischen Betrieb in der Tat etwas Au&#223;ergew&#246;hnliches war &#8211; aber niemals ausschlie&#223;lich damit. Insbesondere in der akademischen Lehre habe ich st&#228;ndig auch gro&#223;e Teile des etablierten englischsprachigen Kanons zu vermitteln versucht. Weit wichtiger noch: Ich habe mich weitgehend (und weise?) auf die Literaturwissenschaft beschr&#228;nkt und die anderen riesigen Felder der Phantastik lediglich aus der Ferne wahrgenommen. Wie viele es davon gibt &#8211; von der Bildenden Kunst &#252;ber Architektur, Film, Comics/Graphic Novels, Rollen- und Computerspiele bis zu Design und Mode &#8211; mag der interessierte Leser z.B. dem &#187;interdisziplin&#228;ren Handbuch&#171; <italic>Phantastik</italic> entnehmen, das von Hans Richard Brittnacher und meinem fr&#252;heren Hauptseminar-Studenten Markus May <xref ref-type="bibr" rid="B10">2013</xref> herausgegeben wurde.</p>
<p>Ob Phantastik jemals als ein fest umrissenes Forschungs- oder gar Studienfach etabliert werden wird? Gut m&#246;glich, dass es dazu nicht einer stringenten Definition des Begriffes bedarf. Doch innerhalb des Hochschulbetriebs, scheint mir, wird es wohl immer nur als <italic>ein</italic> Schwerpunkt innerhalb eines gr&#246;&#223;eren Bereichs (Literatur-, Kultur-, Theaterwissenschaft etc.) existieren k&#246;nnen. Nur ein/e Privatgelehrte/r ohne jegliche Verpflichtungen k&#246;nnte sich ausschlie&#223;lich in diesem riesigen Gebiet<xref ref-type="fn" rid="n8">8</xref> ohne jegliche Beschr&#228;nkungen bewegen &#8211; ohne es freilich jemals in seiner G&#228;nze zu durchdringen, denn daf&#252;r reicht ein menschliches Leben nicht aus. Und er/sie wird gut aufpassen m&#252;ssen, damit es ihm/ihr dabei nicht schlimmer ergeht als H&#228;nsel und Gretel im gro&#223;en finsteren Wald &#8230;</p>
</sec>
<sec>
<title>Autor</title>
<p>Dieter Petzold (Jg. 1945) studierte Anglistik und Germanistik in W&#252;rzburg, Amherst College (USA) und Erlangen. Er lehrte bis Herbst 2007 englische Literatur an der Universit&#228;t Erlangen-N&#252;rnberg; zwischenzeitlich au&#223;erdem als Gastprofessor an der University of North Carolina at Chapel Hill (1983&#8211;84) und an der University of British Columbia at Vancouver (1992&#8211;93). Buchver&#246;ffentlichungen zur englischen Nonsens-Literatur des 19. Jahrhunderts (<xref ref-type="bibr" rid="B26">1972</xref>), zum englischen Kunstm&#228;rchen im 19. Jahrhundert (1981), zu Robinson Crusoe (1982) und zu J. R. R. Tolkien (<xref ref-type="bibr" rid="B29">1980</xref> und 2003). Herausgeber diverser Sammelb&#228;nde sowie, von 1996 bis 2020, des <xref ref-type="bibr" rid="B30"><italic>Inklings-Jahrbuchs</italic></xref>. Zahlreiche Fachartikel, vor allem zu verschiedenen Gattungen der fantastischen Literatur und zur Kinderliteratur.</p>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>Science Fiction Studies an der UC Riverside</title>
<p>Sherryl Vint</p>
<p>Das Speculative Fictions and Cultures of Science Program (SFCS) an der UC Riverside (UCR) hat seinen Ursprung in der Eaton Collection, dem gr&#246;&#223;ten Science-Fiction-Archiv der Welt, das seit Ende der 1960er-Jahre auf unserem Campus beheimatet ist. Diese Sammlung zieht seit jeher Forscher:innen an, die auf dem Gebiet der SF t&#228;tig sind &#8211; unter anderem auch mich, bevor ich meine Stelle hier antrat. Allerdings gab es lange keinen dezidierten Arbeitsbereich f&#252;r die Erforschung von SF respektive dem weiteren Feld der Speculative Fiction. Vor rund einem Jahrzehnt entschied sich der damalige Dekan des College of Humanities and Social Sciences (CHASS) schlie&#223;lich dazu, Wissenschaftler:innen aus dem Bereich der Science Fiction Studies anzustellen. Dies geschah mit dem erkl&#228;rten Ziel, auf akademischer Ebene eine Expertise zu entwickeln, die der F&#252;hrungsrolle der UCR im Archivbereich entspricht.</p>
<p>Obwohl die Eaton Collection Forschenden seit mehr als f&#252;nfzig Jahren offensteht, werden SF und verwandte Genres an nordamerikanischen Hochschulen erst seit etwa zwanzig Jahren breit unterrichtet. Nach wie vor bieten zwar nur wenige Universit&#228;ten spezialisierte SF-Studieng&#228;nge an, fast &#252;berall kann man nun aber Kurse belegen, die Speculative Fiction als eine zentrale Form zeitgen&#246;ssischen Kulturschaffens verstehen. Tats&#228;chlich ist die Hinwendung zur Speculative Fiction insgesamt eine relativ neue Erscheinung. Der Zeitpunkt, an dem man sich an der UCR dazu entschied, diesen Bereich aufzubauen, ist somit einerseits Ausdruck einer gr&#246;&#223;eren Verschiebung in der akademischen Kultur Nordamerikas, anderseits aber auch der Weitsicht unseres CHASS-Dekans zu verdanken, die spezifischen St&#228;rken unserer Universit&#228;t zu nutzen. Mit dem Einzug kontinentaler und insbesondere franz&#246;sischer Philosophie &#8211; im angels&#228;chsischen Raum oft einfach unter dem Label &#187;theory&#171; zusammengefasst &#8211; in die nordamerikanischen Geisteswissenschaften hat sich das Studium und die Erforschung von Literatur an den Anglistik-Instituten (und damit meiner Heimdisziplin) mehr und mehr verschoben; von der textimmanenten Analyse zu Fragen des kulturellen Einflusses von Texten sowie Untersuchungen dazu, wie sich in diesen unsere Vorstellungen von sozialer Organisation, geschlechtlicher, sexueller und ethnischer Identit&#228;t und &#228;hnlichem ausdr&#252;cken. Im Zuge dieses Umbruchs weichte auch die Grenze zwischen vermeintlicher Hoch- und Popul&#228;rkultur, die bislang das Erforschen von Genre-Werken insgesamt erschwert hatte, zusehends auf und wurde schlie&#223;lich vollends hinf&#228;llig. Was ich damit sagen will, ist, dass die breitere Akzeptanz von Speculative Fiction nicht nur die Folge einer gr&#246;&#223;eren Offenheit gegen&#252;ber verschiedenen stilistischen Traditionen ist, sondern vor allem daraus folgt, dass wir mit neuen Fragen an Texte herantreten. Unsere Rolle als Wissenschaftler:innen besteht immer weniger darin, die k&#252;nstlerische Qualit&#228;t eines Textes offenzulegen; vielmehr untersuchen wir ihn darauf hin, wie sich in ihm die politischen und ideologischen Bedingungen unseres Alltags ausdr&#252;cken und zugleich auch von ihm kritisch reflektiert werden. Das bedeutet im Umkehrschluss freilich nicht, dass keine Beispiele f&#252;r Speculative Fiction existieren, die es verdienten, <italic>als Kunstwerke</italic> gew&#252;rdigt zu werden (auch wenn in manchen geisteswissenschaftlichen Enklaven immer noch das Vorurteil herrscht, mimetische Literatur sei genuin ernsthafter). Aber ich m&#246;chte hier vor allem betonen, dass die breite Akzeptanz von Speculative Fiction das Ergebnis zweier unterschiedlicher Entwicklungen ist; die eine h&#228;ngt mit einer Erweiterung des Kanons zusammen, also dem Material, das von der Literaturwissenschaft und verwandten Disziplinen &#252;berhaupt als einer Untersuchung w&#252;rdig erachtet wird, die andere mit ver&#228;nderten Ans&#228;tzen und Methoden in der Literaturwissenschaft und den Geisteswissenschaften im Allgemeinen.</p>
<p>Insbesondere die zweite Verschiebung ist in meinen Augen ma&#223;geblich daf&#252;r verantwortlich, dass SF und verwandte Genres heute breit akzeptiert werden. Die &#228;sthetischen Konventionen von Speculative Fiction machen diese zu einem idealen Genre, um die spezifischen Erfahrungen und Herausforderungen unserer Gegenwart zu reflektieren &#8211; vom Klimawandel &#252;ber die Auswirkungen von Biotechnologie und Robotik auf unser Leben bis zu einer weit verbreiteten Sorge um die Zukunft, die sowohl den politischen wie auch den k&#252;nstlerischen Diskurs antreibt, was sich unter anderem in der Etablierung von Studieng&#228;ngen wie Innovation Studies und Futury Studies zeigt. Je mehr sich die Wissenschaft neuen medialen Formen wie Games, digitalen Medien und Jugendliteratur (im englischen &#187;YA literature&#171;) zuwendet, umso deutlicher zeigt sich, wie wichtig SF-Themen und -Settings f&#252;r diese Bereiche sind.</p>
<p>Der Name des Speculative-Fictions-and-Cultures-of-Science-Programms soll diesem Kontext Rechnung tragen. Auf unserer Website beschreiben wir unser Vorhaben folgenderma&#223;en:</p>
<disp-quote>
<p>Das SFCS-Programm besch&#228;ftigt sich mit der Schnittstelle zwischen Speculative Fiction, Science and Technology Studies (STS) und Traditionen spekulativen Denkens. Wir untersuchen die allgegenw&#228;rtige Rolle spekulativer Diskurse in der &#246;ffentlichen Kultur sowie den komplexen gegenseitigen Austausch zwischen futuristischem Denken, Forschungsprogrammen, politischen Entscheidungen, medialen Erscheinungen und dem Alltagsleben in hochtechnologischen Gesellschaften. Die Zusammenschau von Kulturwissenschaften und STS soll den Studierenden dabei helfen, kritische F&#228;higkeiten in einer medial gepr&#228;gten Gesellschaft zu entwickeln und so die ihr zugrundeliegenden Vorstellungen von Wissenschaft und Zukunft zu verstehen. Der Dialog zwischen Speculative Fiction und STS erm&#246;glicht unseren Forschenden, sich auf den technischen Wandel in spezifischen Kontexten zu konzentrieren &#8211; etwa durch die Analyse von Texten und Praktiken, die auf die Art und Weise, wie Wissenschaft die kulturellen, materiellen und wirtschaftlichen Bedingungen unserer Gesellschaft pr&#228;gt, reagieren, diese kritisieren und darauf aufbauen. Spekulatives Denken und Speculative Fiction sind f&#252;r zahlreiche der dr&#228;ngendsten Forschungsfragen der Gegenwart von zentraler Bedeutung, z. B. f&#252;r das Anthropoz&#228;n, den Klimawandel, die Gentechnologie oder den Posthumanismus. Die F&#228;higkeit, die Zukunft zu beschreiben und damit auch zu gestalten, ist f&#252;r soziale Bewegungen wie Black Lives Matter, dem Kampf um soziale Gerechtigkeit sowie Bem&#252;hungen um Nachhaltigkeit ebenfalls von herausragender Bedeutung.</p>
</disp-quote>
<p>Nachdem eine kritische Menge von Wissenschaftler:innen engagiert werden konnte sowie nach R&#252;cksprache mit verschiedenen Kolleg:innen, die sich an der UCR in anderen Disziplinen bereits mit &#228;hnlichen Fragen besch&#228;ftigten &#8211; selbst wenn dies nicht in einem spezifischen SF-Kontext geschah &#8211;, wurde das SFCS-Programm 2017 offiziell lanciert. Wir sind in der Anglistik angesiedelt, arbeiten aber eng mit Kolleg:innen aus anderen sozial- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen zusammen. Der Austausch mit Wissenschaftler:innen, die sich nicht prim&#228;r als SF-Forschende verstehen, hat produktive Br&#252;ckenschl&#228;ge zu anderen Fachdisziplinen erm&#246;glicht. Zum Beispiel r&#252;cken mittlerweile Forschende in Feldern wie den Indigenous oder Latinx Studies vermehrt spekulative Texte ins Zentrum, und umgekehrt mussten auch wir unsere Vorstellung von der Bandbreite der Texte, die wir in unser Fachgebiet einbeziehen, &#252;berdenken respektive erweitern.</p>
<p>Ein weiteres wichtiges Kapitel in der Geschichte unseres Programms ist eine F&#246;rderung, die uns 2015 zugesprochen wurde. Diese erm&#246;glichte es uns, w&#228;hrend eines Jahres unter dem Label &#187;Alternative Futurism&#171; eine Reihe von Podiumsdiskussionen, Konferenzen und &#228;hnlichen Veranstaltungen mit geladenen G&#228;sten auszurichten. Beim Zusammenstellen dieser Reihe waren wir darum bem&#252;ht, Praktiker:innen und Theoretiker:innen aus den unterschiedlichen Traditionen multikultureller Speculative Fiction, die zu dieser Zeit boomten, zusammenzubringen. Wir orientierten uns dabei am bereits etablierten Gebiet des Afrofuturismus. Unsere Veranstaltungen stellten vergleichbare Traditionen in indigenen, Latinx und asiatisch-amerikanischen Kulturen in den Vordergrund; alles Felder mit einer bedeutenden und stetig wachsenden SF-Produktion. Die Vertreter:innen dieser Traditionen machen sich die auff&#228;lligen Parallelen zwischen SF und utopischer Literatur zunutze, die sich in zahlreichen historischen Beispielen zeigen, bei denen sich aktivistische Gemeinschaften der SF bedienten, um die bestehende Gesellschaft zu kritisieren und Begeisterung f&#252;r ihre Visionen einer besseren Welt zu wecken. Das florierende Feld der SF n&#228;hrt sich somit einerseits aus utopischen Projekten, Bildern und Vorstellungen, derer sich fr&#252;here Generationen von Aktivist:innen bedienten; andererseits setzt es sich aber auch kritisch mit der Art und Weise auseinander, mit der Teile der SF in der Vergangenheit eine kolonialistische und westzentrierte Weltsicht gest&#252;tzt haben.</p>
<p>Unser Programm hat zweifellos davon profitiert, dass Speculative Fiction zusehends in das Zentrum wissenschaftlichen Interesses r&#252;ckt, vor allem aber tr&#228;gt die innovative Forschung unserer Promovierenden dazu bei, unserem Feld neue Gebiete zu er&#246;ffnen. Deshalb beende ich diesen kurzen Beitrag mit den Titeln der Dissertationen einiger der j&#252;ngsten Absolvent:innen des Studiengangs, die hoffentlich einen Eindruck von der Lebendigkeit vermitteln, die ein Programm im Bereich der SF-Studien heute bieten kann.</p>
<p>Aktuelle und laufende Dissertationen umfassen</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Stina Attebery, <italic>Refuse Ecologies: Indigenous Posthuman in Polluted Futures</italic></p></list-item>
<list-item><p>Leslie Fernandez, <italic>Asiandroid: Techno-Orientalism and the Android Imaginary in Science Fiction</italic></p></list-item>
<list-item><p>Jasmine Moore, <italic>Disaster and Possibility: Radical Reclamations of Time in Black Horror Aesthetics</italic></p></list-item>
<list-item><p>Brittany Roberts, <italic>Being-With Ecological Ethics and the More-Than-Human Worlds of Russian and American Horror</italic></p></list-item>
<list-item><p>Summer Sutton, <italic>Feral Creatures: Domestication, Conquest, and the Humanist Imaginary</italic></p></list-item>
<list-item><p>Sang-Keun Yoo, <italic>Speculative Orientalism: Zen and Tao in American New Wave Science Fiction</italic></p></list-item>
</list>
<p>&#160;</p>
<p><italic>Aus dem Englischen &#252;bersetzt von Simon Spiegel</italic>.</p>
<sec>
<title>Autorin</title>
<p>Sherryl Vint ist Professorin f&#252;r Media and Cultural Studies und Vorsitzende des Anglistik-Departments an der University of California, Riverside, wo sie das Programm Speculative Fictions and Cultures of Science leitet. Sie ist Mitbegr&#252;nderin der Zeitschrift <italic>Science Fiction Film and Television</italic> und Mit-Herausgeberin der <italic>Science Fiction Studies</italic> sowie der Buch-Reihe <italic>Science in Popular</italic> Culture. Sie hat zahlreiche Publikation zu Science Fiction ver&#246;ffentlicht, darunter zuletzt <italic>Biopolitical Futures in Twenty-First Century Speculative Fiction</italic> (2021) und <italic>Programming the Future: Speculative Television and the End of Democracy</italic> (2022, gemeinsam Jonathan Alexander).</p>
</sec>
</sec>
</body>
<back>
<fn-group>
<fn id="n1"><p>Siehe dazu Spiegel, &#187;Wovon&#171;.</p></fn>
<fn id="n2"><p>Als Anglist beziehe ich mich hier auf den englischsprachigen Tagungsband, in dem auch mein Beitrag erschienen ist. Sein deutschsprachiger Schwesterband erschien unter dem Titel der Konferenz selbst, <italic>Fremde Welten: Wege und R&#228;ume der Fantastik im 21. Jahrhundert</italic> (2012).</p></fn>
<fn id="n3"><p>Zeugnisse daf&#252;r sind vor allem: C. N. Manlove, <italic>Modern Fantasy</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B24">1975</xref>) und Stephen Prickett, <italic>Victorian Fantasy</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B34">1979</xref>).</p></fn>
<fn id="n4"><p>Die B&#228;nde <italic>Unterhaltungsliteratur, Unterhaltung</italic> und <xref ref-type="bibr" rid="B33"><italic>Unterhaltungsliteratur der achtziger und neunziger Jahre</italic></xref> legen davon Zeugnis ab.</p></fn>
<fn id="n5"><p>Doch sind immerhin die Inhaltsverzeichnisse aller Inklings-Jahrb&#252;cher leicht auf der Homepage der Inklings-Gesellschaft zu finden (<ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://www.inklings-gesellschaft.de/?Jahrbuecher">www.inklings-gesellschaft.de/?Jahrbuecher</ext-link>).</p></fn>
<fn id="n6"><p>N&#228;mlich von Raimund Borgmeier, in <italic>Anglia</italic> (1982), und von Wilfried Keutsch, in <italic>Literatur in Wissenschaft und Unterricht</italic> (1982).</p></fn>
<fn id="n7"><p>Von Helmut W. Pesch, 1982; Hannspeter Bauer 1983; Marli Sch&#252;tze, 1986; und Barbara Einhaus, 1986.</p></fn>
<fn id="n8"><p>Das oben erw&#228;hnte Phantastik-Handbuch mag eine Ahnung von dessen Gr&#246;&#223;e vermitteln. Wobei anzumerken bleibt, dass auch seine 65 Autoren auf &#252;ber 600 Seiten nicht alle Bereiche abdecken &#8211; nicht einmal Donald Duck und die anderen Disney-Figuren, die Freunde aus meiner Kindheit, kommen darin vor &#8230;</p></fn>
</fn-group>
<sec>
<title>Konkurrierende Interessen</title>
<p>Simon Spiegel ist Mitherausgeber der <italic>Zeitschrift f&#252;r Fantastikforschung</italic>. Die &#252;brigen Autor:innen haben keine konkurrierenden Interessen zu erkl&#228;ren.</p>
</sec>
<ref-list>
<title>Filmografie</title>
<ref id="B1"><label>1</label><mixed-citation publication-type="journal"><collab>A<sc>LIEN</sc> (A<sc>LIEN</sc> &#8211; D<sc>AS</sc> U<sc>NHEIMLICHE</sc> W<sc>ESEN AUS</sc> E<sc>INER</sc> F<sc>REMDEN</sc> W<sc>ELT</sc>)</collab>. Regie: <string-name><given-names>Ridley</given-names> <surname>Scott</surname></string-name>. GB/US <year>1979</year>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B2"><label>2</label><mixed-citation publication-type="journal"><collab>B<sc>ABYLON</sc> 5</collab>. Idee: <string-name><given-names>J. Michael</given-names> <surname>Straczynski</surname></string-name>. US <year>1993&#8211;1998</year>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B3"><label>3</label><mixed-citation publication-type="journal"><collab>G<sc>AME OF</sc> T<sc>HRONES</sc></collab>. Idee: <string-name><given-names>David</given-names> <surname>Benioff</surname></string-name> und <string-name><given-names>D. B.</given-names> <surname>Weiss</surname></string-name>. US <year>2011&#8211;2019</year>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B4"><label>4</label><mixed-citation publication-type="journal"><collab>S<sc>TAR</sc> T<sc>REK</sc>: N<sc>EXT</sc> G<sc>ENERATION</sc> (R<sc>AUMSCHIFF</sc> E<sc>NTERPRISE</sc> &#8211; D<sc>AS</sc> N<sc>&#196;CHSTE</sc> J<sc>AHRHUNDERT</sc>)</collab>. Idee: <string-name><given-names>Gene</given-names> <surname>Roddenberry</surname></string-name>. US <year>1987&#8211;1994</year>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B5"><label>5</label><mixed-citation publication-type="journal"><collab>S<sc>TAR</sc> T<sc>REK</sc>: T<sc>HE</sc> O<sc>RIGINAL</sc> S<sc>ERIES</sc> (R<sc>AUMSCHIFF</sc> E<sc>NTERPRISE</sc>)</collab>. Idee: <string-name><given-names>Gene</given-names> <surname>Roddenberry</surname></string-name>. US <year>1966&#8211;1969</year>.</mixed-citation></ref>
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