Einleitung
Das folgende öffentliche Round-Table-Gespräch fand am 17. August 2023 im Deutschen Hygiene-Museum im Rahmen der Konferenz »Disruptive Imaginations«, Jahrestagung der Gesellschaft für Fantastikforschung (GfF) und der Science Fiction Research Association (SFRA), an der Technischen-Universität Dresden statt; organisiert wurde die Tagung von Moritz Ingwersen und Julia Gatermann. Anschließend an das Panel wurde der ostdeutsche SF-Film Eolomea (DDR 1972, Regie: Herrmann Zschoche) mit einer Einleitung von Evan Torner aufgeführt.
Die SF der Deutschen Demokratischen Republik (DDR, 1949–1990) umfasst zahlreiche literarische Werke und etwa zehn Spiel- und Kurzfilme. Diese SF ist öfter philosophischer ausgerichtet als die westliche und spielt in einer sozialistischen Welt. Sie ist für ihren satirischen Humor bekannt sowie für utopische Spielwelten, in denen die Hoffnung auf ein besseres Morgen zum Ausdruck kommt. Ökologische und feministische Themen sind ebenso zu finden wie künstliche Intelligenz (KI). Geschichten dieser selbständigen Tradition standen im Dialog mit der SF und anderen Genres im Westen wie auch im Osten; besonders sind hier Namen wie Stanisław Lem, Boris und Arkadi Strugatzki, Andrei Tarkowski, Isaac Asimov, Philip K. Dick und Ursula K. Le Guin zu nennen. Was die DDR-SF dagegen nicht kennt, sind Bug-Eyed Monsters, Jumpgates, mit denen man durch Wurmlöcher reisen kann, oder individualistische Superhelden, da sich die Geschichten an der Realität des sozialistischen Staates orientieren mussten, um veröffentlicht zu werden. Stattdessen entdecken die Leser:innen viel Nachdenklichkeit, Kreativität und Ehrlichkeit in zahlreichen Gedankenspielen von Heute und Morgen, wenn sie – wie bei jeder interessanten SF-Erzählung – zwischen den Zeilen lesen.1
Susanne Illmer: Wir haben uns gefreut, als Moritz Ingwersen und Julia Gatermann mit dem Vorschlag für zwei Abendveranstaltungen im Rahmen der Konferenz »Disruptive Imaginations« auf unser Museum zugekommen sind, denn SF und unsere Ausstellungen haben einige Gemeinsamkeiten. Aktuell läuft bei uns die Ausstellung Von Genen und Menschen. Wer wir sind und werden könnten (Februar –September 2023) und zuvor hatten wir Künstliche Intelligenz. Maschinen. Lernen. Menschheitsträume (November 2021–November 2022). In beiden Ausstellungen interessieren wir uns für den menschlichen Körper und seine Erweiterungen. Dies sind natürlich auch Themen der SF, und sowohl in diesem Genre wie auch in unseren Ausstellungen geht es darum, wie wir Wissenschaft erzählbar machen und sie gleichzeitig in soziale, gesellschaftliche und politische Kontexte einbetten. Auch wir fragen uns, was Wissenschaft, was technische und wissenschaftliche Erkenntnisse mit uns und mit unserer Gesellschaft aktuell und in Zukunft machen.
Auf das Thema des heutigen Abends, das Erbe der SF in der DDR, freue ich mich besonders, weil damit ein Ausstellungsthema angeteasert wird, dass bei uns im kommenden Jahr aktuell sein wird. Von März bis November 2024 werden wir eine große Sonderausstellung zeigen, die zurzeit noch unter dem Arbeitstitel steht: «Moderne Ost, das Deutsche Hygiene-Museum, die DDR, und Wie wir uns erinnern». Das Thema ist zurzeit emotional sehr aufgeladen und wird öffentlich kontrovers diskutiert. Gut ist daran auf jeden Fall, dass die Erzählungen über die DDR vielstimmiger und differenzierter werden. Und dazu kann sicher auch der heutige Abend beitragen, denn man kann sich natürlich fragen: Ist die SF der DDR nun ein subversives Medium, das Kritik am öffentlich erlaubten Sprechen übt, oder ist sie im Grunde nur eine technik- und wissenschaftsgläubige Fortsetzung des System- und Klassenkampfes im Medium der Fantastik?
Das werden wir heute Abend sicherlich von unseren Expertinnen und Experten hören. Ich bin sehr gespannt auf die Diskussion und übergebe gerne an die Kuratorin und Moderatorin des Panels, Professor Dr. Sonja Fritzsche.
Sonja Fritzsche: Vielen Dank. Ich freue mich sehr, Sie bei unserem Runden Tisch »Das Erbe der DDR-Science-Fiction« zu begrüßen.
Ich werde als gebürtige US-Amerikanerin, deren Eltern kein Deutsch sprechen, sowie als Professorin an der Michigan State Universität oft gefragt, weshalb ich mich eigentlich für die SF der DDR interessiere. Meine Antwort ist folgende: Ich bin ein Kind des Kalten Krieges und der Zeit des Eisernen Vorhangs. Ich wollte aber sehen, was und wen es auf der anderen Seite gab – in diesem Land, das zwischen 1949 und nach dem Fall der Berliner Mauer bis zum 3. Oktober 1990 existierte. Als ich Mitte der 1990er-Jahren ein Thema für meine Dissertation suchte, fand ich ein Exemplar von Erik Simons Phantastik-Almanach Lichtjahr in der Uni-Bibliothek. Die Universität von Minnesota hatte seit den 1970er-Jahren ein Austauschprogramm mit der Humboldt Universität und ich vermute, dass der Band wohl irgendwann in dieser Zeit als Geschenk mitgebracht wurde. Das Buch weckte mein Interesse, und als ich 1997 nach Dresden und Berlin kam, entdeckte ich eine neue SF-Welt. Tausende von Geschichten – ob Roman, Kurzgeschichte, Kinderbuch, Film oder andere Formen dessen, was in der DDR »wissenschaftlichen Fantastik« genannt wurde. Hans Peter Neumann erfasste 2002 alle Titel der DDR-SF sowie der in der DDR erschienenen SF aus anderen Ländern, der größte Teil aus Russland (bzw. der Sowjetunion) und anderen Ländern des Ostblocks. Diese Bibliografie umfasst mehr als tausend Seiten.
Viele aus unterschiedlichen Bereichen haben geschrieben – Journalist:innen, Ingenieur:innen, Techniker:innen, Autor:innen, Fans. Viele Arten von Geschichten sind entstanden, vor allem solche, bei denen die Leser:innen zwischen den Zeilen lesen mussten, um die Metaphern zu verstehen. In diesen Geschichten habe ich die Träume von DDR-Bürger:innen entdeckt und auch viele philosophische Diskurse, da »bürgerliche« Space Operas in der DDR geächtet waren. Sehr oft bin ich wie auch in der US-SF auf Genremischungen gestoßen, besonders in der Kinderliteratur. Hier verbindet sich SF mit Märchen. Oft geschah das, um das Interesse von Kindern dafür zu wecken, was man heute STEM oder MINT nennt. In vielen Fällen handelt es sich aber auch um Träume von anderen Gesellschaftsmöglichkeiten. Seltener sind Geschichten mit individuellen Helden, denn dies entsprach nicht der marxistischen Ideologie. Sehr oft waren es Geschichten von Männern über Männer. Aber es gibt auch einzelne intelligente Frauenfiguren, die eine Realität des Sozialismus spiegelten. Zudem bildete die SF der DDR keine Insel-SF, sondern stand immer in Dialog mit der internationalen SF – des Westens wie auch des Ostens.
Uns interessiert in dieser Diskussionsrunde aber auch die Geschichte der DDR-SF nach der Wiedervereinigung: Was hat man aus der DDR-SF gelernt? Was haben die Schriftsteller:innen seither gemacht? – Kurz: Welches Erbe hat die SF der DDR hinterlassen?
Wir haben das Glück, einige sehr einflussreiche Figuren aus der Szene bei uns zu haben: Den Schriftsteller und Zukunftsforscher Karlheinz Steinmüller, die Kunsthistorikerin Elisabeth Schaber, Evan Torner, seines Zeichens Professor für Filmwissenschaft und Game Studies, den SF-Schriftsteller und Lektor Erik Simon sowie »last but certainly not least« den Verleger und Redakteur Hardy Kettlitz.
Wir haben alle gebeten, sich selbst kurz vorzustellen und über ihre Rolle innerhalb der DDR-SF zu sprechen, wobei uns besonders interessiert, wie sie zur SF gekommen sind und was die DDR-SF für sie bedeutet.
Karlheinz Steinmüller: Sonja Fritzsche hat mich gebeten, als erster das Wort zu ergreifen, und ich komme mir ein bisschen merkwürdig vor in dieser Rolle, gewissermaßen wie mein eigener Erbe.
Wie bin ich zur SF gekommen? Ich antworte auf diese Frage oft damit, dass ich schon immer hier gewesen bin. Meine früheste Erinnerung ist an einen Jahrmarkt auf dem Marktplatz von Klingenthal im Vogtland im Jahre 1955. Ich war vier Jahre alt, und es gab da ein Karussell mit sehr schönen silbernen Gondeln, und darüber stand »Raketenfahrt zum Mond«. Das war offensichtlich ein Überbleibsel aus den 1920er-Jahren, als es in Deutschland eine erste Welle des Astrofuturismus gab. Später habe ich dann vielleicht zehnmal den Film Vynález zkázy (Die Erfindung des Verderbens, CSSR 1958) von Karel Zeman mit den wundervollen, von alten Stahlstich-Illustrationen inspirierten Kulissen gesehen. Wenig später hat mich Der schweigende Stern (DDR 1960, Regie: Kurt Maetzig) sehr beeindruckt und beeinflusst. Zur gleichen Zeit habe ich versucht, alles, was es an Zukunftsliteratur – wissenschaftliche Phantastik hieß das damals noch nicht – und an utopischer Literatur gab, zu lesen. Also alles, was ich aus den Bibliotheken, den Kreis- und Stadtbibliotheken, ausleihen konnte. Es war verdammt wenig in den 1950er- und frühen 1960er-Jahren, und irgendwann besaß ich auch alles selbst. Ja, da fängt man dann halt an, auch selbst zu schreiben. Während des Studiums – ich habe Physik und Philosophie studiert – habe ich mir gesagt: Das kannst du auch.
Was ist SF für mich gewesen? Sie war für mich als junger Mensch einerseits ein Fenster in die Zukunft. Ich habe SF als Zukunftsliteratur gelesen und mich darauf gefreut, im Jahr 2000 Wetterkontrolle und andere großartige Dinge zu erleben. Zugleich ist SF für mich aber auch zu einem Fenster zur Welt geworden, denn ich habe auch versucht, möglichst viel ausländische SF zu lesen. Zum Beispiel amerikanische Science-Fiction in russischer Übersetzung, die in der Serie Zarubeschnaja Fantastika [Зарубежная Фантастика] veröffentlicht wurde. Einige der Anwesenden können sich vielleicht noch erinnern. So lernt man sogar Russisch. Zugleich habe ich auf diese Weise Zugang zur amerikanischen Kultur erhalten.
Später habe ich vieles auf Englisch gelesen, Romane und Erzählungen von Philip K. Dick zum Beispiel und Kurzgeschichten von Robert Sheckley. Dann hat mich einiges von Boris und Arkady Strugatzki interessiert. So habe ich durch die SF einen Blick auf andere Kulturen erhalten. Und dann, als ich selbst geschrieben habe – bald auch gemeinsam mit meiner Frau Angela – war diese Literatur für uns zudem eine Art Ausweg: Sie gab uns die Möglichkeit, selbst fremde Welten zu entwickeln, in denen wir uns ganz privat und mit unseren Lesern bewegen und sozusagen die engen Fesseln der DDR abstreifen konnten. SF war für uns ein Freiraum wie für viele andere Autor:innen auch. Wir selbst erlebten das in den 1980er-Jahren. In den 1950er- und 1960er-Jahren sah das allerdings noch ganz anders aus. Zuerst musste sich in den 1970er-Jahren in den Verlagen ein neues Verständnis von SF entwickeln. Ein Lektor hat das seinerzeit als »Entpflichtung in Nirgendwo« zusammengefasst: SF als pflichtfreier Raum. Aber natürlich war die SF ebenfalls von der offiziellen Ideologie durchdrungen. Das ließ sich nicht vermeiden, aber man konnte dem doch ausweichen, und je weiter, desto besser.
Für mich ist SF selbst heute noch ein Freiraum, wo ich jenseits der aktuellen Debatten spekulieren kann. Angela und ich überlegen uns dann beispielsweise: »Was ist das Schlimmste, das man mit ChatGPT anfangen kann?« Die KI muss nicht gleich die Welt beherrschen wollen. Es müsste schon eine sehr blöde künstliche Intelligenz sein, die diese Menschheit beherrschen will. Aber das nur als Bemerkung am Rande.
Ich möchte noch etwas zu meiner Tätigkeit als Zukunftsforscher sagen. Seit 1991 berate ich in dieser Funktion große Unternehmen sowie öffentliche Einrichtungen. Die SF ist für uns Zukunftsforscher nicht nur ein Motor für Innovationen, sondern insgesamt ein ungeheuer anregendes Medium. Manche versuchen es in einem Begriff zu fassen: »Science-Fiction-Thinking« oder »Science-Fictioning«. Wenn man es so unscharf bezeichnet, steckt meist nicht sehr viel dahinter. Aber spannend ist es trotzdem, und SF ist eben auch ein Zugang zu Zukunftsbildern. Angela und ich haben untersucht, wie die Zukunftsbilder in der DDR-SF in den 1950er- und 1960er-Jahren beschaffen waren. Sie waren insgesamt relativ einheitlich. Man hätte als Held oder Heldin eines Romans einfach in einen anderen wechseln können und hätte dennoch dieselben Verhältnisse vorgefunden.
Noch kurz zum jüngst erschienen Band Computerdämmerung unserer gesammelten Werke (Abb. 1). Die Erzählungen darin stammen von Ende der 1970er-Jahre bis zum Jahr 2010, und man kann sie als eine Geschichte der Informationstechnik interpretieren: Von der Lochkarte bis zum USB-Stick. Ein Bekannter meinte, die Informationstechnik sei doch nur die eine Seite. Wenn man genauer hinschaut, kann man auch die Geschichte der DDR nachverfolgen. Das war uns so nicht bewusst. Insofern ist es auch ein Stück des Erbes der SF der DDR, dass wir durch sie einen anderen Blick auf die Geschichte der DDR erhalten. Dazu zählt vor allem der kritische Blick: Sich mit der Gegenwart nicht zufrieden zu geben, die sogenannten großen Erzählungen nicht einfach zu akzeptieren.
Das Cover von Angela und Karlheinz Steinmüllers Computerdämmerung (Memoranda 2023)
Wir sind zur DDR-Zeit für die Zensur sensibilisiert worden. Immer wieder hat man versucht, die Literatur zu funktionalisieren: »die SF muss oder die SF soll …«. Da sträuben sich mir die Nackenhaare, weil das Sprachregelungen sind, die ich von früher her kenne. Insofern bin ich durch die DDR-SF vielleicht ein bisschen dünnhäutiger geworden. Aber diese Erfahrung hilft auch, sich unabhängiger vom jeweils aktuellen Zeitgeist zu bewegen.
Elisabeth Schaber: Schönen guten Abend. Ich bin Kunsthistorikerin und habe in Leipzig Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte studiert und in Kunstgeschichte promoviert. Ich fand es spannend, wie man die Dystopie künstlerisch fassen kann. Ich bin zufällig auf die Raumfahrt-Briefmarken der DDR gestoßen. Die erste ist 1957 erschienen, die letzte erst 1990. Insgesamt gibt es über siebzig Briefmarken, die sich um Raumfahrt drehen (Abb. 2). Das war ein superspannendes Thema und Motiv über fast die ganze DDR-Zeit hinweg. Ich kam dann für meine Dissertation zur Raumfahrt in der Kunst der DDR und allgemein zu den Utopien, die damit verbunden waren.
Ich habe angefangen, eine Bestandsaufnahme von Motiven und Bildern zu machen, in denen das Thema Raumfahrt in den Künsten der DDR auftaucht – durch alle Kunstgattungen hindurch. Ich habe viele Gemälde gefunden, aber auch Wandbilder und Zeichnungen in Zeitschriften. Meine Dissertation behandelt auch die Narrative, die mit den Bildern verbunden sind. Es fängt Ende der 1950er-Jahre an und geht bis in die 1980er-Jahre hinein. Durch die Betrachtung dieses langen Zeitraums konnte ich nachverfolgen, welche Themen und Narrative sich veränderten und was gleichblieb. Außerdem untersuche ich auch, welche Quellen für die Raumfahrt-Motive herangezogen wurden und welche »westlichen Einflüsse« es gab. In den Abbildungen in verschiedenen Illustrierten, Romanen oder populärwissenschaftlichen Sachbüchern sieht man, dass die Bilder eigentlich immer auch einen emotionalen Zugang zum Thema Raumfahrt schaffen sollen. Wenn man ein populärwissenschaftliches Sachbuch anschaut, dann ist die Textebene oft sehr nahe an den staatlichen Vorgaben, die Abbildungen dazu aber nicht unbedingt. Diese waren sehr dramatisch und haben intensiv mit Lichtregie gearbeitet. Bei den Abbildungen gibt es sehr wenige sozialistische Insignien. Man sieht selten Hammer und Sichel oder rote Sterne. Ein Ergebnis meiner Recherchen war zudem, dass man versuchte, diese Bilder politisch möglichst neutral zu halten – soweit dies eben möglich war.
In meinem Buch behandle ich viele Beispiele von Aushandlungsprozessen: Wie staatskonform muss ein Bildmotiv sein, wieviel künstlerischer Freiraum ist möglich? Das hat mich sehr interessiert. Ein weiterer Punkt ist das Verhältnis von Science Fiction und Science Fact. Es war staatlich erwünscht, dass die Raumfahrtbilder die DDR-Realität darstellen sollten. Realität, die zwar in der Zukunft angesiedelt ist, aber auf der Basis des Wissens der damaligen Zeit. Deswegen changieren die Bilder zwischen Science Fiction und Science Fact.
Evan Torner: Als US-Amerikaner jüdisch-schwedischer Herkunft habe ich entgegen des Wunsches meiner jüdischen Großeltern Deutsch in der Schule gelernt. Später habe ich dann sogar Germanistik am Grinnell College studiert sowie die Geschichte der Afro-Amerikaner, des Kolonialismus sowie der Afro- und Türkisch-Deutschen. Seltsamerweise stammten meine Dozenten alle aus Österreich. Während eines Aufenthalts in Deutschland, in Freiburg im Breisgau, habe ich ein Filmseminar belegt, was dazu führte, dass ich erstmals DDR-Filme sah: Die Mörder sind unter Uns (DE 1946, Regie: Wolfgang Staudte), Spur der Steine (DDR 1966, Regie: Frank Beyer), sowie Die Legende von Paul und Paula (DDR 1973, Regie: Heiner Carow). Meine Kenntnis dieser drei Filme half mir dann, ein Sommerpraktikum an der DEFA-Film Library an der University of Massachusetts Amherst zu bekommen. Das war im Jahr 2004.
Und da habe ich erstmals Artikel von Sonja Fritzsche über die DDR-SF gelesen. Sonjas Forschung beschrieb eine völlig andere Welt als meine eigene. Es ging um Zukunftsromane und die Filme der Arbeitsgruppe defa-futurum sowie um SF-Koproduktionen zwischen der DDR und Polen, Russland und Rumänien. In dieser Parallel-SF-Welt war unsere amerikanische Art von Kapitalismus abgeschafft und Menschen aus aller Welt – auch nicht-weiße Menschen – lebten im Weltall friedlich zusammen. In Der schweigende Stern siegt der Sozialismus 1970 weltweit – weil man einfach keinen Bock mehr auf Atomwaffen hat. Wäre es bloß so leicht! Aber der alte Rassismus war im Film dennoch spürbar. Zum Beispiel anhand von Kommunikationsoffizier Talua (Julius Ongewe) des Raumschiffs Kosmokrator; er ist gleichberechtigt mit den sieben anderen Kosmonaut:innen. Er hat eine Tochter namens Mona, nach der sich die anderen Besatzungsmitglieder erkunden. Später opfert er sich für die gefährdete Raumschiffbesatzung.
Solche Konstellationen findet man schon später in Star Trek (US 1966–1969, Idee: Gene Roddenberry), einer Serie, die trotz ihres chauvinistischen Kommandanten Captain Kirk bis heute als Vorbild für diverse SF gilt. Der schweigende Stern war beim Erscheinen der teuerste Film, den die DEFA je produziert hatte, und die hohen Kosten führten dazu, dass erst knapp zehn Jahre später wieder ein SF-Film hergestellt wurde. Das war Signale – Ein Weltraumabenteuer (DDR 1970, Regie: Gottfried Kolditz), in dem die beiden osteuropäischen Filmstars Iurie Darie und Gojko Mitić als Kosmonauten ein Team leiten. Der Film Eolomea, den wir anschließend zusammen sehen werden, bringt uns näher an zwei konkurrierende Weltanschauungen heran. Sollen wir das Menschenleben als heilig betrachten, müssen wir uns für die Naturwissenschaften opfern, oder gibt es einen Mittelweg? In einer zeitgenössischen Rezension von Eolomea heißt es: »Im Mittelpunkt steht nicht die Attraktivität der zukünftigen Technik, sondern der zukünftige Mensch, der sie beherrscht« (Regen). Der dritte SF-Film Im Staub der Sterne (DDR 1976, Regie: Gottfried Kolditz) bietet uns eine psychedelische Rettungsmission. Die sozialistische stößt auf ein Regime von Ausbeutung und versucht, diese zu beenden. Die vier SF-Filme der DEFA brennen vor Optimismus über die Zukunft, denn die DDR soll in der Welt anerkannt werden.
Es handelt sich eindeutig um Genrefilme, aber auch um Vorbilder einer möglicherweise erreichbaren Zukunft, in der sich die Naturwissenschaften vom Kapitalismus entkoppelt haben. In meiner eigenen Forschung gehe ich der Frage nach, wie uns Filme eine menschengerechte, vielfältige und neuartige Zukunft näherbringen können. Aber auch wie Solidarität und der Optimismus interagieren. Und wie verhalten sich die Werke zu ihren Produktionsverhältnissen, wie können wir ein vertieftes Verständnis von Kulturproduktion gewinnen? Gleichzeitig haben diese Filme fast über Nacht meine Perspektive auf das mir bis dahin bekannte Hollywoodkino verändert. Wenn es eine Alternative gibt, entstehen aus dieser auch neue Ideen. SF-Kino hollywoodscher Prägung heißt aggressive Außerirdische; weiße Jesus-Figuren agieren in neoliberalen Fantasien als Retter. Marc Fisher spricht von einem »capitalist realism« und Hollywood bietet diesen in bewegten Bildern. Ich hatte nicht erwartet, dass Genrefilme aus einem verschwundenen Land dazu führen würden, dass ich mich radikal gegen die Werte stellen würde, mit denen ich aufgewachsen bin.
»Another World is possible«, wie die Linke in den 2000er Jahren gesagt hat. Das habe ich durch Genrefilme zu dem Zeitpunkt gelernt, als mein Land tausende Menschen in Afghanistan und Irak umgebracht hat.
Erik Simon: Ich bin offensichtlich ein Spätentwickler, denn im Unterschied zu Karlheinz Steinmüller bin ich nicht im vierten oder fünften Lebensjahr SF-Fan geworden, sondern erst mit ungefähr sieben Jahren. Eine der Illustrationen, die Elisabeth Schaber mitgebracht hat, ist eine Seite aus der Zeitschrift Mosaik. Ich vermute mal, das war der erste Weltraumflug der Digedags, das muss 1957 oder 1958 gewesen sein. Dahin reicht meine Erinnerung zurück, denn damals fing ich damit an, mich für SF zu interessieren. In der fünften, sechsten Klasse war ich dann schon ein derart hartgesottener SF-Fan, dass ich beschloss, Atomphysiker zu werden.
Ich bin dann Tieftemperaturphysiker geworden, aber nur auf dem Papier. Ich habe nie als Physiker gearbeitet, denn Mitte 1974 hatte ich die Gelegenheit, mein Hobby zum Beruf zu machen. Ich habe danach siebzehn Jahre lang im Verlag Das Neue Berlin SF lektoriert, hauptsächlich SF-Literatur des sozialistischen Auslands. Auch vorher schon – in einem SF-Klub, den es um 1970 in Dresden hauptsächlich an der TU gab – fing ich an, selbst SF zu schreiben und zu übersetzen und den Verlag, der mich von daher kannte, mit Vorschlägen für internationale Anthologien zu bombardieren. Ich habe mich mit anderen, damals schon sehr bekannten professionellen SF-Autor:innen in Fanzines gestritten, was auch dazu beigetragen hat, dass ich dann Lektor werden konnte. Das ging während der ganzen DDR-Zeit so weiter. Nach der Wende hat dann die Arbeit als Lektor leider aufhören müssen. Es war sehr schön, dass ich für das, was ich sowieso gern machte, auch noch fest angestellt und bezahlt wurde. Ich habe dann halt als Autor und vor allem als Übersetzer sowie gelegentlich als Redakteur weitergearbeitet. Ich denke, dass ich außer Singen und Tanzen so ziemlich alles gemacht habe, was man in der SF machen kann (und das Singen und Tanzen habe ich nur deshalb unterlassen, weil ich ein guter Mensch bin).
Das eigentliche Thema ist für mich gar nicht die SF der DDR, sondern was von dieser übriggeblieben ist. Einige der in der DDR bekannten Autor:innen sind immer noch da. Das heißt, sie sind immer noch aktiv, und von diesen sind hier vierzig Prozent anwesend, Karlheinz und ich. Die anderen sind die schon erwähnte Angela Steinmüller, Rolf Krohn und – dann schon in der nächsten Generation – Karsten Kruschel. Von uns gibt es immer noch regelmäßig Bücher. Die übrigen sind entweder tot, was nach über dreißig Jahren nicht verwunderlich ist, oder sie haben das Schreiben aufgegeben. Ich denke, wenn wir das mit der gleichen Generation der westdeutschen SF vergleichen, schneidet die ostdeutsche besser ab. Mir fallen keine fünf, geschweige denn, wenn man die Bevölkerungszahl ins Verhältnis setzt, zwanzig westdeutsche Autor:innen ein, die um 1950 geboren sind und immer noch schreiben. Vielleicht kann der Verleger, der mit mindestens sechzig Prozent der Aktiven regelmäßig zu tun hat, dazu etwas sagen.
Hardy Kettlitz: Das wäre dann ich. Mein Name ist Hardy Kettlitz. Ich wurde 1966 in der DDR geboren. Ich habe schon, sobald ich lesen konnte, alle möglichen Arten von Büchern verschlungen. Da war natürlich auch SF dabei, Jules Verne und so weiter. Aber wirklich zum SF-Fan bin ich ungefähr mit dreizehn Jahren geworden und tatsächlich eher durch den Film. Wir konnten damals in Ost-Berlin ja das Westfernsehen empfangen, und da liefen zu der Zeit nicht nur Star Trek, sondern 1980 auch die Anime-Serie Captain Future (JP 1978–1979, Regie: Tomoharu Katsumata).
Ich war damals genau im richtigen Alter für SF und hatte zudem eine sehr gute Freundin, die sich für dieselben Sachen genauso begeistert hat wie ich. Das Problem war, dass man in der DDR keine Star-Trek-Bücher kaufen konnte, Captain-Future-Comics gab es ebenfalls nicht. Captain Future ist ursprünglich übrigens kein Comic oder Film, sondern ein Romanzyklus, der zuerst in einem Pulp-Magazin erschienen ist. Aber das wusste damals natürlich kein Mensch.
Wir fanden, dass die Sachen, die da gesendet wurden, irgendwie für die Nachwelt aufbewahrt werden mussten. Da es in der DDR zu dieser Zeit keine Videorecorder gab, haben wir die Star-Trek- und Captain-Future-Sendungen auf Audiokassetten mitgeschnitten. Dazu muss man sagen, dass eine 60-Minuten-Tonkassette in der DDR zwanzig Mark gekostet hat. Und als Schüler mit dreizehn, vierzehn Jahren kann man sich nicht jede Woche eine neue Kassette für zwanzig Mark kaufen. Also was tun? Wir haben uns dann hingesetzt und die Sendungen transkribiert, also abgeschrieben. Das heißt, wir saßen vor dem Fernseher, meistens zu zweit oder manchmal auch jeder für sich allein zu Hause. Meine Freundin Sabine hat Fotos vom Fernseher gemacht und wir haben in einer Art selbst entwickelter Kurzschrift die Handlung mitgeschrieben. Alles, was nicht gesprochen wurde, sondern auf dem Bildschirm passierte, haben wir auf diese Weise mitgeschrieben. Wir haben dann daraus Stories gemacht, handschriftlich in so kleinen A5-Heften. Sabine war grafisch sehr begabt, und sie hat auf der Basis der Fotos, die sie vom Fernseher gemacht hat, Bilder gemalt. Diese haben wir als Titelseiten auf die Hefte geklebt, am Rücken haben wir ein Pflasterband befestigt, das wir rot eingefärbt haben – das sah dann aus wie ein Leinenrücken. Diese Dinger waren in der Schulklasse Bestseller. Wir waren also quasi schon Verleger mit einer Auflage von jeweils einem Exemplar. Die Lehrerschaft durfte das natürlich nicht mitbekommen. Das waren unsere ersten Anfänge, in denen wir uns primär mit Star Trek beschäftigt haben. Auf die Dauer reichte das aber nicht.
Wir haben alles, was es in der DDR an SF gab, gelesen. Ich habe mich zudem auch für Astronomie interessiert und wurde Mitglied in der Archenhold Sternwarte im Jugendclub. Da gab es eine ganze Reihe von anderen Astronomie-Interessierten, die ebenfalls viel SF gelesen haben. Wir haben dann beschlossen, uns besser zu organisieren, allerdings war es in der DDR nicht so einfach, einen Club zu gründen. Man konnte sich nicht ohne weiteres in einer Gruppe treffen, sondern brauchte eine sogenannte Trägerorganisation. Die naheliegendste war die Freie Deutsche Jugend (FDJ) oder der Kulturbund. Die FDJ hatte aber eher an Tanzveranstaltungen und Diskotheken Interesse. Die wollten sowas nicht machen.
Im Kulturbund Treptow in Berlin haben wir schließlich eine Heimstatt gefunden. Ich bin einer der beiden Gründer des SF-Clubs Andymon, den wir nach dem 1982 erschienen Roman von Angela und Karlheinz Steinmüller benannt haben. Der Club wurde 1985 gegründet und existiert heute noch. Mittlerweile hat er sogar deutlich mehr Mitglieder als früher. Dank dieser Begeisterung haben wir in der DDR auch Veranstaltungen durchführen können. Es gab viel mehr und bessere Möglichkeiten, selbst größere Veranstaltungen zu organisieren als heute. Wir waren im Palast der Republik und haben dort SF-Bücher und -Autor:innen präsentiert. Wir waren auch im Kino International, wo eine SF-Filmreihe mit anschließenden Diskussionen stattfand. Und wir haben Conventions veranstaltet, monatliche Lesungen, zweimal im Monat Clubtreffen und so weiter.
Daraus entstand eine ganz große kreative Energie, so dass wir ab ungefähr 1986 in unserem Klub das erste offiziell in der DDR gedruckte Fanzine rausbringen konnten. Vorher gab es zwar schon SF-Fanzines, aber diese wurden halt privat organisiert und produziert. Wir konnten den Kulturbund dazu bringen, unser Fanzine tranSFer hochoffiziell zu drucken. Zur Wendezeit hatten wir dann noch mehr Energie und wir haben uns gesagt, dass wir nun ein richtiges Magazin gründen wollen. Es gab in der DDR kein einziges SF-Magazin, sondern bloß Zeitschriften, die gelegentlich SF-Erzählungen abdruckten. Aber ein reines SF-Magazin gab es nicht.
Im Februar 1990 hat der Runde Tisch beschlossen, dass man in der DDR noch zu DDR-Zeiten eine GmbH gründen durfte. Also haben wir unser Geld zusammengeschmissen und eine Firma gegründet, die das SF-Magazin Alien Contact herausbrachte. Dieses enthielt überwiegend oder fast ausschließlich Erzählungen von DDR-Autor:innen. Im Laufe der Zeit hat sich das natürlich gewandelt. Alien Contact existierte insgesamt fünfzehn Jahre lang, worauf ich sehr stolz bin. Wir waren nach der Wende das gesamtdeutsche SF-Magazin, denn die deutschsprachigen Autor:innen, die wir gedruckt haben, waren ungefähr halbe-halbe ostdeutsche und westdeutsche Autor:innen. Die Leserschaft, die wir hatten, kam zu 51 Prozent aus dem Osten und zu 49 Prozent aus dem Westen, das konnten wir an den Adressen der Abonnenten ablesen. Das ist zwar nicht genau 50/50, aber in der Bundesrepublik haben auch mehr Menschen gelebt.
Es war ein ziemlich gutes Ergebnis, und aus diesem Magazin entstand wiederum der Shayol Verlag, der mit dem Ziel gegründet wurde, Werkausgaben von DDR-Autor:innen – unter anderem von Erik Simon und den Steinmüllers – herauszubringen. Daraus entstand dann so alle zehn Jahre wieder ein neuer Verlag. Mein jetziger Verlag ist der Memoranda Verlag, den ich seit 2020 nicht ganz allein betreibe. Ich veröffentliche überwiegend Sachbücher, unter anderem ein Sachbuch zur DDR-SF sowie die Werkausgabe der Steinmüllers mit bisher dreizehn Bänden und Erik Simons mit sechs Bänden. Es gibt überwiegend deutsche Autor:innen beim Memoranda Verlag. Wir erweitern mit dem Imprint Carcosa aber gerade auf die internationale Ebene. Seit Oktober 2023 wächst die neue Reihe mit Büchern von Ursula K. Le Guin, Gene Wolf, Samuel Delany und anderen. Wir bemühen uns um große Autor:innen.
Sonja Fritzsche: Vielen Dank, das ist ein toller Anfang gewesen. Ich möchte auf eine Frage eingehen, die Elisabeth Schaber erwähnt hat, nämlich die nach dem Zweck der SF, insbesondere bezüglich des Verhältnisses von Fakt und Fiktion. Die DDR-SF funktioniert in dieser Hinsicht anders als US-SF. Zu Beginn waren in der DDR im Zusammenhang mit SF die Begriffe »technischer Roman« und »Zukunftsroman«‹ im Gebrauch. Man durfte nicht zu weit in die Zukunft hineinschreiben, sondern musste einen Traum einer nahen Zukunft im Sinne des Marxismus-Leninismus beschreiben. Daraus ist später dann die wissenschaftliche Phantastik entstanden, die explizit als Spiel zwischen Fiktion und Tatsache verstanden wurde. Hier möchte ich ansetzen. Welchen Einfluss hatte dieser vorgeschriebene Bezug auf wissenschaftlich-beweisbare Tatsachen auf die DDR-SF gehabt? Wie haben die Panel-Teilnehmer:innen diesen Balanceakt geschafft? Wie sah es zu DDR-Zeiten aus, und was hat sich nach der Wende verändert?
Karlheinz Steinmüller: Es gibt durchaus ein Spannungsfeld zwischen Science Fiction und Science Fact. Wenn sich ein Autor zu eng an die technischen Möglichkeiten hält, dann verengt sich die Perspektive. Das geschah in der frühen DDR in der sogenannten nahen Fantastik, wo tatsächlich die Errungenschaften des nächsten Fünf- oder Siebenjahresplans literarisch umgesetzt werden sollten. Man kann sich vorstellen, dass das nicht ganz einfach war. Aber die erste Generation der Autoren – vorwiegend Ingenieure, Naturwissenschaftler und entlaufene Journalisten – ließen sich darauf ein. In der zweiten und der dritten Generation kamen andere Autor:innen hinzu. Auch bessere entlaufene Journalist:innen wie zum Beispiel Johanna und Günter Braun, die im Journalismus begonnen haben und dann großartige Romane geschrieben haben, die stilistisch und inhaltlich ganz auf der Höhe der Zeit waren. In den 1960er-Jahren kam es nicht mehr darauf an, dass das Raumschiff tatsächlich mit 7,6 Kilometern pro Sekunde den Orbit erreicht, sondern dass man eine schöne, stimmige Geschichte hatte. Die Technik wurde mehr und mehr zu einem Mittel, diese Geschichte zu erzählen. In dieser Hinsicht gab es mit der Wende eigentlich keinen großen Bruch. Angela und ich schreiben genauso wie vorher. Wir sind allerdings noch relativ nahe dran an wissenschaftlichen Fakten. Erik musste heftig mit uns kämpfen, weil wir die Wurmloch-Fahrt zugelassen haben, also das Reisen durch schwarze Löcher: das geht nämlich eigentlich nicht. Da hat sich der Physiker in mir dagegen gesträubt. Aber literarisch funktioniert es halt ganz hervorragend. Letztlich siegt das Erzählen über das Zählen im Sinne von wissenschaftlicher Korrektheit. Diese Frage stellt sich mit jeder neuen Generation von Technik natürlich erneut.
Einer der drei großen alten deutschsprachigen SF-Autoren, Herbert W. Franke, hat einmal gesagt, dass SF eine Art Technikfolgenabschätzung sei und ethische, soziale und andere Probleme, die mit Technik verbunden sind, diskutieren kann. Sie kann, muss aber nicht. Sie kann ebenso rein psychedelisch und visionär sein. Man sollte das nicht alles über einen Kamm scheren, aber hier besteht immer ein Spannungsverhältnis.
Es gibt Leute, die meinen, man müsse SF noch sehr viel mehr in Richtung Innovation nutzen, etwa um Prototypen, Designmuster künftiger Geräte aus ihr abzuleiten. Das ist spannend, aber ich überlasse das den Leuten, die sich damit besser auskennen. Ich möchte nur noch ein Beispiel dafür bringen, wie schwierig die Darstellung der Zukunft speziell im SF-Film ist. Stellt euch vor, da sitzt der Regisseur mit dem Gestalter zusammen und sie diskutieren, wie die Räume im Jahr 2000 oder im Jahr 2050 ausgestattet sind: Hängt dann an der Wand ein Bildnis von Walter Ulbricht oder von Erich Honecker oder lieber Karl Marx? Was soll man da aufhängen? Irgendetwas muss an die Wand!
Elisabeth Schaber: Ich kann hierzu noch etwas zu den frühen populärwissenschaftlichen Sachbüchern der DDR sagen. Das erste hieß Auf dem Weg zu fernen Welten und stammt von Karl Böhm und Rolf Dörge. Die beiden haben sich sehr intensiv mit der Darstellung der (sozialistischen) Zukunft beschäftigt. Es sollte in ihrem Buch um die Zukunft gehen, aber diese sollte wissenschaftlich fundiert sein. Die Autoren lösten das, indem sie den Fünfjahresplan der DDR nahmen und ihn fünfzig Jahre in die Zukunft projizierten. Auf der Basis der Technik ihrer Gegenwart haben sie die Themen im Buch dann weiterentwickelt und sich überlegt, wie die Welt in fünfzig Jahren aussehen könnte. Die Textebene war also eher trocken und die Autoren versuchten, alles so realistisch wie möglich zu beschreiben. Die Abbildungen im Buch sind aber ganz anders. Viele wurden von westdeutschen Publikationen übernommen – zum Beispiel aus dem 1953 erschienenen Conquest of the Moon von Wernher von Braun, das ein Jahr später als Die Eroberung des Mondes auf Deutsch veröffentlicht wurde. Das Buch enthielt Illustrationen des US-amerikanischen Illustrators Chesley Bonestell, der als Begründer der Space Art gilt. Bonestell war berühmt für seine akribischen, äußerst realistischen Weltraum-Szenarien – eben auf dem Wissensstand der 1950er-Jahre. Daran haben sich die Maler und Illustratoren in der DDR orientiert, denn andere Vorlagen gab es nun einmal nicht.
Im Buch von Böhm und Dörge sieht man zum Beispiel eine Eins-zu-eins-Übernahme aus dem Buch von Wernher von Braun. Die Bilder sollten immer realistisch sein, aber wenn man sie genauer betrachtet, wird klar, dass es sehr dramatisch komponierte Bilder mit effektvoller Lichtregie sind. Im Grunde sind sie nicht sehr realistisch. Nach den 1960er-Jahren trat der Anspruch einer realistischen Zukunftsprojektion dann sowieso in den Hintergrund. Es wurde klar, dass sich der ganze Fortschrittspathos, der Zukunftsglaube der ersten Raumfahrtdekade nicht verwirklicht hatte, jedenfalls nicht so, wie man sich das erhofft hatte. Gesellschaftlich ist dann eine gewisse Frustration eingetreten, und gerade in der bildenden Kunst konnte man diese Kritik auch – in Maßen und verschlüsselt – äußern. Das sieht man zum Beispiel in den Ikarus-Bildern von Wolfgang Mattheuer. Besonders berühmt wurde das Gemälde von 1978: Ikarus fällt unaufhaltsam dem Boden entgegen, gefangen in einer Raumkapsel, die ihn einklemmt. Das Jahr 1978, als Mattheuer dieses Gemälde malte, ist auch das Jahr, in dem Sigmund Jähn in den Weltraum geflogen ist. Man konnte also in der Kunst diese Fortschrittskritik äußern und zur gleichen Zeit war Jähn ein Held der DDR und des Sozialismus am Beginn einer strahlenden Zukunft. Das lief gleichzeitig, obwohl es nicht mehr zusammengepasst hat.
In den Jahrzehnten zuvor, in den 1950er- und 1960er-Jahren, war der Anspruch bei den Texten in den populärwissenschaftlichen Sachbüchern, dass das Beschriebene eintreten kann, dass das alles genauso passieren wird. In den Neuen Berliner Illustrierten von 1957 wurde es zum Beispiel schon als Fakt beschrieben, dass der Mond besiedelt wird, seine vermeintlichen Rohstoffe abgetragen werden und dass dies bloß den ersten Schritt der Menschheit in den Weltraum darstellt. Es gab diese lineare Fortschrittserzählung: Man hat mit Sputnik einen Satelliten ins Weltall geschossen, das war aber nur der Startpunk. Die Kolonisierung des Mondes und die Expansion des Menschen auf andere Planeten würden bald folgen. Die Abbildungen in den Sachbüchern sollten das plausibel und anschaulich machen, sie sollten einen realistischen Anschein vermitteln (Abb. 3).
Heinz Handschick: Die letzten Stunden vor dem Start (Böhm und Dörge:112).
Evan Torner: Wenn es um Technik geht, ist es immer interessant, bei der DEFA anzufangen. Einen SF-Film zu drehen ist sehr teuer, und effektiv hatte bei der DEFA niemand eine Ahnung, wie man das anstellt. Da musste man viel improvisieren, viel neu erfinden. Für Eolomea wurde beispielsweise ein neues Verfahren zum Filmen von Weltraumszenen entwickelt. Diese Tricktechnik war sogar besser als die von 2001: A Space Odyssey (GB/US 1968, Regie: Stanley Kubrick) und erst noch billiger. Der Film fand aber dennoch kein großes Publikum. Er wurde eben nicht für den amerikanischen Markt produziert, sondern für die sozialistischen Bruderländer, für Bulgarien, die Sowjetunion, Rumänien. Die Filme sollten internationale Solidarität zeigen, aber es war nicht leicht, dieses umzusetzen. Dazu fehlten die Mittel. Oft reichte es nur für zwei oder drei Takes, während in Hollywood dreißig oder sogar fünfzig Takes normal waren. Wenn wir von technischer Leistung sprechen, sprechen wir immer auch von den begrenzten Möglichkeiten.
Erik Simon: Mit Science Fact habe ich nie Probleme gehabt, das interessiert mich einfach nicht. Es gibt eine Erzählung von Bradbury, die spielt auf der Venus, und auf seiner Venus gibt es einen Dschungel, in dem es ständig regnet. Es ist eine tolle Geschichte, obwohl wir ganz genau wissen, dass es auf der Venus kein Leben gibt und dass es, wenn überhaupt, Schwefelsäure regnet. Aber es ist trotzdem eine tolle Geschichte. Was interessiert mich die reale Venus!
Zum Thema Visualisierung im Film: Es gibt einen russischen Comic, bloß zwei, drei Seiten, in dem der Regisseur Ridley Scott mit einem Grafiker dasitzt, und der Grafiker soll ihm die Bilderwelt von Blade Runner (GB/US 1982, Regie: Ridley Scott) entwerfen, und zwar »ganz seltsam, exotisch und sonderbar«. Der Grafiker entwirft ihm das und malt ein paar Bilder. Darauf sieht man Leute, die mit Stäbchen essen. Plötzlich hat der Grafiker eine Idee: »Damit es ein bisschen sonderbarer wird, könnten doch alle so kleine Geräte bei sich haben, eine Art Fernseher, mit denen sie auch miteinander in Verbindung treten können. Und mit diesen fotografieren sie dann ihr Essen.« Scott sagt darauf: »Wie bitte?«, und der Grafiker: »Sie wollten es doch merkwürdig und seltsam haben.« Und Scott: »Ja, merkwürdig und seltsam, aber doch keinen absoluten Schwachsinn!«
Hardy Kettlitz: Ich würde gerne mal noch auf Chesley Bonestell zurückkommen. Er hat einen unschätzbaren Einfluss auf die SF-Bilderwelt gehabt. Elisabeth Schaber hat vorhin bereits das Besondere an ihm erwähnt, und der wichtigste Preis für SF-Kunst heißt nicht umsonst Chesley Award. Um Bonestells Bedeutung ein bisschen hervorzuheben: Er hat damals mit Wernher von Braun zusammen die Marketingkampagne für den Mondflug mitentwickelt. Diese hatte eine unfassbar große Wirkung – nicht nur in den USA. Im Grunde ging es darum, dass von Braun und die Leute von der NASA die amerikanische Bevölkerung überzeugen wollten, dass man ganz viel Geld ausgeben sollte, um zum Mond zu fliegen. Man wollte gute Stimmung für die Raumfahrt machen. Da hat man diesen grandiosen Maler mit dazu geholt. Die meisten Bilder, die wir hier sehen, die fotorealistisch gehalten sind, wurden von ihm beeinflusst. Selbst in der DDR waren seine Sachen irgendwie bekannt. Ich weiß zwar nicht genau wie das zustande kam, aber auf jeden Fall kannten Leute, die die Grafik gemacht haben, Bonestells Bilder. Vielleicht weißt du da mehr Karlheinz?
Karlheinz Steinmüller: So genau kenne ich die Wege nicht, aber an den Illustrationen lässt sich belegen, dass viel über die zuerst noch offene Grenze eingeführt wurde. Das zeigen etwa Abbildungen in der Zeitschrift Das Magazin, aber auch in Sachbüchern. Was in westdeutschen Sachbüchern stand, wurde aufgegriffen, zum Beispiel von Heinz Mielke und anderen Sachbuchautoren, speziell wenn es um Raumfahrt und andere Zukunftsthemen ging. Schließlich sind die Bilder im Comic gelandet, im Mosaik, wo die Marslandschaften Bonestells nachgestaltet wurden. Ebenso in der Zeitschrift Magazin, und manche Motive findet man auch in SF-Büchern wieder. Wenn sie Erde ohne Nacht von Hans Werner Fricke – veröffentlicht unter dem Pseudonym H. L. Fahlberg – kennen, darin ist eine Illustration mit einer schönen Szenerie auf dem Mond enthalten. Natürlich hätte Bonestell das ein bisschen grandioser gemacht, aber die Illustration ist schon sehr ordentlich, und man hat die Motive früh aufgegriffen.
Aber ich wollte noch auf etwas anderes zurückkommen. Es ist natürlich wichtig, die Technik darzustellen und dann wie in 2001: A Space Odyssey bereits schon das Tablet zu erfinden. Soziale Beziehungen vorwegzunehmen ist aber viel schwieriger. Daran ist die Gruppe defa-futurum grandios gescheitert. Das war die einzige Gruppe von Filmemachern, die das gesellschaftliche Leben im Jahr 2000 darstellen wollte. Sie haben mehrere Jahre lang daran gearbeitet und einen ganzen theoretischen Apparat entwickelt. Die Hauptverantwortlichen haben darüber sogar promoviert. Schließlich haben sie sogar einen eigenen Dokumentarfilm zu dem Thema gedreht, Liebe 2002 (DDR 1972, Regie: Joachim Hellwig). Den müsste man heute mal wieder zeigen. Der ist einfach wundervoll aussagekräftig. Der Film beginnt mit einem Rückblick – natürlich auf viktorianische und wilhelminische Verhaltensmuster. Dann versucht man, die Zukunft darzustellen und was nimmt man? Man nimmt die Ästhetik aus A Clockwork Orange (GB/US 1971, Regie: Stanley Kubrick). Es ist so irre.
Offensichtlich hat man nicht gewusst, was man darstellen sollte. Ohnehin hatte der Sozialismus mit den zwischenmenschlichen Beziehungen immer ein Problem. In den 1950er-Jahren gab es noch die »zehn Gebote der sozialistischen Moral«. Doch diese kleinbürgerlichen »sozialistischen« Moralvorstellungen sind dann erodiert. Aber bis zur freien Liebe wie in den Anfangsjahren der Sowjetunion hat man sich nicht durchdringen können. In der SF war das allgemein etwas lockerer. Allerdings war die frühe DDR-SF so verklemmt wie die Autoren, die sie geschrieben haben. Sexuelle Beziehungen – eine Fehlstelle. Allenfalls hat man bei Kapitalist:innen oder kapitalistischen Außerirdischen so etwas wie »table dance« gesehen. Das war aber schon das höchste an Erotik, was zulässig war. Später sind Autor:innen wie die Brauns das ganze Thema lockerer angegangen, sie haben sogar einen umgekehrten Striptease (sich Stück um Stück ankleiden und verhüllen) erfunden, eine großartige Leistung! In der DDR-SF finden sich später auch Anklänge an homosexuelle Lebensgemeinschaften, bei Michael Szameit beispielsweise. In der DDR-Literatur ging es auch langsam in diese Richtung, die SF ist da wenigstens nicht zurückgeblieben, dank der dritten und vierten Generation der Autor:innen. Aber ich will darauf zurückkommen, dass es verdammt schwierig ist, völlig veränderte gesellschaftliche Verhältnisse darzustellen, die sich von den existierenden Mustern lösen. Das kenne ich auch aus der Zukunftsforschung. Deswegen ist es auch wichtig, dass man sich interkulturell umschaut: Was ist in menschlichen Gesellschaften überhaupt alles möglich? Das versucht die SF aufzunehmen und aufzugreifen. Wie gut es gelingt, ist die andere Frage, aber SF ist auch in dieser Beziehung ein Fenster nicht nur zu unserer Welt, sondern auch zu anderen Welten.
Sonja Fritzsche: Ich habe noch eine Frage und dann gehen wir zu den Fragen im Publikum über. Nach der Wende 1990 musste man sich das Leben neu ausdenken. Wie haben Sie die Wende erlebt? Wie ist es dazu gekommen, dass Sie sich nach über dreißig Jahren noch immer mit SF beschäftigen?
Hardy Kettlitz: Ich bin ja eine ganz andere Generation als zum Beispiel Karlheinz Steinmüller. Das heißt, zur Wendezeit war ich gerade Anfang zwanzig. Ich habe diese Zeit insbesondere in Bezug auf die SF als eine große Chance gesehen. Während die Autor:innen nach der Wende Probleme hatten, ihre Bücher zu verkaufen, weil plötzlich der Markt ganz anders aussah, bestand für uns die Möglichkeit, den Markt zu nutzen, um Dinge zu machen. Wie das eben erwähnte Magazin Alien Contact herauszubringen oder eben auch Bücher und Fanzines zu produzieren und so weiter. Das war für uns eine großartige Sache. Ich habe im Laufe der Jahre im SF-Club viele Autor:innen kennengelernt und gesehen, vor welchen Probleme diese auf einmal standen. Aber für die jüngere Generation war das eine tolle Chance.
Als kleine Anmerkung am Rande: Bereits vor der Wende hatten wir sehr viele Kontakte zum westdeutschen Fandom. Und natürlich haben wir alle auch unsere Lieblingsautoren wie Philip K. Dick, Robert Silverberg oder Jack Vance gelesen. Parallel haben wir verfolgt, was in der DDR erscheint und welche Autor:innen toll und welche langweilig oder doof sind. Aber im Grunde genommen war das eine echte Übergangszeit für uns als Leser:innen, Fanzine- und Magazinmacher:innen, in der wir vor allem Möglichkeiten gesehen haben.
Erik Simon: Einer der Gründe für die Beliebtheit der SF in der DDR war, dass dieses Genre immer auch die Möglichkeit zeigte – zumindest hoffentlich zeigte –, dass es ganz anders sein könnte. Was nicht heißt, dass es genauso sein müsste wie in der Bundesrepublik Deutschland. Das war eigentlich nicht geplant. Aber als es dann plötzlich kam, war es für die SF-Autor:innen halt erst mal eine Bestätigung: Oh doch, es kann wirklich alles ganz anders sein. Aber sie haben es nicht gesagt. Und es war natürlich ein Schock, dass viele materielle Grundlagen des Schreibens wegfielen. Die, die jetzt noch schreiben – die fünf Leute –, die schreiben halt nicht, um damit reich zu werden; sie versuchen es gar nicht erst. Isaac Asimov hat mal in einem Editorial seiner Zeitschrift über einen bekannten amerikanischen Autor – ich habe vergessen, über welchen – geschrieben: »Das ist ein sehr erfolgreicher Autor, ja, der würde aber auch weiterschreiben, wenn er seine Geschichten nur in irgendwelchen Fanzines gedruckt bekäme.« So ähnlich ist das bei uns.
Karlheinz Steinmüller: Und das ist auch keine schlechte Position, denn dadurch hat man wirklich die Freiheit, sich nicht nach dem Markt zu richten, sondern das zu schreiben, was einem unter den Nägeln brennt. Als wir im Herbst 89 mit auf die Straße gegangen sind, da hat Angela schon gewusst, dass wir nicht mehr weiter von der Schreiberei leben können würden. Bei mir hat das ein bisschen länger gedauert. Ich hatte das Glück, mich dann umorientieren zu können. Ich habe immer viele Vorträge gehalten und wurde schließlich in das neugegründete »Sekretariat für Zukunftsforschung« in Gelsenkirchen eingeladen. Ich habe die Chance ergriffen, denn ich habe mir gesagt »Für mich ist die Zukunftsforschung die Fortsetzung der SF mit anderen Mitteln, und jetzt zeige ich euch Wessis, wo es langgeht.« Das hat hervorragend funktioniert, weil man davon gut leben und nebenbei noch ein kleines bisschen SF schreiben konnte. Vorher, im Jahr 1990, erhielten wir eine Einladung, uns dem Perry-Rhodan-Team anzuschließen. Aber das hätte bedeutet, in existierenden Strukturen, einer existierenden Welt und nach Vorgaben von bestimmten Handlungsschemata zu arbeiten. Das wäre nicht die Freiheit gewesen, die wir immer in der SF gesehen haben. Insofern sind wir mit der jetzigen Situation, obwohl wir mit dem Schreiben praktisch kein Geld verdienen, sehr zufrieden, aber das muss man sich natürlich erst leisten können.
Hardy Kettlitz: Ich würde hier gerne gleich einhaken, weil ich glaube, dass es noch einen ganz wichtigen Punkt gibt, den wir noch nicht erwähnt haben. Ihr habt vorhin gesagt, dass es im Grunde genommen nur noch eine Handvoll Autor:innen gibt, die tatsächlich schreiben. Kurz nach der Wende sind kaum noch Bücher von DDR-Autor:innen erschienen. Und wenn, dann nur bei Kleinverlagen. Der ökonomische Grund dafür ist, dass DDR-Autor:innen vom Schreiben tatsächlich deutlich besser leben konnten als westdeutsche Autor:innen. Einfach deswegen, weil die Auflagen unvergleichlich viel höher und die Lebenshaltungskosten niedriger waren. Wenn ich es richtig verstanden habe, konnte man in der DDR durchaus ein Jahr lang von einem Roman leben.
Karlheinz Steinmüller: Angela und ich haben die Erfahrungen gemacht, dass wir durch unsere Bücher ungefähr so viel oder sogar ein bisschen besser verdienten als ein wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Akademie der Wissenschaften. Das war wirklich eine exzeptionelle Situation. Die Verlage haben zum Teil Hausautor:innen gehabt, mit denen sie dann gern weitergearbeitet haben und die fast regelmäßig Nachauflagen erhielten. Es war eine sehr spezielle Situation. Wir waren, ganz blöd ausgedrückt, in dieser Beziehung Sozialismusgewinner:innen.
Hardy Kettlitz: In der DDR gab es in der Tat sehr hohe Auflagen. Es sind zwar nicht so viele Titel erschienen, aber dafür sind die Taschenbücher mit 60 000 Exemplaren publiziert worden, oder ein Hardcover eben mal mit »nur« 20 000. Aber das war halt auch eine Menge. In der Bundesrepublik hatte die SF nie so hohe Auflagen, entsprechend haben die Honorare bei den Autor:innen auch nicht so lange gereicht. Durch die Änderung der ökonomischen Verhältnisse mit der Wende bestand für die DDR-Autor:innen keine andere Möglichkeit, als sich komplett an das kapitalistische System anzupassen.
Erik Simon: Ich habe das gar nicht erst versucht. Aber Andreas Melzer – etwa so alt wie Karsten Kruschel, einer der fünf Überlebenden – hat das nach der Wende versucht und hat beim Heyne Verlag einen richtig guten, westtauglichen SF-Roman herausgebracht, nach allen Regeln der Kunst gut und marktgängig. Er hat es dann aber doch aufgegeben, weil klar war, dass er pro Jahr zwei Bücher hätte schreiben müssen, und so viele hätte ihm der Verlag wiederum nicht gedruckt. Er ist dann aus der SF verschwunden wie viele andere auch. Ich habe ja nie Romane geschrieben, was im Westen natürlich ein Handicap war. In der DDR ging es den Autor:innen so gut, die brauchten nicht für den Markt zu schreiben, sie mussten auch nicht viel oder schnell und effizient schreiben. Man konnte sich an so einem Buch zwei bis drei Jahre verspielen, was für die Qualität der Bücher meistens gut war, aber für den Markt natürlich tödlich.
Evan Torner: Um die Wendezeit war ich acht Jahre alt, deshalb ist das für mich eine Geschichte des Fernsehens. 1989 habe ich über das ABC-Fernsehen und Peter Jennings erfahren, dass die Berliner Mauer fiel. Sie sagten, dass das gut sei und, weil ich acht war, sagte ich mal »ok«. Wir sind mit den Bedrohungen von Atomwaffen aufgewachsen und man sagte, jetzt gäbe es keinen Krieg mehr. Auf dem gleichen Kanal habe ich 1991 das Rodney-King-Video und 1993 dann die Anschläge in Rostock-Lichtenhagen und Hoyerswerda gesehen. Ich sagte mir, vielleicht gibt es doch noch ein Problem in Deutschland und einen Krieg im Nahen Osten. Heute habe ich Masterstudierende, die genau über diese Zeit schreiben, also 1989 bis 1993. Ich dachte nie, dass diese Zeit, die für mich persönlich sehr wichtig war, nun allgemein sehr wichtig werden würde. Dass viele Entscheidungen, die vielleicht unbewusst getroffen worden sind, Jahrzehnte später immer noch eine Wirkung haben. Meiner Meinung nach wissen wir nie, wie wichtig unsere jeweilige Zeit ist.
Elisabeth Schaber: Ich kann nur für die Bilder ein bisschen nachzeichnen, was davon geblieben ist. Ich habe immer wieder erlebt, wie Archivar:innen gestrahlt haben, wenn ich in ein Archiv gekommen bin und gesagt habe, dass ich zur Raumfahrt in der DDR forsche. Viele haben sich gefreut: »Das sind unsere Kindheitserinnerungen an Juri Gagarin und Valentina Tereshkova!«. Das war bei den Menschen noch sehr präsent und auf einer persönlichen Ebene auch immer sehr positiv konnotiert. Viele Kunstwerke zum Thema sind leider verschwunden, auch aus dem öffentlichen Raum. In Cottbus gab es zum Beispiel die sogenannte »Milchbar Kosmos«. Die hatte einen sternförmigen Grundriss und im Inneren war ein Wandbild zum Thema Kosmos. Das Gebäude ist 2007 abgerissen worden. Ein anderes Beispiel ist das Rechenzentrum in Potsdam. Die Mosaike an der Außenfassade stehen unter Denkmalschutz, aber das Gebäude nicht. Es gibt eine große und seit langem andauernde Debatte, ob es abgerissen werden soll. Hier wird deutlich, dass die Wertschätzung dafür derzeit nicht existiert. Auch zeitlose Gemälde, von Wolfgang Mattheuer zum Beispiel, sind noch erhalten. Daher glaube ich, dass die Erinnerung an das »Space Age der DDR« schon noch vorhanden ist, aber eher auf eine stille, subtile Weise – und auf der persönlichen Ebene, in der Erinnerung der Menschen. Momentan sehe ich aber keine große öffentliche Wertschätzung.
Sonja Fritzsche: Vielen Dank. Wir haben nun Zeit für Fragen aus dem Publikum.
Erste Frage aus dem Publikum: Sie haben gerade gesagt, dass es Überlebende der DDR-SF gibt. Das sind bis auf Angela Steinmüller alles Männer. Wir haben jetzt viel über Männer gehört, und auf den Bildern sind auch meist Männer zu sehen. Was mich interessiert: Gab es im Vergleich zum Westen Unterschiede darin, wie Frauen in der SF-Literatur der DDR dargestellt wurden? Gesellschaftlich gab es ja zweifellos Unterschiede.
Karlheinz Steinmüller: Man kann rein statistisch antworten, dass die Autorinnen in der DDR-SF bis zum Ende in der Minderheit waren. Die wenigen, die aktiv waren, haben meistens im Ehepaar geschrieben. Wobei Angela nur deshalb nicht hier auf dem Podium sitzt, weil sie aus Altersgründen lieber mich vorschickt. In der DDR-SF selbst, in den Romanen, hat sich die Rolle der Frauen im Verlauf der Zeit beträchtlich gewandelt. Zuerst gab es tatsächlich noch so eine Art Heimchen am Herd. Dann gab es Wissenschaftlerinnen, die zwar eine gute Stelle in der Forschung hatten, aber doch bisweilen vor dem Problem »heiraten, nicht heiraten« standen. Im utopischen Betriebsroman der 1950er- und frühen 1960er-Jahre gab es zudem die imperialistische Spionin, also die typische Femme fatale. Oder nehmen wir Raumschiffbesatzungen. Die Frauen sind die Ärztin an Bord, die Biologin oder verantwortlich für Kommunikation, ein bisschen wie auf der Enterprise. Das sind Parallelentwicklungen. Gene Roddenberry hätte sehr gut in der DDR mitmachen können. Das ist ein gutes Beispiel.
Nach und nach hat sich das Bild natürlich verändert. In den 1970er- und 1980er-Jahren treten zunehmend wirklich freie, starke, selbstständige Frauen auf. Wenn man das in den Büchern untersucht, ergibt sich eine Art Emanzipationsgeschichte, die auch der veränderten sozialen Realität entspricht. Mitunter kann man das an Petitessen ablesen. Noch 1970 erschien ein Roman, in dem die Männer an Bord des Raumschiffs mit Nachnamen benannt sind, die Frauen dagegen mit Vornamen. Eine völlig verrückte Sache, aus der aber eine herablassende Haltung spricht. Das findet man später nicht mehr. Auch das Bild der Kosmonautin wandelt sich. Eine andere interessante Entwicklung ist in der DDR-Fantasy zu beobachten. Sie wurde vorwiegend von Frauen geschrieben, denn wenn Männer etwas eher Fantasyhaftes geschrieben haben, wurde das als SF klassifiziert. Die Bücher von Irmtraud Morgner oder Waldtraut Lewin wurden beispielsweise als Fantasy betrachtet. Doch Fantasy klingt zu sehr nach Tolkien. Das war nicht Tolkien. Das waren Romane mit fantastischen Elementen und mit völlig anderen Perspektiven. Diese Richtung gab es eben auch. Es gab hier geschlechtertypische Unterschiede, aber diese hatten mitunter auch etwas Positives.
Hardy Kettlitz: Jetzt muss ich gleich mal die Gelegenheit ergreifen, schamlos Werbung zu machen. Am 16. Oktober 2023 wird das neue Buch von Angela und Karlheinz Steinmüller veröffentlicht. Das heißt Vorgriff auf das Lichte Morgen. Darin gibt es einen relativ langen Abschnitt, der sich mit dem Thema der Rolle der Frauen in den SF-Romanen der DDR beschäftigt. Es gibt momentan offenbar ein größeres Interesse an DDR-Literatur, auch an der SF. Es gab eine große Ausstellung Leseband DDR. Man hat bei dieser Ausstellung nicht mit Einzelexponaten gearbeitet, sondern mit großformatigen Plakaten, auf denen das Leseland DDR dokumentiert wurde. Dazu gibt es eine Zusatzausstellung, die sich mit der SF der DDR beschäftigte. Das wurde sehr gut rezipiert. Bibliotheken und öffentliche Einrichtungen aus über fünfzig Ländern haben diese Plakate bisher bestellt. Wie gesagt, es gibt gerade ein sehr großes Interesse an der DDR-SF. Und im Frühjahr ist bei uns Vision und Verfall. Deutsche Science-Fiction in der DDR von Hans Frey herausgekommen. Dieses Buch beschäftigt sich auf andere Art und Weise mit der DDR-SF als die Steinmüllers.
Erik Simon: Die Rolle der Frauen in der SF wird immer wieder kritisiert. Der Vorwurf lautet, dass Frauen schlecht wegkommen und als unwichtig dargestellt werden. Aber SF ist im Grunde Gegenwartsliteratur. Sie zeigt nicht wie im sozialistischen Realismus das, was eigentlich sein sollte, sondern entwirft immer ein Bild der tatsächlichen Gesellschaft. In den USA ist es genauso. Und wenn die Frau in der Gesellschaft eine unterdrückte Rolle spielt, dann tut sie es immer auch in der SF. Das lässt sich nicht vermeiden, und wenn jemand mal besonders originell sein will, dann macht er es anders – nicht, weil er etwas für die Frauen tun will, sondern weil er eben originell sein will. 1977 ist ein Buch von Reinhard Heinrich und mir erschienen, und gleich auf Seite eins oder zwei, in zwei Sätzen, wird über die Eltern des Haupthelden berichtet – welcher ein Zeitreisender ist, das spielt aber keine Rolle. Die Eltern sind immer mit dem Raumschiff zwischen dem Sirius und dem Pluto hin- und hergegondelt. Die wichtigste Person an Bord war natürlich der Mann, denn die Frau war bloß Raumschiffkommandantin, aber er war der Schiffskoch. Das funktioniert dann natürlich nur als Umkehr von dem, was man eigentlich erwartete.
Zweite Frage aus dem Publikum: Einige haben bereits darüber gesprochen, was Ihr Interesse an SF geweckt hat. Ich frage nun die jüngere Generation auf der Bühne, welche Werke euch beeinflusst haben? Was ist geblieben, wie ist der Einfluss der SF heute? Vielleicht könnten Sie als jüngere Generation noch zwei oder drei Beispiele geben, was bei Ihnen an DDR-SF angekommen ist, die auf Sie bis heute weiterwirkt.
Evan Torner: Ist die Frage für mich? Ich bin vierzig, aber anscheinend immer noch jung. Ich kann die Frage nur schwer beantworten, aber ich denke, es ist die Hoffnung. Es gibt hartknäckige, technische Probleme. Alles wird klar geschrieben. Wenn man diese Illusionen anschaut, was ist dann unsere Zukunft? Corporate Dystopia und Parasiten und man denkt an Effi Briest und den »Angstapparat aus Kalkül.« Man erfindet fiktive Angstapparate, um die Bevölkerung zu kontrollieren. In der DDR gab es noch Hoffnung auf eine Zukunft, in der Probleme gelöst werden konnte. Das ist bis heute mein Gefühl, wenn ich mir die Filme anschaue.
Elisabeth Schaber: Was für mich in der Beschäftigung mit den Bildmotiven und -narrativen zurückgeblieben ist, sind die Komplexität und Vielfalt und die spannenden Untertöne, die es gab. Jede Künstlerin, jeder Künstler hatte ganz unterschiedliche Perspektiven auf dieses Thema. Das fand ich am spannendsten. Außerdem der Aushandlungsprozess zwischen Science Fiction und Science Fact.
Sonja Fritzsche: Ich denke, das ist ein schönes Abschluss-Statement. Ich bedanke mich sehr bei allen Teilnehmenden.
Abschrift: Nolan Rachocki, Sonja Fritzsche und Jared Maul.
Notes
- Die Zeitschrift für Fantastikforschung verwendet geschlechtergerechte Sprache als Standard. In der DDR gab es unter den veröffentlichten DDR-SF-Autor:innen sehr wenig Frauen (z.B. Johanna Braun, Angela Steinmüller, und Christa Wolf. [^]
Gesprächsteilnehmer:innen
Sonja Fritzsche ist Professorin für German Studies und Senior Associate Dean an der Michigan State Universität in den USA. Sie ist Autorin von Science Fiction Literature in East Germany (2006) und gemeinsam mit Anindita Banerjee Mitherausgeberin von Science Fiction Circuits of the South and East (2018) sowie weiteren Publikationen zu osteuropäischen SF-Filmen und -Literatur.
Hardy Kettlitz ist Journalist, Sachbuchautor und Verleger des einflussreichen Memoranda Verlag in Berlin. Er ist Mitbegründer des Berlin SF-Fanclubs Andymon, Chefredakteur des SF-Magazin Alien Contact, für den er 2002 den Kurd Lasswitz Preis erheilt. Seit 2019 ist er Mitherausgeber des Science Fiction Jahr (Hirnkost Verlag).
Elisabeth Schaber ist Kunsthistorikerin und Autorin von Das rote Weltall. Bildnarrative der Raumfahrt in der visuellen Kultur in der DDR (2021). Sie arbeitet in den Niederlanden.
Erik Simon ist SF-Autor, Übersetzer und Herausgeber. Er hat zahlreiche SF-Bücher ins Deutsche übersetzt, unter anderem Werke von Boris und Arkadi Strugatzki. Er arbeitete als Lektor beim Verlag Das Neue Berlin in der DDR, wo er unter anderem die Serie Lichtjahr. Ein Phantastik-Almanach herausgab. Simon hat insbesondere nach der Wende zahlreiche SF-Kurzgeschichten veröffentlicht.
Karlheinz Steinmüller ist Zukunftsforscher und Autor. Gemeinsam mit seiner Frau Angela Steinmüller hat er zuerst in der DDR und später der BRD zahlreiche Romane und Sachbücher veröffentlicht, unter anderen: Andymon (1982), Der Traummeister (1990) und Vorgriff auf das Lichte Morgen (1995).
Evan Torner ist Associate Professor für German and Media Studies und Direktor des Game Lab an der University of Cincinnati. Er arbeitet derzeit an einem Buch zum deutschen SF-Film. Torner ist Mitbegründer und Verleger der Zeitschrift Analog Games Studies und hat mehrere Artikel zum Thema SF, transnationale Genrefilme und Game Studies veröffentlicht.
Susanne Illmer ist Leiterin der Abteilung Wissenschaft/Veranstaltungen am Deutschen Hygiene-Museum.
Konkurrierende Interessen
Sonja Fritzsche ist Mitglied des Advisory Boards der Zeitschrift für Fantastikforschung. Die übrigenAutor:innen haben keine konkurrierenden Interessen zu erklären.
Filmografie
2001: A Space Odyssey. Regie: Stanley Kubrick. GB/US 1968.
Captain Future. Regie: Tomoharu Katsumata. JP 1978–1979.
A Clockwork Orange. Regie: Stanley Kubrick. GB/US 1971.
Eolomea. Regie: Herrmann Zschoche. DDR 1972.
Im Staub der Sterne. Regie: Gottfried Kolditz. DDR 1976.
Die Legende von Paul und Paula. Regie: Heiner Carow. DDR 1973.
Liebe 2002. Regie: Joachim Hellwig. DDR 1972.
Die Mörder sind unter Uns. Regie: Wolfgang Staudte. DE 1946.
Der schweigende Stern. Regie: Kurt Maetzig. DDR 1960.
Signale – Ein Weltraumabenteuer. Regie: Gottfried Kolditz. DDR 1970.
Spur der Steine. Regie: Frank Beyer. DDR 1966.
Star Trek. Idee: Gene Roddenberry. US 1966–1969.
Vynález zkázy (Die Erfindung des Verderbens). Regie: Karel Zeman. CSSR 1958.
Zitierte Werke
Böhm, Karl und Rolf Dörge. Auf dem Weg zu fernen Welten. Ein Buch von der Weltraumfahrt. Verlag Neues Leben, 1958.
Fisher, Mark. Capitalist Realism. Is There No Alternative? Zero 2009.
Frey, Hans. Vision und Verfall. Deutsche Science Fiction in der DDR. Von der sowjetischen Besatzungszone bis zum Ende der Deutschen Demokratischen Republik, 1945–1990. Memoranda, 2023.
Fricke, Hans Werner [als H. L. Fahlberg]. Erde ohne Nacht. Technischer Zukunftsroman. Das neue Berlin, 1958.
Neumann, Hans-Peter. Die grosse illustrierte Bibliographie der Science Fiction in der DDR. Shayol, 2002.
Regen, W. »Abenteuer mit Eolomea.« Bauernecho, 26. September 1972.
Schaber, Elisabeth. Das rote Weltall. Bildnarrative der Raumfahrt in der visuellen Kultur in der DDR. Böhlau, 2021.
Steinmüller, Angela und Karlheinz Steinmüller. Andymon. Eine Weltraum-Utopie. Memoranda, 2018.
Steinmüller, Angela und Karlheinz Steinmüller. Computerdämmerung. Phantastische Erzählungen. Memoranda, 2023.
Steinmüller, Angela und Karlheinz Steinmüller. Vorgriff auf das Lichte Morgen. Essays zur DDR-Science-Fiction. Memoranda, 2023.
Von Braun, Wernher. Die Eroberung des Mondes. S. Fischer, 1954.


